Jorge Luis Borges: Gedichte 1969–1979

Mashup von Juliane Duda zu dem Buch von Jorge Luis Borges: Gedichte 1969–1979

Borges-Gedichte 1969–1979

JOYCE ANRUFEND

Zerstreut in zerstreuten Hauptstädten,
einsam und vielsam,
spielten wir den ersten Adam,
der den Dingen ihren Namen gab.
Durch die weiten Hänge der Nacht,
die den Tagesanbruch säumen,
suchten wir (ich erinnere mich noch daran) die Wörter
für den Mond, den Tod, den Morgen
und die anderen Bräuche des Menschen.
Wir waren Imagismus, Kubismus,
die Konventikel und Sekten,
welche die leichtgläubigen Universitäten verehren.
Wir erfanden das Fehlen der Interpunktion,
das Weglassen der großen Anfangsbuchstaben,
die Strophen in Taubenform
der Bibliothekare von Alexandria.
Asche, die Mühe unserer Hände
und ein glühendes Feuer unser Glaube.
Währenddessen schmiedetest du
in den Städten der Verbannung,
in jener Verbannung, die
dein langweiliges erwähltes Werkzeug war,
die Waffe deiner Kunst,
erbautest du deine mühseligen Labyrinthe,
infinitesimal und infinit,
bewunderungswürdig dürftig,
bevölkerter als die Geschichte.
Wir werden gestorben sein, ohne das zweiförmige Raubtier
wahrgenommen zu haben oder die Rose,
die der Mittelpunkt deines Irrgartens sind,
aber die Erinnerung besitzt ihre Talismane,
ihre Echotöne Vergils,
und darum überdauern in den Straßen der Nacht
deine prächtigen Höllen,
so viele von deinen Kadenzen und Metaphern,
das Gold deines Schattens.
Was liegt an unserer Feigheit, wenn es auf Erden
einen einzigen mutigen Mann gibt,
was liegt an unserer Trauer, wenn es in der Zeit
einen gab, der sich glücklich nannte,
was liegt an meiner verlorenen Generation,
diesem vagen Spiegel,
wenn deine Bücher sie rechtfertigen.
Ich bin die anderen. ich bin alle jene,
die deine hartnäckige Strenge freigekauft.
Ich bin die, die du nicht kennst und die, die du rettest.

 

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Nachwort

Jorge Luis Borges, am 24. August 1899 in Buenos Aires, Argentinien, geboren und dort wohnhaft bis heute – seit fünfunddreißig Jahren in der Calle Maipú nahe der Plaza San Martin – empfindet sich als Bürger, Bürger der Welt und der Weltliteratur: sein Name Borges – der Vorfahr war portugiesischer Seemann und Neuchrist, somit getaufter Jude als Schutz gegen die Inquisition – bedeutet seiner Auffassung nach ,Mann der Stadt‘ –: homem do burgo, burgués, bourgeois, borghese, burgher. Ein anderer Urgroßvater war Oberst Isidoro Suárez, Kämpfer für die argentinische Unabhängigkeit; der Name seiner Mutter, Acevedo, stammt aus Katalonien; seine Großmutter Frances Haslam war Engländerin. Seine Familie ist seit dem siebzehnten Jahrhundert in Argentinien ansässig. „Wir sind einige der vielen Abkömmlinge von Juan de Garay, einem der Gründer von Buenos Aires, der allerdings Tausende von Abkömmlingen hatte“, erzählt Borges im April 1979 John Mason und merkt in seinem Vorwort zu Fervor de Buenos Aires an:

Als ich dieses Gedicht schrieb, wußte ich, daß einer meiner Ahnen ein Ahn des Diktators Rosas war – angesichts der knappen Bevölkerung Argentiniens und der fast inzestuösen Natur seiner Geschichte nichts Ungewöhnliches.

Doch mehr als seine internationale Herkunft wiegt seine kosmopolitische, mehrsprachige Erziehung. „Georgie“, wie seine Freunde – seine letzte Verwandte, die Mutter, ist im Jahre 1975 neunundneunzigjährig gestorben – ihn noch heute nennen, wurde von einer Miss erzogen. Sein Vater, Anwalt, Leser und Freund der Literatur, Freidenker (die Mutter war Katholikin): „Religion ist Sache der Frau“, projizierte seine Neigungen frühzeitig auf den Sohn, der, vielversprechendes Wunderkind, neunjährig seine erste literarische Leistung vorlegte: Die Übersetzung von Oscar Wildes The Happy Prince ins Spanische.
Der kleine „Georgie“ empfand Angst vor Masken, Spiegeln, der Geschlechtsakt stieß ihn ab; seine Schwester Norah spielte die Ariadne im Labyrinth seines Ich – der Obstgarten des elterlichen Landhauses in Adrogué schenkte ihm diese wichtige Metapher. „Fragte man mich heute nach dem Hauptereignis in meinem Leben, ich würde antworten: Die Bibliothek meines Vaters. Tatsächlich glaube ich manchmal, mich nie außerhalb dieser Bibliothek befunden zu haben. Ich sehe sie noch vor mir“, schreibt er in seinem Autobiographical Essay, 1970. Lebens- und Todeserfahrung hat Borges zeitlebens weitgehend durch Lektüre ersetzen müssen. Sein englisch angehauchtes Elternhaus lag in dem damals als „wild“ verschrienen spanisch-italienischen Stadtteil Belgrano.
1914 nahm die Familie den Fünfzehnjährigen mit nach Europa; in Genf absolvierte er das Abitur in französischer Sprache und lernte an Hand von Heines Dichtungen die „Wortmusik Deutschlands“ kennen. Zwischen 1919 und 1921 stürzte der junge Literat, vom Vater für die Laufbahn des Schriftstellers ohne Notwendigkeit eines Erwerbsberufs bestimmt, sich in den Madrider Freiheitswirbel des allbeherrschenden „ultraismo“; spanische Zeitschriften druckten seine Übersetzungen deutscher Expressionisten wie Becher, Klemm, Stadler, Stramm. Zurück in Buenos Aires, veröffentlichte er im Jahre 1923 seinen ersten Lyrikband Fervor de Buenos Aires, vierunddreißig Gedichte, sehr persönlicher Niederschlag seiner Wiederbegegnung mit der Geburtsstadt, maßvoll „ultraistisch“, doch wuchernd von Argentinismen. „Dieses Buch läßt alles ahnen, was ich später noch sagen werde“, schreibt Borges rückblickend und merkt anderswo an:

Nicht immer gleicht uns das, was wir sagen.

Erst nach dem Tod des Vaters im Jahre 1938 war er gezwungen, eine schlechtbezahlte „babylonische“ Beschäftigung in einer Stadtbibliothek anzunehmen, die er 1946 durch Perons Machtübernahme verlor. Nach dessen Sturz wurde er, fast erblindet, 1955 Direktor der Staatsbibliothek, Mitglied der Akademie. Es folgten Preise, Ehrungen, Einladungen ins Ausland, Vortragsreisen, Ausgaben seiner Bücher in mehreren Sprachen (Roger Caillois hatte ihn für Frankreich entdeckt); 1961 erhielt er mit Samuel Beckett den Internationalen Verlegerpreis Formentor; fortan wurde sein Wort in Gremien, Universitäten und Zeitschriften der Welt gefordert und gerühmt. Seit 1964 kann Borges nicht mehr lesen. Seine Unterschrift, wenn seine Kugelschreiberhand an die richtige Stelle gesetzt wird: feiner, zwei Zentimeter hoher Aufstrich, vier Zentimeter langer Abstrich, mehrmals verstärkt, so etwas wie ein gotisches S: das J. Daneben ein atrophiertes B, dann kurze Waagrechte, Aufabaufstrich, das G, anschließend ein s-Kringel, daneben offener, tangentenhalbierter Kreis, Ornament. Immer genau neun Zentimeter breit.
Der vorliegende Band beginnt mit Borges’ sechstem – der Autor nennt es das fünfte – Buch mit Versen. In den vorangegangenen sechsundvierzig Jahren hat er vierzehn Bände mit Lyrik, Essays und Erzählungen veröffentlicht, außerdem Übersetzungen, neben einer Unzahl von Filmkritiken, Aufsätzen und Buchbesprechungen in Zeitungen und Zeitschriften, besonders in SUR, zu dessen frühsten Mitarbeitern die Herausgeberin Victoria Ocampo ihn rechnet. Als seine Werke läßt er aber nur gelten, was er in die neun Bände seiner Gesamtausgabe von 1953–1960 aufgenommen hat. Aber auch danach hat Borges bei Neuauflagen Texte eliminiert oder geändert, so 1974 in der ergänzten Neuausgabe dieser Werke in einem Band und abermals in der Obra Poética von 1977. Die vorliegende Auswahl beruht auf den ersten Veröffentlichungen, die später von Borges weggelassenen Gedichte sind im Inhaltsverzeichnis mit einem * versehen.
Gleich in den ersten zwei Gedichten schlägt Borges sein Hauptthema an, die Zeit, und deren Metapher, der Fluß, eine Konstante in seinem Werk, vermutlich ausgelöst durch Lektüren der Vorsokratiker, der Philosophie des deutschen Idealismus, von Schopenhauer, von Nietzsche. „Der Fluß reißt mich fort und ich bin dieser Fluß“, lesen wir in Heraklit. In Otras Inquisiciones hieß es schon 1952:

Die Zeit ist der Stoff, aus dem ich gemacht bin. Die Zeit ist ein Fluß, der mich mitreißt, aber ich bin dieser Fluß; sie ist ein Tiger, der mich zerfleischt, aber ich bin der Tiger; sie ist ein Feuer, das mich verzehrt, aber ich bin das Feuer. Unglücklicherweise ist die Welt wirklich, unglücklicherweise bin ich Borges.

Nachdenken über die Zeit – für Borges das anspruchsvollste, lebensnotwendigste Problem der Metaphysik. Den Anstoß gab ein Jugenderlebnis beim Durchwandern der nächtlichen Straßen seiner Vaterstadt:

Ich hatte das Gefühl, tot zu sein, ich fühlte mich als abstraktes Wahrnehmungsorgan der Welt: unbestimmte Furcht, in Wissen getaucht, das klare Helldunkel der Metaphysik. Ich war nicht in dem Glauben befangen, ich sei die sogenannten Wasser der Zeit hinaufgeschwommen; eher vermutete ich, Inhaber der entgleitenden oder abwesenden Bedeutung des unfaßbaren Wortes Ewigkeit zu sein. Erst da gelang es mir, diese Traumphantasie zu definieren… Die Zeit, sofern es uns gelingt, diese Identität zu schauen, ist eine Täuschung. Die Unentschiedenheit und Untrennbarkeit eines Augenblicks ihres scheinbaren Gestern von einem Augenblick ihres scheinbaren Heute reichen aus, sie in sich aufzulösen.

 

(Nueva refutación del tiempo.)

Ergebnis der Erfahrung: kreisförmige Zeit, ewige Wiederkehr, archetypische Erscheinung. Für Borges, den Schüler des Heraklit von Ephesus, für den das Wasser Symbol der fließenden Zeit war, wird Zeit zum göttlichen Urgrund, der die Vielheit der Dinge erzeugt, welche die Zeit und ihre Entfaltung spiegeln – Stoff, Fluß, Tiger, Feuer. Apropos „definieren“: „Einmal habe ich den Ausdruck gesucht“, schreibt er in seinem Vorwort zu Antología Personal, 1961, „jetzt weiß ich, daß meine Götter mir nicht mehr als die Erwähnung, die Aufzählung, die Anspielung erlauben“. Daher verfeinert er die absolute Metapher zur Kunst der Andeutung und erläutert 1977 in einem Gespräch mit Juan E. González:

Es ist wichtig, nicht zu wissen, wie man eine Sache definiert. Wesentlich ist, nicht definieren zu können. Wie die Farbe Gelb definieren, wie die Liebe definieren, das Vaterland, den Geschmack des Kaffees? Wie einen Menschen definieren, den wir lieben?

