what you can do without vowels
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Ernst Jandl war stolz darauf,
als sein Buch der künstliche baum 1970 als Originalausgabe im Taschenbuch erschien – und er wurde Zeuge einer Entwicklung, die ihn noch mehr erfreute: „Band 9 der Sammlung Luchterhand der künstliche baum war binnen weniger Monate mein weitaus erfolgreichstes Buch. Nun stand für nicht wenige fest, ich sei ein konkreter Poet, ein Ruf, der mir schmeichelte, von dem ich mich aber alsbald zu befreien trachtete.“ Über dreißig Jahre nach seinem ersten Erscheinen ist dieses Buch zu beidem geworden: zu einem Klassiker moderner, experimentierfreudiger Poesie und zu einem Klassiker der Poesie überhaupt.
Luchterhand Literaturverlag, Klappentext, 1997
Freud an der Freud mit Ernstens Widerhaken
Im ersten Moment „liest“ man viele von Jandls Gedichten nicht, sondern man schaut sie erst einmal an und ist fasziniert von seiner virtuosen Freud am Spiel mit dem, was sich alles mit der Sprache anstellen lässt: Der titelgebende „künstliche baum“ etwa trägt wortwörtlich Früchte, das „wettrennen“ ist der Wort gewordene „Erster“-Ruf, und witziger als Jandls „séance“ kann man bierernste Spiritistenséancen nicht veräppeln.
Das allein wäre schon mehr als ein Grund, Jandls Gedichte zu lieben, aber sein Spiel mit dem Wort macht immer irgendwo Ernst mit dem Wort: „eine fahne für österreich“ genauso wie der wortgewordene Un-Sinn im „signal“, oder erst das unschuldig-fiese „alphabet einer macht, mit 3 unbekannten“. Jandl nimmt das Wort wörtlich; oft genug lautet die Maxime „Ein Wort — ein Gedicht“. Oder auch „zwei (bzw. drei/vier/…) Wörter — ein Gedicht“: „fliegen“ hebt ab, „immer starrer“ erstarrt buchstäblich, ein konsequentes „ich“ streicht sich aus, und „moral“ hat was Geheimnisvolles an sich, erinnert zugleich an einen Komposthaufen und konterkariert am Ende das gleichseitige Dreieck.
der künstliche baum, erstmals 1970 erschienen, reizt die verborgenen Talente der Sprache aus: „visuelle Gedichte“, die man nur verstehen kann durch genaues Gucken, leiten den Band ein. Aber es kommt noch viel mehr:
„lautgedichte“ muss man sich laut vorstellen, wenn man keinen Jandl im O-Ton (z.B. Eile mit Feile. CD oder him hanflang war das wort: Sprechgedichte) zur Hand hat. Die Mühe lohnt sich, egal ob behelfsweiser Eigenbau oder Rauskramen der CD.
Sodann die „lese- und sprechgedichte“, darunter so Klassiker wie „ottos mops“, oder das etwas andere Sittenbild „aus den 30er jahren“ mit langem Nachhall des Lesers inclusive, oder „familienfoto“… Oder „kinderreim“, dieses Kronjuwel bodenloser Gemeinheit. Oder „fünfter sein“, oder „essen. ein stück mit aufblick“, in denen Jandl banalste Alltagsszene in höchste lyrische Höhen hebt. Oder das „doppelgedicht“, oder das „lied mit begleitung“, die sich so herrlich kreuz und quer lesen lassen und jedesmal Blößen des Alltags aufdecken… Oder das „sonett“, eine geniale Reduktion aufs Wesentliche bar jedes Sinnes. Oder die Entdeckung neuer Sinnzusammenhänge beim Wörtersezieren und beim Ausreizen der Druckerkunst: „(werbetext)“, „hosi“, „voyeur“, „der englische botschafter“. Oder „karwoche. ein turm“, aufgebaut aus sprachgewaltigen Assoziationen.
Oderoderoder. Undundund. Neben den genannten Sparten sind im künstlichen baum auch noch die längeren „lesetext“ („villgratener texte“) und „sprechtext“ („teufelsfalle“) enthalten.
Aber egal wie lang oder kurz: Hier feiern Unsinn und Tiefsinn Hochzeit. Und jedesmal versteckt Jandl in scheinbar bloßer Freud an der Freud mit dem Wortspiel Widerhaken: Jedes Gedicht ein Pfeil, geschossen ins Schwärzeste alles Schwarzen.
weiser111, amazon.de, 6.11.2008
Weiterer Beitrag zu diesem Buch:
Otto Breicha: Vom künstlichen Baum genascht
Express, 28.12.1970
Peter Henisch: Ernst Jandl: „Der künstliche Baum“
neue wege, Heft 250/1971
Ernst Nef: Simulierte Freiheit
Neue Zürcher Zeitung, 4.12.1970
Andreas Okopenko: Baum seitlich der Kunstbaumgruppe
Wort und Wahrheit 26, Heft 3, 1971
Alexandra Pontzen: Poesie und Ernst des Alters
literaturkritik.de, Februar 2002
Gespräch mit Ernst Jandl
Marianne Konzag: Herr Jandl, Sie waren 28 Jahre lang, von 1950 bis 1978, Gymnasiallehrer. Ihr erster Lyrikband Andere Augen erschien 1956. Hat Ihnen der Lehrerberuf so viel Freude gemacht, oder gab es andere Gründe, ihn neben der Schriftstellerei auszuüben?
Ernst Jandl: Auch wenn ich schon sehr früh Schriftsteller werden wollte, so hielt ich es doch für unerläßlich, einen Beruf auszuüben, der mir erlaubte, als Künstler frei zu sein, also nicht mit meiner literarischen Arbeit meinen Lebensunterhalt verdienen zu müssen. Mein Interesse für deutsche Literatur legte den Lehrerberuf nahe. Es gibt viele Schriftsteller, die neben ihrer kreativen Tätigkeit unterrichten. Der Beruf erlaubt gewisse Spielraume, zeitlich zum einen wie auch die Eigenart des Berufs: die Begegnung mit Kindern, die Arbeit mit jungen Leuten. Wenn man Literatur- und Sprachlehrer ist, kann das für die Arbeit mit Sprache, wie sie ein Schriftsteller und vor allem ein Lyriker betreibt, hilfreich sein.
Konzag: Wann begannen Sie zu schreiben, wie war die gesellschaftliche Situation Ihres Landes zu dieser Zeit?
