Jean Arthur Rimbaud: Sämtliche Dichtungen des Jean Arthur Rimbaud

Mashup von Juliane Duda zu dem Buch von Jean Arthur Rimbaud: Sämtliche Dichtungen des Jean Arthur Rimbaud

Rimbaud-Sämtliche Dichtungen des Jean Arthur Rimbaud

DIE VOKALE

A: schwarz, E: weiß, I: rot, Ü: grün, O: blau –: Vokale,
ich bin schon eurer dunklen Herkunft auf der Spur.
A: schwarzer Panzerglanz der Fliegen, vom Azur
herab im Sturz zum Aas der Gräbermale.

E: helles Wüstenzelt aus Gletscherwellen
auf Edelweiß und Winterhermelin.
I: Blutsturz, Lippen röter als Karmin,
und letzter Aufschrei in den Mörderzellen.

Ü: grüne Wiese, Seetang auf den Meeren,
der Friede satter Herden und die Ruh
uralter Weisen aus den Morgenländern.

O: Orgelton bis zu den Wolkenrändern,
befreit von allen Erdenschweren.
Omega: blaues Kinderauge, du!

 

 

 

Zu dieser Ausgabe

Der Lyriker und Erzähler Paul Zech (1881–1946) ist in einer Zeit groß geworden, in der Name und Werk Jean Arthur Rimbauds über Frankreich hinaus noch nicht bekannt war. Als 21jähriger erlebte Zech die erste Begegnung mit Rimbauds Werk, das ihn, nach seinen eigenen Worten, so stark überwältigte, daß er sich entschloß, auf seine Ausbildung als Bergbauingenieur zu verzichten und sich der Literatur zuzuwenden. Solch eine existentielle Entscheidung erscheint ungewöhnlich, aber sie steht nicht allein, denn Rimbaud hat in jenen Jahren nicht nur mit seinen Gedichten, sondern vor allem auch durch seinen unbürgerlichen, geradezu anarchistischen Lebensentwurf starken Einfluß auf die junge künstlerische Elite Europas (denken wir nur an Gide und Cocteau) ausgeübt. Zech lebte damals in Charleroi in den Ardennen, in der Nähe der Stadt Charleville, wo Rimbaud 1854 geboren worden war und seine Kindheit verbracht hatte. Er arbeitete, um das Leben der einfachen Menschen kennenzulernen, als Kesselheizer in einem Eisenhüttenwerk. In einem Brief an René Schickele schrieb er später über diesen Lebensabschnitt:

In Charleroi gab es einen Mann, der einmal Mitschüler von Arthur Rimbaud war; zufällig kamen wir zur Bekanntschaft. Er gab mir einige Bändchen Prosa und Verse in die Hände und war auch sehr stolz auf seine damalige Bekanntschaft mit Rimbaud und darum vielleicht sehr viel mehr, als alle anderen Kleinbürger dieser Nester hier herum an der Persönlichkeit Rimbauds interessiert. Mit Fleiß hatte er alles gesammelt, was über Rimbaud in Zeitungen und Zeitschriften stand, eine Fundgrube von interessanten Nachrichten, Meinungen und persönlichen Auslassungen aus dem Kreis der damaligen Zeitgenossen Rimbauds.

Im Jahre 1910 erschien als Privatdruck Zechs erste Verdeutschung von Rimbaud, an der er seit 1903 gearbeitet hatte: es waren die „Illuminations“. Das „existentielle Erlebnis“ Rimbaud hat Zech zu einem der eifrigsten und leidenschaftlichsten Fürsprecher des genialen Franzosen gemacht, dessen Verse ihn zeit seines Lebens beschäftigten. Seine Übertragungen, die nach und nach erschienen, sein Drama über das Leben Rimbauds Das trunkene Schiff (unter Piscator 1926 uraufgeführt), und seine ganz und gar unkonventionelle, in expressionistischer Sprachmanier geschriebene Biographie wurden weithin beachtet und diskutiert.
Paul Zech war ein Dichter, und so konnte die Verdeutschung von Rimbaud auch nur auf eine dichterische Weise geschehen. So sind seine Übersetzungen im echten Sinne: Nachdichtungen; und Stefan Zweig war es, der 1928 geschrieben hat, daß „sie ebenso wie Georges Baudelaire-, Rilkes Valéry- und Reisigers Whitman-Adaptationen zu den großen repräsentativen Nachdichtungen unserer Generation“ gehören. Zech hat zu seiner Rimbaud-Ausgabe aus dem Jahre 1927 geschrieben:

