Jetzt sehen Sie durch » Felix Philipp Ingold

Krypta

Nur in seinem Text ist der Autor, als Lebendiger, zu fassen. »Ach was«, notiert William Carlos Williams, »Wörter sind Wörter, dichter Nebel aus Wörtern.« Und: »Wörter können nicht fortschreiten, nicht kann ein Roman entstehn, Wörter sind unzerbrechlich, Kristalle.« Aber: »Man kann Wörter machen. Wenn ich ein Wort mache, mach ich mich zum Wort, zu einem […]

Analog

Übersetzung, Liebe. Was Text und Text, was dich und mich verbindet, ist das, was an Unähnlichkeit bleibt zwischen uns; was uns entzweit, ist unsre Ähnlichkeit. Ich kann mir selbst nur dadurch ähnlich werden, daß ich außer mich gerate, mich befremden lasse.

Sonntag (III)

Heute früh mit S. im Hallenbad, wir trainieren Rückenschwimmen. Wir sind die ersten, vorläufig auch die einzigen Besucher hier. Doch jetzt kommt, wie ich nach dem Wenden am vordern Beckenrand und weiter auf dem Rücken schwimmend beobachten kann, ein schmaler kleingewachsener Mann mit dunkler Sonnenbrille aus dem Ankleideraum die Treppe herunter, fast scheint er von […]

Zwischenzeit

»Im Grunde betrachte ich die gegenwärtige Epoche als eine Zwischenzeit für den Dichter, der sich in sie nicht einzumischen hat: zu sehr ist sie untauglich geworden und ins vorläufige Gären geraten, als daß man etwas anderes tun könnte denn zu arbeiten mit Geheimnis im Hinblick auf später oder auf nie … und den Lebenden von […]

Schluß

Aller Anfang … so auch dieser … ist schwer. Bisweilen hilft … so auch hier … ein Klassikerzitat, ein geflügeltes Wort über das schwarze Loch hinweg, dessen provozierendes Gähnen wohl jeder kennt, der sich immer mal wieder auf das weiße Rechteck … die rechteckige Weiße … einläßt, um sie … schreibend, sich einschreibend … zu […]

Zeit

Einen Spiegel sich vorzustellen, der … wie Kafkas Uhr … stets zu stehen scheint und doch immer vorgeht.

Ableben

Gerhard Meier schenkt mir eine Photographie; das Bild zeigt ihn in seinem Garten, vor seinem Haus. In den leicht bewölkten Himmel schreibt er als Widmung: »… und ich frage mich, ob man am Ende lebe, um sich eben erinnern zu können.«

Heute

Jetzt erinnere ich mich wieder an den Traum vom 14. März im Waldhaus. Der Dichter M. ist tot, er spricht sehr laut aus einem offenbar ganz nahen Jenseits; da steht er Kinn an Kinn mit mir … ein auffallend kleingewachsener, auffallend feingebauter Mann mit grauer Haut und ohne Hände; mit einem kleinen innern Ruck bin […]

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