Jandl: Der Entschluß zu schreiben, verbunden mit dem Entschluß, Lehrer zu werden, reicht wirklich schon in meine Kindheit zurück. Meine Mutter begann in den letzten Jahren ihres Lebens – sie war sehr krank damals –, Gedichte und kurze Prosa zu schreiben und auch zu veröffentlichen. Ich war neun oder zehn Jahre alt und Literatur bezauberte mich. Nun, im eigenen Heim mitzuerleben, wie Gedichte entstehen, wie sie im Kreise der Familie vorgelesen, diskutiert werden, das war für mich ein ganz großes Erlebnis. Natürlich verfolgte ich die Sache während meiner ganzen Oberschulzeit und auch in der Zeit meines Studiums an der Universität, stellte aber eine wirklich ernste Beschäftigung damit zurück, um mein Studium möglichst intensiv betreiben zu können, um es auch in einer angemessenen Zeit zu beenden. Das war notwendig. Man muß sich vorstellen, ich begann 1946 Deutsch und Englisch zu studieren, in einer Zeit, da alle Kriegsjahrgänge zurückkehrten, auch in die Universitäten. Und selbst die größten Hörsäle waren übervoll, und sehr viele wollten Lehrer werden. Ich legte die Prüfung bereits nach drei Jahren ab, 1949, ging sofort an die Schule, machte mein Probejahr, beendete zur gleichen Zeit mein Doktorat – also Dissertation und die entsprechenden Prüfungen – und begann erst etwa 1951 intensiv mit dem Schreiben von Gedichten. Die ersten Publikationen in Zeitschriften erfolgten 1952, dann kamen bald Anthologien hinzu und schließlich 1956 der erste eigene Gedichtband: Andere Augen im Bergland Verlag Wien in der Reihe Neue Dichtung aus Österreich. Das Buch enthält Gedichte, von denen ich eine ganze Reihe in einem späteren Gedichtband aufnahm als eigene Abteilung „Andere Augen“. Und einige baue ich noch heute in meine Lesungen ein, verschiedene sind auch in dem Band Augenspiel, Verlag Volk und Welt, Berlin 1981, enthalten. Das Gedicht „Zeichen“ (1953) z.B., ich halte es für ein programmatisches Gedicht, es hat für mich immer noch Gültigkeit. Und die Diskussionen zeigen, das Publikum nimmt es auch heute noch an:
zerbrochen sind die harmonischen krüge,
die teller mit dem griechengesicht,
die vergoldeten köpfe der klassiker –
aber der ton und das wasser drehen sich weiter
in den hütten der töpfer.
Damals wie heute ist dieses Gedicht die Absage an ein klassizistisches Kunstideal, das ich als nicht zeitgemäß empfand. Im Gegensatz dazu schrieb ich Gedichte in der Alltagssprache, Gedichte, die für mich eine bestimmte Verwandtschaft besaßen mit Texten etwa von Jacques Prévert oder Carl Sandburg, auch an Bertolt Brecht erinnerten, dessen Hauspostille mich damals gerade unerhört faszinierte. Ich halte ihn heute noch für den wahrscheinlich größten deutschsprachigen Dichter dieses Jahrhunderts.
Konzag: Eine lange Pause liegt zwischen ihrem Debüt 1956 und den darauffolgenden Bänden. Erst 1964 erschienen lange Gedichte und klare gerührt, konkrete Poesie. Wie ist diese Zeit des Schweigens zu verstehen?
Jandl: Das war kein freiwilliges Schweigen, und auch diese beiden Titel waren schmale Bändchen ohne viel Resonanz. Das erste große Buch nach Andere Augen war 1966 Laut und Luise im Walter Verlag, Olten, Schweiz. Seit 1956 hatte sich bei mir ein radikaler Stilwechsel vollzogen. Ich knüpfte jetzt bei Autoren an, die mir zwar schon lange bekannt gewesen waren, zu denen ich aber bisher kein produktives Verhältnis hatte. Eine versunkene, verschollene, verschüttete Tradition begann ich mit eigenen Mitteln weiterzuführen. Ergebnisse dieser Arbeit sind in Sprechblasen (1968) und Laut und Luise enthalten. Diese Gedichte schockierten die für die Literatur maßgeblichen Leute in Österreich. Sie meinten, an Expressionismus oder Dadaismus, an die Literaturrevolution zu Beginn unseres Jahrhunderts anzuknüpfen sei unmöglich. August Stramm, Hans Arp, Hugo Ball seien überholt, abgetan. Ich aber wußte nicht und wüßte auch heute nicht: überholt durch was? Abgerissene Traditionell sind oftmals gewaltsam abgebrochene Traditionen. Wir wissen, der Nationalsozialismus zerschlug Kunst, zertrümmerte vieles, behinderte neue Entwicklungen. Diese Traditionen waren in Bibliotheken, in Büchern verwahrt. Sie mußten aufgenommen werden, sollte es eine neue Dichtung des 20. Jahrhunderts geben. Und darum bemühte sich in Österreich eine ganze Reihe von Dichtern, etwa die Wiener Gruppe, Hans Carl Artmann, Gerhard Rühm, Konrad Bayer, Friedrich Achleitner, Oswald Wiener sowie Friederike Mayröcker, ich. Wir wollten die wohl wirklichkeitsnahe, aber die Traditionen des 20. Jahrhunderts mißachtende Nachkriegslyrik einen Schritt weiter bringen. Themen, die der Krieg geweckt hatte, konnte man dabei durchaus weiterführen, doch mit anderen Mitteln. Ich möchte zwei Beispiele nennen, zwei Gedichte aus Laut und Luise. Diese Art hatte damals in Österreich keine Chance. Und auch in der Bundesrepublik Deutschland wurden diese Gedichte nur in ganz kleinen Zeitschriften von jungen ambitionierten Leuten veröffentlicht.
FALAMALEIKUM
falamaleikum
falamaleitum
falnamaleutum
fallnamalsooovielleutum
wennabereinmalderkrieglanggenugausist
sindallewiederda
oderfehlteiner ?
Und ein zweites Gedicht, ebenfalls ein Antikriegsgedicht, das von einem deutschen Wort ausgeht, dem die Vokale entzogen sind. Nur das Konsonantische, das Geräuschartige bleibt übrig. Es ist ein „lautmalendes“ Gedicht, mit Mitteln der Stimme wird versucht, Geräusche der Schlacht wiederzugeben, Stimmgeräusche, die den fürchterlichen Widersinn eines Krieges hörbar machen sollen.
SCHTZNGRMM
schtzngrmm
t-t-t-t
t-t-t-t
grrrmmmmm
t-t-t-t
s—–c—–h
tzngrmm
tzngrmm
tzngrmm
grrrmmmmm
schtzn
schtzn
t-t-t-t
t-t-t-t
schtzngrmm
schtzngrmm
tsssssssssssssss
grrt
grrrrrt
grrrrrrrrrt
scht
scht
t-t-t-t-t-t-t -t-t-t
scht
tzngrmm
tzngrmm
t-t-t-t-t-t-t-t-t-t
scht
scht
scht
scht
scht
grrrrrrrrrrrrrrrrrrr
t-tt
Das Wort, das dem Gedicht zugrundeliegt, ist wohl erkennbar: Schützengraben. Es bekommt Dialektfärbung, da das ben von graben verschliffen wird, wie wir es in Österreich tun, zu grmm, hier also Dialekt, ohne daß es ein Dialektgedicht wäre, und nur an einer Stelle klingt ein Wort an, nämlich am Schluß, wo die Lautfolge t-tt deutlich das Wort „tot“ suggeriert.
Konzag: Wir finden in allen Ihren Büchern Gedichte, die sich mit dem Krieg auseinandersetzen. Als der Krieg ausbrach, waren Sie 14 Jahre alt. Erinnern Sie sich noch daran, an Ihre Gefühle und Gedanken?
Jandl: Da war zunächst einmal die Rechnung: Wie alt bin ich, wie lange kann dieser Krieg dauern? Sie wissen, daß die deutsche Führung nach dem Polenfeldzug mit dem Wort „Blitz-Krieg“ prahlte. Es sah nun so aus, als könne man diesen Krieg innerhalb kurzer Zeit beenden. Je länger der Krieg aber dauerte, um so unsicherer wurde ein Heranwachsender meines Jahrgangs, des Jahrgangs 1925, welche Rolle ihm selber in diesem grausamen Spiel zugeteilt war. In den letzten Jahren des Gymnasiums bestand kein Zweifel mehr, daß man in diese Sache hineingezogen würde. Ich hatte das Glück, in einer Schulklasse zu sein, von 1938 bis zum Abitur 1943, die sich nicht zu einer nationalsozialistischen Einstellung verführen ließ. Es war kaum jemand von uns bei der Hitlerjugend, es gab, jedenfalls hier in Wien, verschiedene Auswege. Entweder man hielt sich ganz im Hintergrund, oder man ging zum Deutschen Roten Kreuz. Meine Klassenkameraden waren vom Verlauf des Krieges genauso entsetzt wie ich. Entsetzt von der Herrschaft des Nationalsozialismus und begierig auf die Zeit, die danach kommen würde. Wie sie aussehen würde, das wußte natürlich keiner. Aber gewisse Bilder, Vorstellungen aus den zwanziger Jahren spiegelten uns eine verheißungsvolle Zeit.
