PARAPHRASE AUF 1 GEDICHT
VON ERNST JANDL
(„in der küche ist es kalt
ist jetzt strenger winter halt
mütterchen steht nicht am herd
und mich fröstelt wie ein pferd“ EJ)
in der Küche stehn wir beide
rühren in dem leeren Topf
schauen aus dem Fenster beide
haben I Gedicht im Kopf
6.6.2000
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Friederike Mayröcker Requiem für Ernst Jandl
Requiem, lat. Liturgie: die Totenmesse, besonders am Begräbnistag als Kernstück der Exsequien, benannt nach dem Anfang ihres Introitus ,Requiem aeternam dona eis, Domine‘ (,Herr, gib ihnen die ewige Ruhe‘).
Ein halbes Jahrhundert gemeinsamen Lebens, und das hieß ganz selbstverständlich auch: gemeinsamer literarischer Arbeit, verband und verbindet Friederike Mayröcker und Ernst Jandl. Unmittelbar nach dem Tod des Gefährten im Frühsommer des Jahres 2000 hat Friederike Mayröcker den Schmerz des Verlustes in einer stillen und zugleich leidenschaftlichen Todesklage zu bewältigen versucht, die zu einem Gesang von berückender Intensität wird. In diesem Dokument von tapferster Zartheit ruft sie Erinnerungen an Erlebnisse der gemeinsamen Jahre auf, macht sich Offengebliebenes jäh bewußt, liest Jandls Texte neu. Vor einer plötzlichen und existentiellen Leere erschreckend, fragt sie nach Möglichkeiten und Weisen des Weiterlebens und -arbeitens und hört nicht auf, zu einem Gegenüber zu sprechen. „Der Verlust eines so nahen Menschen, eines HAND- und HERZGEFÄHRTEN ist etwas ganz und gar Erschütterndes, aber vielleicht ist es so, daß man weiter mit diesem HERZ- und LIEBESGEFÄHRTEN sprechen kann nämlich weiter Gespräche führen kann und vermutlich Antworten erwarten darf. Einer einstmals so stürmischen Aura, nicht wahr. Jetzt gestammelt gehimmelt, und weltweit.“
Suhrkamp Verlag, Klappentext, 2001
In der Küche ist es kalt
(…)
Dagegen kommt Jandls persönliche letzte Botschaft sehr diskret daher, als „widmungsgedicht“, gerichtet an die Gefährtin seines Lebens und Schreibens. In einfachen Zeilen hält er fest, daß er vom Tod des Vaters und vom Tod der Mutter geschrieben hat, und schließt – um die Trias zu vollenden:
du
schreibst dann
daß ich
tot bin
Friederike Mayröckers Requiem ist die Erfüllung dieses Wunsches oder Auftrages. Der erste dieser sechs Texte ist wenige Wochen nach Jandls Tod, im Juli 2000, geschrieben. Er ist ein Zeugnis von Trauer und Erschütterung, und berührt den Leser durch seine zarte Empirie. Die Autorin fixiert das Bild des Dichters auf Krankenlager, der die im Oberlichtfenster erscheinenden Flugzeuge zählt, und zeigt ihn auf dem Totenbett, „1 Zähnchen, in die Oberlippe eingebissen“.
Aber der Leser soll auch den lebenden Jandl im Gedächtnis behalten, und so lesen wir eine Szene aus dem Winter 88, aus der unbeheizbaren Nordküche von Jandls Wohnung. Beim Suchen nach Manuskripten zieht die Freundin und Kollegin diesen Vierzeiler hervor:
In der Küche ist es kalt
ist jetzt strenger winter halt
mütterchen steht nicht am herd
und mich fröstelt wie ein pferd
Im Juni 2000, drei Tage vor Jandls Tod, schreibt Mayröcker dazu diese Kontrafaktur:
in der Küche stehn wir beide
rühren in dem leeren Topf
schauen aus dem Fenster beide
haben 1 Gedicht im Kopf
Dieses eine Gedicht, und die lebenslange Suche danach, ist nicht das einzige, das Ernst Jandl und Friederike Mayröcker verband. Das sie immer noch verbindet.
Harald Hartung, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9.6.2001
Kantiger, liebvoller Rückblick
Friederike Mayröcker (geboren 1924) lebte über fünfzig Jahre mit Ernst Jandl zusammen. Sein Tod im Jahre 2000 hat, rund ein Jahr später, zum Requiem geführt. Sechs unterschiedlich lange Texte „rinnen als schwarze Tränen“ in knappe fünfzig Seiten kantige Prosa mit eigener und eigenwilliger Diktion, lyrisch verdichtet und assoziativ dem Leben nach-denkend. Es sind Szenen einer Beinahe-Ehe: Friederike Mayröcker taucht bis zu den Oberarmen in lebendig gebliebene Tinten-Bilder. Das Heft kann durchaus als Vorstufe zum 2005 erschienenen Und ich schüttelte einen Liebling gesehen werden.
Andreas Gryphius, amazon.de, 29.10.2007
sprachgewaltig
Friederike Mayröcker veröffentlichte etwa ein Jahr nach dem Tod Ernst Jandls, den Band mit dem Titel Requiem für Ernst Jandl, dem sie zwei Gedichte, eines von ihr und eines von ihm, voranstellt, was dem Werk eine sehr persönliche Note verleiht. Es ist schwierig ein Werk Mayröckers in Worte zu fassen; es besticht durch seine Vielfalt von Formen und Methoden, die sich immer wieder selbst in Frage stellen; Formen, die sich selbst misstrauen, aber gerade daraus immer neue poetische Energien gewinnen. Mayröckers Prosa verzichtet auf das Narrative als Klammer, d.h. es kann nicht wirklich eine Inhaltsangabe gegeben werden. Im Requiem für Ernst Jandl zeigt sich Mayröcker von geradezu stupender Klarheit; und sie charakterisiert die Besonderheit des Schreibens: Das Schreiben als ein Werk der Einsamkeit, aus der es kein Entrinnen gibt. Als Resümee könnte man feststellen, dass der Tod nicht sprachlos macht, sondern im Gegenteil sprachmächtig.
Jane, amazon.de, 11.6.2006
Friederike Mayröcker: Requiem für Ernst Jandl
Sie war Gefährtin, Muse, Gesprächspartnerin, immer präsente Adressatin, Kritikerin, Frau, Geliebte und Verbündete durch all die Jahre. Friederike Mayröcker, nun allein, schreibt noch einmal über Ernst Jandl, jetzt „gestammelt, gehimmelt und weltweit“. Ein Dialog, wie er die beiden Schriftsteller über ein halbes Jahrhundert gemeinsamen Lebens verband, ein verschwiegendes Gespräch, ein sinnfälliger Grund, der alles fundierte und in zarten Korrespondenzen und (fast) diskreten Widmungen zum Ausdruck kam. Nun also die Fortsetzung des Gesprächs mit dem HAND- und HERZGEFÄHRTEN; Hoffnung, Appell und eine neue Wirklichkeit, die nach Wegen des Weiterlebens und -schreibens sucht.
In dem von Mayröcker so meisterlich beherrschten Parlando werden wir mitgerissen in ein Liebesgeflüster, in eine Klage und einen Ruf, der bei aller Trostlosigkeit durch seine dunkel-glänzende Schönheit zugleich intim und kostbar erscheint. Die zeitlebens so kunstvoll gelegten Spuren der Erinnerungen, die wie Palimpseste sich übereinanderlegen und ein Leben umkreisen, zeigen sich nun als vollendet; jedoch: noch lange nicht zuende. Unsterblich wird er sein, dieser Roman, diese Totenklage.
Was solch faszinierende Dichtung spricht und verschweigt, wo sie in geheime Labyrinthe Einblick gewährt und verschattete Vergangenheiten zu Glücksmomenten erhellt, das ist in diesem Requiem so nah und zugleich kunstvoll-distanzierend aufgehoben, so schmerzlich-schön, so wortgewaltig und verschwiegen, daß wohl nur ER gegeben haben mag zu sagen, was man leidet.
Und weil es solch vollkommene Sprach-Kunst ist, die vor dem Verstummen rettet und den Schmerz erträglich macht, verbietet es sich einmal mehr, dieses Widmungsgedicht zu unterbrechen und aufzusplittern, um biographische Brocken daraus zu exhumieren. Wenn Mayröckers Klage selbst entsprechende Spuren legt, dann nur, indem sie zeigt, wie das eigene zu etwas anderem geworden ist. Biographie findet, wenn überhaupt, also quasi als Anhang in den kleineren, älteren beigegebenen Texten statt. Zum Beispiel in Mayröckers Lesart von Ernst Jandls „in der küche ist es kalt“ oder dem berühmten „ottos mops“. Doch – auch hier hören wir vor allem dieses musikalische Sostenuto, melancholisch, triste, formvollendet, unvergänglich.
Friedricke Mayröckers Requiem für Ernst Jandl ist Totenlob und Trauermusik, Epitaph und Eloge zugleich. Und so ist diese verzweifelte und souveräne Reaktion auf das Hinscheiden des Gefährten ihres Lebens und Schreibens (Nein, „ich will nicht mehr weiden“ – diesmal „ist er zu weit gegangen“) auch eine große Huldigung an die Dichtung, die größere Hoffnung. Für ihn, Ernst Jandl, für Sie, Friederike Mayröcker und für beide gemeinsam.
Iris Denneler, literaturhaus.at, 30.5.2001
Weitere Beiträge zu diesem Buch:
Rolf-Bernhard Essig: Es ist so 1 Unglück
literaturkritik.de, Juni 2001
Andreas Kohm: Die Welt in Sprache verwandeln
Mannheimer Morgen, 11. 8. 2003
Mayröckers 90er im Akademietheater gefeiert
Salzburger Nachrichten, 21.12.2014
Barbara Petsch: Akademietheater: Zu viel Musik für Mayröcker
diepresse.com, 21.12.2014
Hans Haider: Höflicher Jazz zum großen Wort
Wiener Zeitung, 21.12.2014
Martin Lhotzky: Ein Zerbrecher und Verstörer ist der Tod
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22. 12. 2014
Christine Dössel: „Intimes Sprechen, lässiger Sound
Süddeutsche Zeitung, 3. 8. 2016
Barbara Petsch: Zaubrisches Sprechen über Unaussprechliches
Die Presse, Wien, 3. 8. 2016
Michael Wurmitzer: In Grado oder Meran oder unter dem weißen Totenlinnen
Der Standard, Wien, 3. 8. 2016
Es geht nicht ohne den anderen
− Friederike Mayröcker und Ernst Jandl. –
Da ist kein Platz für ihn. Nicht an diesem Ort, ihrer Wohnung. Überall liegen Zettel, kleben selbst an den Wänden, Tausende von Gedanken auf Papier gekritzelt. Man sieht es kaum mehr, das Klavier, auch nicht die Kommode, Stühle und den Schreibtisch. Alles scheint zu versinken unter der Papierflut. Nur die Schreibmaschine, eine kleine Hermes-Baby ist noch nicht bedeckt. Die Wohnung ist, wie Bewohnerin Friederike Mayröcker sagt, „meine Schwitzhütte, mein Närrinnenkasten“. Ernst Jandl, der Schriftsteller, der Geliebte, der Seelenverwandte, wird hier nicht wohnen können. Ein Versuch Ende 1956 scheitert. „Man muss getrennt sein, eine halbe Stunde zu Fuß, beziehungsweise fünf Minuten mit dem Taxi“, schreibt Ernst Jandl. Das Alleinsein, es ist die unbedingte Voraussetzung für kreatives Schaffen.
„Ich glaube, dass die erste Forderung einer Künstlerin die völlig unabhängige Lebensform sein muss“, sagt Friederike Mayröcker. Sie entscheidet sich gegen eine Familie, gegen Kinder. „Künstlerinnen brauchen die vollständige Isolation ohne dass sie für jemanden da zu sein haben.“ Die Urlaubstage, die Jandl und Mayröcker seit ihrem Kennenlernen 1954 gemeinsam verbringen, sind die wenigen Tage, in denen Mayröcker keine Zeilen zu Papier bringt.
Das Schreiben jenseits der Norm verbindet von Anfang an. Das Paar will nicht anknüpfen an bisher Dagewesenem, will in Prosa und Lyrik Grenzen überschreiten, Experimente wagen. Viele Texte entziehen sich einer Einordnung in Gattungskategorien. Wie etwa Mayröckers Nada. Nichts – ein Theaterstück und doch nicht bühnentauglich. Jandls Sprechgedichte – „schtzngrmm“ – lösen 1957 einen Literaturskandal aus. Beide werden boykottiert, in Österreich nicht gedruckt. Ihr literarisches Schaffen liegt in dieser Zeit fast völlig brach; sie gehen an Schulen, unterrichten Deutsch und Englisch.