Auf wortwörtliche Übereinstimmung mit dem Originaltext machen die Nachdichtungen keinen Anspruch. Sogenannte ,Übersetzungen‘ geben im besten Fall nur das Gerippe der Vorlage wieder. Mir kam es aber auf die Wiedergabe des dichterischen Gehaltes an, der musikalischen, rhythmischen und lautmalerischen Werte, der Dynamik des menschlichen Bekenntnisses und seiner Polarität… Diese Umsetzung erfordert natürlich alle Spannungen einer Neuschöpfung. Wie weit sich die Geschichte meines eigenen Ichs auf solchen Bahnen vorwärts treiben ließ und in welchem Maße sie sich am Ziel mit dem andern Ich identifizierte, das vermag nur der zu entscheiden, dem die Welt Rimbauds mehr bedeutet als eine literarische Angelegenheit.

Zech ist zu seinen Lebzeiten wegen mancher Freiheiten, die er sich bei den Nachdichtungen herausnahm, angegriffen worden. Heute haben wir ein distanziertes und damit objektiveres Verhältnis zu Rimbaud und seinen verschiedenen Übersetzern gewonnen. Und wir entdecken, daß seine Nachdichtungen (im Gegensatz zu vielen älteren, aber auch neueren Versuchen) nichts von ihrem Glanz verloren haben. Vielleicht liegt es daran, daß erst der deutsche Expressionismus, und Zech gehört zur Generation der expressionistischen Lyriker, mit seiner explosiven Kraft und Dynamik die adäquate Sprache für Rimbaud geschaffen hat. „Zech hat Rimbauds Gedichte noch ganz in der übertemperierten Hitze ihres Fiebers ins Deutsche herübergerissen“, rühmte Stefan Zweig. Damit ist Zech nicht nur dem Geist Rimbauds nahegekommen, er hat auch ein eindrucksvolles Sprachdokument des Expressionismus hinterlassen.
Bis in seine letzten Jahre hat Zech an den Nachdichtungen von Rimbaud gearbeitet, er hat immer wieder Neu- und Umformungen, Änderungen und Korrekturen vorgenommen. Eine neue Biographie, bisher noch unveröffentlicht, ist entstanden. Außerdem hat er einige, in den meisten Ausgaben nicht enthaltene Stücke, wie „Un cœur sous une soutane“, Gedichte aus dem Nachlaß, drei Schulaufsätze etc., neu übersetzt und eingefügt. Diese Fassung der letzten Hand, abgeschlossen laut einer Notiz des Dichters im Oktober 1944 in Buenos Aires, wird hier zum erstenmal aus dem Nachlaß veröffentlicht. Die Reihenfolge der Gedichte entspricht der etwas eigenwilligen Anordnung Zechs, die sich (vor allem in den letzten Arbeiten) nicht ganz mit der heutigen Rimbaud-Forschung deckt. Wir haben jedoch bewußt keine Änderung vorgenommen. Auch das nicht übersetzte Gedicht „Les Stupra“ (das Rimbaud zusammen mit Verlaine verfaßt haben soll) steht an der von Zech vorgeschlagenen Stelle. Von den Schulaufsätzen hat er – wie auch der Romanist Walther Küchler – nur drei übersetzt.
Von verschiedenen vorliegenden Fassungen der Gedichte haben wir jeweils immer die letzten aufgenommen. Die Daten der Entstehung sind, soweit sie sich feststellen ließen, am Ende der Verse abgedruckt. Die Interpunktion Zechs, manchmal recht eigenwillig, wurde im allgemeinen so belassen; nur dort, wo offensichtliche Unterlassungen oder Fehler vorlagen, wurde sie unserem heutigen Gebrauch angepaßt. Auch die Teilung der Zeilen in der lyrischen Prosa, die Zech vorgenommen hat, um den poetischen Charakter zu unterstreichen, haben wir unverändert übernommen.
Der Verlag dankt dem Sohn, Werkwalter und Erben von Paul Zech, Herrn Rudolf R. Zech, für die Unterstützung bei der Herausgabe der Rimbaud-Nachdichtungen; der Dank gilt auch dem inzwischen verstorbenen Kurt Erich Meurer, der das Druckmanuskript nach den Handschriften des Nachdichters (oft aus drei und vier verschiedenen Fassungen) ausgewählt und zusammengestellt hat.