Konzag: Einige Worte zur Wiener Gruppe. Sie gehörten ihr nicht direkt an, aber Sie sympathisierten mit ihr?
Jandl: Friederike Mayröcker und ich waren mit H.C. Artmann und Gerhard Rühm befreundet, damals zweifellos die führenden Köpfe der Gruppe. Wir tauschten unsere Arbeiten aus, lasen einander unsere Arbeiten vor und traten so in einen sehr fruchtbaren Wettstreit. Daß Mayröcker und ich nicht zur Wiener Gruppe gehörten, hängt mit der Art der literarischen Produktion zusammen. Die Wiener Gruppe, aus fünf Mitgliedern bestehend, erarbeitete ihre Texte gemeinsam. In verschiedenen Zusammensetzungen stellten Mitglieder der Gruppe Gedichte, Theaterstücke und andere Texte her. Artmann, Bayer und Rühm beispielsweise arbeiten ein Gedicht aus. Diese Zusammenarbeit, belegt in dem ziemlich umfangreichen Band Die Wiener Gruppe, definiert und grenzt die Gruppe ab und beschränkt sie auf diese fünf Autoren. Sie gaben, glaube ich, der österreichischen Gegenwartsliteratur und darüber hinaus der deutschsprachigen Literatur wichtige Impulse.
Konzag: Literaturwissenschaftler und Literaturkritiker rechnen Sie zu dem, was der Einfachheit halber mit experimenteller Poesie bezeichnet wird. Was sagen Sie zu diesem Ruf, Sie seien ein experimenteller oder konkreter Lyriker?
Jandl: Konkrete Lyrik ist eine einengende Etikettierung, obwohl zweifellos bestimmte Gedichte von mir konkrete Poesie sein können. Experimentelle Lyrik – das ist ein sehr dehnbarer Begriff, deshalb verwende ich ihn auch gern. Freunde von mir, etwa Gerhard Rühm, waren immer skeptisch gegenüber diesem Begriff, und ich muß natürlich sagen, ein Gedicht oder ein anderer literarischer Text kann als ein Experimentieren mit Sprache beginnen, aber er muß über diese Phase des Experimentierens hinausgehen. Nur das gelungene Experiment, das ein vollständiges Gebilde ist, kann vom Autor akzeptiert und an das Publikum weitergegeben werden.
Konzag: Umgang mit Sprache ist wichtig für Sie, das fühlt jeder Leser Ihrer Gedichte. Was haben Sie vor mit der Sprache: Revolution, Reform, Revolte?
Jandl: Über das Schreiben von Gedichten hinaus: Schärfung des Sprachbewußtseins, Erweiterung des Sprachhorizonts und eine gewisse – und das wäre schon das höchste Ziel, das ich mir stecken kann – Immunisierung des Lesers gegen Sprachmißbrauch, vor allem auf politischem Gebiet.
Konzag: „Ich schreibe verschiedene Arten von Gedichten, ich will auf viele Wege aufmerksam machen“, haben Sie einmal geäußert. Welche Arten, welche Wege?
Jandl: Zuerst einmal das Gedicht in Alltagssprache, zum Beispiel:
vater komm erzähl vom krieg
vater komm erzähl wiest eingrückt bist
vater komm erzähl wiest gschossen hast
vater komm erzähl wiest verwundt wordn bist
vater komm erzähl wiest gfallen bist
vater komm erzähl vom krieg
Und nun ein Gedicht, in dem die Sprache verändert wird mit einem bestimmten Zweck, eine Szene aus dem Jahr 1938. In diesem Gedicht, könnte man sagen, wird der Sprache so Gewalt angetan, wie dem österreichischen Volk durch den „Anschluß“ an das „Großdeutsche Reich“ und durch den Hitlerkrieg Gewalt angetan wurde. Die Sprache, die ich hier verwende, soll eine Großkundgebung im Frühjahr 1938 im Gedicht wiedererstehen lassen.
WIEN : HELDENPLATZ
der glanze heldenplatz zirka
versaggerte in maschenhaftem männchenmeere
drunter auch frauen die ans maskelknie
zu heften heftig sich versuchten, hoffensdick
und brüllzten wesentlich.
verwegener stirnscheitelunterschwang
nach nöten nördlich, kechelte
mit zu-nummern der aufs bluten feilzer stimme
hinsensend sämmertliche eigenwäscher.pirsch!
döppelte der gottelbock von Sa – Atz zu Sa – Atz
mit hünig sprenkem stimmstummel.
balzerig würmelte es im männechensee
und den weibern ward so pfingstig ums heil
zumahn : wenn ein knie-ender sie hirschelte.
Konzag: Würden Sie Ihre Gedichte als politische Gedichte bezeichnen?
Jandl: Viele meiner Gedichte sind schon rein äußerlich politische Gedichte. Das Thema weist sie unverstellt als solche aus. In anderen Gedichten benutze, verändere ich Sprache so, daß meines Erachtens eine politische Wirkung entsteht.
Konzag: Sie haben einmal gesagt:
Was ich will, sind Gedichte, die nicht kalt lassen.
Aus welcher Zeit stammt dieses Bekenntnis und in welchem Zusammenhang ist es zu sehen?
Jandl: Dieser Satz, heute für mich so gültig wie damals, stammt aus dem kurzen Text „Selbstporträt 1966“. Ich war von einer Zeitschrift aufgefordert worden, ein ganz kurzes Selbstporträt zu schreiben, und das endete mit dem Satz:
Was ich will, sind Gedichte, die nicht kalt lassen.
Konzag: Wie reagieren Sie – und wie reagieren die Kollegen Ihres Landes – heute bei brennenden politischen Fragen, bei der Frage Krieg – Frieden?
Jandl: Der aktuellen Frage Krieg – Frieden wird man mit Lyrik kaum beikommen können. Gedichte können bestenfalls den Friedenskampf unterstützen. Der Dichter wird selten auf Tagesereignisse mit einem Gedicht antworten. Es gibt andere Möglichkeiten einer politischen Stellungnahme, auch von Schriftstellern, zu brennenden Ereignissen.
Konzag: Ein Dichter, der wie Sie mit der Sprache experimentiert, wird von den Kritikern nicht verschont. Es gibt viel Lob und Anerkennung für Ernst Jandl, es gibt aber auch Ablehnung, Bezeichnungen wie „Sprachpuzzler“, „lyrischer Wortklauber“, „poetischer Ausdrucks-Chemiker“. Wie reagieren Sie auf derartige Angriffe, nehmen Sie sie zur Kenntnis?
Jandl: Dagegen hin ich abgehärtet, das läßt mich kalt.
Konzag: Manchmal wird Ihnen auch vorgeworfen, der Leser müsse sich bei der Lektüre plagen, dem Geheimnis der Form auf die Schliche zu kommen.
