Weiterhin eisige Kälte unter strahlend blauem Himmel, in der Früh hinterm Friedhof wieder das desolate Idyll mit den beiden schmalen Pferden – eins von ihnen steht reglos im eingezäunten Gelände, hält das linke Hinterbein leicht angehoben, so dass es den Boden nur noch mit der Hufspitze berührt, dabei fixiert es mit gesenktem Haupt das andere Pferd, das ebenso reglos auf der Erde liegt.
Ein liegendes Pferd − Inbegriff und Konkretisierung der Hilflosigkeit. Ich betrachte die eingefrorene Szene minutenlang, wende mich dann ab, setze meinen Gang fort, absolviere meine tägliche Wegschlaufe durch den Wald, komme nach einer knappen Stunde zum Pferdegehege zurück und bin mit der selben, jedenfalls der gleichen Szene konfrontiert – die beiden blassbraunen Schimmel verharren, unverrückt, in ihrer Stellung, noch immer stehend der eine, liegend der andere. Für mich hat dieser Augenschein etwas Mythisches, zutiefst Geheimnisvolles, ganz und gar Unfassbares, etwas wundersam Beruhigendes auch, weil allemal klar ist: Das hier ist, was es ist, und braucht darüber hinaus keine Erklärung. Die Szene stimmt.
aus Felix Philipp Ingold: Endnoten
Versprengte Lebens- und Lesespäne








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