SATZ MIT DRESDEN
„Ich sah den Todesschuss auf Ohnesorg,
sent from my wireless brain.“ Auch wenn
du glaubst, du schreibst mit deinem Blut,
du watest freiwillig durch die Kotze; auch
wenn du sinnierst… Als ginge es um Ver-
ständnis! Hier geht es um Verständigung.
Wer Hintern statt Arsch sagt, meint Stalin
statt Hitler.
Wenn die Dichte steigt, wird es eng. Der
Mythos hat die Schrift verortet in einem
Sack aus Kranichhaut, den die Musen,
an einen Stab gebunden, durch die
Lüfte tragen. „Meine Einbildungskraft
war inzwischen auf irdische Ausmaße
geschrumpft.“ Heute sieht jeder Saft-
laden aus wie eine Versorgungseinheit
der transgalaktischen Raumflotte. Waf-
fenstarre füllt die Kondolenzbücher. Die
in den Grauzonen geraubte Lebenszeit
verkommt auf unseren Ramschtischen.
Weltzerstörung ist kein Selbstläufer,
Selbstzerstörung nicht die Rettung der
Welt. Zugvögel rufen im versackenden
Licht, in deinen wachen Kinderohren
brummt noch der Trafo der Melkstation.
Nur manchmal, wenn der Ozean los-
bricht, dieser Riesenerinnerungsspeicher,
wenn du vor Traurigkeit nicht schlafen
kannst, dann ziehst du durch die Nacht,
ein Söldner der Poesie, der tief im Funk-
loch zum knisternden Groove von zeit-
losen Scheiben die Stille genießt; der
das Maul aufreißt für die Geister der
Begierde, für die Anziehung der Körper,
für das Unwort des Jahrhunderts: Gott! –
der ein Mythos ist, gepackt in einen Sack
aus Kranichhaut. Autopoiesis & Koopera-
tion bilden das Zentrum der Gravitation.
Über Berge kam ich, über Butterberge,
Schuttberge, Knochenberge…
Im Ascheregen las ich die Mahnung:
„Wer Steine sät, wird Waisen ernten.“
Ich sah die Blüte in der Herzregion.
Ich kam zur Hütte an der Grenzstation.
Im Lampenlicht bauten die Kinder eine
Startrampe für die Entsorgung der
Ignoranz.
Kai Pohl








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