Jandl: Ich benutze keine Schliche. Gedichte sind natürlich extreme Formen. Das Formale steht bei mir erst einmal im Vordergrund, wie bei dem Gedicht „Schützengraben“. Erst wenn Sie das Gedicht sprechen, tritt das Formale zurück und Sie haben etwas ganz anderes vor sich. Bei manchen Gedichten hat der Leser Schwierigkeiten, sich dieses Gedicht anzueignen, es verlangt das Sprechen des Textes. Das Medium Schallplatte…
Konzag: … das Sie ja auch nutzen…
Jandl: Natürlich, es gibt eine Reihe von Schallplatten von mir, und ich habe mich seit der Veröffentlichung von Laut und Luise sofort um eine Auswahl für die Platte bemüht. Ich wußte, das braucht der Leser.
Konzag: Für welches Publikum schreiben Sie?
Jandl: Eines meiner Bücher nannte ich Für alle.
Konzag: Mein Schreibtisch ist für alle gedeckt, was heißt für alle?
Jandl: „Mein Schreibtisch ist gedeckt für alle“, richtig. Für alle, die neuen Textgebilden nicht verschlossen gegenüberstehen, die offen sind für Neues, das allerdings von ihnen überprüft werden muß und überprüft werden soll.
Konzag: Eines Ihrer populärsten Gedichte, „ottos mops“, ist in verschiedene Schulbücher aufgenommen worden. Wie kam es dazu, gab es Reaktionen von Kindern?
Jandl: Das Gedicht wurde offenbar von Lehrern empfohlen, die mit ihm bereits Erfahrungen mit den Kindern gemacht hatten. Ich bekam und bekomme noch immer Zuschriften von Schulklassen, in denen mir beschrieben wird, wie sie mit dem Gedicht gearbeitet haben. Wie sie sich dieses Gedicht aneignen. Wie sie die Bauweise erkennen – das Gedicht läßt nämlich nur Wörter zu, in denen als einziger Vokal das o vorkommt. Kein a, kein e, kein i, kein u. Den Briefen beigefügt sind dann auch oft Gedichte der Schüler, die nach ähnlicher Bauweise entstanden, zum Beispiel mit Worten, die nur den Vokal a zulassen: das Gedicht „Hannas Gans“. Oder mit nur dem Vokal u, „Kurts Uhu“. Nur diese Reduktion hat den Erfolg möglich gemacht, das fühlen die Kinder ganz instinktiv, und es macht einfach Spaß, so ein Spiel und sein Ergebnis mitzuerleben.
Konzag: Kinder sollen lernen, mit der Sprache zu spielen?
Jandl: Ja. In Fächern wie Kunsterziehung, Zeichnen und Malen arbeiten die Kinder kreativ, sie arbeiten, singen und spielen kreativ im Musikunterricht. Ausgerechnet in der Literatur soll keine schöpferische Tätigkeit der Kinder, der Schüler möglich sein? Das habe ich nie eingesehen.
Konzag: Ende der siebziger Jahre schrieben Sie das Stück Aus der Fremde. Die Inszenierung erzielte viel Zustimmung. Einen der wichtigsten und aufregendsten Theatertexte dieser Jahre nannte man das Stück, das einen Tag im Leben eines Schriftstellers beschreibt. Hat dieses Lob Sie ermuntert, weiter Texte für das Theater zu verfassen?
Jandl: Ja, aber dieses Stück ist meines Erachtens, so sehe ich das jedenfalls zur Zeit, in einer nicht zu wiederholenden Form geschrieben. Es ist ein poetisches Stück, wenn man so will, in Dreizeilern angelegt. Es gibt keine erste und zweite Person, nur „Er“ und „Sie“. Wenn die Hauptperson von sich spricht, so sagt sie „Er“. Es wird im Konjunktiv geredet. Außerdem ist es eine Sprechoper, jedenfalls von mir so gedacht. Doch muß man hören, was ich mir unter „Sprechoper“ vorstelle, damit man einen Eindruck bekommt von der Künstlichkeit dieser Sprache und damit ihrer Möglichkeit, auf den Zuhörer zu wirken.
Konzag: In Ihrer Biographie ist nachzulesen, daß Ihr lyrischer Proviant zwischen 1938 und 1943, Sie gingen aufs Wiener Gymnasium, aus je drei Gedichten von Stramm, Wilhelm Klemm und Johannes R. Becher bestand. Mich interessiert die Wirkung von Becher auf den Schüler.
Jandl: Es war der junge Becher, der Expressionist, der mich in jener Zeit stark beeindruckte, ein Eindruck, der auch anhielt, als es Johannes R. Becher ebenso wie August Stramm in der offiziellen deutschen Literatur nicht geben durfte. Das waren die Jahre 1938 bis 1945. Ein Gedicht, Bechers „Lied“, beeindruckte mich am meisten, immer wieder habe ich es in jenen Jahren gelesen, mit Freunden diskutiert. Für mich ist es ein Beispiel einer überaus radikalen Sprachbehandlung bei äußerster Schönheit.
LIED
Stern ob Straßenbündel
weht dein Angesicht
Winde krumme münden
Schwarm der Häuser dicht.
Licht-Fontänen sprießen
Sonne tönt hier laut
Rieseln Flöten-Tiere
Mensch kreist hoch im Raum
Ausspann Wiesenhände!
Nacken Gletscher-Berg.
Lippen Hügel-Länder.
Aug so Wald-Traum wirkt…
Das war ein Bild unserer Sehnsucht in der Zeit des Nationalsozialismus und des Krieges, ein Bild für unsere Hoffnung auf eine Zeit des Friedens und der Freude.
Konzag: Einige Namen, Ernst Jandl, sind genannt. Gibt es weitere Ahnväter, Inspiratoren? Durch wen fühlten Sie sich herausgefordert, welchem Dichter oder Schriftsteller wären Sie gern begegnet, wem würden Sie gern begegnen?
Jandl: Gertrude Stein und James Joyce sind Vorbilder. Besonders von Gertrude Stein habe ich viel gelernt, und es gibt im Werk dieser großen und kühnen amerikanischen Dichterin noch vieles, das unentdeckt ist, und vieles, das auch in der Zukunft junge Dichter anregen kann. Weiter Christian Morgenstern mit seinen Galgenliedern, eine sehr frühe, literarische Erfahrung und auch eine wichtige. Die frühe Lektüre einiger Theaterstücke von Johann Nestroy prägte mich wohl auch.
Ich wäre gern Pablo Neruda begegnet, dessen Lyrik für mich zum Bedeutendsten zählt, das in diesem Jahrhundert geschrieben wurde. Und ich wäre überaus gern Bertolt Brecht begegnet.
Konzag: Nach Plänen zu fragen, habe ich kaum Mut, weil ich an Ihr Gedicht denke, „woran ich jetzt arbeite“…
Jandl:
woran ich jetzt arbeite .
daran arbeite ich jetzt
beantworte ich unausgesetzt
die frage eines jeden
ich beantworte unausgesetzt
die frage eines jeden
woran ich jetzt arbeite
daran arbeite ich jetzt
Konzag: Und das gilt heute noch?
Jandl: Ja, das gilt heute noch.
