Joseph von Eichendorffs Gedicht „In der Fremde“

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JOSEPH VON EICHENDORFF

In der Fremde

Aus der Heimat hinter den Blitzen rot
Da kommen die Wolken her,
Aber Vater und Mutter sind lange tot,
Es kennt mich dort keiner mehr.

Wie bald, wie bald kommt die stille Zeit,
Da ruhe ich auch, und über mir
Rauschet die schöne Waldeinsamkeit,
Und keiner mehr kennt mich auch hier.

1837

 

Konnotation

Joseph von Eichendorff (1788–1857), der romantische Dichter des Heimwehs, rührt in vielen seiner Gedichte an den Verlust seines Kindheitsparadieses. Seine Familie hatte ihre schlesischen Besitzungen verloren, der Dichter verdiente seinen Lebensunterhalt als „Exilkatholik“ im preußischen Staatsdienst. Die Sehnsucht, aus der „Fremde“ in die ferne „Heimat“ zurückzukehren, trifft in manchen Gedichten auf das Gefühl einer doppelten Entwurzelung. Denn in der „Heimat“ ist keine Einkehr mehr möglich, in ihr ist alles verloren.
Das 1832 erstmals innerhalb der Novelle „Viel Lärm um Nichts“ gedruckte, 1837 dann mit dem Titel „In der Fremde“ versehene Gedicht zeigt einige Anklänge an Goethes „Wandrers Nachtlied“ – und wie bei Goethe verweist das Ruheversprechen auf die Vergänglichkeit des lyrischen Ich. In der „Heimat“ wartet auf das Ich nicht die Erlösung, sondern dauerhafte Einsamkeit und Entfremdung.

Michael Braun, Deutschlandfunk-Lyrikkalender 2007, Verlag Das Wunderhorn, 2006

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