Punkt und Kreis, Augenblick und Zyklus sind für Borges formale Entsprechungen: „Vom Morgenrot zur Nacht reicht Weltgeschichte“ heißt es im Sonett „James Joyce“. Und: „Meine Zeit ist immer ein doppelsichtiger Janus gewesen, / der gen Westen blickt und zum Tagesanbruch“ steht in East Lansing. Gott ist das unendliche Gedächtnis, der Mensch ist sein Gedächtnis:

Wir sind dies schimärische Museum unbeständiger Formen, dieser Haufen zerbrochener Spiegel

 

(„Cambridge“).

Von welchem Gott spricht Borges? Nicht von einem Erlöser-Gott, nicht von Christus, dem eingeborenen Sohn Gottes, höchstens von einem Schöpfer-Gott. Fragt man Borges, ob er damit Spinozas ,Deus sive Natura‘ meint, erwidert er dem Autor dieser Zeilen in einem Filmdialog, 1971:

Einen Gott nach Matthew Arnolds Vorstellung.

Was Jean Wahls These erhärtet, eine Annäherung an Jorge Luis Borges’ Werk sei nur mit dem Rüstzeug der Weltliteratur möglich.
Borges’ Kernfrage ist die Verbindung von persönlicher Zeit und absoluter Zeit, das Gedächtnis ist für ihn die polare Ergänzung unserer sinnlichen Wahrnehmungen. Den Widerspruch zwischen dem Theoretiker und dem Praktiker Borges, zwischen dem Ich des Aristoteles und dem Schriftsteller als Platoniker veranschaulicht sein Vorwort zu Nueva refutacuión del tiempo:

Im Laufe eines der Literatur und (gelegentlich) der metaphysischen Betroffenheit gewidmeten Leben habe ich eine Widerlegung der Zeit erkannt oder geahnt, an die ich selber nicht glaube, die mich aber in den Nächten und in matten Dämmerstunden mit der Illusionskraft eines Axioms heimsucht.

Zum Thema „kreisförmige Zeit“ sagt Borges am Schluß des gleichnamigen Essays („Elt tiempo circular“), 1936:

In Zeiten hoher Blüte mag die Mutmaßung, daß die Existenz des Menschen eine beständige, unveränderliche Quantität ist, etwas Bedrückendes oder Aufreizendes haben; in Zeiten des Niedergangs (wie der heutigen) ist sie die Verheißung, daß keine Kränkung, kein Unglück, keine Diktatur uns je ärmer machen können.

Die Ewigkeit als kreisender Zeitfluß bedeutet für Borges, daß nichts sich ändert; die Zeit ist ein Zeitlabyrinth, in dem sich alles wiederholt, ein zerstückeltes Abbild der Ewigkeit.
Dichtung, die nicht biographisch ist, hat für Borges keinen Wert. So entwickelt sich der durch die Straßen von Buenos Aires Wandernde der frühen Jahre 1953 zu dem im Labyrinth Irrenden, zum Odysseus; eine zweite Figur ist der Suchende:

Der Bibliothekar antwortete: Gott ist in einem der Buchstaben auf einer der Seiten eines der vierhunderttausend Bände des Clementinum. Meine Eltern und die Eltern meiner Eltern haben diesen Buchstaben gesucht. Ich bin vom Suchen blind geworden.

lesen wir in El Milagre Secreto. Die dritte Gestalt ist Golem, der Gelenkte. Die Freiheit zur individuellen Entscheidung und Willensbildung ist Selbsttäuschung, alle Fähigkeiten sind einem Größeren unterworfen, die Existenz läuft mit der Sicherheit einer Traumwanderung ab. Der andere ist nicht das Du, sondern mein Doppelgänger, ich. Am Doppelgänger erkennen wir das Unvermögen, uns selbst zu erkennen. Der Mensch ist ein namenloser Niemand. Erst hinter dem Sonnenuntergang werden wir die Archetypen erkennen: „Bald werde ich wissen, wer ich bin“, endet Elogio de la sombra.
In Borges’ Kosmos überwiegt die Welt der Ideen die der Ereignisse. „Das Wirkliche vermischte sich mit dem Geträumten, richtiger gesagt, das Wirkliche war eine der Figuren des Traums“, schreibt Borges in El Hacedor. Zwischen der faktischen Wirklichkeit und der Welt der Literatur finden keine Wechselwirkungen statt. Alles bedeutende Leben ist Wiederholung. Geschichtsüberfrachtung führt zu Geschichtslosigkeit. Borges’ Dichtung, wie er selbst in La muralla y los libros schreibt, ist „eine bevorstehende Offenbarung, die sich nicht vollzieht“. Denn alle Erscheinungen und Vorgänge der Welt, vergangene und gegenwärtige, sind in einem Punkt, dem Aleph, sichtbar versammelt: Das Eine in Allem. Wirklichkeit ist Anachronismus.
Neben der 1971 veröffentlichten Übersetzung von Elogio de la sombra, Lob des Schattens habe ich hier aus den drei anschließenden, in Deutschland noch unveröffentlichten Bänden Gedichte ausgewählt, die Borges’ ewig wiederkehrende Themen veranschaulichen sollen: Geschichte – Sagas, Vorgeschichte –; Philosophie – Heraklit, Spinoza –; Religiöses – Ein Gebet, biblische Themen –; Literatur – Joyce, Rubaiyat, Melville –; Erinnerung – Dinge, Talismane –, und Vergessen, „eine Form der Erinnerung“; der Archetyp – einmal als Unending Gift, das andere Mal als Unending Rose –; Träume und Spiegel, Degen und Labyrinthe; Schatten, Blindheit und Tod; Länder – Neuengland, Israel –; Argentinien – Episches aus seinen Unabhängigkeitskriegen, Buenos Aires, der Mut der Messerstecher aus den Vorstädten, die Milonga, Vorläufer des Tangos, der Gaucho –: einmal als Prosagedicht, dann in volkstümlichen Vierzeilern –; Tiere – Bison, Nachtigall, Tiger –; und endlich eine Reihe von Tankas, Exerzitien, die dem Experimentiertrieb des Poeta ludens entgegenkommen: „Ich habe keine Botschaft. Ich bin Handwerker. Ich schreibe Geschichten und schreibe Gedichte. Ich hoffe, Menschen durch sie zu bewegen, zu erfreuen. Mehr will ich nicht“, erklärt er im April 1979 in einem Gespräch mit John Mason.
Der Schriftsteller Borges, der die Zeit leugnet, die Geschichte, die Person – das Sonett „Ich bin“ aus Die tiefe Rose endet:

Ich bin der, der Niemand ist, kein Degen war
Im Krieg. Bin Echo, bin Vergessen, Nichts.

äußert sich als Bürger, als zoon politikon, ebenso unmißverständlich: Bei der Entgegennahme der Ehrendoktorwürde und des höchsten militärischen Ordens Chiles aus der Hand des delegierten Rektors der Universität von Santiago, General Toro, im Namen des Staatschefs, Präsident der Militärjunta und Generalissimus Augusto Pinochet, erklärte Jorge Luis Borges am 18. September 1976:

Überdies gibt es etwas, was zu verschweigen feige wäre. Unsere Epoche ist wie alle Epochen eine Epoche der Anarchie; wie alle Epochen ist sie eine Epoche des Übergangs. Die Zeit ist Übergang; die Zeit ist Heraklits immer wild bewegter Fluß, und wer sie erlebt, darf nicht glauben, in einer angenehmen Epoche zu leben. Ruhe gehört der Vergangenheit, gehört der Erinnerung oder gehört der Hoffnung an. Aber die Ruhe ist niemals Gegenwart. Die Gegenwart ist immer bebend. Die Gegenwart kann in jedem Augenblick zerstört werden, die Gegenwart ist zerbrechlich. Dennoch gibt es etwas, was uns alle trösten, was den gesamten Kontinent und vielleicht die ganze Welt trösten sollte. In dieser Epoche der Anarchie, ich weiß es, gibt es zwischen Kordillere und Meer ein starkes Vaterland. Lugones [Leopoldo Lugones, 1874–1938, Lyriker, Romancier, Essayist, Borges’ geistiger Ahn, erklärte 1924 in Lima bei der Jahrhundertfeier der Schlacht von Ayacucho in seiner Rede „Die Stunde des Schwerts“: „Zum Glück für die Welt hat wieder einmal die Stunde des Schwerts geschlagen, und die Militärregierungen haben die Demokratie, den Pazifismus und den Kollektivismus zersprengt, denn die Militärs sind vom Schicksal erwählte Häupter und befehligen dank dem angeborenen Recht der Besten mit dem Gesetz… oder gegen es.“ 1930 veröffentlichte er „Das starke Vaterland“, in dem er seine Schmähungen gegen die Demokratie wiederholte und behauptete, Argentinien werde erst an dem Tag eine große Nation sein, an dem es das allgemeine Wahlrecht abschaffe.] hat das starke Vaterland gepredigt, als er von der Stunde des Schwertes sprach. Ich erkläre, daß ich das Schwert, das helle Schwert dem heimlichen Dynamit vorziehe. Und ich sage das, sehr klar und sehr genau wissend, was ich sage. Mein Land ist im Begriff, aus dem Sumpf zu tauchen, in dem wir versunken waren. Und genau durch das Werk des Schwertes gehen wir daraus hervor. Hier hingegen sind Sie bereits aus diesem Sumpf getaucht. Und hier ist Chile, dies Gebiet, dies Vaterland, das zugleich ein großes Vaterland ist und ein ehrenhaftes Schwert.

Ein Wort zur Übersetzung: Borges’ poetische Sprache ist eine Art konservativer Konversationston. Wenn er vorliest, liest er leicht, gelegentlich von einem Anflug der Ironie, des Humors begleitet, kaum merklich zwar, manchmal, wenn er im Hörer Erregung entfachen will, mit einem Hauch von zitternder Leidenschaft. Beiläufigkeit und Weihe halten einander spielerisch die Waage. In den letzten Bänden, nach dem Tod der Mutter, nach abgeschlossener Tätigkeit als Direktor der Staatsbibliothek, in verschärfter Vereinsamung geschrieben, scheint, auch unter dem Eindruck der politischen Lage im Land, ein Pathos der Epik und der nationalen Strenge mitzuschwingen.
Borges ist übersetzbar. Das wird den zweisprachigen Leser interessieren, der sich mit dieser einsprachigen Ausgabe begnügen muß. Parallel gelesen, „entspricht“ der deutsche Vortrag dem borgianischen in Wortwahl und Wortzahl; die deutsche Fassung von „Cambridge“ mit 275 Wörtern gegen 285 des Originals ist etwa gleichwertig in Duktus, Rhythmus, Vers. Der achtsilbige Vierzeiler der Milonga läßt sich in seiner Musikalität nachahmen („Milonga von Manuel Flores“):

Y sin embargo me duele
Decirle adiós a la vida,
Esa cosa tan de siempre,
Tan dulce y tan conocida.

 

Und dennoch tut es mir weh,
Lebwohl zu sagen dem Leben,
Dies Ding so von jeher bekannt,
So süß, so naturgegeben.

Bei vielen der späten Sonette – sie reifen im ausweglosen Gedächtnis des Dichters ohne Ablenkung, ohne Hindernis und gelangen aufs Papier, sobald ein Besucher sich einstellt – ist es in Anbetracht der zwingenden Informationswerte fast unmöglich, das anspruchsvolle Reimschema nachzuschöpfen. Da seit allen Zeiten der Dichtkunst der Reim die Wiedergabe des Reims fordert, habe ich nur solche Gedichte gewählt, bei denen ich den Inhalt – Bild, Gedanke, Verb, Eigenschaftswort – übertragen konnte, ohne Dynamik, Metrum und Reim nennenswert zu schädigen. Ein Beispiel (91 deutsche Wörter gegen 87 des Originals):

aaaaaRitter, Tod und Teufel
Bajo el yelmo quimérico el severo
Perfil es cruel como la cruel espada
Que aguarda. Por la selva despojada
Cabalga imperturbable el caballero.
Torpe y furtiva, la caterva obscena
Lo ha cercado: el Demonio de serviles
Ojos, los laberínticos reptiles
Y el blanco anciano del reloj de arena.
Caballero de hierro, quien te mira
Sabe que en ti no mora la mentira
Ni el pálido lemor. Tu dura suerte
Es mandar y ultrajar. Eres valiente
Y no serás indigno ciertamente,
Alemán, del Demonioy de la Muerte.