Aus Sinn und Form, Heft4, Juli/August 1985
Bildnisse von Dichtern – Ernst Jandl
Das muß man gesehen haben, wenn ihm die blauen Zornäderchen an der Schläfe anschwellen. Dann stammelt sein Mund, aus seiner Kehle kommt Staub und seine Augen verdrehen sich. Die, die ihn kennen, tun die Finger in die Ohren. Dann schreit er. Niemand schreit so wie er. Wenn wir einmal einen Krieg auszufechten haben werden, spannen wir ihn vor unsern Karren und er schreit uns eine Schneise in die Feinde hinein. Mit dieser Technik haben die Schweizer schon einmal die Österreicher besiegt, bei Sempach. Er spricht ein Englisch wie ein Berserker. Wie er wohl ißt, und was? Er donnert die Gabel, die er mit der Faust hält, in den Rehrücken und säbelt mit einem Tranchiermesser ellenbogenlange Stücke herunter. Er frißt sie rasend schnell. Man meint, jetzt platzt er, aber nein, er lacht plötzlich ganz laut. Wir sehen uns an, dann ihn, und jetzt lachen wir auch. Sein Gesicht glänzt, er sieht jetzt aus wie ein Mond, und wir denken, schade, daß er nicht unser Vater ist oder wenigstens unser Onkel. Dann setzen wir uns zusammen an einen Tisch und spielen eine Partie Schach. Ich ruckle an meinen Bauern herum, er aber kracht gleich mit seinen Türmen übers Brett, und daß er dabei ein paar Rösser verliert, ist ihm wurscht. Sowieso hupfen die so unvorhersehbar. Auch den König mag er eigentlich nicht. Ihm sind die Figuren am liebsten, die wie Kegelkugeln dahinfegen können, Ich schaue auf das Chaos, das er auf dem Brett angerichtet hat und denke, wie er wohl Schnippschnapp spielt, mein Lieblingsspiel, früher, vor jetzt dreiunddreißig Jahren.
Urs Widmer, Manuskripte, Heft 47/48, 1975
Orientierung
– Zu Ernst Jandls literarischer ,Verortung‘. –
Unter dem Titel „verwandte“ äußerte sich Ernst Jandl in seinem Gedichtband idyllen von 1989 wie folgt über sein Verhältnis zur Wiener Gruppe, dieser für das literarische Experiment so wichtigen Nachkriegs-Autorenformation Wiens, deren Bedeutung nicht auf die Donaustadt und auch nicht auf die späten fünfziger, frühen sechziger Jahre, in die ihre Hauptaktivitäten fielen, beschränkt bleiben sollte: ihr Vater, heißt es, sei H.C. Artmann, ihre Mutter sei Gerhard Rühm, ihre Kinder seien zahllos, er selbst aber figuriere als der Onkel.1 Der Autor spielt damit auf seine Randstellung dieser ,Gruppe‘ gegenüber an, signalisiert aber trotzdem ,Verwandtschaft‘, freilich nicht in direkter Linie, sondern eben ,ums Eck‘. – Der Fall scheint mir verallgemeinerbar!
Für Ernst Jandls literarische Produktionen bieten sich zahlreiche Ableitungsmöglichkeiten an, aber stets handelt es sich um versetzte Abhängigkeiten, die dort einen eigentümlichen Brechungswinkel aufweisen und auf diese Weise unverwechselbar werden. Dies gilt meines Erachtens bereits für Jandls erste Lyrik-Publikation, den allgemein und auch vom Autor selbst als traditionell eingeschätzten Band Andere Augen von 1956. Fast durchweg handelt es sich um ,lyrische Momentaufnahmen‘, die sich genau lokalisieren lassen, doch begegnet man auch schon der Auflösung des ,lyrischen Ich‘, das doch nach traditioneller Übereinkunft die feste Voraussetzung für alles Erlebnismäßige bildet, so etwa in „Reisebericht“, wo der nach Paris reisende Autor feststellt, daß er sich nicht ,von sich‘ verabschiedet habe, als er den Zug bestieg – und:
Als ich in Paris
aus dem Zug stieg, stand
ich schon auf dem Bahnsteig
und streckte meine Hand aus.2
Im oberen Stock spiele ein Cello – stundenlang, es werde dunkel im Zimmer, „Ich bin umstellt“, heißt es im Gedicht „November“:
Ich, der Kasten.
Ich, der Schreibtisch.
Ich, das Sofa.
Ich, das Bett.
Das ist meine Gegenwart.
Das sind meine Erinnerungen.3
Jandl hat ,Reim‘ und ,feste Metrik‘ weit hinter sich gelassen, schreibt in einer quasi freirhythmischen Prosa, die sich für jeden Text ihre eigene Gedichtgestalt sucht, wobei er oft zu Wiederholungszeilen mit Variation tendiert. Dem Hang zur Metapher, der in den fünfziger Jahren so stark grassierte, daß alle Lyrik aus ihm abgeleitet zu sein schien, geht er aus dem Weg: noch nicht rekurrierend auf Expressionistisches in der Art August Stramms, in der Art Hans Arps oder Gertrude Steins, die ihm in Bälde den Weg ins Experiment eröffnen sollten, offeriert er ,verkürzte Setzungen‘, die kein ,wie‘ und kein ,als ob‘ benötigen, und zeigt auch sonst formale Auffälligkeiten. Der Titel Andere Augen ist mithin programmatisch gemeint!
Zehn Jahre später, 1966, erschien Jandls Lyrikband Laut und Luise, der ein durch und durch gewandeltes lyrisches Konzept signalisierte, basierend auf den Neufindungen der ,konkreten Poesie‘, die ihre deutschsprachigen Zentren in Wien und Stuttgart hatte. Die dem Wiederabdruck in der von Klaus Siblewski herausgegebenen Ausgabe der Gesammelten Werke den einzelnen Gedichten beigegebenen Entstehungsdaten reichen bis weit in die fünfziger Jahre zurück, signalisieren also, daß Jandl bereits mit Erscheinen von Andere Augen zu anderen Ufern aufgebrochen war. Die zwölf Kapitelüberschriften des Bandes reichen von konventionellen Bezeichnungen wie „autors stimme“, „jahreszeiten“ und „krieg und so“ über Genre- und Gattungsbezeichnungen wie „mit musik“, „zehn abendgedichte“ und „epigramme“ bis zu konkret-stichwortartigen Titeln wie „kuren“, „der blitz“ und „bestiarium“. Der Autor führt, angeregt durch H.C. Artmann und Gerhard Rühm, eine Fülle experimenteller Schreibformen vor, die entsprechende Abhängigkeiten sichtbar werden lassen, macht aber gleichzeitig deutlich, daß er in all diesen Adaptionen eine Erfindungs-Energie entfaltet, die eigene Einfälle einbringt und durch sie Eigenständigkeit erhält. Aus der Summe der Texte stechen dabei gerade die hervor, welche die Avantgarde-Poetik auf traditionelle Formen zurückspiegeln, also zeigen, daß die Neufindungen des Experiments nicht auf sich selbst beschränkt bleiben müssen, sondern eine überraschend breite Anwendung finden können, die alle je dagewesenen Genres erfaßt und mit neuen Energien lädt. Den Dekompositionsakten, die sich in Wortzerlegungen in Buchstaben und Silben („tohuwabohu“, „talk“, „ode auf N“), in verzerrenden Schreibweisen („eile mit feile“, „doode / schbrooooochn“, „schtzngrmm“, „machet auf den türel“, „wo bleibb da / hummoooa“, „es pssniest / ein psnychologe“) usw. präsentieren, stehen also Rekompositionsakte gegenüber, die zu durchaus bekannten Inhalten und Formen des Gedichts zurückkehren, aber eben nicht im vorgegebenen Traditionsrahmen, sondern diesen sprengend, aufsprengend.
