POETISCHES MANIFEST
Ein Gespenst sitzt in der Straßenbahn,
das Gespenst der Poesie,
sieht mich aus veilchenblauen Augen an
und fragt: „Liebst du nur sie?
Die blauen, grünen, schwarzen, braunen Augen
mit poetischem Röntgenblick,
der dir Gedichte schenkt zu deinem Glück?“
„Dichter lieben nur das Wort, das Gefühle
auferstehen lässt, als Lazarus des Dichterglücks!“,
so spreche ich.
Und das Gespenst der Poesie lächelt süß zurück.
„Ich kenne viele Dichter, die mich so sehr lieben,
dass sie meinetwegen auf ihr Wort verzichten, und
mich wieder gehen lassen, die Wege in die Welt.
Das ist Liebe, die mir am meisten bedeutet.“
Es lacht mich an, Gespenst der Poesie.
Erst spürte ich des Nachts auf der Straße,
die Seele Anna Achmatovas, nun sitzt sie mir gegenüber,
die Fremde in der Straßenbahn,
gleicht Anna Achmatova bis aufs Haar.
In dieser Stadt wandeln Gespenster am Tage,
für die einen, reine Poesie,
für die anderen, Menschen wie sie.
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Die Gedichte von Joseph Braeus
sind emotional. Sie stehen zu der Welt wie wir. Wir brauchen die Technik unserer Zeit, und unterliegen der Natur in ihren Gezeiten von Werden und Vergehen. Diese Gedichte sind geprägt von der Körperlichkeit der menschlichen Existenz. Bewegung und Atmung geben ihrer Sprache einen besonderen Rhythmus. Joseph Braeus ist ein politischer Dichter im religiösen Empfinden. Er ist ein Vertreter der Novaromantik aus Berlin. Seine Poesie verkörpert die Seite des gebildeten Menschen, die sich jener selten zu zeigen traut. Joseph Braeus ist eine Rollenspielfigur, die schreibt, wie ich es mir in meiner bürgerlichen Existenz nicht traute.
Jörn Gerstenberg, Klappentext, 2026
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