H. B., Nachwort

 

Über dieses Buch:

Jean Arthur Rimbaud begann mit 14 Jahren seine ersten wilden Verse zu schreiben. Mit 19 Jahren verstummte er. In dieser kurzen Lebensspanne schuf er ein gewaltiges, alles Vorhergehende sprengendes lyrisches Werk, das nicht nur bei den Zeitgenossen tiefen Eindruck hinterließ; es hat den Ausdruckswillen des Symbolismus und des Surrealismus entscheidend beeinflußt.

Deutscher Taschenbuch Verlag, Klappentext, 1963

 

Arthur Rimbaud

Das Leben Arthur Rimbauds war ein Missverständnis, sagt Claudel in seinem Vorwort zur Gesamtausgabe der Werke Rimbauds. – Der Versuch der inneren Stimme zu entlaufen, die den Knaben wie eine geheimnisvolle Quelle überfiel, ihn durch Wildnisse und Wüsten trieb und die erst verstummte, als der Gejagte in Marseille an Tropengeschwüren starb.

Bei Tagesanbruch hat Gott mich fast unmerklich auf der höchsten Höhe meines Geistes ein kleines Licht erblicken lassen. Alles was von meiner Seele und von ihren Fähigkeiten übrig blieb, hat es nicht mehr zu geniessen vermocht. Es hat nicht länger gewährt als ein halbes Ave Maria.

Es ist ein von Abbé Brémond überlieferter Ausspruch Rimbauds.
Rimbaud erschien, ein Sechzehnjähriger, in Paris, als Frankreich während des Französisch-Deutschen Krieges nicht nur militärisch, sondern auch moralisch und kulturell darniederlag. Die künstlerische Jugend, Leute wie Zola oder in der Malerei Cézanne und Dégas und viele andere, vermochten sich nicht durchzusetzen und stiessen nur auf Ablehnung. „J’étais absolument écœuré par toute poésie éxistante“, schrieb Rimbaud und sagte von sich, er wäre plötzlich dagestanden wie Jeanne d’Arc; wenn auch nicht von Stimmen gerufen, so doch einer Anwandlung folgend: als hätte ein höherer Wille ihn gelenkt, um rein und klar auszusagen, was zu seiner Zeit in der Literatur akademisch und gewöhnlich geworden war. Ein Naturkind, unbelastet von der herkömmlichen Tradition, von Intuitionen überfallen, bricht aus der gewohnten Bahn, berührt das Wort mit einem Zauberstab und enthüllt dessen inneren Sinn. Unerkannte Tiefen steigen an die Oberfläche und offenbaren geheimnisvoll Verschlossenes, das sich bisher hinter vielen überflüssigen Worten verbarg.
Er zerstört die alten Regeln, ein Mystiker, der die Worte nicht sucht, dem sie zufliegen und der ihrer viele fortwirft, um sich nur jener zu bedienen, die durch ihre Kraft und Enthaltsamkeit wirksam sind.
Seine Poesie enthüllt sich in einer Prosa, die nicht nur in Frankreich eine Revolution der Sprache hervorrief. Es ist eine Prosa, die, ein Kunstwerk, in ihrem rhapsodischen Ton nur mit Nietzsches Zarathustra vergleichbar ist. Obwohl Rimbaud manchmal Ausdrücke gebraucht, die sich in keinem Diktionär finden. Wie zum Beispiel: ,pércaliser la peau‘ und viele andere. Er konnte mit Recht von sich sagen: J’écrivais les silences, les nuits, je notais l’inexprimable.
Umso überraschender ist es, dass ein Dichter wie Paul Zech, dessen Uebersetzung sämtlicher Werke Rimbauds jetzt als Nachdichtung im Deutschen Taschenbuch-Verlag erschienen ist, ihm so wenig gerecht wird. Zech verschönt, verflacht, dichtet hinzu, verpoetisiert die kühle Schärfe, verfälscht sogar den Sinn. Nicht nur im Gedicht, das schon seiner Technik wegen der Metrik, des Reimes, des Gesanges halber – unübersetzbar bleibt. Obwohl auch die Nachdichtung sich bemühen müsste, vor allem Sinn und Tonfall zu erhalten, die den Dichter charakterisieren, statt sie dem nebensächlichen Reim zu opfern.
In der Prosa erübrigt sich dieses Moment. Sie setzt, wenn ihr Gehalt und das Ueberwältigende der Sprache einigermassen erhalten bleiben soll, vor allem grösstes Verantwortungsgefühl dem Dichter dieser Urlaute gegenüber voraus und gestattet keine wie immer gearteten Umrüstungen oder Zusätze.
Dass gerade das, was diese Prosa so ergreifend und seltsam macht, nämlich ihre fast einfältige und grausame Einfachheit, von Paul Zech in ein Deutsch verwandelt wird, das oft, in das genaue Gegenteil ausartet und nicht nur eine Flut von Adjektiven, sondern ganze Sätze hinzufügt, ist bedauerlich. Umso bedauerlicher, als auf die grosse Bedeutung dieser Prosa: Form, die den Inhalt in den kleinsten Raum presst, so wenig Bedacht genommen wird. Im Gegenteil: sie wird in der Uebersetzung erweicht und ausgedehnt.
In: „Après le déluge“, wo es heisst: „Les castors bátirent. Les mazagrans fumèrent dans les Estaminets“. – Was so viel bedeutet wie: „Die Biber bauten. Die Mazagrane rauchten in den Kneipen“ – übersetzt Zech diesen Satz folgendermassen: „Die Biber trugen fleissig Astruten zum Bau. In den Estaminets dampften üppig die Magagrane“.
Oder den letzten Satz in der „Jahreszeit der Hölle“: „Ah, – j’en ai trop pris: – mais, cher Satan, je vous conjure, une prunelle moins irritée! et en attendant les quelques petites lachetés en retard, vous qui aimez dans l’écrivain l’absence des facultés descriptives et instructives, je vous détache les quelques feuillets de mon carnet de damné“ – der ohne Beschönigung lautet:

Ah, – ich habe mir zu viel herausgenommen: – aber, lieber Satan, ich beschwöre dich um ein weniger gereiztes Auge! und während des Wartens auf die kleinen, verspäteten Niederträchtigkeiten, löse ich dir, der du es liebst, dass Dichter nicht belehren, und nicht beschreiben, einige der abscheulichen Blätter aus dem Hefte des Verdammten.

Zech übersetzt bedeutend romantischer:

Aber jetzt, verehrter Herr der Hölle: – schauen Sie mich bitte so von oben herab an, so donnerwütig! – Diese kleine, niederträchtige Feigheit, nimmt sie ruhig hin. Für dich! Für wen sonst: reisse ich diese Blätter, diese scheussliche Selbstbespiegelung aus meinem Tagebuch. – Für dich, der du die Dichter liebst.

Es sind nur Proben, herausgegriffen, die sich wiederholen. Leider ist auch das von Zech gewählte Deutsch nicht sehr erwählt. Mir will scheinen, als hätte es nicht nur ein Dichter von der Bedeutung Rimbauds verdient, dass sorgfältiger mit ihm umgegangen würde, sondern auch der interessierte, des Französischen nicht kundige deutsche Leser.
In der „Alchimie des Wortes“ hat es der junge Rimbaud versucht, eine Art Verwandlung, eine geistige Verzauberung der Welt zu entfachen. So sagt er:

Das Wahre Sein verbirgt sich. Wir leben nicht. Es gilt nicht zu flüchten, es gilt zu finden: den Ort und die Formel. Den Urzustand.

In den „Delirien“ schreibt, er:

Hört! Dies ist die Geschichte einer meiner Besessenheiten. Seit langem brüstete ich mich, alle nur möglichen Landschaften zu besitzen und fand die Berühmtheiten der modernen Malerei und Dichtung lächerlich. Ich liebte nichtssagende Bilder, Friese über den Türen, Zierat, Gauklerputz, Firmenschilder, volkstümliche Buntheit, veraltete Literatur, Kirchenlatein, unorthografisch-erotische Bücher, die Romane unserer Grosseltern, Märchen und kleine Kinderbücher, alte Opern, alberne Refrains, naive Rhythmen.
Ich träumte von Kreuzzügen und Entdeckungsfahrten, über die es keine Berichte gibt, von niedergeschlagenen Religionskriegen, von einer Revolution der Sitten, von Verschiebungen der Rassen und Kontinente: ich glaubte an alle Verzauberungen.

Ich erfand die Farbe der Vokale: A schwarz, E weiss, I rot, O blau, U grün. – Ich regelte die Form und die Bewegung der Konsonanten und schmeichelte mir, mit instinktivem Rhythmus das dichterische Wort zu erfinden, das heute oder morgen allen Sinnen zugänglich wäre. Die Uebersetzung nahm ich aus. Zu Beginn war es eine Studie. Ich schrieb die Verschwiegenheiten und die Nächte, vermerkte das Unaussprechbare. Ich hielt den Taumel fest.

