Charlotte Stéphanie Ziemers Gedicht „Verrucht“

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CHARLOTTE STÉPHANIE ZIEMER

Verrucht

Verrucht
versucht
pervers, wie wär’s?
Obszön, wie schön!
Frivol, fühl ich mich wohl
Lasziv erotisch
wie exotisch
Moral?
Egal.

1995

aus: Charlotte Stéphanie Ziemer: Sinneslust. Gedichte. Triga Verlag, Gelnhausen 2006

 

Konnotation

Mit dem heiteren Reimspiel des Kinderverses lassen sich auch Themen und Sujets bearbeiten, die auf ein Terrain außerhalb einer kindgerechten Pädagogik führen. So versucht sich die Basler Dichterin Charlotte Stéphanie Ziemer (geb. 1977) anhand eines harmlos daherkommenden Abzählverses an den Möglichkeiten des Erotischen und Obszönen.
Wer die „Moral“ dieser erotischen Abzählreime dechiffrieren will, muss mit einer Fehlermeldung vorlieb nehmen: Denn das lyrische Ich, das sich hier ins sinnliche Sprachspiel einübt, interessiert sich nicht für „Moral“, sondern ausschließlich für die Verlockungen des Eros. Dieser Wunsch wird in dem im Juni 1995 entstandenen Gedicht eingekleidet in Verse, die ihr Verlangen nach einem Tabubruch hinter Betulichkeit verstecken. Die „Verruchtheit“ wird nicht an poetische Bilder der Drastik delegiert, sondern an Niedlichkeiten.

Michael Braun, Deutschlandfunk-Lyrikkalender 2010, Verlag Das Wunderhorn, 2009

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