Poetologische Feststellungen nehmen diese Perspektive auf:
Meine Experimente nahmen oft Züge der traditionellen Lyrik auf, wodurch die gleichzeitige Konfrontation von bekannten mit unbekannten Elementen stärkere Reaktionen hervorrief als bei Texten ohne diesen Spannungskern (Unbekanntes wird am deutlichsten, wenn es neben Bekanntes tritt).4
Oder die „Vorrede zu einer Lesung in Graz, 11. November 67“:
Diese Lesung ist zwar angekündigt als eine Lesung neuer Texte, doch ich werde mich bemühen, Sie in dieser wie in anderer Hinsicht zu enttäuschen. Ich beginne nämlich meine Demonstration, im Sinn eines Zeigens von Experimenten, mit einem traditionellen Gedicht aus dem Jahr 1954, „Wie man Freunde gewinnt“, dieses allerdings auf eine Art gelesen, wie es für mich erst durch eine freiere Arbeitsweise möglich wurde.5
Dies ist der Grund, weshalb Helmut Heißenbüttel in seinem Nachwort zur Erstausgabe von Laut und Luise darauf verwies, es handle sich hier um „Gedichte wie eh und je“, freilich mit dem Zusatz: „(soweit es je Gedichte wie eh und je gegeben hat)“; er habe damit weder ein Paradoxon im Sinn, noch meine er, ein Ignorant zu sein, sondern wende sich bewußt gegen ein bis heute merkwürdiges Klischee, nach welchem ,Moderne‘ und ,Tradition‘ sich gegenseitig ausschließen:
Daß erst im Risiko der Progression, im Ausprobieren und ersten Benennen dessen, was eben nie vorher gesagt oder gezeigt worden ist, die Tradition sinnvoll eingelöst und ihr Erbe weitergetragen werden kann, dieser Gedanke widerspricht offenbar der Übereinkunft, auf die sich unsere Zeit eingelassen zu haben scheint.6
Der Spannbogen der Traditionsformen, die Jandl auf diese Weise innovativ weiterführt, reicht vom ,Morgenlied‘, das wir seit dem Mittelalter kennen, bis zu allen neueren Gedichtgenres, die das achtzehnte und neunzehnte Jahrhundert prägten; so lassen sich etwa – als herausgegriffenes Beispiel, dem zahlreiche andere an die Seite zu stellen wären – seine „calypso“-Verse mit ihren seltsamen Sprachverschränkungen zwischen Deutsch und Englisch sowohl als modernisierte Adaption wie als parodistischer Gegengesang auf jene Sehnsuchtslieder („Kennst du das Land…“) lesen, die Goethe im Wilhelm Meister seiner rätselhaften Mignon-Gestalt in den Mund gelegt hat:
ich was not yet
in brasilien
nach brasilien
wulld ich laik du go
( … )
als ich anderschdehn
mange lanquidsch
will ich anderschdehn
auch lanquidsch in rioo7
In seiner Poetikvorlesung an der Frankfurter Goethe-Universität im Wintersemester 1984/85 – veröffentlicht 1985 unter dem Titel Das Öffnen und Schließen des Mundes – suchte Jandl den Rückbezug zum Lautgedicht der Dadaisten, um in einer Art Juxtaposition seiner Poetik das ,Sprechgedicht‘ als eigenen Beitrag zu bestimmen – der in der Tat Jandls tage- und abendfüllende poetische Lesungen auf der Bühne prägt und insofern an die Sprech- und Vortragssituation zurückgebunden ist, durch alles ,Stimmliche‘ und ,Lautliche‘ inspiriert ist. Als eine Art ,Programm‘ lassen sich in Laut und Luise – gewidmet „dem schnurrbart von daniel jones, dem großen englischen phonetiker“ – „drei lippengedichte“ lesen; im Prosavorspann dazu heißt es:
das visuelle lippengedicht ist die umkehrung des visuellen papiergedichtes. der rezitator ist das papier des visuellen lippengedichtes. das visuelle lippengedicht wird ohne tonbildung gesprochen. es wird mit den lippen in die luft geschrieben. (…) das visuelle lippengedicht hebt taubheit, stummheit und taubstummheit auf. den blindgeborenen allein vermag es nicht zu erreichen.8
Zum Sprechgedicht Ernst Jandls gehört demnach als programmatischer Akt, den man in ähnlicher Weise wohl auch schon bei den russischen Futuristen findet, nicht nur das laute, sondern selbst noch das stumme Bewegen der Lippen, ja selbst das Schweigen – ja, das wirkliche Schweigen und nicht das beredte, das in so vielen Gedichten der Zeit thematisiert wurde; die aktuelle Poesie ist mithin als Lese- und Sprech- sowie Visuelle Poesie zu erweitern, auch die ,visuelle Poesie‘ erfährt dadurch, die bis dahin in der Tat eine eher ,papierene‘ Angelegenheit war. Die Gedichte „der mund“ und „die lippen“ im Gedichtband der künstliche baum von 1970, der strikt in die Kapitel „visuelle gedichte“, „lese- und sprechgedichte“ und „lautgedichte“ aufgeteilt ist, nehmen diesen poetologischen Einfall auf und setzen ihn in anderer – noch intensiverer – Weise um. In seiner Poetik-Vorlesung kam Jandl darauf zurück und unterstrich damit den exemplarischen Stellenwert, den gerade diese Texte für ihn haben; er fügte sogar noch ein weiteres, bis dahin unveröffentlichtes Text-Beispiel hinzu, das er parodistisch mit „innerlich, ein beitrag zur neuen innerlichkeit“ überschrieb:
Um Innerlichkeit darzustellen, bleibt der Mund, bleiben die Lippen, durchwegs geschlossen. (…) Lautsymbolik spielt in dem Gedicht eine bestimmende Rolle, selbst ohne Titel und Zusatz würden Sie es kaum als eine Äußerung von Zustimmung, Freude oder Lust registrieren. (…) Der die Wangen aufblähende Laut involviert Mimik und ist als Versuch bekannt, Erbrochenes nicht freizugeben. In Verbindung mit Titel und Zusatz erfolgt durch dieses Gedicht eine ziemlich eindeutige Stellungnahme.9
Vom stummen Bewegen der Lippen bis zu allem, was beim Schließen und Öffnen des Mundes tatsächlich passiert, reicht also der Spannbogen des ,Sprechgedichts‘, das Jandl als ,eigene Erfindung‘ für sich reklamiert. Dabei ist neben dem „reinen Laut“, wie er durch Weglassung semantischer Momente zustande kommt, auch die Entdeckung, daß im Wort ,philosophie‘ auch ,o so viel vieh‘ verborgen ist – mit von der Partie; und an der Verschandelung des Bibeltextes zeigt sich, daß gerade auch das ,heilige Wort‘ dem Sprach- und Sprechverschleiß der Gegenwart unterworfen ist – deshalb der Titel „fortschreitende räude“, wobei das Thema eben nicht nur inhaltlich abgehandelt wird, sondern ganz direkt im Sprachmaterial als solchem zur Darstellung kommt:
him hanfang war das wort hund das wort war bei
gott hund gott war das wort hund das wort hist fleisch
geworden hund hat hunter huns gewohnt
him hanflang war das wort hund das wort war blei
flott hund flott war das wort hund das wort hist fleisch
gewlorden hund hat hunter huns gewlohnt
schim schanflang war das wort schund das wort war blei
flott schund flott war das wort schund das wort schist
fleisch gewlorden schund schar schunter schuns gewlohnt
schim schanschlang schar das wort schund schasch wort