„Der ungeliebte Beruf ist Verrat an meiner Begabung“, schreibt Friederike Mayröcker verzweifelt. Erst zehn Jahre später fassen die beiden Schriftsteller in Deutschland literarisch Fuß. Es geht nicht ohne den anderen. Der andere, das ist der Spiegel. Jandl und Mayröcker tauschen ihre Texte untereinander aus. Man diskutiert stundenlang. Ist dieses Wort richtig? Fügt sich jener Rhythmus ein? Jandl ist mit seiner Kritik sehr direkt. Mayröcker jedoch muss behutsam vorgehen, riskiert sonst seinen Jähzorn oder ihn in tiefe Depressionen zu stürzen. Die Angst, nichts aufs Papier zu bringen, quält Jandl ohnehin. Während sie täglich von vier Uhr morgens bis mittags schreibt, leidet er häufig unter Schreibblockaden: „Da werfe ich schon mal den Füllfederhalter aufs glotzende Weiß, dass dort wenigstens ein Fleck sei.“
Sie ermutigt ihn, drängelt sich niemals vor, sagt: „Ich habe mit meinen Partnern immer das Gefühl gehabt, ich möchte im Hintergrund stehen, ich mache es gerne.“ Ohne Neid erkennt Jandl an: „Friederike schreibt größere Literatur.“ In seinem 1980 verfassten Theaterstück Aus der Fremde heißt es über „eine gleichaltrige Kollegin, seine langjährige Freundin“, sie sei „als Künstlerin weit über ihn hinausgekommen“.
Hand- und Herzgefährte
Und doch sind es seine Texte, humorvoll, leicht zugänglich, die beim breiten Publikum besser ankommen. In den 80er-Jahren, bei ihren gemeinsamen Lesungen in Frankreich und Italien, erkennen sie, dass sich ihre Werke, anfangs noch sehr ähnlich, auseinander entwickelt haben und unterschiedliches Publikum ansprechen. Mayröcker weigert sich fortan, mit Jandl aufzutreten, gequält von der steten Angst, vom Zuhörer nicht verstanden zu werden. Trotz aller Furcht oder gerade deswegen – die Zuflucht, das Schreiben, bleibt. Denn: „Ohne dieses Schreibenkönnen wären wir längst wahnsinnig geworden.“
Ihre Liebe? Ohne Literatur nicht vorstellbar. Noch über den Tod hinaus. Als Ernst Jandl im Juni 2000 stirbt, hört Mayröcker nicht auf, zu ihm zu sprechen, widmet ihm ihre Gedanken in dem Buch Requiem für Ernst Jandl:
Der Verlust eines so nahen Menschen, eines Hand- und Herzgefährten ist etwas ganz und gar Erschütterndes, aber vielleicht ist es so, dass man weiter mit diesem Herz- und Liebesgefährten sprechen und vermutlich Antworten erwarten darf.
Sylvie-Sophie Schindler, Der Münchner Merkur, 27.9.2005
Beiträge zu einer Theateraufführung von Friederike Mayröckers: Requiem für Ernst Jandl
Reinhard Kriechbaum: Worüber hat er mit mir geschwiegen
drehpunktkultur.at, 24.12.2014
Martin Lhotzky: Ein Zerbrecher und Verstörer ist der Tod
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.1.2015
Vom vom zum zum
– Mayröcker bei Jandl und umgekehrt. –
in einer Gegenbewegung gottähnlich nämlich als der liebe Mops
zur Tür kommt und anklopft
F. M. über E. J.s „ottos mops“
Und warum nicht gleich ,Kopulation im Auto‘?
E. J. über F. M.s („Winter-Nachtigall“)
1. Grammatik der Reduktion: Aus der Fremde
Ja, es ist die Wohnung Ernst Jandls in der Wiener Wohllebengasse, die in der einleitenden Szenenanweisung der Sprechoper Aus der Fremde in vielen erkennbaren Details beschrieben wird. Man kann eintreten und sich umsehen:
Großes, eher kahl wirkendes Zimmer in Miethaus, Bauweise um 1910, mit einem gewissen Bürocharakter. Wände einfarbig hellgrau. Nach oben offen; von oben große Kugellampe als Zentrallicht. An der Längswand links eine hohe zweiflügelige Tür A, wovon immer nur der linke Flügel geöffnet wird; sie führt durch einen Vorraum zur Eingangstür in die Wohnung, ebenso zu Klosett, Spülstein und Kühlschrank. In der rechten Wand, zentral, eine Tür B gleicher Größe; sie führt in einen Nebenraum, der – nicht sichtbar – Waschgelegenheit und Bettzeugablage enthält. In der rechten Zimmerecke ein Ölkamin, von diesem ausgehend nach oben dunkle Verfärbung der Wand. Zwischen Tür A und Kamin eine Couch, davor ein niedriges Tischchen, zu beiden Seiten desselben zwei einfache, wenig behaglich wirkende Armstühle. […]
An der linken Wand ein nicht zu hohes Regal mit Büchern, Ordnern, eventuell auch mit einzelnen Gläsern und Flaschen. […] An der rechten Wand, von Tür B bis gegen den Bühnenrand, ein Aktenschrank, ohne Türen, mit Ordnern, Mappen, einigen Nachschlagebüchern (Duden etc.), alles in einem Zustand von mäßiger Geordnetheit.
Vor dem Aktenschrank, Blickrichtung nach links, ein stilloser Warenhausschreibtisch mit schwenkbarer Lampe, Laden an beiden Seiten, übersät mit Büchern, Briefen, Mappen, Zetteln, Schreibzeug, Telefon, kleinem Batteriewecker, Aschenbecher, Zigarettenschachteln, Feuerzeug etc. […]
Auf Couch und Couchtischchen liegen Bücher, Einzelblätter etc. herum. Beim Fuß- und Kopfende der Couch je eine Leuchte (runde schwarze Bodenplatte, vertikaler Chromstab ca. 150 cm hoch, daran zwei mützenförmige schwenkbare Leuchtkörper).
An geeigneter Stelle, nicht aufdringlich, eine Vase mit frischen Blumen.
In der zum Zuschauerraum hin offenen (nicht vorhandenen) Wand ist seitlich vom Schreibtisch und vom Schreibmaschinentischchen je ein Fenster vorzustellen (nur für Szene 5 relevant).
Der Gesamteindruck ist nicht chaotisch, aber desolat.1
In dem Raum befindet sich „er“, ein „Schriftsteller, ca. 50 Jahre, ca. 170 cm groß, sehr kurzes, schütteres Haar, von blond zu grau, Gesicht faltig, Brille, Statur nicht füllig, leicht gebeugt, Kleidung salopp, Sportsakko, dunkler Pullover, graue, ungebügelte Hose; er raucht – als einzige der drei Personen – und zwar unablässig. Gesamteindruck: gedrückt, doch fähig zu plötzlichem Stimmungsumschwung.“2 Auch hier besteht kein Zweifel, um wen es sich handelt: Ernst Jandl selbst.
Auch die als „sie“ bezeichnete Figur des Stückes, eine „Schriftstellerin, ca. 50 Jahre, doch unverbraucht, in einer Weise alterslos, ca. 173 cm groß“, die in dieser Wohnung am frühen Abend ein und am späten wieder aus geht, hat eine Entsprechung im wirklichen Leben, an der sich nicht viel deuteln läßt: Es ist Friederike Mayröcker, die langjährige Lebensgefährtin Jandls, mit der er sich seit Mitte der 1950er Jahre beinahe täglich getroffen, aber – von einem rasch gescheiterten, frühen Versuch abgesehen – niemals eine Wohnung geteilt hat.
Geboten wird eine Momentaufnahme des Paares aus den späten 1970er Jahren, also zu jenem Zeitpunkt, da Aus der Fremde aus einer Schreibkrise heraus und damit gegen, gleichzeitig aber auch mit einer Depression des Autors entstanden ist. In einem erläuternden Text mit dem Titel Zur „Sprechoper“ AUS DER FREMDE, der sich im Nachlaß des Autors befindet, auf den 4.10.1979 datiert ist und im Zuge der Grazer Uraufführung des Stückes entstanden sein muß (aber erst Monate später im Programmheft der Berliner Aufführung der Schaubühne am Halleschen Ufer erstveröffentlicht wurde), spricht Jandl es unverblümt aus:
Aus der Fremde ist die Darstellung einer Depression, die einen etwa fünfzigjährigen Schriftsteller nahezu vollständig isoliert. Er klammert sich an eine gleichaltrige Kollegin, seine langjährige Freundin, und, weniger heftig, an einen um eine Generation jüngeren Freund. Sein Zustand spiegelt sich in einer Sprache, in der es kein Ich, kein Du und keine bestimmte Aussageweise gibt; an ihre Stelle sind ausschließlich die dritte Person und der Konjunktiv getreten. Die Rede ist eingespannt in Dreiergruppen von Zeilen, die Stimme bewegt sich an der Grenze eines Singens, das den Verlust der Vertrautheit der tragischen Hauptfigur mit sich selbst und der Welt nochmals deutlich markiert. Diese Merkmale zwanghafter Künstlichkeit insgesamt führten zur Bezeichnung „Sprechoper“.3
Die extreme Künstlichkeit der Sprechweise, die Jandl den Inszenierungen seines Stückes auch insofern vorgab, als er beim Theaterverlag eine Tonbandkassette hinterlegte, auf der er selbst als Sprecher den Duktus vorgibt, und die extreme Formalisierung der Sprache in Konjunktiv und jeweils dreizeiligen Redeeinheiten steht in einem markanten Kontrast zum profanen Inhalt des Stückes, den der darin vorkommende „schriftsteller“ einmal selbst als „alltagsdreck“ bezeichnet. In Interpretationen zu Aus der Fremde ist auf diesen scharfen Kontrast immer wieder hingewiesen worden. Hierbei ist es einerseits zu einer präzisen Beschreibung der eingeschränkten Modulationsmöglichkeiten der Rede4 und andererseits zu einer Darlegung der dramatischen Gesamtstruktur5 gekommen. Das von Jandl gewählte Verfahren läuft, so wie es der Autor in dem obigen Zitat beschreibt, in beiden Fällen – also sowohl auf der linguistischen als auch auf der makrostrukturellen Ebene – auf eine gewaltige Reduktion hinaus. Ähnlich wie der späte Beckett6 beraubt sich Jandl in den Formalisierungen, die er sich wie einen Zwang auferlegt, einer Vielzahl von Möglichkeiten, um ausgehend von den wenigen, die verbleiben, doch noch eine und sei es eine letzte Form möglichen Schreibens zu finden.
Daß die Reduktion, aus der heraus Aus der Fremde sich selbst setzt, nicht allein formale Implikationen hat, sondern von Beginn an auch inhaltliche Akzente trägt, wird in der Szenenanweisung deutlich, die die weibliche Hauptfigur des Stückes beschreibt. Was über „sie“ gesagt wird, legt die Erscheinung Friederike Mayröckers ikonenhaft fest:
mittellanges schwarzes Haar, das die Stirn fast bis an die Augenbrauen verdeckt, schwarzer Pullover, schwarze Cordsamthose, schwarze Sportstiefel (desert boots) mit flachen Absätzen. Gesicht schmal, faltenlos, blaß, Brille beim Lesen, Statur groß, schlank. Gesamteindruck: ruhig, eine große innere Kraft ausstrahlend.7
Wie aus dem Verlauf des Stückes klar wird, gehört diese Frau in ihrem genau getimten Kommen und Gehen dem immobilen Umfeld wie eine Art pünktlicher Mobilie an.
Die dritte Person des Stückes, jener „er2“, der in einer Szene auf Besuch kommt und, nachdem „sie“ gegangen ist, in der nächsten mit „ihm“ noch ein Gläschen trinkt, wird in Jandls Szenenanweisung ebenfalls recht exakt beschrieben. „er2“ stellt sich dar als ein „Intellektueller (beruflich undefiniert), ca. 30 Jahre, ca. 178 cm groß, volles dunkelblondes Haar, kürzerer Schnitt, volles junges Gesicht, Brille, Statur groß, mittelschlank. Gesamteindruck: besonnen, optimistisch, noch im Aufstieg.“8 Ohne Zweifel hat es auch für diese Figur ein reales Vorbild gegeben, indes zeigt allein schon die Inszenierungspraxis von Aus der Fremde, daß die Frage nach einer realen Entsprechung in diesem Fall eine untergeordnete Rolle gespielt hat. Das hat wesentlich mit der Funktion zu tun, die jenem „er2“ in dem Stück zukommt. Als ein in den Jandl-Mayröckerschen Raum gebetener Gast vertritt die Figur stets auch das Publikum, für das ja die umstandslose Eintrittsaufforderung, die an „er2“ ergeht, ebenso gilt:
er trete
einfach ein
um drin zu sein9
Ganz im Gegensatz zur freien Füllung von „er2“ hat man sich im Falle von „er“ und „sie“ in vielen Inszenierungen beinahe sklavisch darum bemüht, das Aussehen von Jandl und Mayröcker zu kopieren. Von dem Schauspieler Kurt Hradek beispielsweise, der den „schriftsteller“ in der Grazer Uraufführung verkörperte, findet sich im Nachlaß Jandls eine Postkarte mit einem Porträtfoto, das allein schon eine frappante Ähnlichkeit zeigt. In der Bildunterschrift ist eine zarte und etwas bange Nachfrage zu lesen: „er 1?“ Der Text der Postkarte, sie stammt vom 14.9.1979, lautet:
Lieber Herr Jandl!
