COHEN ALS SCHRIFTSTELLER
Let Us Compare Mythologies (1956)
Im Jahre 1951 schrieb sich Leonard Cohen für ein literaturwissenschaftliches Studium an der McGill University in Montreal ein, die trotz ihrer unsympathischen antisemitischen Immatrikulationsbeschränkung in manchen Fakultäten ein für die kulturell oft in der Literatur als reaktionär beschriebenen fünfziger Jahre durchaus liberales und tolerantes akademisches Umfeld aufwies, wie sich der wohl nicht allzu überzeugt studierende und bei den Veranstaltungen oft abwesende Leonard Cohen später auch selbst erinnerte. Es gab keine Anwesenheitspflicht oder Präsenzlisten bei den Seminaren. Auch die Prüfungen und Anforderungen waren durchaus mit einem mäßig verlotterten Studentenleben kompatibel. Leonard Cohen hatte außerdem das wohl als schicksalhaft einzustufende Glück, junge, aufgeschlossene Professoren zu finden, die sein poetisches Talent erkannten, schätzten und förderten und ihn gerne auch zu den häufigen Partys einluden, wo die Studenten mitsamt ihren gut aussehenden Freundinnen im Schlepptau immer gerne von den Dozenten gesehen waren. Den jungen Cohen schien das akademische Leben wenig zu interessieren, er fühlte sich vielmehr, seitdem er 1949 die Gedichte des andalusischen Lyrikers García Lorca (1898–1936) kennengelernt hatte, zum Poeten, Priester und Propheten bestimmt. Der postum veröffentlichte Divan del Tamarit des spanischen, unter tragischen Umständen umgekommenen Ausnahmedichters Lorca mit seinen seltsamen, indischpersischen Gedichtformen der Ghaselen und Kassiden und der surrealen, auf einfachen südeuropäischen Volksliedern basierenden und sehr bildhaften Mischung aus Erotik und Tod stellte entscheidende Weichen in Cohens schriftstellerischer Evolution. Nicht umsonst war Lorca eng mit dem Künstler und Begründer des Dadaismus Salvador Dalì befreundet. Man braucht nur ein paar wenige Verse aus einem beliebigen Ghasel oder einer Kasside des Gedichtbands zu nehmen und ist mittendrin in der Gedanken- und Gefühlswelt Leonard Cohens. Folgerichtig nannte Cohen seine einzige Tochter dann auch Lorca, weil ihm der andalusische, auf ewig in der Schwebe zwischen östlichen und westlichen Wertevorstellungen hängende spanische Dichter, in den paradoxen und sarkastischen Wortens Cohens selbst, definitiv sein Leben ruiniert habe. Cohens Professoren der McGill University F.R. Scott, Louis Dudek und Irving Layton, alle drei selbst Lyriker, haben das historische Verdienst, dieses poetische Talent Cohens nicht behindert und ihm nicht durch kleinliche pädagogische Borniertheit und Wichtigtuerei den Garaus gemacht zu haben. Im Gegenteil: Scott, immerhin Leiter der juristischen Fakultät, lud den Jungdichter in sein Sommerhäuschen in North Hatley ein, wo dann der Großteil des Materials von Cohens erstem Gedichtband niedergeschrieben wurde. Dudek veranstaltete Vorlesungen in modern poetry und machte Cohen mit vielen wichtigen und wohlklingenden Autoren der europäischen Literaturgeschichte bekannt, bei denen natürlich auch die deutschen Dichter und Denker Goethe, Schiller, Novalis, Nietzsche und Rilke nicht fehlen durften. Dudek war es auch, der die „McGill Poetry Series“ ins Leben rief und als ersten Band in einer Kleinstauflage von fünfhundert Stück Cohens Let Us Compare Mythologies (1956) veröffentlichte. Andere Zeiten! Heute wäre noch nicht einmal im Traume daran zu