Fritz Graßhoffs Gedicht „Was ich getan“

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FRITZ GRASSHOFF

Was ich getan

Was ich getan,
verlor den Sinn.
Weiß nicht, warum
ich fröhlich bin.

Was ich geliebt,
deckt schon der Schnee.
Weiß nicht, warum
ich weitergeh.

Gezählt ist schon
der Stunden Schlag.
Weiß nicht, warum
ich leben mag.

nach 1945

aus: De profundis. Deutsche Lyrik in dieser Zeit. Hrsg. von Gunter Groll. Desch Verlag, München 1946

 

Konnotation

Ich produzier(t)e Gebrauchsware und Unnützes. Zum Unnützen gehören die Künste. Ihnen gehört meine ganze Liebe.“ An satirischer Angriffslust hat es dem Dichter, Zeichner, Maler und Songtexter Fritz Graßhoff (1913–1997) nie gefehlt. Mit derben Balladen, Chansons, „Barackenversen“ und „Pläsanterien“, die er in seiner immer wieder erweiterten Halunkenpostille (erstmals 1947) zusammenstellte, wurde er in den 1950er Jahren populär. Der Songschreiber für Freddy Ouinn und Laie Andersen verfasste aber auch ästhetisch ambitionierte Epigramme und Miniaturen.
In einfachster Reimgebung gelingt Graßhoff in dieser sarkastischen Miniatur die Desillusionierung aller metaphysischen Sinngebungen der menschlichen Existenz. Das Gedicht ist vermutlich kurz nach dem Ende des zweiten Weltkriegs entstanden, an einem ethisch-philosophischen „Nullpunkt“, der keine positiven Bestimmungen des Daseins mehr zuließ. Gegen die bitteren Befunde zu Beginn einer Strophe setzt Graßhoff indes die Faktizität des Weiterlebens.

Michael Braun, Deutschlandfunk-Lyrikkalender 2009, Verlag Das Wunderhorn, 2008

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