Habe heute Ihr Paket: Siehe E. Jandl „a[us] d[er] Fremde“ 3. Szene S. 20 Vers 67 bekommen u[nd] gleich zu lesen begonnen. Kam eben vom „Kostümeinkauf“. Habe ein graues Fischgräten Sakko in der Art wie Sie es in Graz getragen haben, graue Flanellhose u[nd] ein schwarzes Hemd besorgt. Es ergeht mir genau so wie Ihnen. Danke nochmals für’s Buch
Ihr-Sie-oder auch Ich-seiender Kurt Hradek
In der Textstelle, auf die sich Hradek bezieht, ist vom Umgang mit der täglichen Post die Rede:
zugeklebtes und verschnürtes
sei als erstes
zu öffnen.10
Indem der Schauspieler dieses Tun auf sein eigenes Leben bezieht und dabei gleichzeitig ins Gewand des Autors („wie […] in Graz getragen“) schlüpft, scheinen die Grenzen zwischen Stück und Realität, Schauspieler und Rolle, Autor und Hauptfigur vollends verwischt. Nicht ein Jandl wird mit Aus der Fremde gespielt, sondern Ernst Jandl selbst – und Friederike Mayröcker gleich mit. Die Programmhefte mehrerer Inszenierungen zeigen, daß es sich in vielen Fällen genau so verhielt: Texte, Zeichnungen und Fotos von Jandl und Mayröcker wurden darin gleichermaßen aufgenommen und bisweilen ganze Alben des gemeinsamen Lebens zusammengestellt.
Das Stück selbst hingegen läßt die Breite eines gemeinsamen Lebensalbums programmatisch vermissen. In einem Statement mit dem Titel „Autobiographie und Literatur mit autobiographischen Zügen“ hat Jandl die Trennlinie genau markiert. Bei Aus der Fremde handle es sich demnach um ein Stück, das autobiographische Züge insofern trage, als es sich hierbei um eine Momentaufnahme der drei dargestellten Personen handle, während das Stück aber rein gar nichts über die Lebensgeschichten dieser drei Personen (nach dem Muster: Wie es zu all dem kam?) aussage und damit alles, was über das Leben dieser drei Personen gesagt werde, ausschließlich aus sich selbst heraus entwickle. „Wollte man dieses Stück“, so Jandl im Wortlaut, „am Leben der realen Gegenbilder der darin auftretenden Personen messen, müßte man sagen, nahezu alles an den Leben dieser drei sei im Stück ausgespart, aber alles darin, nahezu alles darin, sei zu finden in den Leben dieser drei, und diese radikale Aussparung und dieses radikale Hineinnehmen habe das Stück erst möglich gemacht, und beides zusammengenommen sei, um dieses Wort zu wagen, die Kunst an diesem Stück.“11
Von einer „Grammar of Living“ und spezieller noch einer „Grammatik des (Künstler-)Lebens“ hat Karl Wagner hinsichtlich von Aus der Fremde gesprochen, und das heißt wohl auch, daß die Personen, die in dem Stück vorkommen und die (unterstützt vom obigen Zitat des Autors) nichts anderes behaupten, als ihren realen Vorbildern – und sei es auch nur in einzelnen, umso schärferen Details – zu entsprechen, nicht nur als grammatikalisch zusammengebaute, sondern vor allem auch als nach den gleichen Kriterien zerlegte zu denken sind. Ich bin mir nicht sicher, ob jene Zerlegung, die Jandl an der Sprache unternimmt und die er in Aus der Fremde auf die aus dieser Sprache hervorgehenden Personen überträgt, auf einer Bühne adäquat darzustellen ist, da auf ihr doch stets ganze Menschen zu sehen sind. Das Paradox von Jandls Stück (und damit steht es auf modernen Bühnen nicht allein) besteht darin, daß diese ganzen Personen eben nicht mehr ganz sind, sondern nur mit einigen ihrer grammatikalischen Glieder in die Matrix ihres momentanen Beisammenseins eingespannt.
Es ist ein Leerlauf eingespielter Rituale, der in Aus der Fremde gezeigt wird und der aus sich heraus nichts anderes produziert als das Stück selbst. Von außen fällt in diesen Raum kein Licht, und es wird in ihm auch nicht nach außen geblickt. Selbst die beiden Fenster, die der Szenenanweisung Jandls zufolge in der zum Zuschauerraum hin offenen, nicht vorhandenen Wand zu denken sind, dienen letztlich dazu, Einsicht und nicht Aussicht zu nehmen. In Szene fünf weist „er2“ auf die Öffnungen hin: Hätte man auf der Straße draußen genügend Licht, sähe man gegenüber eine große Wohnung, die er kürzlich erworben habe, um dem Schriftstellerpaar künftig näher sein und ihnen ab und an gar „zuwinken“ zu können. Die Reaktion der „schriftstellerin“ auf diese Vorstellung einer radikalisierten Nachbarschaft fällt ernüchternd aus. Sie meint, „daß es erfreulich sei / sie aber jetzt / raschest heimfahren werde“.12
Die vollständige Isolierung, in die „er“ sich begeben hat, läßt die Zuschauer des Stückes durch eine niedergerissene Wand einer Wiener Gemeindebauwohnung in ein Nichts blicken. Die realen und sprachlichen Bewegungen der anderen beiden Figuren erscheinen demgegenüber wie eigenständig funktionierende Kreise. Tatsächlich erhellt sich der Titel von Aus der Fremde auch insofern, als in diesem Stück nicht nur aus einer Fremde zum Zuschauer gesprochen wird, sondern daß sich in ihm trotz der ritualisierten Nähe (vorwiegend zwischen „er“ und „sie“) auch die Personen gegenseitig als etwas Fremdes wahrnehmen. Ihre Begegnung ist weniger eine von Menschen als von Planeten: Als ein täglicher Mond kreist „sie“ um „ihn“, wie ein pünktlicher Komet taucht „er2“ in dem kosmischen Ablauf auf. Nicht nur die Grammatik des Lebens, auch die Mechanik der Begegnung legt Aus der Fremde in einer unverrückbaren Art und Weise fest. Was geschildert wird, soll Gültigkeit haben über den Tag hinaus und wird hinsichtlich dieser Gültigkeit immer wieder neu beschworen: das tägliche Zusammensein, die täglichen Telefonate, die täglichen Gespräche. Alles, was sich an Außenwelt im Zimmer des „schriftstellers“ und in seiner Sprache nicht formalisieren läßt, bleibt konsequent ausgespart, und so verhandeln die Rituale der Begegnung im Endeffekt nichts anderes als nur noch sich selbst. Offen ist dieses geschlossene System an einem einzigen Punkt, nämlich dort, wo es um das Schreiben der „schriftstellerin“ geht. Die Grenze zu jenem Bereich, der ganz offensichtlich außerhalb des Zimmers liegt und einen eigenen Raum benötigt, wird klar markiert. Mit dieser Markierung nun aber ist nicht nur ein Gegenbild zum eigenen Schreiben, sondern zur ganzen Poetik von Aus der Fremde entworfen:
52
er:daß sie ihre kunst
in einem ganz fragilen
system betreibe
53
einem hauchdünnen netz
unantastbar
sogar für ihn
54
überall
in ihrer zugewachsenen wohnung
stöße von papier
55
und darauf die zettelchen
mit der aufschrift TABU
zum schutz gegen eindringlinge
56
und daß selbst er
nur ein eindringling wäre
rührte er an ihre welt13
2. Poetik der Verausgabung: Reise durch die Nacht
Den Reduktionen Jandls setzt Friederike Mayröcker spätestens mit dem 1980 veröffentlichten Buch Die Abschiede einen Stil poetischer Verausgabung entgegen. Dieser erste wirklich umfängliche Prosaband der Autorin ist zeitgleich mit Aus der Fremde entstanden und wird dort als „neue prosa“14 erkennbar zitiert. In der Sprechoper stellen „er“ und „sie“ punktuelle Übereinstimmungen zwischen den beiden Arbeiten fest. Diese allerdings sind trügerisch: Dem Konjunktiv beispielsweise, den Mayröcker wie Jandl verwenden, kommt in den jeweiligen Texten ein völlig unterschiedlicher Stellenwert zu. Während er nämlich in Aus der Fremde durch seine ausschließliche Verwendung die Modulationsmöglichkeiten der Rede einschränkt, öffnet er den Mayröckerschen Prosatext für imaginäre Inhalte. Jandl spricht die Funktion, die dem Konjunktiv aus seiner spezifischen Verwendung erwächst, im Stück direkt an:
der konjunktiv
bewirke stets
eine verbindung zu anderem
das nicht im konjunktiv sei
aber hier
da alles im konjunktiv sei
bewirke es eine verbindung
zu immer dem gleichen
das nenne er relativierung.15
Im Gegensatz dazu erscheint der Konjunktiv in Die Abschiede stets neben den Indikativ gesetzt. Es ist eine alternative Sichtweise, die sich in den vielen „als ob“-Wendungen des Textes flächendeckend über das Buch legt und die Sinneseindrücke des schreibenden Ichs auf eine zweite Ebene hebt. Diese verdoppelte Sicht der Welt, die gegenüber dem unmittelbar Wahrnehmbaren eine poetische Transzendierung bewirkt, gehört dem Mayröckerschen Prosaschreiben als ein programmatischer Grundsatz an:
nämlich in solcher Spannung zu leben, rufe ich, gleichzeitig das Auge ans Nahe zu heften und in die hemisphärische Weite und Ferne zu lenken : sei die (schicksalhafte) Voraussetzung für poetische Erfahrungen und Erkenntnisse überhaupt, wie sie, durch die verzehrende Wahrnehmung der Außenwelt vermittelt, im kalten Feuer einer wahnhaften und süßen Besessenheit von Urform zu Endform gewandelt, schließlich in einer anderen neuen (reflektierten) Wirklichkeit wiedererstanden erscheinen.16
Der Unterschied zwischen Jandls und Mayröckers Schreiben ist auch produktionsästhetisch klar markiert. Während die Autorin ihre Prosa aus einer Vielzahl disparater Notizen über viele Zwischenfassungen hinweg wachsen läßt und damit jene Wandlung, von der sie im obigen Zitat spricht, auch am sprachlichen Material vollzieht, verdankt sich bei Jandl der Text seiner vorgefertigten Form. Wie ein Blick in das werkgenetische Material von Aus der Fremde zeigt, war für die Entstehung dieses Stücks tatsächlich einzig und allein die Reduktion auf den Dreizeiler und die Verwendung des Konjunktivs relevant; darüber hinaus finden sich im Werkmaterial keinerlei Notizen oder konzeptionelle Gedanken. Es ist genau so, wie in Aus der Fremde beschrieben, die Form brachte den Inhalt quasi selbsttätig hervor:
übrigens
habe er diesmal
einen motor entdeckt
zeilen jeweils drei
fortlaufend numeriert
bis es ein stück sei17
Der Schreibmotor von Mayröcker läuft denkbar anders: Programmatisch hebt sich ihre neue Art zu schreiben nicht nur von Jandls aktuellem Tun ab, sondern auch von jenen Texten, an denen sie selbst bis Ende der 1960er Jahre (und, insofern es die gemeinsame Hörspielarbeit betrifft, teilweise auch mit Jandl) gearbeitet hat. Ein rein experimentelles Schreiben – ein Schreiben also, das die Sprache als Material für formale Arrangements versteht und an Inhalten zumal psychologischer Natur demonstratives Desinteresse zeigt – empfand die Autorin seit Beginn der 1970er Jahre als eine Beschränkung ihrer schriftstellerischen und wohl auch als eine Beschneidung der sprachintern gegebenen Möglichkeiten. In einer Reihe kürzerer Prosaarbeiten, deren erste je ein umwölkter gipfel im Untertitel ausdrücklich als eine „erzählung“ bezeichnet wurde, öffnete sie ihr Schreiben neuen Inhalten und Formen. In einer zusehends direkteren Weise fand dabei autobiographisches Material Eingang in die Texte; behutsam entwickelte sich jenes unkonventionelle und unorthodoxe „Erzählverhalten“ (F. M.), das in Die Abschiede und dem nachfolgenden Buch Reise durch die Nacht (1984) Größe und Form gewann.