denken, Hunderte von Lyrikbänden eines unbekannten Poeten verkaufen zu können. Finanziert wurde alles in Eigenregie durch Vorabverkäufe auf dem universitären Campusgelände, wobei die spätere kanadische Starakademikerin Ruth Wisse die Initiative übernahm. Die wichtigste Figur in der Frühphase Cohens war Mentor und Freund Irving Layton (1912–2006), der bis zu seinem Tod einer der wenigen engen Freunde Cohens blieb. Der aus Rumänien stammende Layton, wirklicher Name Israel Pincu Lazarovic und ebenfalls Jude wie Cohen, war in den fünfziger Jahren, während derer seine Schaffenskraft ihren Höhepunkt erreichte, das enfant terrible der kanadischen Literaturszene und bahnte mit seinen satirischen, das Bürgertum bewusst verstörenden Gedichten und seinen oft explizit sexuellen Anspielungen sicherlich eine wichtige Schneise für den Cohen’schen Stil. Dieses erstaunliche, den Brutkasten für das zarte Dichterpflänzchen auf Temperatur haltende Einfühlungsvermögen für den introvertierten, rebellischen, hochsensiblen Cohen ist, wie oben schon angesprochen, wohl als seltener Glücksfall der modernen Literaturgeschichte zu betrachten. Cohen, der alle Merkmale eines durch und durch in sich selbst verliebten, anti-akademischen und anti-bourgeoisen Hitzkopfs und verhagelten Idealisten aufwies, fand im an sich sterilen akademischen Umfeld einen erstaunlich fruchtbaren Nährboden für seine lyrische Entwicklung. Auf den nie von ihm für wichtig befundenen BA-Studienabschluss im Oktober 1955 folgte ein Jahr später die Veröffentlichung von Let Us Compare Mythologies. Vielleicht kennen Sie ja den weltberühmten, 1951 veröffentlichten Roman von J.D. Salinger The Catcher in the Rye – immerhin mit circa fünfundsechzig Millionen verkauften Exemplaren auf Platz achtzehn der ewigen Bücherbestsellerliste –, welcher die abgründige Verzweiflung seines Protagonisten Holden Caulfield großartig dicht gepackt zur Sprache bringt, der dem reaktionären, auf Sport, Sex und heilloser Dummheit basierenden amerikanischen Bildungssystem hilflos ausgeliefert ist. Da meinte es das akademische Schicksal fast zur gleichen Zeit weitaus gnädiger mit Leonard Cohen. Trotzdem rüttelt sein Gedichtband Let Us Compare Mythologies auf ganz andere, aber nicht weniger radikale Weise an den Grundfesten unserer Kultur. Der Logos der griechischen Aufklärung wird abgelehnt und zur gleichen Zeit eine Rehabilitierung des Mythos versucht. Wichtig sind keine verstandesmäßigen Beweise mehr, welche die Welt erklären und den Wahrheitsgehalt von Theorien begründen, sondern Geschichten, Erzählungen und Sagen, die oft religiöse Dimensionen haben. Eine solche Neubewertung könnte instinktiv erst einmal als kultureller Rückschritt eingeschätzt werden, legt aber andererseits Wahrheitsperspektiven frei, die jenseits von Logik und Rationalität liegen. Die Erschaffung der Welt in sieben Tagen im Buch Genesis ist eine mythologische Erzählung mit hoher symbolischer Bedeutung. In einem streng wissenschaftlichen Sinn ist sie eigentlich nur erstunken und erlogen. Trotzdem bestehen erstaunliche Parallelen zwischen der mythologischen Bibelerzählung der Weltschöpfung und den neuesten physikalischen Theorien der Entstehung des Universums. Cohen geht aber noch einen Schritt weiter. Er gesteht nicht nur den Mythologien den ersten Platz auf dem Podium der Welterkenntnis zu, er glaubt auch an die Möglichkeit eines