Günter Bruno Fuchs’ Gedicht „Unterwegs“

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GÜNTER BRUNO FUCHS

Unterwegs

Der Mann mit dem Hund im Regen.
Der Hund bewacht einen durstigen Mann.
Der Hund sieht sich den Regen an.
Der Mann spricht mit dem Regen.

Der Mann bleibt stehn und hört aufs Wort.
Der Hund geht durch den Regen fort.

um 1960

aus: Günter Bruno Fuchs: Pennergesang. Carl Hanser Verlag, München-Wien 1965

 

Konnotation

Einige wenige Striche genügen hier, um die Tragödie eines einsamen Mannes zu skizzieren: Aus drei Elementen, die in jeder Zeile neu konstelliert werden, baut der Kreuzberger Malerpoet und „freischaffende Trinker“ Günter Bruno Fuchs (1928–1977) eine kleine Genreszene. Ein „durstiger“ Mann ist unterwegs im Regen, als Gesprächspartner hat er nur seinen Hund und den Regen, der ihn auf seinem Weg begleitet. Eine sehr lakonische kleine Ballade mit unglücklichem Ausgang.
Plötzlich sind die Rollen zwischen Mensch und Tier vertauscht – es ist der Mann, „der aufs Wort hört“ und demütig den Befehlen einer kreatürlichen Macht gehorcht. In der Redewendung „aufs Wort hören“, die hier zunächst einen antrainierten Gehorsam meint, ist aber auch die Aufgabe des Dichters konnotiert. „Aufs Wort hören“ – das verweist in einem anderen Sinne auf die Schärfung des Sprachbewusstseins.

Michael Braun, Deutschlandfunk-Lyrikkalender 2010, Verlag Das Wunderhorn, 2009

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