Es war ein Erzählen gegen das Erzählen, das Mayröcker zu jener Zeit betrieb. In einem Interview aus dem Jahr 1975 stellte sie fest, daß sie es immer vermieden habe, eine Story zu „machen“, weil sie auch im Ablauf ihres Lebens keine storyähnlichen Erscheinungen sehe. In Reise durch die Nacht wurden die theoretischen Einwände gegen das Erzählen in einem für Mayröcker typischen Nebeneinander von Darstellung und Reflexion in den Text genommen. An einer Stelle des Buches heißt es:
ich habe Angst vor dem Erzählen, nur Notizen, zigeunerhaft, marginales Gekritzel, oder auf erbrochene Briefumschläge.18
Später wird die Wendung variiert:
ich habe Angst vor dem Erzählen, ich bin gegen das Erzählen, immer schon, ich bin immer schon gegen das nackte Erzählen gewesen, vielleicht gegen seinen unangemessen großen Anspruch.19
Oder:
Eine Erzählweise haben? auf welche Erzählweise ist überhaupt noch Verlaß, welche Erzählweise ist noch vertretbar, wir wollen nicht mehr eine Geschichte erzählt bekommen, wir wollen nicht mehr eine Geschichte erzählen müssen, die zerrissenen Gefühle, die eingebrochenen Gesten nehmen zu einer Repetitionsmechanik Zuflucht, hypnotischer Kreisgang, ein dem Leben abgelauschtes Wiederholungsprinzip.20
Gegen Ende des Buches greift die Autorin das Thema ein letztes Mal auf:
vielleicht sollte man den Aspekt des Erzählens endgültig von sich weisen.21
Das Buch Reise durch die Nacht wurde unter dem Titel Nada.Nichts von Mayröcker im Auftrag der Wiener Festwochen kurze Zeit nach seinem Erscheinen zu einem Konversationsstück umgesetzt. Aufgrund der Ähnlichkeiten in der Personenkonstellation und weil in ihm – wie im übrigen in so gut wie allen nachfolgenden Texten der Autorin – neben der schreibenden Ich-Figur ganz ohne Zweifel auch Ernst Jandl zu erkennen ist, wurde diese (ihre bis heute) einzige dramatische Arbeit wiederholt mit Aus der Fremde verglichen und teilweise gar als eine Art „Antwort“ auf die Sprechoper verstanden. Wie Eva Fischer ausführlich dargelegt hat,22 überwiegen aber auch hier die in den verschiedenartigen poetologischen Konzepten ankernden Unterschiede: Während sich bei Jandl der autobiographische Inhalt auf das autobiographische Detail reduziert und dieses Detail, je stärker und konsequenter es das „ganze“ Leben vertritt, als das Ganze des eigenen Lebens gesehen und behauptet wird, löst sich bei Mayröcker das autobiographische Detail in einem Netzwerk realer und imaginärer Details auf und läßt, je mehr von der Ganzheit des eigenen Lebens die Rede ist, dieses Leben zusehends als eine nur noch im Poetischen gegebene Entität erscheinen.
An den Figuren der beiden Stücke wird diese konträre Tendenz deutlich: Während „er“ in allem, was er tut, sagt und (von sich und den anderen) wahrnimmt, immer stärker auf die Schrumpfform seiner selbst zurückgeworfen ist, zerfließen zwischen den drei Personen aus Nada.Nichts – der schreibenden Dichterin, dem älteren Lebenspartner und dem jüngeren Freund – zusehends die Grenzen. Die Ménage à trois wird zu einem poetischen Lebenskonzept, „so daß es an manchen Stellen schwerfällt zu sagen, wo JULIAN AUFHÖRT UND LERCH ANFÄNGT, oder umgekehrt, die beiden Gestalten scheinen manchmal innig miteinander verschmolzen, ihre Abgrenzung unsicher“.23
Die Maskenspiele, an denen Mayröcker die Figuren von Nada.Nichts teilhaben läßt, haben viel mit jener Auffassung gemein, die Paul de Man (und zwar gegen Philippe Lejeunes These vom autobiographischen Pakt) von der Rhetorizität des autobiographischen Schreibens entwickelt hat.24 Verankert findet sich jenes Maskenspiel, als das die Autobiographie bei de Man erscheint, jedoch nicht allein im Mayröckerschen Konversationsstück, sondern bereits in dem zugrundeliegenden Prosabuch. Die inhaltliche Ebene von Reise durch die Nacht, auf der es sich ereignet, ist rasch beschrieben: Da ist zunächst die Wiener Wohnung der Autorin, die anders als diejenige Jandls in Aus der Fremde nicht in ihrer Gesamtheit beschrieben wird, sondern nur in einigen charakteristischen Details aufscheint, die jedoch vollkommen ausreichen, um sie eindeutig zu identifizieren. Der Zeitpunkt der Niederschrift des Buches liegt, wie die dem Text nachgestellte Datierung verrät, zwischen November 1982 und Dezember 1983. Mayröcker hat sich damals vorwiegend mit Derrida und Goya beschäftigt, entsprechende Bücher und Bilder haben in den Text Eingang gefunden. Beschrieben wird ferner eine nächtliche Zugfahrt von Paris nach Wien sowie die Sommeraufenthalte des Paares in einem Ort, der „Espang, Allerheiligen“ genannt wird. Zentral ist die Beziehung der Schreibenden zu den beiden männlichen Hauptfiguren des Textes (wie in Nada.Nichts JULIAN und LERCH), daneben fließen Erinnerungen an die eigene Kindheit und den jüngst verstorbenen Vater ein.
Wichtiger als die Identifizierbarkeit des autobiographischen Einzelelements, die bei Jandl voraussetzungslos vorliegt und alle formale Künstlichkeit unbeschadet überdauert, ist bei Mayröcker die Totalisierung des Textes. Das sprachliche Mittel dazu ist die Metapher: Eigenes Leben wird innerhalb eines metaphorischen Systems dargestellt, dessen vordergründigstes Element die Reise ist. Die Schreibende befindet sich – wie sie den ganzen Text hindurch klar macht – auf einer „nichtendenwollenden Nachtreise“; der „rasende Zug“ droht sie sogar dann aus ihrer „Bettstelle“ zu schleudern, wenn sie sich zu Hause, am eigenen Schreibtisch befindet.25 Ermöglicht wird die ständige Präsenz der Vorstellung „Reise“ (und damit auch die ihres metaphorischen Sinns) vom deiktischen Apparat des Buches, der an einer heillosen referentiellen Verwirrung arbeitet. Das Hier-und-Jetzt von Reise durch die Nacht meint verschiedene Orte und Zeitpunkte zugleich, so vermag sich der bedeutungsmäßige Übergang von der realen Reise zur metaphorischen unablässig zu vollziehen.
Mit der „Reise“ ist die ganze Lebensreise gemeint. An der Schreibenden hat diese Reise ein Abbild gefunden. Entstellung und Defiguration präsentieren sich an ihr als ein Phänomen, das unmittelbar am Körper ansetzt:
Ich bestehe nur noch aus unzusammenhängenden Teilen, […] alles ist unübersichtlich geworden, alles verrottet, zerrüttet, verkommen […]26
Minutiös zeichnet der Text den Defigurationsprozeß nach: Die Rede ist vom „Abschnallen der Arme, der Beine“,27 von einer „ABSCHNEIDUNG“,28 von der „Abtragung eines Gesichts“,29 vom „Ausblasen von Türen und Fenstern (Herz)“,30 vom Zerreißen von „Eingeweide und Herz“.31 Der Körper der Schreibenden ist ein zusehends deformierter, an Unversehrtheit reicht schon bald keine Erinnerung mehr heran, und doch trägt die Beschreibung dieses Verfalls bei Mayröcker stets auch eine poetische Qualität. Bei Jandl ist das anders; in Aus der Fremde liest „er“ ihr ein paar Zeilen aus einem Taschenkalender vor, die er vor ein paar Tagen notiert hat:
er impotentes schwein
trete jetzt wieder ein
in die vor-onanistische phase
Woraufhin auch „sie“ nichts anderes mehr zu erwidern hat, als:
was hart sei
aber vielleicht
in sein stück passe.32
Direktheiten solcher Art sucht man in Reise durch die Nacht vergeblich. Der Verfall des Körpers und das ihm drohende Ende ist in Ambivalenzen gebettet, zu denen letztlich auch die Evokation beiträgt, die der jüngst verstorbene Vater der Schreibenden bewirkt. „Mein Vater“, so heißt es an einer Stelle, „hält sich zeitverschoben irgendwo auf, wo wir nicht hinreichen, ich meine mit unseren Körpern“.33 Die Stimme der Schreibenden aber überbrückt diese Grenze: Mit einer Kurzform des Namens „Giannozzo“ hat Mayröcker ihren Vater oft angesprochen. Das zugrundeliegende Zitat – es entstammt Jean Pauls Buch über den Luftschiffer Giannozzo und erfährt in seiner Zitierung in Reise durch die Nacht geringe Variationen – findet sich als eine Apostrophe wieder, die dem toten Vater gilt:
„Giannozzo, wo lebst du Lämmchen? Giannozzo, Lämmchen, willst du am Himmel weiden? Kannst du mir nicht erscheinen?“34
Die Apostrophierung des toten Vaters macht dessen Körper im Text präsent:
Er steht neben mir, dicht an meiner Stelle, lehnt wie früher am Fenster, lächelt, atmet und schweigt.35
Auch das Gesicht des Vaters setzt sich im Text fest, in einem kurzen Moment verschmilzt es mit jenem der Autorin:
Und wieder hatte ich einen Augenblick lang das Gefühl vor einem Spiegel zu stehen, in dem das Gesicht meines Vaters zu sehen war, das meine eigenen Züge trug.36
Abwesendes wird in Reise durch Nacht nach diesem Muster und damit in einer höchst wirkungsvollen Weise zur Präsenz gebracht. Vermittels der Anrede erlangt das Gesicht des toten Vaters Anschaulichkeit und Evidenz. Miteinbezogen bleibt in diesen Vorgang aber auch jener abgründige Umkehreffekt, den de Man als die wesentliche rhetorische Grundlage autobiographischer Lebensaufzeichnung beschrieben hat. Die Geste, mit der dem Abwesenden Stimme und Gesicht zugestanden wird, bezieht sich in einer symmetrischen Wendung auf den Adressierenden zurück. Totes und Lebendiges berühren einander in Autobiographie unmittelbar: Die Schreibende reicht in eine Welt hinab, die den lebenden Körper nicht duldet; umgekehrt ragen die Glieder der Toten allegorisch in den autobiographischen Text hinein.
In den Bewegungen seiner rhetorischen Struktur evoziert Reise durch die Nacht, ohne im eigentlichen davon zu erzählen, einen mehrfachen Geschichtsverlauf: eine Reise hinab ins Totenreich, eine Reise von einem Mann zum anderen, eine Reise hinaus ins Leben und eine Reise der Lektüre, die jeden Leser vom Beginn bis ans Ende des Buches führt. An diesem Ende angekommen, entwirft das Buch einen hochambivalenten und mehrfach allegorisierten Raum, in dem, was in ihm von Mayröcker und Jandl jemals zu identifizieren war, nur mehr als fernes Echo der faktisch-autobiographischen Grundlagen erscheint. Die Differenz zum Schluß von Aus der Fremde könnte nicht größer sein: Dort legt „er“ sich zu Bett, als wäre an ihm und der Schrumpfform seiner Autobiographie das ganze Stück hindurch rein gar nichts geschehen und eben jetzt ein Abend wie jeder andere:
daß er die augen öffne
daß er das bettlicht lösche
daß er die augen schließe.37
3. Mayröcker Schrägstrich Jandl: Nähe/Distanz
Obwohl in Mayröckers großen Prosaarbeiten und in Jandls Sprechoper vom jeweils anderen so viel die Rede ist, kommen sich der Autor und die Autorin in diesen Arbeiten nicht wirklich nahe, ja fast hat es den Anschein, als ob diese Werke in programmatischer Weise gegeneinander geschrieben seien. Die oberflächlichen Unterschiede ihrer Schreibweisen, die vom Autor und von der Autorin in vielen Interviews akzentuiert wurden, scheinen gegenüber dieser fundamentalen Differenz eher nebensächlich: Mayröckers Ablehnung von Humor, Mundart und Unterhaltungsliteratur beispielsweise – drei Tendenzen, denen sich Jandl in manchen seiner Arbeiten hauptsächlich verpflichtet zeigt. In einem gemeinsamen Interview mit Gerda Marko hat Jandl es – nicht frei von Understatement – auf den Punkt gebracht:
F. M. schreibt große Literatur, und ich erhalte den Deutschen Kleinkunstpreis.38
Ein Satz, der einen Widerhall auch in Aus der Fremde findet:
sie sei als künstlerin
weit
über ihn hinausgekommen.39
Um eine klare Differenzierung ihrer literarischen Positionen, die an ihren Werken de facto schon lange ablesbar war, haben sich Mayröcker und Jandl spätestens seit Ende der 1970er Jahre bemüht. Das schreibende Paar, das seit seiner gemeinsamen und höchst erfolgreichen Hörspielarbeit stets noch als solches wahrgenommen wurde, hat auch nach außen versucht, die Trennung im Literarischen deutlich zu machen. Gemeinsame Lesungen beispielsweise wurden vermieden, und auch die Darstellung in Doppelporträts wurde abgelehnt.
