Ingolf Brökel: also

Mashup von Juliane Duda zu dem Buch von Ingolf Brökel: also

Brökel/Ertel-also

LEHRE

wenn von öffentlicher hand
das wissen geteilt wird
nach himmelsrichtungen
werden die lehrstühle verschoben
in eine richtung

wo die sonne untergeht
und ein stern alles beleuchtet
unter aufsicht und rat der götter
kommt leere auf
einmal zu stuhle

und eines schönen morgens
stehen die lehrstühle bereit
gespalten und gebrochen
als brennholz
zu öffentlichen erhaltung
der morgenröte.

 

 

 

Über die Marginalität der Gattung Lyrik

im öffentlichen Bewusstsein

haben Enzensberger, Brodsky, Heaney und andere ganze Vorlesungen gehalten und Essays geschrieben. Brökel reichen ein paar treffende Zeilen „an das gedicht“ um das Dilemma auf den Punkt zu bringen.
Mit wörtlich genommenen Redewendungen, gegenständlich verwendeten Abstrakta („Lehrstuhl“), viel Ironie und Witz gehen die Verse satirewürdigen Verhältnissen an den Kragen. Die Verwendung zeittypischer umgangssprachlicher Floskeln und gezielt sparsam eingesetzte Endreime garantieren die mit etlichen satirischen Widerhaken versehene Geschmeidigkeit des Gedichts und seine Verständlichkeit und gute Lesbarkeit.
Brökels Geburtsort Sauo gibt es nicht mehr. Er liegt heute abgebaggert und begraben unter dem Lausitzring. Dass Brökel die Erinnerung an den Ort und seine Bewohner behutsam, aber ganz unsentimental wach hält, ist ein großes Plus seiner Lyrik. Sich auf andere Weise als die Geschichtsschreiber an Gewesenes zu erinnern ist seit je die Berufung von Dichtern von Rang.

Dorothea von Törne, Druckhaus Galrev, Ankündigung, 2009

 

Fakten und Vermutungen zum Autor

 

Ingolf Brökel (Text) & Erhard Ertel (Video/Musik)
Trailer zu Häschen in der Grube – Ein Stück Abend aufgeführt am 23. Oktober 2004.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.