Roberta Dapunt: die krankheit wunder / le beatitudini della malattia

Mashup von Juliane Duda zu dem Buch von Roberta Dapunt: die krankheit wunder / le beatitudini della malattia

Dapunt-die krankheit wunder / le beatitudini della malattia

DER WORTE UND DEREN SPIEL

Einheit ist nicht der vers sondern das wort,
zusage zu dem was verbindung ist
und als eins, hält es fest den laut und die schrift,
so dass aus dem haltlosen denken begegnen ab und zu
vereinzelte ausdrücke zu schmecken sogar dass sie schmecken
und spürst wirbeln drinnen in der stube den modrigen staub
des vergeblich seins. Ohne tun sich finden und die hände zum schlaf,
die würze der getrunkenen traube und die geführten,
ein jeglicher stillend verschwiegene einsamkeiten.
Bekenntnisse des nichts sprechens und das keine,
und noch der verriegelten räume, die versteckten gedanken
und noch stärker ist der geschmack versponnen, verrücktes
wagnis und die gefahrlose verzagtheit des sagens.

Finden freilich das sagen geistige worte, worte so zu sagen
inmitten der verse, einheit und einheit in ihnen ist
erschmecken der geschmäcker. Punktum.

Übersetzung: Versatorium

 

delle parole e del loro gioco

Unità non è il verso ma la parola,
condizione di ciò che è accordo
e come tale, compie il suono e la grafia,
così che dall’informe pensare vengono incontro a volte
espressioni acute da sentirle perfino odorare
e senti esalare dentro alla stanza il grigio muffoso
del rimanere inutile. Sterile trovarsi e le mani al sonno,
l’aroma di vite bevuta e i compagni,
ognuno a dissetare solitudini tacite.
Confessioni del nulla parlare e il niente,
e ancora di spazi serrati, gli introversi pensieri
ed è ancora più forte l’odore imbrogliato, confuso
ardire e l’innocua codardia del dire.

Trovare dunque il dire giuste parole, parole per dire
tra i versi, unità unica in essi è arrivare
a sentirne gli odori. Appunto.

 

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Verse aus Worten und Stille,

die die Geheimnisse des Alltags und der Krankheit ergründen.
Die Gedichte dieses Lyrikbandes kreisen um das Thema Demenz. Sie lässt den Menschen zu einem Anderen werden und erschwert die Möglichkeit des Austauschs, ja macht ihn fast unmöglich. So wird die Zwiesprache mit Uma, was im Ladinischen Mutter bedeutet, zur Anrufung eines weiteren, vervielfachten Du, von dem jedoch keine Antwort kommt. Es ist ein schmerzhafter Weg, eine Form von Mystik, der es an Wundern nicht mangelt; die Begegnung, die Pflege wird zu einem Weg der Erkenntnis. Eine Übersetzergruppe von Versatorium hat die Gedichte in kongenialer Weise übertragen.

Folio Verlag, Ankündigung

 

 

Roberta Dapunt liest aus ihrem neuen Gedichtband die krankheit wunder / le beatitudini della malattia und spricht mit Jörg Zemmler über ihr Schreiben. Ludwig Paulmichl führt in das Buch ein.

 

Roberta Dapunt präsentiert ihren Band die krankheit wunder / le beatitudini della malattia und spricht darüber mit Daniela Strigl

 