Als Dieter Bachmann mehr als zwanzig Jahre später Jandl und Mayröcker eine gemeinsame Nummer seiner Zeitschrift du widmen wollte, waren solche Bedenken noch immer nicht ausgeräumt. Jandl und Mayröcker haben sich in Gesprächen mit dem Herausgeber so lange geziert, bis dieser auf die Idee verfiel, das Heft in zwei getrennten Blöcken zu gestalten und die Trennung durch eine in der Mitte eingelegte, dünne Metallplatte zu akzentuieren. Aus produktionstechnischen Gründen war dies nicht möglich; anstelle der trennenden Platte kam zwischen dem Mayröcker- und dem Jandl-Block ein Beitrag von Heinz Schafroth zu stehen, der seinen exponierten Ort gleich im ersten Absatz reflektiert:
IN EINEM ATEMZUG GENANNT. Sie wurden und werden unweigerlich in einem Atemzug genannt, ob es ihnen lieb ist oder unlieb. Es ist nicht sicher, daß es ihnen lieb ist. Aber sie sollen sich damit abfinden. Wie einst Kastor und Pollux, Hero und Leander, Marx und Engels, Frisch und Dürrenmatt.
Also sind sie ein Zwillingspaar, Liebespaar, ein ideologisches oder ein literarisches Paar.
Alles ist richtig. Aber immer ohne „und“. Natürlich auch nicht mit Bindestrich, der das Paar in den Stand der Ehe erheben würde. Ihre Paarschaft bedarf des Schrägstrichs. Von dem behauptet Friederike Mayröcker, daß er „sehr viel mehr aussagen kann und zugleich durchsichtiger ist als alle anderen Satzzeichen, zugleich aber auch nötige Distanz schafft“. In dem Zitat eben ist zwar weit und breit nicht die Rede von Paarbeziehung. Aber es paßt ganz gut, Distanz und Transparenz: Auch wenn es ums Paar, dieses Paar geht. Deshalb Jandl Schrägstrich Mayröcker. So ist das, seit nunmehr vierzig Jahren, so haben sie es gelebt und sich erschrieben, nolentes volentes.40
Die Beziehung, von der Schafroth spricht und für die er den Schrägstrich als ideale Umsetzung ansieht, weicht von den Klischees ab, die man sich gerne von schreibenden Paaren macht. Auf die seltsamen Verrenkungen, zu denen zum Beispiel Jürgen Serke die Autorin und den Autor zwingt, weist Schafroth mit Recht hin. Man sollte sich, was Serke über Mayröcker und Jandl in seinem Band Schreibende Paare sagt, wirklich einmal bildlich vorstellen:
Er stützt sie. Sie trägt ihn.41
Auch umgekehrt wäre die akrobatische Leistung nicht geringer.
Die Literaturen von Ernst Jandl und von Friederike Mayröcker sind von solcher Akrobatik frei. Anders auch als Klaus Theweleit sich in seinem Buch der Könige das männlich-weibliche Produktionsverhältnis als ein von einseitigen Zuordnungen getragenes vorstellt, behauptet sich bei Jandl/Mayröcker das Weibliche schon deshalb gegen das Männliche, weil es sich als ein eigenständig Poetisches setzt. Dem Gedicht „Vierzeiler für E.J.“, entstanden am 1.3.1982 und überarbeitet im Juli 1991, ist die Gewalt des Geschlechterverhältnisses unmittelbar eingeschrieben, und dennoch bleibt auch hier die ästhetische Selbstbehauptung42 evident:
du bist der Herr
ich bin der Knecht
ich bin ein Tragtier auch
(zurecht) („ein Plagetier“)43
Von Jandl könnte man diesen Zeilen vieles, vielleicht aber am besten doch ein Gedicht aus dem in einem derb-untergriffigen Tonfall gehaltenen Band stanzen entgegenstellen. Friederike Mayröcker wird dort mit jenem Rufnamen angesprochen, unter dem sie ihre Freunde kennen:
jo i waas scho de fritzi
vadinat aaa a gedicht
owa des muasi jo ned aufschreimm
soxia oft gnua ins xicht44
Im Werk von Ernst Jandl und Friederike Mayröcker ließen sich hunderte, wenn nicht gar tausende solcher und ähnlicher Korrespondenzen auffinden: gegenseitige Bezugnahmen, Widmungsgedichte, wechselseitige Aussagen zum Werk des anderen in Aufsätzen, Statements und Interviews. Von Bedeutung ist, daß der Prozeß der gegenseitigen Beeinflussung und Abgrenzung bei diesem schreibenden Paar stets gleichberechtigt ist und nach beiden Richtungen hin funktioniert: von Jandl zu Mayröcker und von Mayröcker zu Jandl. Der Schrägstrich, der zwischen dem Autor und der Autorin steht, könnte – so gesehen – gut auch zwischen ihren Werken stehen. Er bildet gleichermaßen eine Grenzlinie wie einen Ort der zweifachen Spiegelung: vom vom zum zum und wieder zurück.
Anders als in privaten Beziehungen sind Nähe und Distanz in literarischen Berührungen immer gleichzeitig da, auch wenn (wie in dem oben zitierten Fall) einmal das zweite und (wie in dem nachfolgenden) dann wieder das erste zu überwiegen scheint. Am 6.6.2000, also drei Tage vor Ernst Jandls Tod, hat Mayröcker eines seiner Gedichte aufgegriffen und ein eigenes oder vielleicht „ein Gleiches“ angefügt:
(„in der küche ist es kalt
ist jetzt strenger winter halt
mütterchen steht nicht am herd
und mich fröstelt wie ein pferd“ EJ)
in der Küche stehn wir beide
rühren in dem leeren Topf
schauen aus dem Fenster beide
haben I Gedicht im Kopf45
In ihren Band Requiem für Ernst Jandl (2001) hat die Autorin nicht nur diese Paraphrase, sondern auch ihren Kommentar zu „in der küche ist es kalt“ aufgenommen, worin Jandls Text als ein „Winter-“ und „Endzeitgedicht“ beschrieben und die genaueren Umstände seiner Auffindung angesprochen werden. Im Winter 1988 waren Jandl und Mayröcker damit beschäftigt, die von Papier überquellenden Schubladen seines Schreibmaschinentisches zu durchstöbern, um unter den großteils halbfertigen Blättern das ein oder andere publizierbare Gedicht (für den damals in Planung befindlichen Band idyllen) auszusortieren. Plötzlich sprang ihnen das Gedicht in die Augen. Seine letzte Zeile, so Mayröcker, habe ursprünglich etwas anders gelautet; die aufgefundene Version sei allerdings später verloren gegangen und nie wieder aufgetaucht.
In ihrer Paraphrase setzt sich Mayröcker den pointenhaften Stil Jandls wie eine Maske auf. Nirgends in ihrem Werk ist die Autorin der Sprache Jandls so nahe gekommen wie hier, und doch wird auch hier die letztlich entscheidende Differenz behauptet: Autor und Autorin, das im Schreiben getrennte Paar, mögen noch so lange in derselben Küche stehen, derselben Kälte ausgesetzt sein oder im selben Topf rühren, im Kopf trägt jeder sein eigenes Gedicht.
Klaus Kastberger, aus Ernst Jandl: Musik Rhythmus Radikale Dichtung. Herausgegeben von Bernhard Fetz, Paul Zoslnay Verlag, 2005
Die Droge Dichtung – Hölle, Höhle oder Himmel
− Als Magierin des Wortes oder Paradiesvogel der Avantgarde wird sie gefeiert: Die Wiener Dichterin Friederike Mayröcker. Das erste Interview mit der Büchner-Preisträgerin. −
Hilke Prillmann: Frau Mayröcker, was empfanden Sie, als Sie erfuhren, dass Sie den Büchnerpreis bekommen?
Friederike Mayröcker: Ich habe geheult. Stundenlang habe ich geweint. Es war Freude, aber auch furchtbare Traurigkeit, weil die Menschen, die ich so geliebt habe, es nicht mehr erleben konnten – Ernst Jandl und meine Mutter.
Prillmann: „Magierin des Wortes“, „Alchemistin der Sprache“, auch „Paradiesvogel der Avantgarde“ hat man Sie genannt. Kann man Sie einfach als größte lebende Dichterin deutscher Sprache bezeichnen?
Mayröcker: Als bescheidener Mensch kann ich darauf nicht antworten.
Prillmann: Sie sind nach Ernst Jandl (1984) und H.C. Artmann (1997) die dritte Büchnerpreisträgerin aus der Wiener Gruppe von Dichtern, die mit experimenteller Poesie Aufsehen erregten. Was war so avantgardistisch an Ihrer Wortkunst?
Mayröcker: Wir trauten der herkömmlichen Sprache nicht mehr und haben damals nach dem Kriege versucht, etwas Neues zu machen. Wir haben aus Büchern, Zeitungen und Zeitschriften Texte montiert Sprachcollagen als Sprachverfremdung.
Prillmann: Georg Büchner war mit seinem Hessischen Landboten und auch mit Dantons Tod ein stark politisch-historisch engagierter Autor. Inwiefern fühlen Sie sich ihm verbunden?
Mayröcker: Besonders sein Lenz begeistert mich, sein Psychogramm über den Dichter Jakob Michael Reinhold Lenz. Er war ein Freund Goethes, der ihn dann jedoch ablehnte, weil ihm Lenz’ Bewusstseinslage, das psychisch Kranke, zuwider war. In meiner Dankesrede zum Büchnerpreis werde ich „Lenz“ in den Mittelpunkt stellen.
Prillmann: In Ihrem Gedicht „an eine Mohnblume“ heißt es: „aus meinen Köpfen sprieszt das Feuerwerk der Tränen“, und vom „Feuerrad in der Brust“ sprechen Sie. Ihr Element ist das Wortfeuer. Ist eine Dichterin wie Sie ein weiblicher Prometheus?
Mayröcker: Womöglich, aber ich würde es von mir nie sagen.
Prillmann: Wer Sie liest, denkt an Ernst Jandl, Ihren „Hand-, Herz- und Liebesgefährten“; und wer Jandl liest, denkt an Sie. Ihrer Beziehung verdanken wir die anrührendsten Liebesgedichte unserer Zeit, etwa Ernst Jandls:
ich liege bei dir, deine arme
halten mich, deine arme
halten mehr als ich bin.
deine arme halten, was ich bin
wenn ich bei dir liege und
deine arme mich halten.
Und bei Ihnen heißt es im Requiem für Ernst Jandl als Paraphrase auf sein Wintergedicht („in der küche ist es kalt…“):
in der Küche stehn wir beide
rühren in dem leeren Topf
schauen aus dem Fenster beide
haben 1 Gedicht im Kopf
Sind die Gedichte gleichsam Ihre gemeinsamen Kinder?
Mayröcker: Nein, ganz ausgeschlossen. Wir haben von Anfang an grundverschieden gearbeitet. Aber wir waren gegenseitig unsere ersten und besten Kritiker. Wir haben beide das Absurde und den Wortwitz gepflegt. Anders als Ernst Jandl habe ich sehr viel Prosa geschrieben. Meine Prosa könnte ich mit der Arbeit eines Steinmetz vergleichen, die Gedichte dagegen sind gleichsam meine Aquarelle.
Prillmann: In Ihrem Roman brütt oder die seufzenden Gärten, 1998, haben Sie geschrieben: „Ich habe alles falsch gemacht, alles vertan, verloren, versäumt, ich habe die falsche Richtung eingeschlagen, vielleicht ist Sprachästhetik, um die es mir seit den Anfängen gegangen ist, die falsche Zielsetzung gewesen in dieser von Ungeheuerlichkeiten erschütterten Zeit.“ Eine Absage an das Sprachexperimentelle in Ihrem Werk?
Mayröcker: Nein, das ist nur ein Spiel mit den Möglichkeiten. Für mich ist mein Weg der einzig mögliche gewesen.
Prillmann: Ernst Jandl und Sie, beide zunächst Fremdsprachenlehrer, waren fast ein halbes Jahrhundert beisammen, aber sie hatten getrennte, eine halbe Stunde zu Fuß voneinander entfernte Wohnungen. War solche Distanz lebens- und werknotwendig?
Mayröcker: Ernst Jandl hat in meiner Gegenwart sehr inspiriert arbeiten können. Ich dagegen konnte nur schreiben, wenn ich allein war. Für den Alltag waren wir beide unfähig. Er hatte eine Haushaltshilfe. Zum Essen sind wir ins Gasthaus gegangen, ich kann leider nicht kochen.
Prillmann: Wo machten Sie am liebsten Urlaub?
Mayröcker: In Österreich. In der Steiermark, in Rohrmoos. Wir hatten dort einige Sommer ein Haus gemietet, inmitten eines wilden, verwucherten Gartens, eine Art Idylle. Das Haus war ziemlich alt, aber man musste nicht aufpassen, dass man etwas kaputtmacht. Es war eh schon alles kaputt. Und es war so richtig nach unserem Geschmack.
Prillmann: Ihre Wohnung in der Zentagasse in Wiens 5. Bezirk ist schon legendär. Es gibt berühmte Fotos von Ihrem mit Büchern und Notizzetteln voll gestopften „Elendsquartier“. Hölle, Höhle oder Himmel für Sie?