schar schlei schlott schund flott war das wort schund
schasch fort schist schleisch schleschlorden schund
schar schlunter schluns scheschlohnt10
Folgt man diesen und anderen einschlägigen Beispielen, handelt es sich also um keinen Zugewinn aus der Rezitation als edler ,Vortragskunst‘, sondern darum, daß Jandl mit Hilfe des Gedichtvortrags in Sprachbereiche vorstößt, die sich bis dahin der Literarisierung entzogen: Indem er sich etwa an bloßer Sprechwut, an artikulatorischen und Versprechens-Potentialen festmacht, geht es um ein Sprechen unter das Niveau der Hochpoesie hinab – um Einfälle, gerade aus ihren Defekten. Dies gilt in verstärktem Maße für die Orientierung an der „Sprache der Kinder“ und an der ,Sicherheit‘ der Sprache, die mit dem Gedichtband der gelbe hund von 1980 programmatisch wird. Den entscheidenden Hinweis gibt eine unter die Gedichte dieser Publikation gestreute Prosanotiz, die auf den bereits 1978 gedruckten Gedichtband die bearbeitung der mütze und den dort mitenthaltenen Zyklus „tagenglas“ verweist:
(…) eine reihe von gedichten, deren sprache, im gegensatz zu aller herkömmlichen poesie, unter dem niveau der alltagssprache liegt. es ist die sprache von leuten, die deutsch zu reden genötigt sind, ohne es je systematisch erlernt zu haben. manche nennen es ,gastarbeiterdeutsch‘, ich aber, im hinblick auf poesie, nenne es eine ,heruntergekommene sprache‘.11
Als ich ihn Mitte der sechziger Jahre für ein von mir geplantes, dann aber nicht zustande gekommenes Heft der Streit-Zeit-Schrift, deshalb also für das von mir redigierte Feuilleton der Frankfurter Studentenzeitung Diskus darum bat, schickte mir Jandl sein poetologisches Statement „Orientierung“. Die Frage, zu welcher poetischen Richtung er zu zählen sei, könne er nicht beantworten, hielt er einleitend fest, „es sei denn, man nimmt nach Belieben ,zu keiner‘ oder ,zu meiner‘ als Antwort“:
Ich schrieb und schreibe Texte, deren Einordnung ich anderen überlasse, in einer auf verschiedene Weise aus dem gewohnten in ein ungewohntes Gleichgewicht gebrachten Sprache.12
Geht man diesem Statement auf den Grund, ist es erlaubt, meine ich, mit der entsprechenden These des russischen Formalisten Viktor Schklowski einen Akt der ,Rebarbarisierung‘ anzusetzen, wie er immer dann zu beobachten sei, wenn sich die Literatur wieder einmal allzusehr ins Esoterische begeben habe und dringend einer Regeneration bedürfe – als eben solche erweist sich Jandls Auffrischung der poetischen Sprache mit Hilfe der ,Kindersprache‘ und durch sein sogenanntes ,Gastarbeiterdeutsch‘. Ihre Fehlerhaftigkeit wird zum Kunstmittel eines dekomponierenden, antigrammatischen Schreibens gemacht, das sich den Fallstricken der herkömmlichen Syntax entzieht und die Worte in ungewohnte Verbindungen zueinander treten läßt; der Vorgang als solcher verweist nach den Worten des Dichters darüber hinaus auf die Dürftigkeit der menschlichen Existenz, die der Autor mit allen Menschen teilt:
wie oft-oft
sein ich gesessen vorn vom
weißen papieren und nicht
gefüllen sich haben mit lettern und wörtern den
weißen papieren sondern
weißen geblieben es sein13
Natürlich zielt dieser ,Griff nach unten‘ dann auch auf die poetischen Formen – so in besonders konsequenter Weise vorgeführt in Jandls letzter Gedichte-Publikation mit dem Titel stanzen aus dem Jahre 1992. Nicht die klassische italienische Vers- und Strophenform, nach der zunächst Boccaccio, Ariost und Tasso und nach ihnen dann auch Goethe und Schiller dichteten, ist gemeint, sondern von ,G’stanzeln‘ ist die Rede, jenen den ,Schnadahüpfl’n‘ verwandten Dialekt-Vierzeilern also, die man in ländlichen Gegenden Österreichs als ein volkstümliches Literaturgenre kennt, offen für jedwede Improvisation aus der Lust und Laune heraus. August 1991, während eines Landaufenthaltes in Puchberg am Schneeberg, so der Autor in einer kurzen „Nachwort“-Notiz, sei die Erinnerung an dieses lyrische Genre, die er sich aus seinen Kindheitstagen herauf bewahrt habe, erneut in ihm wach geworden und habe einen poetischen Motor in ihm angeworfen, seiner Kraft nach nur jenen Schüben vergleichbar, die sich ihm mit dem „durchbruch zur realistischen dichtung“ in dem Lyrikband Andere Augen, mit dem Einsatz des experimentellen Schreibens in Laut und Luise und mit der Entdeckung einer ,heruntergekommenen Sprache‘ in die bearbeitung der mütze verbinden:
de ,stanzen‘ is a glaana
literarischer schmäh
auf den i unhamlich schdeh
i hoff, s duad niemand weh14
Gleichzeitig mit der Hinwendung zu dieser – wie man im übertragenen Sinne formulieren darf – ,heruntergekommenen volkstümlichen Form‘ nimmt der Autor jene innovative Dialekt-Poesie auf, wie sie von den Mitgliedern der Wiener Gruppe – allen voran H.C. Artmann in der Mundartlyrik seiner „schwoazzn dintn“ – schon in den fünfziger Jahren unter Beweis gestellt wurde: gegen die hoffnungslos altertümelnde Heimat-Poesie handelte es sich bereits damals um die Erprobung des ,gemeinen‘ Dialekts für die moderne Poetik, für den Surrealismus, den ,schwarzen Humor‘ und eine eigenwillige, an den Schreibweisen der konkreten Poesie orientierte Orthographie.
Der Leser erwerbe mit diesem Buch keine „Menschen-, Seelen- oder gar Heilkunde“, wie sie seit eh und je, also auch noch heutzutage, immer wieder von Bücher-Klappentexten propagiert werde, so die Schlußsätze des „Nachworts“, sondern „ein buch poesie“, „ein buch erhebender und niederschmetternder sprachkunde“. Analog zu dem Lyrikband idyllen von 1989 begegnen wir auch hier einer Fülle von Texten, die in Erlebnissen, Gefühlen und Erfahrungen des Autors ihren Ursprung haben, aber diesen ganz hinter sich lassen, weil sie die Ich- und Du-Gestik erst wieder aufgreifen, nachdem sie radikal von ihr Abstand genommen und sie ganz in Sprachgesten aufgelöst haben. Vor diesem Hintergrund ist es interessant zu beobachten, in welcher Weise es Jandl mit Hilfe dieser aus dem ,literarischen Untergrund‘ aufsteigenden Innovationspoetik gelingt, Alltägliches und Banalstes neu in den literarischen Prozeß einzubringen, wie umgekehrt bekannte Themen aufzugreifen und überraschend so zu füllen, daß man verblüfft einhält und stutzt: noch einmal gelingt der Nachweis, daß sich ,poetische Höhe und Tiefe‘ nur dort erhalten lassen, wo ihnen neue Energien aus noch unerschöpften Sprach- und Formreservoirs zugeführt werden – wo nicht, drohen ihnen epigonale Erschöpfung und Erstarrnis.
