Thomas Gsellas Gedicht „Papa-a?…“

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THOMAS GSELLA

Papa-a?
Ja, mein Kind?

Wenn wir einst, um nicht zu rosten,
rübermachten aus dem Osten,
um die Welt in Bunt zu sehn;

wenn wir nun vor todesblassen
Arbeitsämtern, Aldi-Kassen
wie im Osten Schlange stehn:

Ging der Schuß (ich frag ja bloß)
nicht dezent nach hinten los?

Dann geh halt rüber!

2007/2008

aus: Thomas Gsella: Papa-a? Ja mein Kind? Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt a.M. 2008

 

Konnotation

In seiner 2008 erschienenen Sammlung von Gedichten hat der 1958 in Essen geborene Thomas Gsella die vermeintlich letzten Fragen der Menschheit auf ironische Weise ins öffentliche Bewusstsein der Republik gezerrt. Ein politisch inkorrekter Sarkasmus und lustvolle Boshaftigkeit gehören dabei zu den Primärmerkmalen von Gsellas Versen. In einem Papa-Sohn-Zyklus handelt er die gesammelten Irrtümer und Vorurteile zum deutsch-deutschen Verhältnis ab.
Auf die kindlich-naive Frage, was sich mit der deutsch-deutschen Wende geändert habe, antwortet der Vater in der Art einer autoritären Stammtischfigur nach bekanntem Muster. Der rüpelhafte Schluss wird formal durch die Unterbrechung der Terzinenform erreicht, mit der das Reimschema zerstört wird.

Norbert Lange (Gedichtkommentar) Michael Braun, Deutschlandfunk-Lyrikkalender 2011, Verlag Das Wunderhorn, 2010

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