Mayröcker: Inzwischen ist es nur noch eine halbe Höhle, weil ich die Wohnung über mir auf Lebenszeit zugemietet habe. Dort hat Ernst Jandl in seinem letzten Lebensjahr gewohnt, weil er die Stiegen in seiner alten Wohnung nicht mehr steigen konnte und bei mir im Haus ein Lift ist. Meine beiden Wohnungen sind Hölle und Himmel zugleich. Hölle, weil ich in meiner Unordnung, die sich inzwischen wie Efeu hinaufgerankt hat auch in die obere Wohnung, bald nichts mehr finde. Eine Art Himmel, wenn ich arbeite und Texte gelingen.
Prillmann: Schreiben Sie inzwischen mit einem PC?
Mayröcker: Ich habe noch nie versucht, am Computer zu schreiben, und will es auch nicht. Zu meiner Schreibmaschine habe ich ein ganz intimes Verhältnis. Allerdings ist es inzwischen schon die vierte oder fünfte Hermes Baby. Die letzte habe ich vor etwa vier Jahren gekauft und hoffe, es reicht gerade bis zu meinem Tod.
Prillmann: Aber wenn Sie „150“ werden?
Mayröcker: Das habe ich gesagt, als Ernst Jandl noch gelebt hat. Jetzt will ich eigentlich nicht mehr 150 werden.
Prillmann: Weil Ihnen vielleicht nichts mehr einfiele?
Mayröcker: Es ist die Angst, dass einem das Schreiben nicht mehr gelingen könnte. Material habe ich kisten- und körbeweise. Auch wenn ich unterwegs bin in der Stadt, habe ich meinen Notizblock dabei und schreibe, was mir auf- und einfällt. Drogen zum Schreiben, Alkohol etwa, habe ich nie gebraucht. Beim Schreiben trinke ich sehr viel Mineralwasser. Das Schreiben selbst ist für mich eine Droge, eine Sucht.
Prillmann: Sie tragen meist Schwarz. Ihre Lieblingsfarbe?
Mayröcker: Im Winter Schwarz, im Sommer auch Weiß. Es ist unkompliziert.
Prillmann: Ihre Lieblingsblume?
Mayröcker: Duftende weiße Lilien.
Prillmann: Im vorigen Jahr ist Ernst Jandl gestorben. Vor sieben Jahren starb Ihre Mutter. Sie schreiben: „der Tod ist das Schrecklichste, das uns widerfahren kann“. Ist Ihr Schreiben Protest gegen den Tod und zugleich, wie Rilke es auch sah, „eine Art von Liebesakt“?
Mayröcker: Das Requiem für Ernst Jandl habe ich aus Verzweiflung geschrieben. Und dann sind Gedichte an ihn entstanden, fast jeden Tag ein Gedicht. Auch wegen meiner Mutter habe ich Schuldgefühle. Ich hatte sie jeden Tag besucht; ihre Schwäche und Hinfälligkeit aber verstehe ich in dem Alter, in dem ich heute bin, viel besser. Und dann denke ich: Wird man erst wirklich Mensch, wenn man uralt ist? In einem Gespräch gestand mir Elias Canetti, auch er habe Angst vor dem Tod, und ich habe gedacht: „Mein Gott, auch der große Canetti kann mit dem Tod nichts anfangen, hasst ihn.“
Prillmann: Was war die glücklichste Zeit in Ihrem Leben?
Mayröcker: Vielleicht meine Kindersommer in Deinzendorf, im Weinviertel, nahe der Grenze zu Tschechien. Mein Vater, ein Schuldirektor, war ein sehr heiterer Mensch. Meine Mutter neigte eher zur Melancholie, aber durch sie habe ich meine große Liebe zur Natur. Mein Urgroßvater war Förster. Sehr glücklich waren dann die jeweils zweimonatigen Ferien mit Ernst Jandl. Die glücklichsten Momente aber sind eigentlich die, wenn man ein Werk beendet hat. Es kann auch nur ein Gedicht sein. Man liest es immer noch einmal und denkt: Habe das wirklich ich gemacht?
Prillmann: Dichten ist eine geistige, aber auch psychisch-physische Höchstleistung. Wie sieht Ihr Tagesrhythmus aus?
Mayröcker: Früher habe ich schon morgens um fünf im Bett Notizen gemacht, mich nach dem Aufstehen gleich an die Maschine gesetzt und so bis elf, zwölf Uhr gearbeitet. Dann bin ich zu meiner Mutter zum Essen gegangen. Sie starb im Jahr meines 70. Geburtstages, und dann hat sich viel geändert. Heute arbeite ich eher am Nachmittag, ein, zwei Stunden an der Maschine. Gegen halb elf gehe ich schlafen. Ich habe große Blutdruckschwankungen und meine Augen werden immer schlechter. Aber Lektüre ist für mich sehr wichtig: Hölderlin, Celan, Jean Paul und natürlich auch Goethe, seine Gedichte. Von den zeitgenössischen Autoren lese ich Botho Strauß oder Durs Grünbein sehr gern.
Prillmann: Und Zeitungen? Ibsen wurde von kleinen Zeitungsnotizen zu großen Dramen inspiriert. Machen Sie eher aus großen Dramen eine kleine Notiz, ein Gedicht?
Mayröcker: Zeitungen haben für mich eine Rolle gespielt, als ich noch Collagen schrieb, eine Zeile herausgenommen und durch spielerisches Ver-Hören oder Ver-Lesen eine Assoziationskette ausgelöst habe. Dazu kamen Traumworte, etwas Wunderbares. Im Traum höre oder lese ich Worte, fast wie auf einem Monitor.
Prillmann: Nach dem Krieg waren Sie zunächst Lehrerin. Hatten Sie Spaß daran?
Mayröcker: Zuerst, 1946, waren die Kinder wirklich lieb. Wir saßen in Mänteln da, haben alle gefroren und Hunger gehabt. Doch mit dem wachsenden Wohlstand wurde es immer schwieriger, obwohl ich in einem armen Arbeiterbezirk unterrichtet habe. Die Kinder waren verwöhnt und aufbrausend. Nach 23 Jahren, 1969, habe ich den Schuldienst quittiert. Das war für mich wie ein Geschenk. Ich habe mich befreit und wunderbar gefühlt: Ich habe ein zweites Leben begonnen, das nur noch aus Poesie bestand, aus Schreiben.
Prillmann: „Begraben alle, ich lebe“, heißt es in Ihrem Gedicht „Ein Gleiches“. Welchen Wunsch haben Sie noch?
Mayröcker: Zu schreiben! Man könnte das Schreiben als Euphorie des Schreibenden bezeichnen. Man muss in einem Ausnahmezustand sein, um schreiben zu können. Es käme mir sonst wie Gotteslästerung vor. Ich glaube an einen Heiligen Geist, an einen Geist, der über mir ist und mich zu einem gewissen Grade lenkt, mir Einflüsterungen gibt. Es kommt nicht alles von mir. Es kommt durch mich hindurch.
Die Welt, 15.7.2001
Friederike Mayröcker: „Es ist ein einziges Chaos“
− Die österreichische Schriftstellerin Friederike Mayröcker, 76, über ihre Auszeichnung mit dem Georg-Büchner-Preis, ihr Leben mit Ernst Jandl und die Trauer über seinen Tod. −
Volker Hage: Frau Mayröcker, am Samstag dieser Woche sollen Sie in Darmstadt die wohl wichtigste deutsche Literatur-Auszeichnung, den Georg-Büchner-Preis, entgegennehmen. Freuen Sie sich?
Friederike Mayröcker: Als ich den Anruf erhielt, ob ich den Preis annehmen würde, habe ich mich sehr gefreut. Dann aber bin ich in der Wohnung umhergelaufen und habe geheult: So, jetzt ist der Büchner-Preis da, und Ernst Jandl ist nicht mehr da! Ich war todunglücklich. Ich hatte nicht gedacht, dass es mich ein Jahr nach seinem Tod noch einmal so erwischen würde. Dann habe ich aber gleich angefangen, an meiner Rede zu arbeiten. Das hat mir geholfen.
Hage: Ihr Lebenspartner Ernst Jandl, dem Sie 1954 begegneten, war als Schriftsteller bekannter als Sie, mit einigen seiner Gedichte geradezu populär. Gab es Spannungen?
Mayröcker: Ich war völlig neidlos. Ich habe mich über seine Erfolge gefreut. Und er war begeistert, wenn bei mir mal etwas gut gelaufen ist.
Hage: Heißt das, Sie lebten immer in reiner Harmonie?
Mayröcker: In der ersten Zeit haben wir uns so geliebt, dass wir uns ständig gestritten haben. Immer über Lächerliches, nie über Literatur. Später war es wirklich die reine Harmonie, besonders in der allerletzten Zeit.
Hage: Sie mussten beide eine Weile warten, bis Sie zeitgleich 1956 einen Verlag fanden: Ihre Texte galten als experimentell und extrem unverkäuflich.
Mayröcker: In der Phase haben wir uns gegenseitig Mut machen müssen.
Hage: Sie haben in Ihrem Requiem für Ernst Jandl, einem kleinen Prosaband voller Erinnerungen, berichtet, dass Sie nach seinem Tod überhaupt erst wieder langsam das Lesen lernen mussten.
Mayröcker: Ich war zunächst so verzweifelt, dass ich immer nur herumrennen und heulen musste. Ich konnte nicht still sitzen. So kam es zu diesem Buch. Wenn ich schon nicht lesen konnte, wollte ich wenigstens schreiben. Entstanden sind so das Requiem und viele Gedichte über Ernst Jandl, die noch nicht veröffentlicht sind.
Hage: Können Sie sich vorstellen, über das Requiem hinaus die Geschichte Ihrer Gemeinschaft mit Jandl zu erzählen, ganz konventionell und ausführlich?
Mayröcker: Ich habe schon daran gedacht. Aber ich brauche Zeit. Ich kann mir das vorstellen. Was übrigens oft missverstanden wurde: Es gab, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nie eine literarische Zusammenarbeit zwischen uns beiden.
Hage: Stimmt es, dass Jandl sich in den letzten Jahren seines Lebens kaum mehr für das Schreiben interessierte?
Mayröcker: Ja, er hatte das Interesse verloren. Ich habe ihm immer wieder gesagt: Leg doch die neuen Sachen in eine Mappe! Er hat ja hier und da etwas notiert, oft nur ein paar Zeilen. Aber das dann abzulegen und zusammenzuhalten, das konnte er nicht mehr. „Die Literatur ist aus“, hat er gesagt.
Hage: Halten Sie denn Ordnung bei Ihren Texten?
Mayröcker: Nein, es ist ein einziges Chaos. Meine Wohnung kann außer mir niemand mehr betreten, überall Papiere, Entwürfe, Bücher, Zeitungen. Das hat sich nun wie Efeu in die Wohnung darüber ausgebreitet, in der Ernst Jandl am Schluss wohnte. Es ist praktisch kein Platz zum Sitzen mehr.
Hage: Wie kommt das?
Mayröcker: Wo immer ich stehe und gehe, mache ich Notizen auf Zettel, die ich dann irgendwo hinlege…
Hage: … und die Sie dann später wiederfinden?
Mayröcker: Ich habe körbeweise Material. Aber wenn etwas zu lange liegt, geht die Zündkraft verloren. Außerdem kann ich meine eigene Schrift oft nicht mehr lesen.
Hage: Sie schreiben Lyrik und Prosa. Oder ist das für Sie gar nicht so zu trennen?
Mayröcker: Das ist ein großer Unterschied! Ich spüre es fast körperlich. Es fühlt sich anders an, ich sitze anders. Das Schreiben von Gedichten hat für mich etwas mit Aquarellzeichnen zu tun, während die Prosa mehr Bildhauerei ist.
Hage: Die fünf Bände Gesammelte Prosa, mit denen Sie der Suhrkamp Verlag nun ehrt, umfassen zusammen rund 2500 Seiten. Wird für Ihre Lyrik Vergleichbares folgen?
Mayröcker: Das wäre schön. Aber das würde noch wesentlich umfangreicher ausfallen.
Hage: In Ihrer Prosa gehen Sie verschlungene Wege. In einem Ihrer Bücher sagt die Ich-Erzählerin, dass sie sofort abbreche, wenn sich etwas wie eine „Erzählhaltung“ einstelle. Warum?
Mayröcker: Bei mir ist es am Anfang immer so, dass ich einen schönen Erzählweg betreten möchte, doch schon bald sabotiere ich ihn, ganz bewusst. Ich sabotiere den geraden Weg, biege ab und fühle mich erst dann ganz in meinem Bereich. Sonst würde ich schnell die Lust am Schreiben verlieren.
Hage: Eine Eigenart von Ihnen war früher die Schreibung „sz“ für „ß“ fast eine Art Markenzeichen. Sie haben das aufgegeben?
Mayröcker: Der Buchstabe fehlte auf meiner Maschine. Das war der ganze Grund. Ich schreibe aber immer noch „sz“, der Verlag macht „ß“ daraus.
Hage: Ist die Zeit der Experimente für Sie vorbei?
Mayröcker: Pures Experiment habe ich nur zu Beginn betrieben, 1971 habe ich aufgehört. Es war mir zu blöd. Eines Tages hat man es satt. Ich kann überhaupt nicht verstehen, wie jemand dabei bleiben kann. Das macht Spaß, aber irgendwann muss man das hinter sich lassen.