 

Es blickt unterm Schimärenhelm das strenge
Profil so grausam wie das Schwert sich spreitet
Und grausam wacht. Durch nackte Waldeshänge
Der Ritter furchtlos seines Weges reitet.
Voll Hinterlist umgiert ihn das servile
Geschmeiß: der Teufel, scheelen Augs, der kalte,
Schlüpfrig die labyrinthischen Reptile,
Mit seiner Sanduhr der erloschene Alte.
Ritter aus Eisen, wer dich so betrachtet,
Der weiß: von Lüge bist du nicht ummachtet,
Vom bleichen Schrecken nicht. Dein hartes Los
Gebieten, kränken heißt. Der Mut, dein Lehen,
Hilft, Deutscher, dir mit Würde zu bestehen
den Teufel und sogar den Todesstoß.

Durch das enjambement und die Trennung von Substantiv und Adjektiv – severo / perfil, serviles / ojos; Gegenwerte: strenge / Profil, servile / Geschmeiß – sucht Borges die Wirkung des Sonetts zu erhöhen. Wichtiger jedoch ist, die Harmonie, die seine Poesie ausstrahlt und den Hauch des Fremden, betont durch seine besonderen Adjektive, zu bewahren.

Curt Meyer-Clason, Nachwort

 

Der Blinde in der Bibliothek

Jemand setzt sich zur Aufgabe, die Welt abzuzeichnen. Im Laufe der Jahre bevölkert er einen Raum mit Bildern von Provinzen, Königreichen, Gebirgen, Buchten, Schiffen, Inseln, Fischen, Behausungen, Werkzeugen, Gestirnen, Pferden und Personen. Kurz bevor er stirbt, entdeckt er, daß dieses geduldige Labyrinth aus Linien das Bild seines Gesichts wiedergibt.
Ich bin mit Borges verabredet, um elf Uhr, in der Biblioteca nacionale, deren Direktor er seit vielen Jahren ist. Ich mache mich früh auf den Weg; ich bin erst gestern angekommen, und ich wollte die Stadt sehen und erleben, wie er sie gesehen und beschrieben hat. Was ist Buenos Aires? Es ist das wachsende Labyrinth aus Lichtern, das wir vom Flugzeug unterscheiden und unter dem der Erker ist, der Gehsteig, der letzte Innenhof, die stillen Dinge. Ich gehe durch die Florída, schlendere an den eleganten Schaufenstern vorbei, verzögere hier und da meinen Schritt wie die andern, ertappe mich dabei, wie ich die Preise für Seidenhemden und Lederjacken vergleiche – wie die andern. Bis ich entdecke, daß sie, die Argentinier, die prachtvollen Auslagen nur als Vorwand nehmen, um sich in den großen Scheiben zu spiegeln, die Frauen tupfen sich eine Locke ins Gesicht, um weiblicher auszusehen, die Männer rücken die Krawatte zurecht und straffen ihre Hosen, um noch männlicher zu wirken. Ich merke schon, das ist mehr Gombrowicz als Borges. Ich komme nach Retiro, auf jenen Platz, auf dem die Engländer einen Glockenturm gebaut haben, in der Mitte ein Denkmal, ein General auf einem Pferd, überall sieht man die reitenden Helden, mal in Erz gegossen, mal in Stein gehauen. Auf einem anderen Platz, hinter früchteschweren Avocado-Bäumen, ein noch größeres, mächtigeres, protzigeres Denkmal als die andern, wieder ein General auf einem Pferd – sicher wieder dieser Martín Fierro, denke ich, der genau so aussieht wie alle Helden von vorgestern auf Denkmälern von gestern aussehen, und den Borges in einer Erzählung von nur einundeinhalb Seiten so ganz anders beschrieben hatte: Dies, was einmal geschah, kehrt endlos wieder. Die sichtbaren Heere zogen davon, und was bleibt, ist ein armseliger Kampf mit dem Messer; was jemand träumt, hat teil am Gedächtnis aller.
Nein, Heldenepen klingen anders.
La Recoleta, der Friedhof, die hohe Mauer, an der einer seiner Vorfahren den Erschießungstod starb. Dieser Friedhof, vollgestopft mit im antiken Stil erbauten Tempeln, mit dorischen Säulen, ionischen Friesen, nur alles viel kleiner, als ob die Toten schrumpften, Sarkophage aus weißem Gips, granitene Grabplatten, durchhängende Eisenketten, dies alles auf nichts anderes hindeutend, als daß es ziemlich eng sein muß, drüben im Totenreich. Hier sind auch die Gebeine der Borges begraben, einer alten kriegerischen Familie, Hauptleute, Gouverneure, Militärs. Ich erinnere mich an einen Film, Borges auf einen Stock gestützt, inmitten von Grabkreuzen, unbeweglich, das Gesicht zu den Steinen geneigt, der erste Borges, der nicht siegesgewiß in die Pampa reitet, sondern sie melancholisch besingt.
Die letzte Wegstrecke fahre ich mit dem Taxi, ich will nicht zu spät kommen. Im Sommer, schreibt Borges, ist die Stadt weiß vom weißen Licht der Sonne. Jetzt aber, im Juli, und das ist hier Winterszeit, ist sie grau im grauen Licht der Sonne, stumpfe Farben der Häuser und Mauern, die vollgeschmiert sind mit peronistischen Parolen, einfallslos, immer die gleichen Worte, die immergleichen Zeichen: Perón al poder. Und: Por socialismo nacional. Was mich erschreckt.
Ich warte auf Borges in der Eingangshalle, in der vier Portiers sich verzweifelt um Besucher kümmern, die gar nicht kommen. Und wenn sie schließlich kommen, gucken sie weg, es sei denn, der Besucher bringt eine Aktentasche mit, die sofort von Amts wegen beschlagnahmt werden darf – was aber an diesem Vormittag nicht geschieht, denn die spärlichen Besucher, die so langsam hereinticken wie der Stundenzeiger der großen Uhr über der Treppe, sie tragen wohlweislich keine Aktentaschen, sie kommen im Hemd, sie zeigen ihre weißen, offenen Handflächen und verschwinden irgendwo in einem langen dunklen Korridor.
So beschäftigen sich die Portiers mit ihren eigenen Fingernägeln, mit der staatlich verordneten blauen Krawatte, die niemals richtig sitzen will, oder dem kühn geschwungenen, wenn auch schon von ersten grauen Haaren durchsetzten Schnurrbart. Dann kommt Borges, er steigt aus einem Taxi, er geht tastend und doch ziemlich rasch die ersten Stufen hinauf bis in die Vorhalle, er sieht nicht nach rechts und nicht nach links, sondern starrt auf einen Punkt irgendwo im Unendlichen, sein leicht nach vorn gebeugter Körper ist von einem schweren grauen Mantel verhängt, auf dem Kopf trägt er eine schwarze Baskenmütze. Das Gesicht ist nach oben gerichtet, die Lider sind tief über die Augen heruntergezogen, als schirmten sie das Licht ab. Keine Regung in diesem Gesicht, auch später beim Sprechen nicht, es ist, als sei es eine Maske aus Stein, wie ich sie vorher auf dem Friedhof in Recoleta gesehen hatte.
Borges überquert vorsichtig, aber sicheren Schrittes die Vorhalle und ergreift am Ende das Geländer zur aufsteigenden Rundtreppe. So rasch geschieht es, daß ich gar nicht dazu komme, ihn zu begrüßen. Und keiner der sich langweilenden Portiers verändert seine Position, ja mir fällt auf, daß sie in diesem Augenblick besonders gleichgültig dreinblicken, als hätten sie eine Anordnung bekommen, diesen Mann, der immerhin ihr Direktor ist, nicht zu beachten. Mich hat diese Situation einen Moment gelähmt, dann laufe ich zu ihm, klettere rasch die Stufen hoch, erreiche ihn auf dem halben Absatz, und so, im Gehen, immer eine Stufe unter ihm, stelle ich mich vor. Ich erinnere ihn an unsere erste Begegnung in Berlin, im Jahre 1965, bei einer Tagung lateinamerikanischer Autoren, zu der der deutsche PEN und die Bundesregierung geladen hatten. Sein Ruhm war über Frankreich nach Deutschland gedrungen. Lob, Triumph, ja Huldigung gab es für ihn in Europa.
„Seine Erzählungen sind Augenblicke, für die wir leben, weil wir in ihnen zu unserer Wahrheit erwachen.“ So schrieb ein Kritiker. Keiner, der dabei war, wird es vergessen, wie Borges damals in Berlin, ganz spontan, aus dem Gedächtnis, die Einsamkeit der Gauchos in der Weite der dürren Pampa beschrieb – und uns allen, die wir zuhörten, teilte sich diese Einsamkeit mit.
Borges unterbricht nicht seinen Treppenaufstieg, es ist ein alter Rhythmus, dem er folgt, das wird mir bald klar. Er antwortet etwas sehr Freundliches, was ich nicht verstehe, und zieht dabei seine schwarze Baskenmütze herunter, dann geht er, die rechte Hand wie eine Wünschelrute vor sich herweisend, den Korridor entlang, berührt mehrere Türen, bis er schließlich eine Klinke herunterdrückt und in einen Raum eintritt. Ich tappe hinter ihm her und befinde mich plötzlich in einem Zimmer, das offensichtlich sein Arbeitsraum ist, groß und leer und abweisend. Ein Schreibtisch steht darin, auf dem einige Bücher liegen, sonst nichts; daneben ein Telefon in einem Holzschrank; an der Wand ein Plakat mit einem Aufruf für eine Wanderbibliothek. Borges führt mich in das Nebenzimmer, eine Art Repräsentationsraum, mit einem langen, samtbezogenen Tisch in der Mitte, einem Kamin, einem Wandspiegel darüber, alles im Halbdunkel, denn die Fensterläden sind geschlossen. Überall liegt dicker Staub, als sei seit Wochen niemand mehr hier gewesen.
Warten Sie bitte einen Moment, sagt Borges auf englisch zu mir, ich will uns einen Kaffee bestellen. Und er tastet sich langsam zum Holzschrank zurück, ich will ihm behilflich sein, aber er wehrt mit großer Geste ab. Seine Stimme ist brüchig und kaum verständlich: seine Augen blicken mich glanzlos an. In Berlin, damals, war sein Augenlicht schon getrübt, aber er konnte noch Licht und Schatten ausmachen. Jetzt ist nur noch Dunkelheit um ihn.
Niemand meldet sich am Telefon; er hängt den Hörer auf, geht ins andere Zimmer, wählt hier, mit klarer Sicherheit, eine andere Nummer, er lauscht in die Muschel, aber wieder keine Antwort. Dann huscht seine Sekretärin herein, und als sie ihn sieht, verschwindet sie ganz rasch und lautlos, ohne ihn zu begrüßen. Und in diesem Augenblick wird mir klar, daß dies eine Taktik der neuen Männer ist, die gerade vor einigen Tagen die Macht in diesem Land übernommen haben. Schon einmal hatten die Peronisten ihn entlassen, weil er, als Intellektueller, nicht mit Kritik gespart hatte. Jetzt, so scheint es, bedienen sie sich einer neuen Methode, die sie bei Orwell gelernt haben könnten. Borges wählt aufs neue; er bekommt wieder keine Verbindung und gibt es auf.
Er bittet mich in den Kaminraum, in dem es kalt ist und dumpf riecht; er muß seit Wochen nicht mehr benutzt worden sein. Er spricht sehr langsam, er sieht mich an, und er sieht über mich hinweg, er macht lange Pausen zwischen seinen Sätzen. Sein Gesicht ist starr, wie aus Stein, es ist nicht aus dieser Zeit. Draußen ist es hell, draußen ist es Tag, draußen ist Gegenwart; hier herein wird das Licht durch die Rolläden gefiltert; auch der Lärm der Straße dringt nur gedämpft zu uns. Eine Erinnerung an etwas, das einmal dir gehörte, lebt auf und erlischt.
Ich schließe die Augen und sehe einen Vogelzug. Die Vision währt nur eine Sekunde oder vielleicht nicht einmal so lang; ich weiß nicht, wie viele Vögel ich gesehen habe. War ihre Zahl bestimmt oder unbestimmt? In dem Problem stellt sich die Frage nach der Existenz Gottes. Wenn Gott existiert, so ist die Zahl bestimmt, weil Gott weiß, wie viele Vögel er mich sehen ließ. Wenn Gott nicht existiert, ist die Zahl unbestimmt, weil niemand die Vögel nachzählen konnte. In diesem Fall sah ich (sagen wir) weniger als zehn Vögel und mehr als nur einen, aber ich sah nicht neun, acht, sieben, sechs, fünf, vier, drei oder zwei Vögel. Ich sah eine Zahl zwischen zehn und eins, die weder neun ist noch acht, noch sieben, noch sechs, noch fünf, usw. Diese Gesamtzahl ist für uns nicht vorstellbar; ergo, Gott existiert.
Ich erinnere mich nicht mehr an seine Sätze. Sie waren so dunkel wie dieser Raum. Er war hier und er war nicht hier. Seine Worte, auf englisch, waren verständlich und nicht verständlich. Ich glaube, er sprach von der Welt, die im Chaos versinke, weil die Dichter (nach den Politikern, nach den Militärs, nach den Wissenschaftlern) nicht fähig wären, sie zu ordnen; er sprach von der Politik, von Perón, der ein Verhältnis zur Macht, aber keines zu Menschen habe; er sprach von den Wörtern, die er jetzt, da er vollkommen erblindet sei, nicht mehr sehen, nur noch hören könne, von Johannes vom Kreuz und von Kafka, der alle Ängste dieser Welt in sich aufgenommen habe und uns doch nicht davor bewahren konnte.
Er sprach von Borges, der wie alle anderen Schriftsteller eitel sei und auf Originalität und Eigenart aus, bis er begriffen habe, daß sein Beitrag für die Mitlebenden nur darin bestand, ihnen klarzumachen, daß wir alle Gefangene sind im Labyrinth der Zeit, und nur Weniges können wir entwirren. Solange seine Mutter lebe (sie ist jetzt 96 Jahre alt), wolle er noch einige Auflösungen der Welträtsel schreiben, d.h. ihr diktieren; wenn sie nicht mehr ist, gibt es keine Welträtsel, gibt es auch für ihn nichts mehr zu schreiben.
Perón kann auf mich verzichten, sagt er, und zum ersten Mal huscht so etwas wie ein Lächeln über seinen versteinerten Mund, ich weiß es. Er braucht Heilige. Wir brauchen die Wahrheit.
Er will mir die Bibliothek zeigen und geleitet mich, der blinde Sehende, durch die Korridore, an hohen Regalen vorbei, voll gestellt mit Büchern, bis hin zum Lesesaal. Die Geräusche der Plaza bleiben hinter uns zurück, und wir treten in die Bibliothek. Nahezu physisch empfinde ich den Bewegungskreis der Bücher, den stillen Bereich einer Ordnung, die auf zauberische Art präparierte und konservierte Zeit. Zur Linken und zur Rechten zeichnen sich, versunken in ihren hellsichtigen Schlaf, die Augenblicksgesichter der Leser ab, bestrahlt vom Schein der Studierlampen.
Borges öffnet eine Tür, und ich sehe, von oben herab, den großen Lesesaal, ein Dutzend Studenten sitzen vor grünbespannten kleinen Tischchen, in Bücher vertieft; an den getäfelten Wänden alte schwarze Schränke, hinter Glas kostbare Inkunabeln. Borges weist auf die Schnitzarbeiten hin, die er doch nicht mehr sehen kann, keine Kunst, aber solide Arbeit, die die Zeiten überdauert. In einer Nische neben uns die Skulptur des Begründers der Bibliothek; daneben ist noch ein Platz frei. Ich weiß, dort wird eines Tages der Bronzekopf von Borges stehen.
Seit vierzig Jahren, sagt er, gehe ich in diese Bibliothek, und er streckt seine Hände aus, als umschließe er noch einmal alle Räume, alle Bücher, alles Wissen dieser Welt, die Bibliothek von Babel; ich kenne hier jede Treppenstufe, jede Tür, jeden Stein, jede Fliese auf dem Boden. Damit wehrt er mich ab, der ich ihm helfen will, den Weg zu seinem Arbeitszimmer zurückzufinden.
Er wendet sich ab, er geht den Weg allein zurück. Die Gestalt, die groß und beweglich war, während er sprach, ist jetzt, im Schweigen, klein und gebückt. Sie zerrinnt im Schatten des langen Korridors, und bevor sie noch die Tür erreicht, ist sie im Dunkel entschwunden, nur die Schritte hallen nach, dumpf.
Jemand setzt sich zur Aufgabe, die Welt abzuzeichnen. Im Laufe der Jahre bevölkert er einen Raum mit Bildern von Provinzen, Königreichen, Gebirgen, Buchten, Schiffen, Inseln, Fischen, Behausungen, Werkzeugen, Gestirnen, Pferden und Personen. Kurz bevor er stirbt, entdeckt er, daß dieses geduldige Labyrinth aus Linien das Bild seines Gesichts wiedergibt.
Jorge Luís Borges lebt, erblindet, vierundsiebzigjährig, in der Stadt der guten Winde. Ihm genügt es, der zu sein, der er ist. Er will kein anderer sein.