Was trank ich, im Heidekraute kniend,
fern von Vögeln, Hirtinnen und Herden,
umgeben vom zarten Holz der Haselstaude
an einem warmen, grünen Nebelmachmittag?

Was konnte ich aus diesem jungen Flusse,
dem stummen Ulmenhain, der blumenlosen Wiese,
was vom bedeckten. Himmel, aus gelbem Kürbis schöpfen,
fern vom geliebten Heim Etwas goldenen Göttertrunk.

Ich gab ein zweifelhaftes Herbergszeichen ab.
– Den Himmel, verjagte ein Gewitter. Am Abend
verlor das Waldgewässer sich im jungfräulichen Sand
und Gottes Wille warf eisige Graupeln auf die Sümpfe.
Weinend sah, ich das Gold, – und könnte nicht mehr trinken.

Loin des oiseaux, des trouveaux, des villageoises,
Que buvais-je, a genoux dans cette bruyère
Entourée de tendres bois de noisetiers,
Dans un brouillard d’après-midi tiède et verd?

Que pouvais-je boire dans cette jeune Oise,
– Ormeaux sans voix, gazon sans fleures, ciel couvert! –
Boire à ces gourdes iaunes, loin de ma case.
Chérie? Quelques liquer d’or qui fait suer.

Je faisais une louche enseigne d’auberge.
– Un orage vint chasser le ciel. Au soir
l’eau des bois se perdait sur les sables vierges,
Le vent de Dieu jetait des glacons aux mares:
Pleurant, je voyais de l’or – et ne pus boire. –

Die Vergreisung der Dichtung trug einen guten Teil zu meiner Wortalchimie bei. Sehr klar sah ich eine Moschee an Stelle einer Werkstatt, sah eine Trommlerschule von Engeln aufgebaut, eine Kalesche auf der Himmelstrasse, einen Salon im Grund des Sees, Fabelwesen und Geheimnis: – Der Titel eines Singspieles jagte mir Entsetzen ein.
So suchte ich meine zauberhaften Vorstellungen mit der Verzauberung des Wortes zu erklären.
Bald schien mir die Unordnung meines Geistes geheiligt. Ich war müssig, das Opfer schwerer Fieber: ich neidete den Tieren ihre Glückseligkeit, – beneidete die Raupen, die in der Vorhölle die Unschuld, die Maulwürfe, die den jungfräulichen Schlaf vertreten. Erbittert sagte ich der Welt in einer Art Romanze Lebewohl.

In der Tat hat Rimbaud mit neunzehn Jahren die Feder fortgeworfen und bis auf wenige Briefe keine Zeile mehr geschrieben. Sein Leben war ein einziges, fast schmerzhaftes Abenteuer: die Suche nach dem ewig unerfüllten Traum.

Nora Urban, Die Tat, 3.1.1964

 

 

RIMBAUD

Forttreiben
und Rauch sein.
Und kein Land
mehr haben,
keinen Namen, keine Angst
und kein Geheimnis.
Licht und Schatten
auf dem Grund.
Welcher Grund?
Welcher Schatten?

Lars Gustafsson

 

 

la deutsche vita + max goldt – le cœur volé

 

Fakten und Vermutungen zum Übersetzer + Archiv 1 + 2 + 3

 

Zum 50. Todestag des Autors:

a.: Arthur Rimbaud
Die Tat, 11.11.1941

Zum 100. Geburtstag des Autors:

Hansres Jacobi: Arthur Rimbaud – ein Leben der Revolte
Die Tat, 23.10.1954

Zum 150. Geburtstag des Autors:

Rüdiger Görner: Die Schwarzkunst der Worte
Die Furche, 14.10.2004

Fakten und Vermutungen zum AutorIMDb + Archiv
Porträtgalerie: Keystone-SDA

 

Arthur Rimbaud – Diashow mit Bildern aus seinem Leben, Zeitdokumenten von Charleville, Paris, London und viele von Rimbaud selbst gemachte Fotografien von Adens und Harrar. Dazu handschriftliche Manuskripte von Rimbaud, Zeichnungen von Delahaye und Freunden.
Von Joan Baez gelesene Gedichte wurden mit Musik unterlegt, im Bestreben, ein Bild von Rimbauds Leben, seinen Freunden und Plätzen zusammenzusetzen, das er wiedererkannt hätte.

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