Der Spiegel, 26.10.2001
Hand- und Herzgefährten, ganz ohne Kochtopf
– Jahrzehntelang wurden Friederike Mayröcker und Ernst Jandl als kommunizierende Gefäße der österreichischen Literatur wahrgenommen. Aber ein Poeten-Duo wollte das Paar nie sein. –
Unlängst wurde der kleine Wiener Schlüsselpark – er schließt seine Tore mit Einbruch der Dunkelheit – in Ernst-Jandl-Park umbenannt, im Beisein, wie es in der Agenturmeldung hieß, seiner „einstmaligen Lebensgefährtin Friederike Mayröcker“. Die Dichterin entledigt sich der Aufgaben einer Dichterwitwe, wie das Foto zeigte, mit melancholisch-scheuer Freude. Was aber nicht heißt, dass sie darüber das Dichten aufgegeben hätte, im Gegenteil: Seit Jandls Tod vor fünf Jahren hat sie Buch um Buch in memoriam herausgebracht – das Requiem für Ernst Jandl (2001), Die kommunizierenden Gefäße und den Gedichtband Mein Arbeitstirol (2003), jüngst den Erinnerungstext Und ich schüttelte einen Liebling.
Im Jahr 1954 hatten die beiden zusammengefunden, zwei Englischlehrer mit literarischen Ambitionen:
die ehe zu vermeiden, dauerte einige jahre, dann hatten wir es geschafft. (…) unser leben ist, seit vierzig jahren ein gemeinsames, ohne eine gemeinsame wohnung, und ohne kochtopf.
Das sagte Ernst Jandl in einer „rede an friederike mayröcker“ zum 70. Geburtstag. Bis zuletzt, als seine Gesundheit schon stark angegriffen war, verlief ein Gutteil der täglichen Kommunikation zwischen den beiden übers Telefon. Zum Schreiben musste ein jeder allein sein, man traf sich danach, um einander das Entstandene zu zeigen, um Kritik auszutauschen.
Mit den Klischees, die von schreibenden Paaren im Umlauf sind, hat diese Beziehung, wie Klaus Kastberger in seinem Beitrag zu einem neuen, üppig illustrierten Jandl-Sammelband einleuchtend darlegt, wenig zu tun. (Zu Jandls 80. Geburtstag ist soeben auch eine Ausgabe seiner Kriegsbriefe erschienen.) Gegen das Abgestempelt-Werden zum Poeten-Duo haben Mayröcker und Jandl sich lange und hartnäckig gewehrt, sie wollten keine gemeinsamen Auftritte, Besprechungen, Portraits. Noch in seinem letzten Lebensjahr empörte Jandl sich über ein nicht autorisiertes Maskenball-Foto von Joseph Gallus Rittenberg, das ihn als Clown und seine „Fritzi“ als Prinzessin zeigte. Bei Jandl war wohl auch die Sorge im Spiel, er als der Populärere, der fulminante Vorleser und bärbeißige Interviewpartner, könnte die Introvertierte in den Schatten stellen.
Als Charakteristikum für das Zusammengehören dieses Paares hat Heinz Schafroth einmal den Schrägstrich – nicht das „und“, nicht den Bindestrich – ausgemacht, den Schrägstrich, den Mayröcker so liebt, weil er durchsichtig sei und zugleich Distanz erzeuge. Zwischen den Œuvres der beiden scheint freilich eher ein trennender Punkt oder Doppelpunkt angebracht. Jandl hat die Erläuterung ihrer unterschiedlichen Auffassungen einmal mit dem überraschenden Bekenntnis verbunden, sie beide seien „christen“:
friederike mayröcker nennt den, oder einen, heiligen geist die quelle ihrer inspiration; es gibt, für sie, in ihrer kunst etwas, das von außen kommt, und zwar von oben, während ich nicht sicher bin, wo oben ist.
So disparat Mayröcker und Jandl in Thematik und Ton anmuten: sie haben das ganz Andere am Anderen stets bewundert. Ernst Jandl neigte dazu, den Höhenkunst-Nimbus seiner Gefährtin noch zu nähren, sie habe, „von so vornehmen geistern wie bach und hölderlin angeführt, (…) in ihrer kunst eine glorreiche höhe erklommen“. Er selbst deklarierte sich in kokettem Understatement als Vertreter einer „aufgeklärten massenkultur“:
F. M. schreibt große Literatur, und ich erhalte den deutschen Kleinkunstpreis.
Nur unter vier Augen – Mayröcker hat sich immer wieder darauf bezogen – kritisierte er das Abgehobene, das Elitäre ihrer Produktion, der zu folgen ihm immer schwerer falle. Zugleich war der um ein Jahr Jüngere der unbestrittene Außenminister des Paares, Sprachrohr in allen Angelegenheiten des Literaturbetriebs, der ihn als Popstar und sie als scheue Dichterin und beide als Eheleute wahrnahm:
garnicht einfach, sie auch in die akademie der künste in berlin zu bringen – eheleute in der gleichen abteilung, das kommt doch nicht in frage. und den büchner-preis hat ja schon ihr gatte, ernst jandl.
Der wusste, dass auch Poetinnen Menschen aus Fleisch und Blut sind, denen es in ihrer zugewucherten Zettel- und Bücherklause nicht gleichgültig ist, was man draußen von ihnen denkt. Mayröcker hat den Büchner-Preis 2001 bekommen, ein Jahr nach Jandls Tod.
Die Führungsrolle des „Hand- und Herzgefährten“ hat sie in einem „Vierzeiler für E. J.“ unmissverständlich bekannt:
du bist der Herr
ich bin der Knecht
ich bin ein Tragtier auch
(zurecht) (,ein Plagetier‘)
Dennoch taugt diese Dichtergenossin nicht für den Part der zweiten Geige, wie Klaus Theweleit ihn für die typische kreative Muse beschrieben hat. Der Vierzeiler ahmt Jandls lakonisch-brachiale Reimfügung nach, aber er relativiert die Stringenz zum Schluss durch typisch Mayröcker’sches Lavieren, durch ein zauderndes Einverständnis in Klammern, durch ein Zitat.
Dieses schreibende Ich lässt sich seine Sprache nicht nehmen, die Beeinflussung ist wechselseitig; vielleicht hat Klaus Kastberger recht, und es passt der Schrägstrich doch auch zwischen die Werke der beiden, als Grenze und zugleich als doppelter Spiegel, hier die programmatische Reduktion, dort das Sich-Verschwenden im Schöpferischen.
Die emotionale Fallhöhe zwischen Mayröckers und Jandls Texten über die Liebe vergröbert das Raster des Vergleichs. Zu ihrem Gedicht „Winter-Nachtigall“ bemerkte er:
Und warum nicht gleich ,Kopulation im Auto‘?
Die de-erotisierende Unflätigkeit, die Jandl etwa in „älterndes paar. ein oratorium“ geradezu niederschmetternd vorexerziert hat, war die eine Tonlage, die ihm in eroticis passend schien, die andere war mehr oder minder gutmütiger Spott. Geradezu idyllisch für Jandls Verhältnisse sein „Gstanzl“ über die gemeinsame Sommerfrische – „hotel puchberger hof“:
i friis mai suppn
du schaust dawäu dei bost aun
so brauch ma nix reedn
dafia schlogt uns de kost aun.
Das unsauber gereimte „Tragtier“/„Plagetier“ in Mayröckers „Vierzeiler“ deutet auf eine tragende Rolle im (getrennten) Haushalt, auch auf die Bürde der Verantwortung für Alltägliches, die viele der Dichterin nicht zutrauen würden. Ernst Jandls zyklothyme Veranlagung, die sich in seinem Werk (als Depression etwa in der Sprechoper Aus der Fremde) widerspiegelt, verlangte der Partnerin einiges ab: Je älter und kränker er wurde, desto mehr wurde sie zur Aufsichtsperson, das Kräfteverhältnis schien sich verkehrt zu haben.
In Und ich schüttelte einen Liebling spricht Friederike Mayröcker zum ersten Mal unverdeckt von sich und ihrem Lebensmenschen, von ihrem vermeintlichen Versagen, in seinen letzten Tagen, und überhaupt – sie referiert „EJs“ Klagen, sie sei „keine gute Frau“, sei zu ehrgeizig, lebe nur für ihre Arbeit. Sie spricht über das Mitreißende seiner Erwartungen und über seine Reaktion auf ihre frühen Gedichte: herzliches Lachen; die bekennende Humorlose musste erst lernen, das als Lob zu deuten. Wir erfahren, was Ernst Jandl am Morgen seines Todestages gesagt, wie ihm 1955 die erste Cola geschmeckt hat, dass die beiden sich auf ihre alten Tage einig waren in ihrer Trauer über den „SPRACHVERLUST“, den der Siegeszug des Englischen dem Deutschen beigebracht habe, und dass sie doch einmal ein Jahr zusammengewohnt haben, in Berlin, in einer „groszen Wohnung in einer schönen Villa“.
„ich schreibe jetzt figural“, behauptet das Ich immer wieder fast trotzig, offenbar gegen eigene frühere Erzählbedenken und ästhetische Selbstfesselungen. Diese Prosa entblößt sich, stilistisch und persönlich, doch sie ist nie kunstlos – auch Schreib- und Denkfiguren sind „figural“, Mayröcker bleibt der kontrollierten Ausschweifung treu. Die neue Lust am Zusammenhang ermutigt sie indes zu konzisen Aussagen über sich selbst, immerhin spricht sie von diesem Buch, dessen Entstehungsgeschichte wir hier einmal mehr zugleich erleben, unverblümt als „Beichte“:
Und ich hatte gerne diesen Vorhang vor meinem Gesicht, meine Haare, und das Beruhigungsmittel (Demetrin, 50 Stück) holt mich herunter aus meinem Himmel, nämlich Ausnahmezustand.
Oder:
Ich wuszte nie etwas zu sagen, ich war nicht fähig ein Gespräch zu beginnen oder auf ein Gespräch einzugehen (…), ich unterhalte mich lieber mit mir selbst oder ich lese in einem Buch.
Der Titel gibt eine in sich verzahnte Zweiheit vor, die Liebesgeschichte und die Schreibanstrengung. „Und ich schüttelte einen Liebling“: das hat eine aggressive Note, es steckt eine – noch so liebevolle – Handgreiflichkeit drin; und es evoziert die Vorstellung einer emsigen Frau Holle, die so lange die Federbetten der Notizzettelchen aufschüttelt, bis kristalliner Wortschnee herniederfällt. Der Leser darf sich dann berieseln lassen, er soll sich, geht es nach der Autorin, nicht anstrengen müssen.
Mayröckers Poetik ist eine des Kaleidoskops – das einen Liebling schüttelt –, aber es fügen sich auch andere Erinnerungsmuster und -bilder ein, Vater und Mutter, eine große Liebe namens Ely, viele namentlich genannte Freundinnen und Freunde – man muss nicht alle biografischen Anspielungen und Private Jokes verstehen, um von der Intensität des Textes berührt zu werden. Mayröckers „Psychomontage“ (Reinhard Priessnitz) funktioniert radikal subjektiv, ganz auf die überempfindliche Weltwahrnehmung eines Ichs angelegt, jedoch nicht solipsistisch.
Die Memoiren und Memorabilien eines gemeinsamen Dichterlebens sind, samt Trauerflor, hineingewirkt in ein Gewebe aus lyrischen Glanzlichtern, bedenkenlos angeeigneten Lektüre-Funden und poetologischen Selbstbeschreibungen, die mitunter den merkwürdigen Eindruck erwecken, Mayröcker wolle den Germanisten die Arbeit abnehmen. Ihre Kunst ist jedenfalls, so opulent sie wirkt, zu einem Gutteil Auswahl und Aussparung, nicht bloß die wilde Jagd („im luziden Fiaker Fieber“), sondern auch das unvermittelte Innehalten, die Ernüchterung im rettenden Schreibrausch:
Heute morgen nach dem zweiten Erwachen denke ich über den Satz von Gertrude Stein nach, der lautet: „ich bin ich weil mein kl. Hund mich kennt“, und als EJ starb hatte ich den gröszten Teil meiner Identität eingebüszt.
Man kann, das legt Mayröckers großartig unpathetischer Epitaph nahe, es sich auch häuslich einrichten in Trauer und stiller Verzweiflung. Das Lebendigwerden der Toten in der Schrift hat etwas Tröstliches. Und tröstlich müsste für die Dichterin auch sein, was der Gefährte ihr zu Lebzeiten zugebilligt hat: Kunst „läßt sich nur bewerkstelligen mit dem anspruch, vor allem an einen selbst, auf einen ersten platz“. In seiner Geburtstags-Eloge zeigte Jandl nicht nur Verständnis für die Macht des Ehrgeizes, da verzichtete er ausnahmsweise auch auf den Schutz der Ironie:
doch hätten wir von ihr und ihrem werk kaum etwas erfaßt, würden wir nicht in jeder ihrer äußerungen die unerschöpfliche kraft ihrer liebe erkennen.