Horst Bienek, Süddeutsche Zeitung, 20.10.1973

Gespräch mit Jorge Luis Borges

– Erschienen im Suplemento Dominical (der Sonntagsbeilage) von El Colombiano, Medellín, 17. Dezember 1978, und Suplemento del Caribe, Barranquilla, 24. Januar 1979. –

Zum ersten Mal sah ich Jorge Luis Borges (Buenos Aires 1899–1986) am Morgen des 17. April 1971, im Warteraum eines Hotels in Island. Ich war gerade in Reykjavik angekommen, genau an diesem Morgen, in einem Flugzeug der Iceland Air, über Luxemburg von Nassau aus, um den erheblichen Steuern auf Luftfahrt dieser Jahre zu entgehen. Bei der Ankunft im Gasthaus, in dem wir die Nacht verbringen wollten, sah ich auf der Theke an der Rezeption eine Tageszeitung, auf der der Name des Argentiniers stand. Ich fragte den Pagen, worum es ginge, und er sagte mir, der Schriftsteller sei im Holti untergebracht, zwei Blöcke von dort entfernt. In der Annahme, ihn nicht anzutreffen, wagte ich es, bei diesem alten Luxushotel vorbeizugehen, und zu meiner Überraschung traf ich Borges an, allein auf einem breiten Sofa sitzend, wie er in die Ferne schaute. Er schien eine Musik zu hören, die von irgendwoher kam. Ich trat näher, sagte ihm, dass ich seine Werke bewundere, und er antwortete mir, sein Gesicht fest auf meine Stimme gerichtet, dass er all das getan habe, um sich zu amüsieren. Ich bat ihn, ein Foto mit mir zusammen machen zu lassen. In diesem Moment tauchte ein junger Mann auf, Norman Thomas de Giovanni, sein damaliger Übersetzer, und ein Reporter der Regionalzeitung, dessen Visitenkarte ich noch immer habe, Matthias Johannessen, und der Erstgenannte machte das Foto für mich. Beim Verlassen des Hotels sah ich, wie er und eine junge blonde Frau mit wundervollen Beinen, schlank und gut aufgelegt, sich mit einem Kuss begrüßten: María Kodama.
Ich sollte ihn auch später bei weiteren Gelegenheiten sehen. Im November 1977, als ich in Griechenland ankam, stieß ich im Palace auf María Kodama, um mit ihr eine Fernsehaufnahme für die Reihe In Amerika geschrieben zu machen, zusammen mit María Luisa Levinson und Manuel Mujica Láinez, Julio Cortázar, Ernesto Sábato und Juan Carlos Onetti, der damals schon in Madrid lebte. Bei jenem Mal, nachdem ich im Zimmer 123 angerufen hatte, gelang es mir, mit Borges zu sprechen, und schließlich lud er mich dazu ein, den Abend mit ihm zu verbringen. Wir gingen zur Plaza de Mayo, und nach einem kleinen Spaziergang nahmen wir einen Imbiss in einem Lokal am Bogengang der Scherenschleifer. Auf dem Rückweg traf ich Jorge Justo Padrón, der nicht nur den Nobelpreis für Alexeindre in der Tasche hatte, sondern auch den Fastenrath der Akademie. Er war nicht umsonst durch die halbe Welt gereist, um im Namen seines damaligen Schutzherrn, des Schweden Artur Lundkvist, den Nobelpreis anzubieten, den sein Hass dem Argentinier nicht zuerkennen wollte.
Dann, ein Jahr darauf, sagte mir jemand, er habe gerade von der Anwesenheit Borges’ in Bogotá erfahren, wohin er anscheinend vom kolumbianischen Kulturinstitut eingeladen worden war, um eine Präsentation vor der argentinischen Nationalbibliothek zu halten. Ich ging bis zum Haus des argentinischen Botschafters und mogelte mich dort mitten in einer stattlichen Gruppe von Journalisten hinein. Borges war gerade dabei, ein kollektives Interview zu geben, und ich kam so nahe an ihn heran, dass er meine Stimme hören konnte und begrüßte ihn: „Guten Abend, Borges“. Und sofort wandte er mir seinen Kopf zu und antwortete: „Guten Abend, Alvarado.“ Größer hätte die Überraschung kaum sein können, dass er ein ihnen unbekanntes Individuum grüßte und darüber hinaus auch noch vor Doña Gloria Valencia de Castaños und ihrem Ehemann, die die anderen jahrelang glauben machten, sie seien die eigentlichen Besitzer des Argentiniers in Kolumbien. Ich erinnere mich nicht, wer der Journalist des Caracol war, der Borges sein Mikrofon fast direkt an den Mund hielt. Aber vielleicht dachte man, dass ich in diesem Moment eine gute Rolle spielen könnte, indem ich dem Maestro Fragen stellte, und man lud mich ein, gleich ein Interview mit ihm zu führen. Ich glaube, das Gespräch wurde anderthalb Stunden lang übertragen, von dem ich nun große Teile in ihrer definitiven Form herausgebe. Das letzte Mal sah ich ihn in New York, wieder im November, diesmal im Jahr 1984, doch diese Geschichte habe ich schon andernorts erzählt. Das war, als er in meiner Gegenwart Leopoldo María Panero Sonette diktierte, die dem berühmten Waisen so viel Geld eintrugen.

Harold Alvarado Tenorio: Borges, ich weiß nicht, ob Sie sich erinnern, wir lernten uns in einem Hotel in Island kennen…

Jorge Luis Borges: Ja, in diesem Hotel in Reykjavik, im Herbst 1971, nicht? Sie wollten ein Foto machen… Haben Sie da ein Foto gemacht? In diesem Jahr haben sie mich zum Isländer ehrenhalber ernannt: Sie haben sich mit mir getroffen, weil man in der Zeitung geschrieben hatte, dass man mich zum „großen skandinavischen Troubadour“ ernannt hatte… Nehmen Sie dieses Gespräch auf? Meine Stimme ist schrecklich… sie hat den Anstrich eines Methusalem, mit dem Kreischen eines Babys…

Tenorio: Ja, das Foto machte Ihr damaliger Übersetzer, der in Island war, was machten Sie da in Island?

