Gerhard Rühms Gedicht „lied“

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GERHARD RÜHM

lied

etwas knistert
etwas stirbt
etwas grämt sich
etwas zirpt
etwas ist unbeschreiblich schön
und muss ohne grund zu grunde gehen

1997/98

aus: Jahrbuch der Lyrik 2000. Hrsg. v. C. Buchwald & R. Schrott. C.H. Beck Verlag. München 1999

 

Konnotation

Ein kleines trauriges Lied, das in denkbar knappster Form von Werden und Vergehen und von der Vergänglichkeit der Schönheit erzählt. Gerhard Rühm (geb. 1930), der vielen als der noch immer strengste Exerzitienmeister der experimentellen Lyrik gilt, hat hier ein ganz schlichtes, von demonstrativem Entdeckerehrgeiz völlig freies, zartes Poem geschrieben. Seine leise Melodie zieht den Leser und Hörer sofort in seinen Bann.
Das kleine „Lied“ zeigt auch die Hinfälligkeit aller schablonenhaften Einteilungen der Lyriker in „traditionell“ und „experimentell“. Denn Gerhard Rühm, der neben seinen eigenwilligen sprachschöpferischen Experimenten seit den 1960er Jahren auch an eingängigen Moritaten und Chansons arbeitet, bedient sich der ältesten Suggestionstechniken der Lyrik: Er nutzt virtuos den Reim und entfaltet ein anmutiges Szenario, das in den ersten vier Zeilen mit Furcht und Hoffnung, Verlockung und Trauer spielt, bevor dann die Schönheit und ihre Vergänglichkeit direkt aufgerufen werden.

Michael Braun, Deutschlandfunk-Lyrikkalender 2009, Verlag Das Wunderhorn, 2008

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