schwierige Gedichte, problematische Übersetzung

Roberta Dapunt verfasst ihre Gedichte auf Italienisch und Ladinisch und hat in ihrem Heimatland bereits einen Namen; auf Deutsch ist mit die krankheit wunder bereits ihr drittes Buch im Folio Verlag erschienen. Wer ihre Gedichte liest, lässt sich auf einen intensiven, anspruchsvollen Lektüreprozess ein, denn ihre Texte erschließen sich nicht so schnell und bleiben bisweilen auch weiterhin dunkel und schwer auslotbar. Das liegt, zumindest bei diesem Band, an ihrer assoziativen Schreibweise und der teilweisen Auflösung der Syntax. Und an der Übersetzung.
Damit bin ich beim Hauptproblem dieses Buchs. Das Übersetzerkollektiv, das für die deutsche Version verantwortlich ist, nimmt sich zum Teil zu große Freiheiten heraus und verändert an manchen Stellen die Texte erheblich. Dies beginnt bereits mit dem Titel. Im Original lautet er: le beatitudini della malattia, was man mit „Die Glückseligkeit der Krankheit“ übersetzen könnte, wobei „beatitudini“ Assoziationen zu den Seligpreisungen beinhaltet, was zum einen mit der Religiosität einer Figur der Gedichte korreliert und zum anderen von der Dichterin selbst in einem Interview hervorgehoben wurde. „die krankheit wunder“ setzt einen anderen Akzent und ersetzt Glückseligkeit durch Wunder, was thematisch in eine ganz andere Richtung geht. Gleichzeitig ist der Titel sperrig und erschließt sich nicht wirklich.
Und so geht es weiter: Das Gedicht „tre righe al nulla“ wird mit „drei Zeilen an das“ übersetzt; „Nichts“ wird weggelassen, um es offenbar (so die Intention, nehme ich an) sichtbar zu machen. Das verändert einerseits den Originaltext, der das „Nichts“ sehr wohl nennt, und setzt andererseits einen zweisprachigen Leser voraus, der das Original mit der Übersetzung vergleichen kann. Das kann aber nicht Sinn einer Übersetzung sein. „Venerdi Santo“ endet mit „con gesto veloce una timida croce“; das Übersetzerkollektiv macht daraus: „, scheu ein Kreuz“ – das heißt der erste Teil des Verses wurde weggelassen – warum auch immer –, der Vers beginnt mit einem Komma und auf den Reim verzichtete man überhaupt. Unweigerlich glaubt man, einen Druckfehler vor sich zu haben.
Den größten Eingriff erlauben sich die Übersetzer aber – und da verstehe ich den Verleger nicht, dass er dies durchgehen ließ – mit einer Skurrilität: Mitten im Buch finden sich ohne Bezug auf die italienischen und deutschen Gedichte und ohne einen Hinweis im Klappentext, in der Verlagsankündigung oder in einem Nachwort zwölf Texte in kyrillischer Schrift (Übersetzungen in russischer und kasachischer Sprache). Mein erster Eindruck war, dass es sich um einen Druck- oder Bindungsfehler handeln müsse; eine Nachfrage beim Verlag klärte, dass es sich um keinen Fehler handle, sondern um eine bewusste Aktion der Übersetzer, die darauf bestanden hätten, keine Erklärung oder ein Nachwort zu verfassen. Für mich unfassbar. Genauso unverständlich, dass das Buch von Ö1 in die Bestenliste genommen und schon mehrmals positiv rezensiert wurde, aber noch niemand auf diese eigenmächtigen Eingriffe der Übersetzer eingegangen ist.
Fazit: Interessante, allerdings doch sehr schwierige Texte in einer höchst zweifelhaften ,Übersetzung‘.

Christoph Janacs, amazon.de, 3.3.2021

Unverständlicher Ansatz

Der Rezension des Lesers Janacs kann man sich nur anschließen, an dem Band bleibt vieles befremdend. Die Anordnung von Original und Übersetzung ist vielfach unorthodox, warum kein Inhaltsverzeichnis, warum keine Paginierung? Dass die Übersetzenden nicht konkret ausgewiesen werden, ist das nicht falsch verstandene Zusammenarbeit?
Ob Verlag und Übersetzerteam der Autorin einen guten Dienst erweisen bezweifle ich. Na und die kyrillischen Einsprengsel sind wohl ein Scherz, oder eine Pflanzerei, mit Verlaub.

Vladimir, amazon.de, 18.5.2021

Lyrik

Die Jüngste ist Roberta Dapunt, geboren 1970 in Abtei/Badia, wo sie lebt und arbeitet. Mehrere Gedichtbände haben diese Dichterin bereits eingeschrieben in den Kanon. Im neuesten dreht es sich ums große Thema Krankheit und Alltag und um die Erkenntnisse, die ein jeder und eine jede daraus zu ziehen vermag. Da sind die „stunden zu füllen mit nichts als groll“, aber auch „jetzt dich nicht verlieren im drüben“. Zwiegespräche sind das, nicht nur mit der Mutter, sondern auch mit einem selbst und darüber hinaus. So geht es also, man verweilt länger und länger im Dorf, „ungewiss irgendeinen frieden zu finden / dass es glückt nur ein wenig zu lieben“. Und: Man lebt auch weiter. Die Übertragung ins Deutsche stammt vom Übersetzerkollektiv Versatorium.

Nils Jensen, Buchkultur, Heft 194, 1/2021

Weitere Beiträge zu diesem Buch:

Elisa Weinkötz: „vers in version“
signaturen-magazin.de

Marie Luise Knott: Vom Lodern des Lebens
perlentaucher.de, 18.12.2020

Georg Mair: Erdenschwer
ff, 5.1.2022

Daniela Strigl: Lyrikempfehlung 2021
lyrik-empfehlungen.de

 

Roberta Dapunt liest das Gedicht „das zwiegespräch“ aus ihrem Band die krankheit wunder / le beatitudini della malattia.

 

Fakten und Vermutungen zum Übersetzerkollektiv + Instagram 1 & 2

 

Fakten und Vermutungen zur Autorin + Instagram

 

Roberta Dapunt liest beim Festival Alpine Poesie der Gegenwart 12. und 13. Mai 2023 in Brixen.

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„Suppe Lehm Antikes im Pelz tickte o Gott Lotte"

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n mal t; man lädt (Mehl und Land und alte Namen). – Lehm nahm Tanne, Tal nahm Tenne.

Michel Leiris ・Felix Philipp Ingold

– Ein Glossar –

lies Sir Leiris leis

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