Negroid

Weiß ist stets eins; das Eine. Nicht-Weiß gilt demgegenüber als das Andere, das Feindliche, Auszuschließende. Nicht-weiß, also schwarz ist der Teufel; für Nicht-Weiße, also für die Schwarzen waren die meisten Badestrände Südafrikas während Jahrzehnten »verboten«, »geschlossen«. Als Nicht-Weiße, nämlich als die Neger der Weißen werden auch viele soziale Außenseiter gesehen. Exilanten; Arbeitslose; Homosexuelle; Aids-Kranke; Juden; Künstler. In solchem Verständnis konnte Vladimir Nabokov das »Genie« … jedes Genie … ironisch als einen Neger charakterisieren, »welcher im Traum Schnee sieht«; und Marina Zwetajewa erkannte im »größten Dichter Rußlands« einen weißen Neger: » … das schwarzweiße Bild Das Duell, wo sich auf dem Weiß des Schnees die schwarze Untat vollzieht: die ewige schwarze Tat, der Mord am Dichter – durch die schwarze Menge … Puschkin war mein erster Dichter, und mein erster Dichter wurde getötet … Puschkin war Neger … Der russische Dichter ist Neger, der Dichter ist Neger, und der Dichter wurde getötet … Welcher Dichter je und jetzt wäre nicht Neger, und welcher Dichter ist – – nicht getötet worden?«


aus: Felix Philipp Ingold: Freie Hand.
Ein Vademecum durch kritische, poetische und private Wälder

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