Erkenntnis zutage schaffenden Vergleichs zwischen ihnen. Genau dies wird er dann im Laufe seiner Schriftsteller- und Musikerkarriere auch in die Tat umsetzen, wenn er sich, ausgehend von seiner eigenen jüdischen Religion, anderen spirituellen Erfahrungen öffnet. Es sind fast immer sehr grundlegende Fragen, die Cohen schon am Anfang seiner Karriere umtreiben: Prozesse der Zerstörung und Erneuerung, die Aufdeckung von folgenschweren und verborgenen Strukturen hinter einer fragwürdigen und in trivialen sprachlichen Floskeln an den Tag tretenden Wirklichkeit, eine persönliche und konkrete Annäherung an Dichotomien wie gut-böse oder hell-dunkel und deren poetische Definierungsversuche. Zu Hilfe kommt Cohen dabei sicherlich auch sein reales Wohnumfeld in Montreal. Die Enklave in der Enklave in der Enklave, in welcher der Jude Cohen inmitten von Christen und Anglikanern in Montreal lebt – das Englisch sprechende jüdische Viertel Westmount in der Französisch sprechenden und katholischen Provinz Quebec im mehrheitlich anglofonen und anglikanischen Kanada – bietet den idealen Nährboden für einen fast schon europäischen Pluralismus, der Vielfalt und Verschiedenartigkeit der Kulturen zu integrieren imstande ist. Im Jahre 2006, anlässlich des fünfzigjährigen Jahrestags der Erstveröffentlichung, entschloss sich Cohens Verlag McClelland & Stewart zu einer Faksimile-Neuauflage des inzwischen legendären Gedichtbands.
The Spice-Box of Earth (1961)
Nach seinem Universitätsabschluss im Oktober 1955 und der Veröffentlichung seines ersten Gedichtbands kurz danach im Mai 1956, die mit einer Kleinstauflage von fünfhundert Exemplaren eher ein größeres Privathappening unter Freunden und Bekannten auf dem Campus war, begann für Cohen eine schwierige Zeit. Sicherlich: Die kanadische Fernsehgesellschaft CBC drehte 1957 einen Dokumentarfilm über sechs kanadische Dichter, worin der gerade dreiundzwanzigjährige Leonard Cohen im gleichen Atemzug wie seine ehemaligen Meister und Mentoren genannt wurde (Louis Dudek, Irving Layton, F.R. Scott, A.J. Smith, A.M. Klein). Dies alles änderte jedoch nichts daran, dass Cohen in den Jahren zwischen 1957 und 1959 nicht wusste, wie es mit seinem Leben weitergehen sollte. In welcher Stadt wollte er leben? Wie konnte er sein Geld verdienen? War er wirklich zum Lyriker prädestiniert? Die Jahre bis zu seinem Exil, zuerst in London ab Dezember 1959 und dann auf der griechischen Insel Hydra ab April 1960, sollten von persönlichen Schwierigkeiten und finanziellen Notlagen gekennzeichnet sein. Er schrieb sich wenig überzeugt für ein Literaturstudium an der Columbia University in New York ein, kehrte aber schon im Sommer 1957 in seine Heimatstadt Montreal zurück. Über die folgenden zwei Jahre von 1957 bis 1959 ist wenig bekannt. Es war eine Übergangszeit mit viel Freiheit, in der Cohen sich bedeckt hielt und zum Schriftsteller heranwuchs. Er arbeitete in diesen zwei Jahren auch zeitweise in der Firma des verstorbenen Vaters in recht untergeordneten und deshalb umso mehr gehassten Funktionen. Der florierende Textilgroßhandel Freedman Company zwang den jungen Cohen zu einem kafkaesken Doppelleben als Büroangestellter am Tag und Autor in der Nacht. Cohen zeigte auch damals schon bei spontanen Lesungen seiner Gedichte zu improvisierter Klavier- und Gitarrenbegleitung in Montrealer Clubs seine Nähe zur Musik. Die Kraft