Borges: Ich fuhr dann nach Jerusalem, um da einen kleinen Preis entgegenzunehmen… Island weckte seit meiner Jugend meine Neugier, von dem Moment an, als ich die Übersetzungen der Sagas von William Morris gelesen hatte. Was wir heute unter germanischer Kultur verstehen, hatte in Island seinen Höhepunkt und schuf eine sehr reiche Literatur. In einigen meiner ersten Bücher schrieb ich über die Dichtung der Skalden, insbesondere über Snorri Sturluson, und ich glaube, ich habe mit diesen Büchern das Erzählen gelernt. In den Sagas steckt schon der moderne Roman, und dies auf eine noch wirksamere Weise. Die Isländer sprechen noch immer wie vor sieben Jahrhunderten, sie können ihre Klassiker lesen, ohne auf Wörterbücher oder Erklärungen zurückgreifen zu müssen, und blicken auf die Norweger und Schweden herab, weil sie deren Sprachen für deformiert halten. Die Ausgaben, die ich von der Heimskringla und von der Jüngeren Edda besitze, haben keine Fußnoten, die Leute verstehen sie vollständig. Das Isländische hat eine sehr besondere Schönheit wegen seines Wohlklangs und weil es noch zusammengesetzte Wörter bilden kann, ohne künstlich oder pedantisch zu wirken. Ich lerne samstags und sonntags Isländisch, mit einer halb geheimen Gruppe von Leuten… Island ist ein großes Land der Mittelklasse, es gibt dort weder reich noch arm. Ich schrieb nach diesem Besuch ein Gedicht, ich glaube, ich erinnere mich noch dran, wie es anfängt:

Welch Glück für die Menschen,
Island der Meere, dass es dich gibt.
Island des stummen Schnees und des siedenden Wassers.
Island der Nacht, die sich wölbt
über dem Wachen und dem Traum.

[Werke 9, 69, übersetzt von Gilbert Haefs]

Tenorio: Lassen Sie mich ein wenig meine Fragen ordnen. Gehen wir an den Anfang der Zeiten zurück, also zu Ihrem Urgroßvater mütterlicherseits, dem Oberst Isidoro Suárez…

Borges: Gut, Sie gehen jetzt sehr weit zurück… Er hieß Manuel Isido Suárez… Ich war achtzehn Jahre alt, als meine Großmutter starb, und sie hatte uns Geschichten über ihn erzählt. Er war der Sohn des Nicolás Suárez und der Leonor Merlo y Rubio und wurde an der Ecke San Martín/Cangallo geboren, drei Blöcke von der Plaza de Mayo entfernt. Mit vierzehn wurde er als Kadett in einem Grenadier-Regiment zu Pferde rekrutiert, und innerhalb eines Jahres wurde er zum Standartenträger des dritten Schwadrons ernannt, dann wurde er Leutnant und nahm im Andenheer San Martíns an der Maipú-Schlacht teil; in der Junín-Schlacht kommandierte er die Husaren von Peru, ein peruanisch-kolumbianisches Kavallerie-Regiment, in dem es nur wenige Argentinier gab, denn San Martín war da schon lange weg, und so unterstand er den Befehlen Bolívars und kommandierte eine Kavallerie-Abteilung, die die Schlacht entschied. Die Schlacht von Junín war in militärischer Hinsicht ein Scharmützel, sie dauerte nur eine Dreiviertelstunde, und nicht ein einziger Schuss fiel, es war eine Schlacht zwischen der patriotischen Kavallerie und der spanischen Kavallerie, und die ganze Schlacht wurde mit Säbel und Lanze ausgetragen, und dort durchbohrte die Lanze meines Urgroßvaters einen Spanier, denjenigen, der Oberst José Valentin de Olavarría gefangengenommen hatte, einen Freund von ihm, und als er das gesehen hatte, galoppierte er heran und durchbohrte den Goten, wie man damals sagte, und befreite seinen Freund, der einer der Mutigsten im Unabhängigkeitsheer war, doch wie bei Karl XII. gab es etwas, wovor er sehr viel Angst hatte, nämlich die Dunkelheit, er konnte einfach nicht im Dunkeln schlafen; Karl XII. von Schweden, für mich einer der mutigsten Männer der Geschichte, hatte auch Angst vor der Dunkelheit wie Olavarría… Ich habe meinem Urgroßvater zu viele Gedichte gewidmet, sie müssen eigentlich als Entwürfe angesehen werden… Sucre hat in seinen Briefen an Bolívar einige Lobgesänge auf ihn geschrieben … Er war Cousin zweiten Grades Rosas’, doch zog er es vor, in Verbannung und Armut in Montevideo zu leben und nicht unter einer Diktatur, sie konfiszierten seine Güter, und einer seiner Brüder wurde hingerichtet…

Tenorio: Und Doña Leonor…

Borges: Na gut, ich kann Ihnen da ein oder zwei Anekdoten erzählen. Ich beginne mit einer, die ein bisschen schaurig ist. Meine Mutter war über neunzig geworden, man rief sie eines Nachts an, wohl so gegen drei Uhr morgens. Ich hörte vage das Telefon, schlief wieder ein und fragte am nächsten Morgen, ob man angerufen oder ob ich das bloß geträumt habe. Und man sagte mir, es sei tatsächlich das Telefon gewesen. Wer es gewesen sei? „Na ja“, sagte sie zu mir, „ein Dummkopf“. „Was hat er denn gesagt?“ „Nun, man sagte, mit so einer richtig vulgären Stimme, ,Ich werde dich und deinen Sohn umbringen.‘“ Meine Mutter sagte: „Aber warum denn, mein Herr?“ „Weil ich Peronist bin.“ Daraufhin sagte meine Mutter: „Gut, meinen blinden Sohn zu töten, das ist eine echte Heldentat, und was mich angeht, so bin ich neunzig geworden und Sie müssen sich beeilen, sonst sterbe ich am Ende noch vorher.“ Und hängte auf. Wie seltsam, dass meine Mutter mit so einem kreolischen Witz herauskam, nicht?
Ich erzähle Ihnen noch eine Anekdote ganz anderer Art. Ich diktierte ihr gerade eine Erzählung, die ihr gar nicht gefiel, denn es war eine Geschichte über Messerstecher, die über die beiden Brüder, einer hat eine Geliebte, und der Jüngere verliebt sich in sie, der Ältere denkt, und der Jüngere auch, dass ihre Freundschaft das Wichtigste, dass die Frau nur ein Eindringling in ihr Leben sei, all das spielt sich zwischen ziemlich primitiven, barbarischen Menschen ab, also tötet er die Frau, damit die Frau sie nicht auseinanderbringt, und dann kommen wir zu dem Moment, in dem der Ältere dem Jüngeren sagen muss, dass er sie umgebracht hat.
Ich wusste nicht, mit welchen Worten das zu sagen war, und diktierte diese letzten und entscheidenden Zeilen meiner Mutter, und meine Mutter saß mit der Feder in der Hand da und sagte zu mir, warten Sie, so saß sie da, ganz in Gedanken, und dann sagte. sie zu mir: „Jetzt weiß ich, was er gesagt hat“, als wäre es ihr gerade wieder eingefallen, sie sagte nicht zu mir: „Er könnte das und das sagen“, sondern so, als sei es wirklich. „Jetzt weiß ich, was er gesagt hat“, gut, sagte ich, dann schreib es hin, dann las mir meine Mutter vor, und was sie geschrieben hatte, war perfekt. „An die Arbeit, Bruder, ich habe sie heute Morgen umgebracht“, doch er sagt nicht direkt, dass er sie umbrachte, sondern macht ihn einfach zum Komplizen, den anderen, man versteht, dass man sie jetzt begraben muss, er spricht diesen Befehl aus, er ist der Ältere, also sagt er „An die Arbeit, Bruder“ und dann in einer Art After for „Heute morgen habe ich sie umgebracht“, also beerdigen die beiden sie.
Dieser Satz, ohne den die Erzählung nicht existiert hätte, diesen Satz hat mir meine Mutter gegeben, und dieser Satz wurde immer sehr gelobt, es ist einfach der genau richtige, doch meine Mutter sagte: „Ich weiß, was ich gesagt habe“, so als sei das wahr, und dann verlangte sie von mir, nie wieder Geschichten von Messerstechern zu schreiben…

Tenorio: Erzählen Sie mir von jenen revolutionären Gedichten, die Sie abfassten, als Sie Ultraist waren…

Borges: Zu allererst waren diese Gedichte ziemlich mager; in zweiter Hinsicht bedeutete es 1917 etwas völlig anderes, Anhänger des Kommunismus zu sein, als jetzt Kommunist zu sein, denn diejenigen, die heute Kommunisten sind, sind, lassen Sie es uns so sagen, Anhänger des russischen Imperiums; in jener Zeit hingegen dachten wir an den Maximalismus, wie man das damals nannte, als eine Möglichkeit der Brüderlichkeit unter den Menschen, dass es keine Nationalitäten, keine Kriege geben solle; wir sahen das so, das hatte absolut nichts mit der jetzigen Sowjetunion zu tun… Wenn ich diese Gedichte bereue, so vor allem aus literarischen Gründen, sie waren wirklich sehr schlecht…

Tenorio: Wer hat Sie beeinflusst, Borges?

Borges: Ich glaube, dass alle Bücher, die ich gelesen habe, mein Werk beeinflusst haben, dass alle Freunde mein Werk beeinflusst haben, dass zweifelsohne auch meine Vorfahren, die Alten mein Werk beeinflusst haben, und es gibt große Schriftsteller, die mein Werk nicht beeinflusst haben, wie zum Beispiel Joseph Conrad, denn ihn habe ich ehrlich gesagt zwar gelesen, doch war ich eines Conrad nicht würdig; und es gibt Schriftsteller, die ich weniger schätze, die mein Werk beeinflusst haben, wie zum Beispiel Chesterton…

Tenorio: Oder Macedonio Fernández…

Borges: Die Freundschaft zu Macedonio Fernández habe ich von meinem Vater geerbt. Sie haben zusammen Jura studiert und ich erinnere mich, dass wir bei unserer Rückkehr aus Europa – das war im Jahr 1920 – von Macedonio Fernández am Landungssteg erwartet wurden. Da stand er also, er war die Heimat. Ein Mensch, der sich ganz dem Denken widmete; sich diesen essentiellen Problemen widmete, die man – nicht ohne jeden Ehrgeiz – Philosophie oder Metaphysik nennt. Macedonio lebte denkend, genau wie Xul Solar lebte und die Welt wieder erschuf und reformierte. Macedonio sagte zu mir, dass ihm das Schreiben beim Denken helfen würde. Das heißt, er dachte nie daran, das zu publizieren. Es stimmt, zu Lebzeiten ist nur ein Buch von ihm erschienen. Papeles de Reciénvenido [Papiere des gerade Gekommenen], ich habe Macedonio die Papiere eigentlich „gestohlen“: Macedonio wollte nicht publizieren, er hatte keinerlei Interesse daran, und an Leser dachte er auch nicht. Er schrieb, weil ihm das beim Denken half, und maß seinen Manuskripten keinerlei Bedeutung zu und zog von einer Pension in eine andere – aus Gründen, die leicht zu erraten sind, nicht? Und es waren immer Pensionen entweder im Stadtviertel Tribunales oder in Once, wo er geboren worden war, und dann ließ er da seine Manuskripte zurück. Also machten wir ihm deshalb Vorwürfe, weil er aus der Pension floh und einen großen Stapel Manuskripte zurückließ, die damit verlorengingen. Wir sagten zu ihm: „Aber Macedonio, warum machst du das nur?“, und er sagte dann, mit aufrichtigem Staunen, zu uns:

Aber glaubt ihr etwa, ich könnte etwas wirklich Neues denken? Ihr müsst wissen, dass ich immer denselben Kram denke, ich verliere gar nichts dabei. Ich werde in dieser Pension in Once dasselbe denken wie in den anderen zuvor, nicht? Ich werde in der Calle Jujuy denken, was ich in der Calle Misiones dachte.