Daniela Strigl, Cicero
Das besondere Objekt von Friederike Mayröcker: Für Ernst am 21.4.70
Sie tritt nicht mehr moosgrün ans Fenster
die Träume ausgeträumt
die Tränen verstreut
und Schlaf Schlaf als letzte Textur
im Schamanenreich
wer sprach von ärmellosen Kirchen
von schwarzen Tellerkappen
und Euphorie
wer konnte so sanft selig sagen
Leberblümchen und Jalousie
wie sie
Friederike
im Jasmin
und im Schnee der Irrsale
nun hat sie ihr Konterfei liegengelassen
das pechschwarze Haar
die Hefte und Kehlchen
die Hermes Baby
die Zettel und Diminutive
die Andachtswolke
(und Philosophie mit Ziege)
was kommt?
Kindheit und Zierde
ach, wie es niederkniete:
das Notizbüchlein! niederkniete!
(im Andenken an Friederike Mayröcker)
6. Juni 2021
Ilma Rakusa
Theo Breuer: „Wie eine Lumpensammlerin“ – Vermerk zu Friederike Mayröckers Werk nach 2000
Ich züchte mir mein Gedicht – Peter Huemer im Gespräch mit der Schriftstellerin Friederike Mayröcker. (Erstausstrahlung am 21.41988)
Gespräch mit Doris Plöschberger und Thorsten Ahrend von Bernhard Fetz und Katharina Manojlovic
Katharina Manojlovic und Susanne Rettenwander: Ein Gespräch mit Edith Schreiber oder „mitten im Jandl-Mayröcker-Kosmos“
Michael Wurmitzer: Weltkonfrontation und Weltdistanz. Eine philologisch-kulturwissenschaftliche Untersuchung zu Friederike Mayröckers ,études‘.
Paul Jandl: Interview mit Friederike Mayröcker – „Ich bin ja eigentlich gegen den Tod“
Friederike Mayröcker im Interview mit Astrid Nischkauer am 8.3.2017 im Café Sperl
Protokoll einer Audienz. Otto Brusatti trifft Mayröcker: Ein Kontinent namens F. M.
Das Herzzerreißende der Dinge – In Erinnerung an Friederike Mayröcker
Hans Ulrich Obrist spricht über die von ihm kuratierte Ausstellung von Friederike Mayröcker Schutzgeister vom 5.9.2020–10.10.2020 in der Galerie nächst St. Stephan
Friederike Mayröcker übersetzen – eine vielstimmige Hommage mit Donna Stonecipher (Englisch), Jean-René Lassalle (Französisch), Julia Kaminskaja (Russisch) und Tanja Petrič (Slowenisch) sowie mit Übersetzer:innen aus dem internationalen JUNIVERS-Kollektiv: Ali Abdollahi (Persisch), Ton Naaijkens (Niederländisch), Douglas Pompeu (brasilianisches Portugiesisch), Abdulkadir Musa (Kurdisch) und Valentina di Rosa (Italienisch) und Bernard Banoun – im Gespräch mit Marcel Beyer am 6.11.2021 im Literaturhaus Halle.
räume für notizen: Friederike Mayröcker: Frieda Paris erliest ein Langgedicht in Stücken und am Stück, Juliana Kaminskajas Film das Zimmer leer wird gezeigt. Die Moderation übernimmt Günter Vallaster am 29.1.2024 in der Alten Schmiede, Wien
Fest mit WeggefährtInnen zu Ehren von Friederike Mayröcker Mitte Juni 2018 in Wien
Sandra Hoffmann über Friederike Mayröcker bei Fempire präsentiert von Rasha Khayat
Im Juni 1997 trafen sich in der Literaturwerkstatt Berlin zwei der bedeutendsten Autorinnen der deutschsprachigen Gegenwartslyrik: Friederike Mayröcker und Elke Erb.
Zum 70. Geburtstag der Autorin:
Daniela Riess-Beger: „ein Kopf, zwei Jerusalemtische, ein Traum“
Katalog Lebensveranstaltung : Erfindungen Findungen einer Sprache Friederike Mayröcker, 1994
Ernst Jandl: Rede an Friederike Mayröcker
Ernst Jandl: lechts und rinks, gedichte, statements, perppermints, Luchterhand Verlag, 1995
Zum 75. Geburtstag der Autorin:
Bettina Steiner: Chaos und Form, Magie und Kalkül
Die Presse, 20.12.1999
Oskar Pastior: Rede, eine Überschrift. Wie Bauknecht etwa.
Neue Literatur. Zeitschrift für Querverbindungen, Heft 2, 1995
Johann Holzner: Sprachgewissen unserer Kultur
Die Furche, 16.12.1999
Zum 80. Geburtstag der Autorin:
Nico Bleutge: Das manische Zungenmaterial
Stuttgarter Zeitung, 18.12.2004
Klaus Kastberger: Bettlerin des Wortes
Die Presse, 18.12.2004
Ronald Pohl: Priesterin der entzündeten Sprache
Der Standard, 18./19.12.2004
Michael Braun: Die Engel der Schrift
Der Tagesspiegel, 20.12.2004.
Auch in: Basler Zeitung, 20.12.2004
Gunnar Decker: Nur für Nervenmenschen
Neues Deutschland, 20.12.2004
Jörg Drews: In Böen wechselt mein Sinn
Süddeutsche Zeitung, 20.12.2004
Sabine Rohlf: Anleitungen zu poetischem Verhalten
Berliner Zeitung, 20.12.2004
Michael Lentz: Die Lebenszeilenfinderin
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.12.2004
Wendelin Schmidt-Dengler: Friederike Mayröcker
Zum 85. Geburtstag der Autorin:
Elfriede Jelinek, und andere: Wer ist Friederike Mayröcker?
Die Presse, 12.12.2009
Gunnar Decker: Vom Anfang
Neues Deutschland, 19./20.12.2009
Sabine Rohlf: Von der Lust des Worte-Erkennens
Emma, 1.11.2009
Zum 90. Geburtstag der Autorin:
Herbert Fuchs: Sprachmagie
literaturkritik.de, Dezember 2014
Andrea Marggraf: Die Wiener Sprachkünstlerin wird 90
deutschlandradiokultur.de, 12.12.2014
Klaus Kastberger: Ich lebe ich schreibe
Die Presse, 12.12.2014
Maria Renhardt: Manische Hinwendung zur Literatur
Die Furche, 18.12.2014
Barbara Mader: Die Welt bleibt ein Rätsel
Kurier, 16.12.2014
Sebastian Fasthuber: „Ich habe noch viel vor“
falter, Heft 51, 2014
Marcel Beyer: Friederike Mayröcker zum 90. Geburtstag am 20. Dezember 2014
logbuch-suhrkamp.de, 19.1.2.2014
Maja-Maria Becker: schwarz die Quelle, schwarz das Meer
fixpoetry.com, 19.12.2014
Sabine Rohlf: In meinem hohen donnernden Alter
Berliner Zeitung, 19.12.2014
Tobias Lehmkuhl: Lachend über Tränen reden
Süddeutsche Zeitung, 20.12.2014
Arno Widmann: Es kreuzten Hirsche unsern Weg
Frankfurter Rundschau, 19.12.2014
Nico Bleutge: Die schöne Wirrnis dieser Welt
Der Tagesspiegel, 20.12.2014
Michael Lentz und Marion Poschmann: Verse, die ins Blut gehen
Die Zeit, 17.12.2014
Elfriede Czurda: Glückwünsche für Friederike Mayröcker
Manuskripte, Heft 206, Dezember 2014
Kurt Neumann: Capitaine Fritzi
Manuskripte, Heft 206, Dezember 2014
Elke Laznia: Friederike Mayröcker
Manuskripte, Heft 206, Dezember 2014
Hans Eichhorn: Benennen und anstiften
Manuskripte, Heft 206, Dezember 2014
Barbara Maria Kloos: Stadt, die auf Eisschollen glimmt
Manuskripte, Heft 206, Dezember 2014
Oswald Egger: Für Friederike Mayröcker zum 90. Geburtstag
Manuskripte, Heft 206, Dezember 2014
Péter Esterházy: Für sie
Manuskripte, Heft 206, Dezember 2014
Wilder, nicht milder. Friederike Mayröcker im Porträt
Zum 93. Geburtstag der Autorin:
Einsame Poetin, elegische Träumerin, ewige Kinderseele
Die Presse, 4.12.2017
Zum 95. Geburtstag der Autorin:
Claudia Schülke: Wenn Verse das Zimmer überwuchern
Badische Zeitung, 19.12.0219
Christiana Puschak: Utopischer Wohnsitz: Sprache
junge Welt, 20.12.2019
Marie Luise Knott: Es lichtet! Für Friederike Mayröcker
perlentaucher.de, 20.12.2019
Herbert Fuchs: „Nur nicht enden möge diese Seligkeit dieses Lebens“
literaturkritik.de, Dezember 2019
Claudia Schülke: Der Kopf ist voll: Alles muss raus!
neues deutschland, 20.12.2019
Mayröcker: „Ich versteh’ gar nicht, wie man so alt werden kann!
Der Standart, 20.12.2019
Zum 96. Geburtstag der Autorin:
Zum 100. Geburtstag der Autorin:
Hannes Hintermeier: Zettels Träumerin
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7.5.2024
Michael Wurmitzer: Das Literaturmuseum lässt virtuell in Mayröckers Zettelhöhle schauen
Der Standart, 17.4.2024
Barbara Beer: Hier alles tabu
Kurier, 17.4.2024
Anne-Catherine Simon: Zuhause bei Friederike Mayröcker – dank Virtual Reality
Die Presse, 18.4.2024
Paul Jandl: Friederike Mayröcker: Ihre Messie-Wohnung in Wien bildet ein grosses Gedicht aus Dingen
Neue Zürcher Zeitung, 17.6.2024
Sebastian Fasthuber: Per Virtual-Reality-Trip in die Schreibhöhle der Dichterin Friederike Mayröcker
Falter.at, 9.7.2024
Roman Bucheli: Friederike Mayröcker war ihr eigenes Gesamtkunstwerk. In ihrer Wiener Papierhöhle schrieb und zeichnete sie ein Leben lang
Neue Zürcher Zeitung, 12.7.2025
Fabian Schwitter: Von Fetischen und Verlegenheiten
Kreuzer :logbuch, Oktober 2024
Cornelius Hell: Kreuz und quer durch Mayröcker-Texte
oe1.orf.at, 17.12.2024
Cornelius Hell: Friederike Mayröcker und die Dorfwelt
oe1.orf.at, 17.12.2024
Cornelius Hell: Friederike Mayröcker und der heilige Geist
oe1.orf.at, 17.12.2024
Cornelius Hell: Friederike Mayröcker und das Skandalon des Todes
relidion.orf.at, 20.12.2024
Cornelius Hell: Friederike Mayröcker ist der Frühling
relidion.orf.at, 21.12.2024
Martin Reiterer: Gegen den Strich gebürstet
Der Standart, 16.12.2024
Iris Radisch: Majestät am Campingtisch
Die Zeit, 18.12.2024
Bernd Melichar: Sie weidete in Poesie, sie war nicht von dieser Welt
Kleine Zeitung, 18.12.2024
Clemens J. Setz: Ihre Stimme macht alle Selbstgespräche tröstlicher
Süddeutsche Zeitung, 19.12.2024
Oliver Schulz: Darum war Friederike Mayröcker von Sprache besessen
Nordwest Zeitung, 19.12.2024
Lothar Schröder: Einfach mit Larifari beginnen
Rheinische Post, 19.1.2024
Bernhard Fetz: Zum 100. Geburtstag von Friederike Mayröcker
hr2, 20.12.2024
Joachim Leitner: Wie Friederike Mayröcker in Tirol den Mut zum „Mayröckern“ fand
Tiroler Tageszeitung, 19.12.2024
Marie Luise Knott: Engelgotteskind
perlentaucher.de, 20.12.2024
„Königin der Poesie“: 100 Jahre Friederike Mayröcker
Der Standart, 2012.2024
Martin Amanshauser: Durch ihre Welt tanzen die Blumen, Tiere und Gedanken
Die Presse, 20.12.2024
Gerhild Heyder: „Der Tod ist mein Feind“
Die Tagespost, 20.12.2024
Paul Jandl: Vor hundert Jahren wurde Friederike Mayröcker geboren: eine Dichterin, die mit ganzem Herzen an das glaubt, was von oben kommt
Neue Zürcher Zeitung, 20.12.2024
Richard Kämmerlings: Unaufhörlicher Dialog mit Lebenden und mit Toten
Die Welt, 20.12.2024
Peter Mohr: Den Kopf verlieren
titel-kulturmagazin.net, 20.12.2024
Michael Denzer: „Haben 1 Gedicht im Kopf“
salto.bz, 24.12.2024
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„Die seufzenden Gärten“. Erinnerung an Friedericke Mayröcker mit Norbert Hummelt, Andrea Winkler und Christine Vescoli. Premiere am 26.9.2021 bei Literatur Lana
Friederike Mayröcker – Trailer zum Dokumentarfilm Das Schreiben und das Schweigen.









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