Ja, Jandl kann es sich jetzt sogar leisten, sich mit den großen Namen der Literaturgeschichte in direkte Parallele zu setzen. Er weiß, daß es bei aller Ähnlichkeit der angeschlagenen Thematik doch allein auf die formale Annäherung und die Nuance in der Sprache ankommt, die ganz seine eigene bleibt – und so vergleicht er sich denn mit seiner Erfahrung des Alterns, die er in den letzten Jahren immer häufiger aufgreift und in allen Formen des Verfalls durch Krankheit zum Tode hin unbarmherzig, bald ironisch-distanziert, bald in aller Brutalität fixiert, zu Recht mit unserem ,Dichterfürsten‘ und ,Weimarer Klassiker‘ Johann Wolfgang Goethe und tritt ihm über die Zeiten hinweg, die zwischenzeitlich verstrichen sind, gar nicht parodistisch, sondern face en face als ,Klassikaner‘ unseres zwanzigsten Jahrhunderts gegenüber. Er signalisiert uns dies über die direkt zitierte und deshalb hier besonders zu apostrophierende Überschrift des für Goethe in vielfacher Hinsicht so bedeutsamen Gedichts „Wanderers Nachtlied“ unter folgendem Wortlaut:
waasd i red hoed so gean
drum redia so füü
skommt drauf aun, mid wem
oowa woat, boid bini schdüü15
– was aus dem Wienerischen ins Hochdeutsche gebracht, so viel heißt wie:
weißt, ich rede halt so gern
darum rede ich auch so viel
es kommt darauf an, mit wem
aber warte nur, bald schweige auch ich
Karl Riha, aus TEXT+KRITIK: Ernst Jandl – Heft 129, edition text + kritik, 1996
Wie man den Jandl trifft. Eine Begegnung mit Ernst Jandl, eine Erinnerung von Wolf Wondratschek.
Ernst Jandl im Gespräch mit Lisa Fritsch: Ein Weniges ein wenig anders machen.
Eine üble Vorstellung. Ernst Jandl über das harte Los des Lyrikers.
Ernst Jandl und die Musikaus der Ö1 Sendung: „Ernst Jandl und Musiker:innen“ vom 1.8.2025
Lieder nach Ernst Jandl Anna Mabo und Clemens Sainitzer am 26.7.2025 beim Festival Glatt & Verkehrt in Krems
Christian Muthspiels historisches Jandl-Solo für und mit ernst im Rahmen des Brucknerfests 2008
Weltgebräuche am 26.10.1986 in der Grazer Stadtpfarrkirche mit Ernst Jandl, Rezitation, Martin Haselböck, Orgel, und Christian Muthspiel, Posaune
Uraufführung von Anna Mabo und Clemens Sainitzer Lieder nach Ernst Jandl am 26.7.2025 beim Festival Glatt & Verkehrt in Krems
Zum 60. Geburtstag des Autors:
Für Ernst Jandl – Texte zum 60. Geburtstag. Werkgeschichte
Herausgegeben von Kristina Pfoser-Schewig, ZIRKULAR, 1985
Zum 65. Geburtstag des Autors:
Hans Haider: Die Berliner tageszeitung gratuliert zum 65. Geburtstag
Zum 70. Geburtstag des Autors:
Karl Riha: „als ich anderschdehn mange lanquidsch“
neue deutsche literatur, Heft 502, Juli/August 1995
Nils Jensen: Interview mit Ernst Jandl. Laudatio für einen lauten Dichter
Buchkultur, Nr. 35, Oktober 1995
Hans Haider: 1994 und 1995 – Zweimal ein 70. Geburtstag
Hans Haider: Ernst Jandl 1925–2000. Eine konkrete Biographie, J.B. Metzler, 2023
Fakten und Vermutungen zum Autor + Instagram + KLG + IMDb + PIA + ÖM + IZA + Archiv 1, 2 & 3 + Internet Archive + Kalliope + Georg-Büchner-Preis 1 & 2 + weiteres 1 & 2
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Nachrufe auf Ernst Jandl: der Freitag ✝ Der Spiegel ✝ Der Standart ✝ Die Welt ✝ Die Zeit ✝ graswurzelrevolution ✝ Schreibheft ✝ Süddeutsche Zeitung ✝ Buchkultur ✝ wespennest ✝
Weitere Nachrufe:
André Bucher: „ich will nicht sein, so wie ihr mich wollt“
Neue Zürcher Zeitung, 13.6.2000
Martin Halter: Der Lyriker als Popstar
Badische Zeitung, 13.6.2000
Norbert Hummelt: Ein aufregend neuer Ton
Kölner Stadt-Anzeiger, 13.6.2000
Karl Riha: „ich werde hinter keinem her sein“
Frankfurter Rundschau, 13.6.2000
Thomas Steinfeld: Aus dem Vers in den Abgrund gepoltert
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.6.2000
Christian Seiler: Avantgarde, direkt in den Volksmund gelegt
Die Weltwoche, 15.6.2000
Klaus Nüchtern: Im Anfang war der Mund
Falter, Wien, 16.6.2000
Bettina Steiner: Him hanfang war das Wort
Die Presse, Wien, 24.6.2000
Jan Kuhlbrodt: Von der Anwesenheit
signaturen-magazin.de
Zum 90. Geburtstag des Autors:
Alexander Kluy: „Und was wirst du dann sagen?“
Buchkultur, Österreich Spezial, 2015
Zum 20. Todestag des Autors:
Gedanken für den Tag: Cornelius Hell über Ernst Jandl
ORF, 3.6.2020
Markus Fischer: „werch ein illtum!“
Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien, 28.6.2020
Zum 100. Geburtstag des Autors:
Thomas Schmid: „Wir haben uns von dem, was die moderne Welt zur Hölle macht, seit 1945 noch nicht getrennt“
Die Welt, 31.7.2025
Klaus Nüchtern: Der Dichter gehört gehört
FALTER, 29.7.2025
Marcus Golling: So wie Ernst Jandl wird kein anderer jemals jandeln
Südwest Presse, 30.7.2025
Maria Renhardt: Ernst Jandl zum 100. Geburtstag: Gedichte[,] die nicht kalt lassen
Die furche, 31.7.2025
Peter Gnaiger: ottos mops trotzt: Zum 100. Geburtstag von Dichter-Legende Ernst Jandl
Salzburger Nachrichten, 25.7.2025
Tobias Stosiek: Ein „Sprachenschmutzer“
BR Klassik, 1.8.2025
Teresa Präauer: „die welt ist laut / laut ist schön!“
Süddeutsche Zeitung, 31.7.2025
Thomas Blum: t-t-t-t / t-t-t-t!
nd, 31.7.2025
Bernd Melichar: „Was ich will sind Gedichte die nicht kalt lassen“
Kleine Zeitung, 31.7.2025
Bernd Noack: Rinks oder lechts – die Richtung stimmt immer nie: Ernst Jandl zum 100. Geburtstag
NN.de, 31.7.2025
Florian Neuner: „auf den schaufeln von worten“
junge Welt, 1.8.2025
Michael Luisier: Der steinige Weg des Genies
SRF, 1.8.2025
Paul Jandl: Depressionen und Krisen quälten ihn – nur der Witz konnte ihn von sich selbst befreien
Neue Zürcher Zeitung, 1.8.2025
Walter H. Krämer: Ernst Jandl: Ottos Mops kotzt
evangelisch.de, 1.8.2025
Ronald Pohl: 100 Jahre Ernst Jandl: Erst durch seine Dichtung werden die Spießer lebendig
Der Standart, 1.8.2025
Ernst Jandl zum Hunderter: Neun Menschen erinnern sich
Die Presse, 1.8.2025
Peter Mohr: Wenn Ottos Mops kotzt
titel-kulturmagazin.net, 1.8.2025
Arne Rautenberg: du sein blumenbein
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 1.8.2025
Christoph Hartner: Er hat uns eine ganz neue Sprache hinterlassen
Kronen Zeitung, 1.8.2025
Post macht Marke – Jandl macht Sprache
ots.at, 14.10.2025
Bernhard Fetz: „Bei Jandl findet man die Mediengeschichte des 20. Jahrhunderts repräsentiert“
hr2.de, 1.8.2025
Peter Wawerzinek parodiert Ernst Jandl.
Ernst Jandl − Das Öffnen und Schließen des Mundes – Frankfurter Poetikvorlesungen 1984/1985.
Ernst Jandl … entschuldigen sie wenn ich jandle.









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