Tenorio: Und Schopenhauer und der Buddhismus?

Borges: Ja, ich habe dem Studium der chinesischen Philosophie viele Jahre gewidmet, besonders dem Taoismus, der mich sehr interessiert hat, und dem Buddhismus auch. Auch für den Sufismus habe ich mich sehr interessiert. So dass mich all dies wohl sehr beeinflusst hat, aber ich weiß nicht wie weitgehend. Ich habe diese Religionen studiert, oder diese östlichen Philosophien, als Möglichkeiten des Denkens oder des Verhaltens, oder in Bezug auf ihre phantastischen Bestandteile, für die Literatur. Doch das geschieht, glaube ich, mit jeder Philosophie. Ich glaube, es war Schopenhauer oder Berkeley – ich habe nie das Empfinden, eine wirkliche Beschreibung zu lesen, oder etwas, das auf der Welt wahrscheinlich ist. Ich habe die Metaphysik immer als Zweig der phantastischen Literatur betrachtet. Zum Beispiel bin ich mir auch nicht sicher, ob ich ein Christ bin, doch habe ich viele Bücher über Theologie gelesen, Der freie Wille, Die ewigen Strafen und Freuden, wegen der theologischen Probleme. Das hat mich alles interessiert, aber als eine Möglichkeit der Phantasie.

Tenorio: Sie haben den größten Teil Ihres Lebens in Buenos Aires verbracht. Warum?

Borges: Ich könnte nicht außerhalb von Buenos Aires leben, ich bin an diese Stadt so gewöhnt wie ich an meine Stimme, meinen Körper, Borges zu sein gewohnt bin, an diese Serie von Gewohnheiten, die Borges genannt werden. Nicht, dass ich sie besonders bewundern würde, es ist etwas tiefer Gehendes. Mein Leben findet in Buenos Aires statt; außerdem werde ich zweiundachtzig, es wäre absurd, mir anderswo ein Leben aufzubauen. Ich habe keinerlei Grund, das zu tun. Meine Mutter starb in Buenos Aires, meine Schwester und meine Neffen wohnen hier, alle meine Freunde sind in Buenos Aires. Ich habe viel über meine Stadt geschrieben.

Tenorio: Sie haben vier oder fünf Versionen von Fervor de Buenos Aires gemacht [„Buenos Aires mit Inbrunst“, Werke 7]; in der letzten ist Buenos Aires zu einer beliebigen Stadt geworden…

Borges: Sie klagen mich an, Buenos Aires zu zerstören… als ich dieses Buch schrieb, hatte ich zu viele spanische Klassiker gelesen, es ist zu reich an Archaismen, es gab zum Beispiel Sätze, ich erinnere mich so etwas von einer „minucial guarismal“ geschrieben zu haben, das ist offensichtlich schrecklich, dann habe ich „pormenor numérico“ daraus gemacht, man merkt schon, nicht ganz so schlimm, ich habe das Recht zu verändern, was ich geschrieben habe, und außerdem sind die alten Versionen ja noch im Verkauf; ich verberge nichts, ich habe nur die alten Entwürfe korrigiert, außerdem ist alles, was ich schreibe, ein Entwurf, alles ist unendlich korrigierbar, ich schreibe nicht eine bestimmte Seite, es kam mir so seltsam vor, als Enrique Larreta ein Buch veröffentlichte, La gloria de Don Ramiro, und darunter setzte: „Definitive Ausgabe“. Doch wie konnte er wissen, dass er am nächsten Tag nicht finden könne, es sei besser einen Punkt zu setzen, wo er ein Semikolon gemacht hatte, zum Beispiel, wie könnte man das verteidigen, wie sich all den Adjektiven fügen, jedem Interpunktionszeichen dieses Buches, wie nicht denken, dass es zum Beispiel besser sei statt fuchsia rot zu setzen, wie kann man nur sagen „endgültige Ausgabe“, endgültige Ausgaben gibt es, wenn man tot ist, dann sind sie unglücklicherweise endgültig, vorher aber ist alles zu korrigieren, zu verbessern…

Tenorio: Sie mögen keinen Tango…

Borges: Alle Welt hat sich darauf geeinigt, dass der Tango in Bordellen entstand. Man meint sogar das Datum ausmachen zu können, 1880. Die Instrumente beweisen, dass es sich hier nicht um volkstümliche Musik gehandelt hat. Klavier, Flöte und Geige entsprechen einem gewissen wirtschaftlich höheren Niveau, genau dem der Bordelle von Buenos Aires. Sie waren dort, wo dann das jüdische Viertel war und dann hieß es Tenebroso-Viertel. Es war das Zentrum der „Mala vida“! Die Bevölkerung akzeptierte ihn nicht, weil sie wusste, dass er diese vulgäre Abstammung hatte. Er war, wie Lugones sagt, „ein Reptil aus dem Bordell“. Als ich noch ein Junge war, wohnte ich in den Vorstädten, in Palermo, und sah oft, wie der Drehorgelspieler kam und man Tango tanzte. Die Männer tanzten miteinander, weil die Frauen dessen vulgäre Abstammung nicht kannten. Die Frauen dieser Männer, die Zuhälter waren, hätten nie so getanzt. Der Tango war eine Vulgarität, und ihn nicht zu tanzen war eine Art zu zeigen, dass man arm, aber anständig war.

Tenorio: Sie haben mir erzählt, dass Sie Tlön; Uqbar, Orbis Tertius wie in einem Spiel geschrieben haben.

Borges: Als ich es schrieb, war es wie ein Spiel, ich erinnere mich, dass ich lachte, als ich es niederschrieb, mich sehr glücklich dabei fühlte… Wissen Sie, als ich noch sehen konnte, war es mir eine Freude zu schreiben, in jedem Augenblick, bei jedem Satz. Die Worte waren wie magisches Spielzeug, mit dem ich spielte und jede Art von Formen bewegte. Seit ich mit fünfzig Jahren mein Augenlicht verlor, konnte ich mich nicht mehr mit derselben Natürlichkeit des Schreibens erfreuen. Ich musste alles diktieren, wurde eher zum Diktator als zum Spieler mit Worten. Es ist schwierig, sich mit Spielzeug zu unterhalten, wenn man blind ist. Ich habe mich sehr amüsiert, als ich das geschrieben habe. Ich habe nie aufgehört zu lachen, von Anfang bis Ende. Alles war ein riesiger metaphysischer Scherz. Die Idee der ewigen Wiederkehr ist natürlich eine alte Idee der Stoiker. Der heilige Augustinus hat diese Vorstellung in der Civitas Dei verurteilt, als er den heidnischen Glauben an einen zyklischen Zeitlauf, der Stadt Babylon, mit dem linearen Konzept vergleicht, der prophetischen und messianischen Zeit, wie sie sich in der Stadt Gottes, Jerusalem, findet. Dieses letztere Konzept ist seit dem Heiligen Augustinus in unserer westlichen Kultur vorherrschend. Dennoch, ich glaube, es kann etwas Wahrheit in der alten Idee liegen, dass hinter der scheinbaren Unordnung des Universums und der Worte, die wir zum Sprechen über unser Universum benutzen, eine verborgene Ordnung auftauchen könnte… eine Ordnung der Wiederholung und Koinzidenz.

Tenorio: Dann würde es keinen Fortschritt geben…

Borges: Ich bin so antiquiert, Alvarado, an den Fortschritt zu glauben. Ich denke, es ist nicht ganz zwecklos, sich in Bezug auf Optimismus und Pessimismus daran zu erinnern, dass diese beiden Worte im Humoristischen erfunden wurden. Leibniz glaubte, dass wir in der besten aller Welten lebten. Dann erfand Voltaire, der mit den Figuren Pangloss und Candide darüber lachte, das Wort Optimismus. Und als das Wort Optimismus erst einmal entstanden war, war das des Wortes Pessimismus offensichtlich unvermeidlich. Ich glaube in einem allgemeinen Sinne an den Fortschritt, doch denke ich dabei eher an die spiralförmige Linie Goethes, das heißt: Ich betrachte den Dienstag nicht als notwendigerweise über dem vorherigen Montag stehend oder dem Mittwoch, der auf ihn folgt. Ich glaube allerdings, dass nach hunderten und tausenden von Montagen oder Dienstagen die Dinge offensichtlich besser sein werden.

Tenorio: Jetzt glaubt man, dass der Fortschritt die Konsumgesellschaft sei…

Borges: Vor vielen Jahren las ich in einem Buch von Thorstein B. Velben (The Theory of the Leisure Class) über die Klasse, die er als die des Müßiggangs bezeichnet, wo er davon spricht, dass ein Zug der jetzigen Gesellschaft darin bestehe, dass die Menschen ständig viel ausgeben müssen und sich eine Reihe von Pflichten auferlegen: Man muss in diesem oder jenem Stadtviertel wohnen oder den Sommer an diesem oder jenem Strand verbringen. Nach Veblen kassiert ein Schneider in London oder Paris eine übertriebene Summe, denn was er bei diesem Schneider sucht, ist genau die Tatsache, dass alles sehr teuer ist, was er verkauft. Oder ein Maler malt ein Gemälde, das verachtenswert sein mag, doch da es ein Gemälde von einem sehr berühmten Maler ist, verkauft es sich zu einem völlig überhöhten Preis. Der Zweck dieses Bildes besteht darin, dass der Käufer sagen kann: „Hier habe ich einen Picasso.“ Ich denke, dass das zu bekämpfen ist. Ich habe keinerlei Aberglauben in diese Richtung.

Tenorio: Was halten Sie von der Idee der Originalität…

Borges: Ich glaube, dass Originalität unmöglich ist. Man kann das Vergangene leicht variieren, jeder Schriftsteller kann eine neue Satzmelodie, eine neue Schattierung haben, aber nicht mehr. Vielleicht schreibt jede Generation dasselbe Gedicht und erzählt die immergleiche Erzählung wieder, aber mit einem kleinen und hübschen Unterschied: dem Ton, dem Klang, und das genügt.

Tenorio: Man sagt, Blinde könnten in die Zukunft sehen – wie wäre dann die Zukunft, Borges?

Borges: Die Zukunft hängt von uns ab. Es gibt eine einzige Sache, die wir wissen, und das ist, dass sie anders sein wird als die Gegenwart, und außerdem warum von der Zukunft sprechen, denn es wird viele Zukünfte geben, die einander nicht gleichen werden, wie das 19. Jahrhundert nicht dem 18. gleicht und das 18. nicht dem 17. Möglicherweise leben wir in einer Zeit, in der die Maschine das Wichtigste ist, all das kann man vergessen, wir interessieren uns jetzt sehr für Astronomie, erobern den astronomischen Raum, all das kann man vergessen, es kann eine Zeit der religiösen Leidenschaft kommen, ohne Zweifel werden viele Dinge geschehen, das beste ist, sie nicht vorauszunehmen, wir können sie nicht voraussehen, aber wir können sie erträumen…

Tenorio: Alles in allem, was sind Sie, Borges, Anarchist oder Konservativer oder was sonst?

Borges: Anarchist, denn ich glaube, am besten wäre ein Land, das keine Regierung braucht. Vielleicht schaffen wir das mit der Zeit, aber im Moment nicht. Im Moment ist die Regierung ein notwendiges Übel, doch leider werden in allen Teilen des Staates die Dinge immer störender. Als ich 1914 nach Europa fuhr, reisten wir ohne Pass, und man fuhr von einem Land zum anderen wie von einem Bahnhof zum anderen. Klar, nach dem Ersten Weltkrieg begann man dann misstrauisch zu werden… Doch jetzt! Sie können ohne eine Urkunde oder einen Pass nicht auf die Straße, weil der Staat sich in alles einmischt und Sie sogar festnimmt! Es ist entsetzlich! Ich war Kommunist, Sozialist, Konservativer und bin jetzt Anarchist. Das heißt, dass ich im Jahr 1918 an die russische Revolution glaubte. Jetzt sehe ich, dass sie irgendwie zum Imperialismus geworden ist. Jetzt hätte ich gern, dass es nur einen einzigen Staat gäbe, dass die unterschiedlichen Staaten verschwinden sollten, aber ich weiß, dass wir dafür noch nicht reif sind. Es gibt in diesem Land einige günstige Umstände, wie sie sich hier und nicht in anderen Republiken des Kontinents ergeben haben. Ich frage mich, warum sie nicht genutzt wurden. Wir haben eine starke Mittelklasse, das ist auch vorteilhaft für die Immigration aus vielen Ländern.