und Energie, an einem zweiten Gedichtband weiterzuarbeiten, der dann allerdings erst 1961 unter dem Namen The Spice-Box of Earth das Licht der Welt erblicken sollte, scheint Cohen jedenfalls trotz langweiliger Büroarbeit und wenig Schlaf nicht gefehlt zu haben. Seine jiddische Chutzpah, im Deutschen nur hilflos mit Chuzpe oder Chutzpe und der Bedeutung Frechheit, Dreistigkeit, Unverschämtheit, aber durchaus mit positiven Obertönen im Sinne von Unerschrockenheit übersetzbar, kam ihm dabei zu Hilfe. So ließ sich Cohen im Frühjahr 1959 überraschend in den Büros von Jack McCelland blicken, Besitzer eines der wichtigsten kanadischen Verlagshäuser namens McClelland & Stewart. Es ist schon erstaunlich, dass ein fünfundzwanzigjähriger Jungautor nach Vorlage eines noch nicht einmal fertiggeschriebenen Manuskripts so einfach einen Vertrag mit einem wichtigen kanadischen Publikumsverlag bekam. Diese Dreistigkeit bewies Leonard Cohen auch später im Winter 1960 auf 1961, als er beim Canada Council um ein zweites Literatenstipendium nachsuchte, was ihm dann auch prompt bewilligt wurde. Bekifft und zusammen mit Freund und Filmemacher Don Owen im irgendwo aufgegabelten Rollstuhl wie in einem surrealistischen Film durch die seriösen Büros albernd und lärmend, sicherte er sich 1961 damit in erster Linie die finanzielle Grundlage für die zweite Niederschrift seines ersten Romans The Favourite Game, der dann allerdings nach endlosen Schwierigkeiten und Änderungswünschen erst im September 1963 veröffentlicht wurde. Ein Jahr zuvor war Cohen ein ungewöhnlich hohes, mit zwei- oder dreitausend kanadischen Dollar (darüber ist sich die Literatur über Cohen nicht einig) bestücktes Stipendium und ein ebenfalls vom Canada Council finanzierten Rundreiseflugticket nach Rom, Athen und Jerusalem bewilligt worden. Dieses großzügige Stipendium ermöglichte Cohen überhaupt erst die Abnabelung von der Alma Mater Kanada in Richtung Europa und verurteilte die Buddelarbeit in seinem Sandkasten der Weltmythologien nicht zu einem jähen Tod.
Der im Mai 1961 veröffentlichte Gedichtband The Spice-Box of Earth wurde sowohl von der Kritik als auch vom Publikum bestens aufgenommen und gilt auch heute noch als Meilenstein in seiner Künstlerkarriere. Die Schlacht schien gewonnen. Cohen war als größtes kanadisches Lyrikertalent schnell in aller Munde und dachte vorschnell, am Ziel seines Traums angekommen zu sein: als renommierter Schriftsteller mit einer regelmäßig sprudelnden Einnahmequelle geruhsam und inspiriert sein anarchisches Lotterleben weiterführen zu können. Doch es war ein kurzlebiger Erfolg. Die Veröffentlichungsgeschichte des nachfolgenden Romans sollte ihn eines Besseren belehren und zeigen, wie wenig Realitätssinn er besaß. Denn schon wenige Monate nach der Veröffentlichung des Gedichtbands war Cohen wieder in seinen üblichen Geldschwierigkeiten und sprach seinen Verleger um einen Honorarvorschuss an. The Spice-Box of Earth ist noch stark in einer jüdischen Optik konzipiert und steht unter dem Einfluss von zwei wichtigen kanadisch-jüdischen Dichtern: Einmal ist es der seit Mitte der fünfziger Jahre an gesundheitlichen Problemen laborierende Abraham Moses Klein (1909–1972) und dann der oben schon erwähnte Irving Layton (1912–2006), der ebenfalls 1959 ein Stipendium vom Canada Council erhalten hatte. Die ernste, priesterliche Haltung von Klein paarte