Hunger (I)

Lesehunger; und also, zu Tisch bei Lagercrantz, »wieder und wieder den Text lesen, bis er beginnt, in einem zu leben, als hätte man ihn verschluckt – das ist die Methode«. Selbst der Prophet … Künder vom Ende der Welt … ißt das Buch, das der Engel ihm reicht, in sich hinein; das Buch, mithin, ist Himmelsgabe der Text unser tägliches Manna. Aufgelesenes … Gelesenes wird verdaut … zerfällt … was bleibt, ist ein Haufen von Lettern. Der Sprachverfall ist Voraussetzung für die Wiederherstellung der Würde des Buchstabens … für die Wiedererkennung seiner Physiognomie.
Die Pflege des Buchstabens … sagt Heidegger mit Hölderlin … tut niemals so not wie in Zeiten der Not.

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aus: Felix Philipp Ingold: Freie Hand.
Ein Vademecum durch kritische, poetische und private Wälder

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