Tenorio: Sie haben oft gesagt, dass es die Demokratie nicht gebe…

Borges: Ich habe lange nicht an die Demokratie geglaubt, doch das argentinische Volk hat es übernommen, mir meinen Irrtum zu zeigen. Als die Militärs den Putsch gemacht hatten, dachte ich: Endlich bekommen wir eine Regierung von Caballeros, von Gentlemen. Doch sie selbst haben meine Meinung verändert, auch wenn ich lange brauchte, bis ich von den Verschwundenen, den Verbrechen und Entsetzlichkeiten erfuhr, die sie begingen. Eines Tages kamen die Mütter von der Plaza de Mayo zu mir nach Hause, um mir zu erzählen, was passiert war. Bis vor kurzem war ich bei Gericht und lernte den Richter kennen, dort erinnerte ich mich an einen Satz von Almafuerte:

Verlange nur nach Gerechtigkeit, aber es wird besser sein, du verlangst nichts.

All dies ist sehr traurig, und man sollte versuchen, das zu vergessen. Auch das Vergessen ist eine Form der Rache. Es war eine teuflische Zeit, und man muss alles tun, damit sie der Vergangenheit angehört. Dennoch: angesichts all dessen, was jetzt geschieht, denke ich, dass noch viele Leute eine nostalgische Sehnsucht nach der Vergangenheit empfinden. Natürlich ist es für mich leicht zu sagen, dass man vergessen muss, wahrscheinlich würde ich nicht so denken, wenn ich Kinder hätte, die entführt worden wären…

Tenorio: Und Sie sind eher ein Mann der Ethik als der Politik…

Borges: Ich bin ein Mensch, der sich unfähig weiß, Lösungen anzubieten, doch glaube ich die Anderer akzeptieren zu können. Ich verstehe nichts von Politik, mein persönliches Leben war nichts Anderes als eine Reihe von Irrtümern. Doch dazu bin ich verurteilt. Ich habe versucht, ein ethischer Mensch zu sein, auch wenn es vielleicht in dieser Gesellschaft, in der wir nun einmal leben, schwierig ist, denn wir sind alle Komplizen oder Opfer oder beides. Trotzdem glaube ich an Ethik. Ethik kann uns persönlich und auch kollektiv retten. Ich, wie sicherlich auch Sie, befinde mich in einem Zustand resignierter Verzweiflung. Ich sehe keine Lösung der Probleme, die wir beklagen. Und ich beziehe mich nicht nur auf unser Land, denn was hier geschieht, ist zweifelsohne weniger bedeutend als das, was auf der ganzen Welt passiert. Ich glaube, Spengler hatte Recht, als er vom Untergang des Abendlandes sprach. Dieser Untergang ist allgemein.

Tenorio: Alle Welt sagt, Sie seien sehr verliebt…

Borges: Verliebt zu sein, ist zu fühlen, dass etwas Einzigartiges, Wundervolles und vor allem für einen selbst Unerlässliches in jemandem steckt. Dessen bin ich mir nicht so sicher. Und ich würde sagen, dass Liebe nicht auf Freundschaft verzichten kann. Wenn Liebe auf Freundschaft verzichtet, ist sie eine Art Wahnsinn. Eine Art Raserei, also ein Irrtum insgesamt. Dass in Freundschaft ein Element Liebe steckt, mag sein, doch sind es zwei unterschiedliche Dinge. Die Liebe fordert übernatürliche Beweise, man möchte am liebsten, dass die Person, die verliebt in einen oder eine ist, wundervolle Beweise der Liebe erbringe. Die Freundschaft hingegen braucht diese Beweise nicht. Glück ist eine heitere Angelegenheit, und ich weiß nicht, inwieweit Überschwang dazugehört. Man muss es auf sich zukommen lassen und gastfreundlich zu ihm sein. Man geht beispielsweise durch die Straße, und auf einmal fühlt man sich glücklich. Das kann sich zweierlei Dingen verdanken: einem physiologischen Zustand oder einem vorherigen Glück, für das Temperatur, Licht und Straße verantwortlich sind. Ich beobachte mich und sehe mich als einen Menschen, der glaubt, in eine Frau verliebt zu sein, und später feststellt, dass er das nicht mehr ist. Das war nicht meine Entscheidung. Das ist etwas gewesen, das mir offenbart wurde. Ich habe das an mir festgestellt.
Tatsächlich gab es zu viele Frauen in meinem Leben. Ich erinnere mich, abgesehen von meinen ersten Lebensjahren, an keine Zeit meines Lebens, in der ich nicht verliebt gewesen wäre, und dies immer in eine einzigartige und unersetzliche Frau, abgesehen davon, dass diese einzigartige Frau nicht, wie es für gewöhnlich ist, immer dieselbe war. Diese Lieben wurden aufeinander folgenden Frauen gewidmet. Jedes Mal glaubte ich, sie sei einzigartig. Das ist natürlich, es passiert immer so.
Jetzt fühle ich mich voller Freundschaft, voller Liebe, und ich hoffe, dass dies bis zum Augenblick meines Todes so weitergeht.

Tenorio: Ich erinnere mich jetzt an ein Sonett von Ihnen, in dem es heißt:

Ich habe die schlimmste aller Sünden begangen,
die ein Mensch nur begehen kann. Ich war
nicht glücklich. Mögen Gletscher des Vergessens
mich schleifen und verstreuen, gnadenlos.
Die Eltern haben mich gezeugt für das
gefährliche und schöne Spiel des Lebens,
für Erde und Wasser und Luft und Feuer.
Ich habe sie enttäuscht. Ich war nicht glücklich.
Ihr junger Wille wurde nicht erfüllt.
Mein Geist widmete sich dem symmetrischen
Streben der Kunst, die Nichtigkeiten verwebt.
Sie vermachten mir Mut. Ich war nicht mutig.
Dies verlässt mich nicht. Immer bleibt der Schatten,
ein Unglücklicher gewesen zu sein.

 

[„El remordimiento“, 1976; Werke 9, S. 141]

Ich schrieb dieses schlechte Sonett ein paar Tage nach dem Tod meiner Mutter, die im Alter von neunundneunzig Jahren starb. Ich glaube, ich hätte besser zu ihr sein sollen… Ich denke, ich habe sie sehr durch meine Zipperlein leiden lassen, und weiß jetzt, dass es unsere Pflicht ist, nicht für uns glücklich zu sein, sondern für die Menschen, die wir lieben…

Tenorio: Wohlmeinende Quellen haben mir gesagt, dass Sie gewisse Drogen genommen haben…

Borges: Ja, aber an Kokain und Marihuana bin ich gescheitert. Ich habe gewisse ehrliche Experimente gemacht, fünf oder sechs. Und bei Kokain habe ich mich ziemlich geschwätzig gefühlt, aber auch sehr nervös. Bei Marihuana dagegen habe ich absolut gar nichts gemerkt. Dann war ich fast so weit, zum Trinker zu werden. Francisco Luis Bernárdez und ich sind jeden Samstag durch die Vorstädte gezogen, dann sind wir, weil es nicht viel zu sehen gab, in die Läden gegangen, und haben, um richtige Kreolen zu sein, ein brasilianisches Bier, einen orientalischen Kirschlikör oder was auch immer bestellt. Das ging dann eine gewisse Zeit so. Bis ich eines Tages auf einer Versammlung war und jemand, vielleicht ein Engel, sagte:

Schade, dass Borges Trinker ist.

Ich weiß nicht mehr genau, wer das gesagt hat, denn ich habe mich nicht nach ihm umgedreht, aber seit diesem Augenblick habe ich das Trinken seingelassen. Seitdem habe ich nur Wein probiert. Nur ein bisschen Champagner an Silvester…

Tenorio: Andere sagen, Sie würden sich Ihr Werk ersinnen, während Sie durch Buenos Aires spazieren…

Borges: Ja, ich verdanke den Straßen, Friseuren, Cafés, den Alleen an der Plaza de Constitución und dem Retiro meine besten Ideen…

Tenorio: Und Ihre Kritiker behaupten, dass Ihnen die angebliche lateinamerikanische Tradition nicht gefiele…

Borges: Die lateinamerikanische Tradition ist universell, genau der Vorteil, den wir gegenüber Europa haben, und der besteht darin, dass ein Europäer nicht ein Europäer ist, sondern ein Engländer, ein Norweger, ein Franzose; wir hingegen können alle Kulturen akzeptieren, genau durch die Tatsache, dass unsere Tradition eine armselige ist, sodass wir gezwungen sind, gastfreundlich zu sein, ich glaube, dass das die lateinamerikanische Tradition ist, dass wir ein so großes Vorbild in Rubén Darío haben, Rubén Darío, er erneuerte die kastilische Sprache, und wie tat er das? Er tat dies, indem er Hugo, Verlaine, Poe las, und als er uns dann diese Musik brachte, sah ihn niemand als Übeltäter an, er war ein Wohltäter.

Tenorio: Andere verachten Rubén…

Borges: Wir alle sind, jenseits unserer Meinung, Kinder Rubén Daríos, alles entstammt dem Modernismo, und wenn ich Modernismo sage, dann denke ich offensichtlich an ihren Chef, auch wenn es da natürlich noch weitere gibt, natürlich sind da noch Valencia, Lugones, Jaimes Freyre, Amado Nervo usw. Ich könnte da viele Namen erwähnen… ich erinnere mich, vier oder fünf Male mit Lugones geplaudert zu haben, und er lenkte das Gespräch immer darauf, „über meinen Freund und Meister Rubén Darío zu sprechen“, er fühlte sich gerne als Schüler Daríos; und irgendwie, selbst wenn ich, der dies schreibt, Darío keineswegs ähnele, so war Darío doch im Besitz einer Musikalität, die ich nicht zu erreichen vermag, die ich gar nicht zu erreichen versuche, dennoch, zweifelsohne würde ich ohne Darío nicht das schreiben, was ich schreibe, denn wenn jemand wie Rubén Darío sich in einer Sprache ereignet, ändert sich alles…

Tenorio: Gibt es, Borges, einen Unterschied zwischen dem, was wir Poesie und dem, was wir Prosa nennen?

Borges: Ich denke, der essentielle Unterschied liegt beim Leser und nicht beim Text. Der Leser erwartet angesichts einer Prosaseite Neuigkeiten, Informationen, Argumentationen; doch weiß derjenige, der eine Seite in Versform sieht, dass ihn dies emotional berühren soll. Im Text ist keinerlei Unterschied, im Leser jedoch schon, denn die Haltung des Lesers ist eine andere.
Nun, beide, Prosa wie Vers, sind jeweils halb geeignet, sich auszudrücken. Stevenson dachte, die Prosa werde eine komplexere Form als der Vers sein. Vergessen Sie nicht, dass wir für Mallarmé, von dem Moment an, in dem wir das Geschriebene pflegen, Verse schreiben. Ich glaube mit Stevenson, dass Prosa komplexer ist als der Vers, doch gibt es Literaturen, die die Prosa nie erreicht haben.

Tenorio: Warum schreibt Borges wie er schreibt?

Borges: Ich schreibe, weil ich fühle, dass ich eine Funktion erfülle, die für mich notwendig ist, wenn ich das nicht tue, fühle ich mich unglücklich und habe Gewissensbisse. Ich schreibe unter größten Schwierigkeiten. Ich glaube, es ist richtig, dass der Schriftsteller so wenig wie möglich in das Werk eingreift, dass er keine Erfahrungen zu suchen hat, dass die Erfahrungen ihn suchen sollen. Wenn ich ein Gedicht schreibe, dann deshalb, weil das Gedicht darauf besteht, dass ich es schreibe, doch das Thema suche ich mir nicht aus.