sich mit der dionysischen, prophetischen Energie von Layton und gebar schon in diesen frühen Jahren viele der immer wiederkehrenden Thematiken des Cohen’schen Œuvres: Fragen der Religion und des Judentums im „Song for Abraham Klein“, das Problem der Sprachlosigkeit des Dichters in „Gift“, Abenteuer und Reise in „Travel“, Betrug und surreale Dreier-Beziehungen in „The Cuckold’s Song“, Gewalt in „Morning Song“ sind einige davon. Der heute leider nicht mehr neu aufgelegte Gedichtband erinnert in seinem Titel an den jüdischen Brauch der Hawdala, der von gläubigen Juden jeden Samstagabend praktiziert wird, um das Ende des Sabbats zu feiern: Nach dem Weinsegen findet der sogenannte Gewürzsegen statt, an den sich der Lichtsegen anschließt, währenddessen eine mindestens dreidochtige Kerze gesegnet wird. Beim Gewürzsegen riecht man an einer meist mit Nelken gefüllten Gewürzdose (ein turmartiger, Besamim genannter Behälter aus Metall), um den Gläubigen wiederzubeleben und ihm Kraft für die kommende Woche zu geben. Die zusätzliche Sabbat-Seele, die den Menschen am Ende des Sabbats wieder verlässt, genießt mittels der Nelken noch einmal den Duft des heiligen Feiertages. Bei Cohen ist diese Gewürzdose allerdings nicht mit Nelken, sondern mit Erde gefüllt, was an die Endlichkeit der menschlichen Existenz und an das biblische Buch Genesis („Denn Erde bist du und zur Erde musst du zurück)“ gemahnt.
… The Favourite Game (1963) …
Flowers for Hitler (1964)
Der Gedichtband Flowers for Hitler (1964) ist angeblich zum Großteil im Mai 1962 auf der Schiffsreise vom norwegischen Oslo – Geburtsstadt von Marianne Ihlen, mit der und deren Sohn Alexander junior Cohen auf der griechischen Insel Hydra zusammenlebte – zurück ins griechische Patras geschrieben worden, wie der deutsche Cohen-Experte Christof Graf sehr genau zu wissen scheint. Leonard Cohen lebte in den Jahren von 1960 bis 1966 im selbst gewählten Exil dieser Künstlerinsel im tiefblauen und kristallinen Ägäischen Meer, Zufluchtsort und Unterschlupf für sonnenhungrige, arbeitsscheue, vergnügungslustige, konsumschwache und weltfremde Spinner aus dem reichen Nordamerika, Australien oder Nordeuropa. Neben Leonard Cohen hatten dort der norwegische Schriftsteller Axel Jensen, Mann von Marianne Ihlen, das amerikanische Schriftstellerpaar George Johnston und Charmian Clift, die Cohen mit den ersten Möbeln aushalfen, der schwedische Autor Göran Tunström sowie zahlreiche Maler aus verschiedenen Ländern ihr zeitweiliges Zuhause gefunden. Hydra war in einem authentischem, aber elitär gebliebenen Sinne das, was Ibiza in den siebziger Jahren für Massen von Hippies werden sollte: ein vermeintliches Paradies für einen möglich scheinenden, wenig schmerzvollen Abschied vom Wertesystem der westlichen Industriegesellschaften. Ewiger Urlaub unter der gnadenlosen Sonne Griechenlands drohte. Schon Altfreak Henry Miller hatte in seinem The Colossus of Maroussi (1941) das kleine Eiland in der Ägäis sehr schwärmerisch beschrieben. Heute ist bei den Touristen, die nach Hydra oder Ibiza kommen, von diesen spirituellen Dichterqualen und das gleißende Mittelmeerlicht suchenden Malersehnsüchten wenig oder nichts mehr übriggeblieben. Gerade Ibiza ist zum Treffpunkt des internationalen Vulgärjetsets mutiert und brüstet sich mit barbusigen „Babes“ und dem Schimpfnamen, die Insel der Reichen und Schönen zu sein.