Tenorio: Sie waren mit der sogenannten „Littérature engagée“ nie einverstanden…

Borges: Ja, aber vielleicht kann diese Idee durchaus zu guter Literatur führen. Es gibt Beispiele, auf die ich immer zurückkomme. Ich glaubte nicht an die Demokratie, aber vielleicht, ja zweifellos, diente sie Whitman dazu, sein Werk zu vollenden; ich glaubte nicht an den Katholizismus, aber ohne den Katholizismus hätten wir keine Divina Commedia; ich glaube nicht an den Kommunismus, doch war der Kommunismus den Zielen Pablo Nerudas sehr günstig… Ich will damit sagen, dass jedwede Idee ein guter Stimulus sein kann, auch wenn es eine sehr irrige Idee ist, wie zum Beispiel die von mir angefeindete Nazi-Ideologie, doch kostet es mich nichts, mir einen guten Nazidichter vorzustellen, warum nicht. Natürlich, alles kann ein guter Stimulus für einen Dichter sein, alles kann ein Stimulus sein, diese Tasse Kaffee kann ein Stimulus sein, eine Doktrin kann ein Stimulus sein, einfach alles…

Tenorio: Haben Sie Neruda gelesen?

Borges: Mit Neruda sprach ich ein einziges Mal vor sehr vielen Jahren. Wir waren alle beide sehr jung und gelangten zu der Schlussfolgerung, dass es auf Spanisch keine Dichtung geben könne, dass man auf Englisch schreiben müsse, da das Spanische eine sehr linkische Sprache sei. Möglicherweise wollte jeder den anderen in Überraschung versetzen, und deshalb haben wir unsere Meinungen übertrieben. Tatsächlich kenne ich das Werk Nerudas nur sehr wenig, doch glaube ich, dass er ein guter Schüler Whitmans oder vielleicht Carl Sandburgs ist.

Tenorio: Und Lorca…

Borges: García Lorca scheint mir ein Poeta menor zu sein, sein tragischer Tod hat ihm sehr genutzt. Natürlich, die Verse Lorcas mag ich, doch scheinen sie mir nicht allzu bedeutend. Es ist eine visuelle, dekorative Dichtung, ein bisschen wie im Scherz gemacht, wie ein barockes Spiel. Ich glaube nicht, dass man ihn beispielsweise neben Manuel Machado oder Antonio Machado stellen kann, oder neben Juan Ramón Jiménez. Jedenfalls hat es mich nicht sehr bewegt, als ich ihn las, auf der Gefühlsebene, man misst die Dichter daran, ob sie Gefühle in einem hervorrufen, und im Fall Lorcas fühlte ich mich behaglich, aber nicht mehr, ich habe mich behaglich gefühlt und manchmal überrascht angesichts einer Metapher, doch hat es mich nicht berührt…

Tenorio: Sie haben sich geweigert, Ihre Obras completas auf Französisch veröffentlichen zu lassen…

Borges: Das wusste ich nicht… Sie sind ja informierter als ich, aber nein, wirklich, ich weigerte mich einige Bücher aufzunehmen, weil sie mir nicht mehr gefallen, ich möchte mich gerne in meinen besten Werken repräsentiert sehen…

Tenorio: Borges, wer schreibt Ihre Texte jetzt nieder…

Borges: Jeder Mensch, der zu mir nach Hause kommt, läuft Gefahr, dass ich ihm eine Seite diktiere, wenn Sie nach Buenos Aires kommen, finden Sie mich jeden Nachmittag in der Calle Maipú 994 im sechsten Stock, außer der Aufzug funktioniert nicht.

Tenorio: Woran schreiben Sie jetzt?

Borges: Ich schreibe gerade an einem Buch über den isländischen Geschichtenerzähler Snorri Sturluson in Zusammenarbeit mit María Kodama, und es wird im Dezember in Santiago de Chile erscheinen, eine kurze angelsächsische Anthologie, die ich mit ihr zusammengestellt habe, und außerdem schreibe ich an einer Erzählung, von der ich Ihnen nur den Titel verrate, es wird meine beste Erzählung sein, wie es alle sind, bevor ich sie geschrieben habe, nicht? Ein wunderschöner Titel, „Shakespeares Gedächtnis“, es ist eine phantastische Erzählung, beide Dinge scheinen unendlich zu sein… Das wird eine schöne Erzählung, der Protagonist ist ein deutscher Lehrer, denn die Deutschen sind Shakespeare sehr ergeben, mehr noch als die Engländer natürlich…

Tenorio: Gestern sagten Sie mir, Sie hätten keine Angst zu sterben…

Borges: Ja, ich fürchte den Tod nicht, und wenn Sie mir sagen würden, ich müsse heute Nacht sterben, gut, ich würde Ihnen vorschlagen, darauf anzustoßen und mich sehr glücklich fühlen, vielleicht habe ich zu lange gelebt.

Tenorio: Eine letzte Frage, Borges. Bei Ihren achtzig und so und so viel Jahren, leben Sie da von den Tantiemen Ihrer Bücher?

Borges: Nein, ich lebe von meinen Renten. Ich war Direktor der Nationalbibliothek, als Perón wiederkam kündigte ich, weil ich ihm nicht dienen konnte, ich war auch zwanzig Jahre Professor für englische Literatur an der Philosophischen Fakultät von Buenos Aires. Die Bücher bringen nicht viel ein, weil die Buchhändler 30% bekommen, die Setzer 25%, der Druckereibesitzer weniger als die Arbeiter, der Verleger, der die ganzen Kosten für Druck, Vertrieb, Werbung trägt, 20% und der Autor 10%. Vielleicht können Musiker von ihrer Kunst leben, vielleicht die Maler, weil es sehr teure Bilder gibt, ein Schriftsteller aber nicht. Fast alle haben noch andere Tätigkeiten wie Journalismus oder den Lehrstuhl.

(Aus dem Spanischen von Susanne Detering)

Ostragehege, Heft 70, 2013

Aus dem Wolkenbau

– Einem angelsächsischen Dichter. –

Es sind vorrangig nicht deutschsprachige Lyrikerinnen und Lyriker, deren Verse mir zu den verschiedensten Gelegenheiten in den Kopf kommen. Und stehe ich vor meinen Bücherregalen, weiß ich sofort, wem ich einen Großteil meines Bücherbestands zu verdanken habe: Jorge Luis Borges. Sein Werk zieht mich nach wie vor in den Bann, oft greife ich nach einem seiner Bücher, diese Formstrenge und zugleich sein spielerischer Umgang mit dem Endecasillabo, was mich wieder an Catull denken lässt, der den Hendekasyllabus oder Elfsilber auch oft verwendete, vor allem aber diese beispiellosen Streifzüge durch verschiedenste Literaturen, die Borges unternimmt und mich damit auf Dichter stoßen lässt, deren Werke ich wahrscheinlich nicht gelesen hätte, hätte der Argentinier mich nicht auf sie neugierig gemacht. Ein Vers, den ich oft vor mich hinsage, stammt aus seinem Gedicht „Einem angelsächsischem Dichter“ und lautet, „dass mein Name Niemand sei, wie der des Odysseus.“ Und plötzlich kommen mir andere Verse in den Sinn, „I am nobody – who are you? Are you nobody too?“ von Emily Dickinson. Nicht selten lese ich dann erneut jene Passage aus Homers Odyssee, in der sich Odysseus dem einäugigen Riesen Polyphem, auf dessen Frage, wie er heiße, als Niemand vorstellt.

Christoph W. Bauer, Volltext, 2/2022

 

 

Fakten und Vermutungen zum Herausgeber und Übersetzer + UeLEX + KalliopeJohann-Heinrich-Voß-Preis
Porträtgalerie: Autorenarchiv Isolde Ohlbaum
Nachrufe auf Curt-Meyer-Clason: Übersetzen ✝︎ Welt ✝︎ CULTurMAG ✝︎

 

 

BORGES

Gleich dem Salamander lebte ich mitten im Feuer
und bin doch nicht verbrannt.
Durchquerte die Welt auf einem Schildkrötenrücken.
Warf die Gestalten ab im bläulichen Dunkel,
wo alle verschmelzen und wieder ihre Schatten erwecken.
Blind war ich,
doch nicht ohne Augen
wie der vieläugige Pfau
mit seinen Wundmalaugen
auf den silberbeschlagenen, leuchtenden Flügeln.

In langen Nächten öffne ich in mir die uralten Schriften,
Atlanten, Klepsydren und Karten des Himmels,
Sagen aus Klängen, Feuer und Stahl.

Alles vergänglich.

Die Sphinx, das Einhorn und der Salamander,
die hängenden Gärten hoch über dem Meer,
die Tausend Nächte und Eine,
unsre Worte und Taten nichts als Treibsand nur,
die Denkgebäude, Götter, Götzen und Königshäuser,
die Sonnen, Fröste, Sagenklänge aus Musik, Feuer und Stahl.

Auf alle Dinge legt sich der Schnee des Vergessens,
der hineindrang bis in meinen Schlaf,
ich atme es ein, schmecke es, kann es ertasten.
Das Vergessen – ich meine,
muss wohl der Schatten sein, der allen Dingen anhaftet.
Dass die Zeit den Raum regiert, hab ich allmählich begriffen,
über allem jedoch herrschen Gesetz, Zufall und Wirrsal.

Was ich nicht lernte, so viel ich auch litt,
war, wer die Züge setzt auf dem Schachbrett
mit seinen schwarzweißen Feldern aus Nächten und Tagen,
aus welcher Quelle die Urkraft entspringt,
die alles bewegt,
den Spielstein ebenso wie die Hand, die ihn setzt.
Was mich betrifft,
so begnüge ich mich alle Nächte und Tage,
Speise zu werden den Einsamen,
den Verliebten, den Trauergebeugten und allen, die leben.

Worte sind zerbrechliche Schalen, wie Atemzüge des Windes.

Thanassis Lambrou

 

Interview mit Maria Kodama – Borges und Ich, Buchkultur, Heft 4, 1989

Horst Bienek: Biographie eines Dichter, Merkur, Heft 193, März 1964

 

Zum 100. Geburtstag des Autors:

Christina Nord: Von Jorge Luis Borges’ Verschwinden
taz, 24.8.1999

Antje Schmelcher: „Das Ziel ist das Vergessen“
Die Welt, 21.8.1999

Hero Buss: Der konservative Anarchist
Die Welt, 20.8.1999

 

Fakten und Vermutungen zum Autor + Instagram 1 & 2 + IMDbInternet ArchiveKalliope + weiteres
Porträtgalerie: akg-images + Brigitte Friedrich AutorenfotosIMAGO + gettyimages + Keystone-SDA
Nachruf auf Jorge Luis Borges: Tumba

 

Jorge Luis Borges – Interview im spanischen Fernsehen 1976. Teil 1/10.

 

Jorge Luis Borges – Interview im spanischen Fernsehen 1976. Teil 2/10.

 

Jorge Luis Borges – Interview im spanischen Fernsehen 1976. Teil 3/10.

 

Jorge Luis Borges – Interview im spanischen Fernsehen 1976. Teil 4/10.

 

Jorge Luis Borges – Interview im spanischen Fernsehen 1976. Teil 5/10.

 

Jorge Luis Borges – Interview im spanischen Fernsehen 1976. Teil 6/10.

 

Jorge Luis Borges – Interview im spanischen Fernsehen 1976. Teil 7/10.

 

Jorge Luis Borges – Interview im spanischen Fernsehen 1976. Teil 8/10.

 

Jorge Luis Borges – Interview im spanischen Fernsehen 1976. Teil 9/10.

 

Jorge Luis Borges – Interview im spanischen Fernsehen 1976. Teil 10/10.

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