Cohen schrieb Anfang der sechziger Jahre auf Hydra immer mehr gegen die klassischen Standards der Ästhetik und verletzte die Lesersensibilität mit provozierend hässlichen Gedichten. Zehn Jahre später würde er in seinem Lied „Chelsea Hotel #2“ aus dem Jahre 1974 einer fiktiven Janis Joplin folgende bittere Verse in den Mund legen:
Well never mind
We are ugly but we have the music
Schon allein der Titel des 1964 veröffentlichten Gedichtbands Flowers for Hitler war reine Provokation, speziell für seine jüdische Leserschaft. Eigentlich sollte der Titel sogar noch provozierender „Opium and Hitler“ lauten, womit er gleich in zwei Fettnäpfchen auf einmal getreten wäre. Verteidigung von harten Drogen und eine ambivalente Haltung zum Nazismus: Schlimmer ging es nun wirklich nicht mehr. Wenn man sich die unveröffentlichten Schriften Cohens aus den damaligen glücklichen Jugendzeiten ansieht, die Ira Nadel gewissenhaft und akribisch gesichtet hat, wird man den Eindruck nicht los, dass Cohen immer mehr auf einer rosa Wolke der Illusionen schwebt, wenn er über die mögliche Rezeption von Flowers for Hitler spricht. Vielleicht war das bei seinem zurückgezogenen Leben auf einer „unzivilisierten“ griechischen Insel unvermeidlich. Sicherlich hat auch ein regelmäßiger und intensiver Drogenkonsum seinen Realitätssinn eingetrübt und abgestumpft. Er wusste schon vor der Veröffentlichung, dass sein Buch ein Meisterwerk darstelle, und bezeichnete arrogant seine Leserschaft als rückständig. Niemand sei in der Lage, diese revolutionären Prosagedichte zu beurteilen, welche den totalitären Charakter unseres Jahrhunderts offenlegten. Heute, nach fünfzig Jahren, muss man sagen, dass Cohen möglicherweise recht hatte und die politischen Umwälzungen Ende der sechziger Jahre prophetisch vorwegnahm. Aber 1964 war die Zeit einfach noch nicht reif für solche oft vom Hass angefeuerten Überlegungen des ehemaligen goldenen Jungen, der sich zum dichtenden Soldaten an der Kriegsfront gewandelt hatte. Freund und Verleger Jack McClelland war weder an Cohens Gedichten noch an seinen revolutionären Gedanken wirklich interessiert und gestand ihm schamlos vor dem Druck, dass seit dem Erfolg der Beatles Cohens Gedichte für ihn belanglos geworden seien. Das war schon ein zweiter Warnschuss vor den Bug des untergehenden Schiffes. Trotz fünfzig neuer Gedichte, die nach den Revisionswünschen von Jack McClelland eingefügt worden waren, der üblichen Promo-Tour in Kanada und von Cohen selbst gestalteten Illustrationen wurde Flowers for Hitler, der im Titel natürlich eine Anspielung auf Baudelaires legendären Gedichtband Les Fleurs du Mal (1857) macht, ein böser Verkaufsflop.
Der Marianne Ihlen gewidmete Gedichtband enthält fünfundneunzig Gedichte nebst Prosatexten und dem Einakter „The New Step“. Er ist heute wie viele andere Gedichtbände Cohens vergriffen und nur mühsam antiquarisch zu beziehen. Gerade die sogenannten Gaskammer-Gedichte („A Migrating Dialogue“, „All There is to Know About Adolph Eichmann“, „Goebbels Abandons His Novel and Joins the Party“, „Hitler the Brain-Mole“, „Hitler“, „Opium and Hitler“ und andere mehr) hätten eigentlich ein besseres Schicksal als ein Ende im verlegerischen Todesstreifen verdient gehabt. Sie böten nicht nur den Fans von Leonard Cohen die Möglichkeit, sich dem Thema Nazismus in der Literatur im Deutsch- oder Englischunterricht einmal jenseits der ausgetrampelten pädagogischen Pfade (wie etwa entlang Paul Celans genialer, aber seit Jahrzehnten überinterpretierter „Todesfuge“ aus dem Jahre 1948) anzunähern.
… Beautiful Losers (1966) …
Parasites of Heaven (1966)
Die „Parasiten des Himmels“ versuchten nach The Spice-Box of Earth ein viertes und letztes Mal den vergeblichen Aufstieg in den Schriftstellerhimmel. Es sollte nicht sein. Das Schicksal führte, anderes im Schilde mit Leonard Cohen. Im Herbst 1966 verließ er Kind und Kegel auf der sonnigen und archaischen Insel Hydra und flog nach New York. Musste er sich klammheimlich von zu Hause davonstehlen oder hatte er alles mit Marianne Ihlen besprochen? In New York lebte er in Hotels inmitten von Drogen, kaputten Typen, Klatsch, schnellem Sex und Glamour. Der Gedichtband Parasites of Heaven beginnt mit einer Referenz auf seinen gerade veröffentlichten Roman
So you’re the kind of vegetarian
that only eats roses
Is that what you mean
with your Beautiful Losers
hat aber heute seinen Kultstatus unter Fans deshalb, weil fünf seiner Gedichte mit nur wenig Veränderungen zu legendären Liedern wurden und damit die Übergangsphase Cohens vom Schriftsteller zum Musiker in den Jahren 1966 und 1967 dokumentieren. Eines davon heißt „Suzanne“ und ist Cohens bekanntestes Lied überhaupt. Mit ihm werden wir gleich anschließend das Kapitel mit den Liedbesprechungen beginnen. Die anderen vier sind weniger bekannt. „Teachers“ und „Master Song“ finden sich wie „Suzanne“ ebenfalls auf dem ersten Studioalbum Songs of Leonard Cohen. „Avalanche“ taucht auf seiner dritten Langspielplatte Songs of Love and Hate wieder auf, „Fingerprints“ sogar erst viel später auf Death of a Ladies’ Man. Da waren immerhin schon elf Jahre seit dem Veröffentlichungsdatum von Parasites of Heaven vergangen. Der Gedichtband ist von der Kritik eher als schwächelnd eingestuft worden. Stephen Scobie meint etwa, dass ihm die Kohärenz und Visionskraft früherer Gedichtbände abgehe. Nach der großangelegten, politischen Kritik in Flowers for Hitler stimmte Cohen hier neue, private und intime Töne an. Keine lauten, öffentlichen Reden auf einer Sperrholzkiste mit Megafon vor dem geifernden Mund, sondern Cohen’sche Kammer- und Hausmusik aus der mediterranen Abgeschiedenheit der Insel Hydra oder anderen Orten der Isolation (manche Gedichte waren wie üblich schon viele Jahre alt und Wer-weiß-wo-auf-der-Welt geschrieben worden). Wir lassen uns von so viel Kritikerhäme nicht beirren und folgen blind seiner Aufforderung in einem der Gedichte von Parasites of Heaven: Love me because nothing happens aus „A Cross Didn’t Fall on Me“.
Stranger Music (1993)
Stranger Music passt eigentlich zeitlich nicht in unser Konzept, das nur Cohens Gedichtbände vor seiner Musikerkarriere besprechen wollte. Trotzdem ist eine kurze Erwähnung sinnvoll. Warum? Das Buch hat ein Jahr vor seinem jahrelangen Rückzug in ein Kloster fast testamentarischen Charakter. Cohen dachte in diesen Jahren definitiv darüber nach, seine Künstlerkarriere zu beenden. Mit Stranger Music wollte er möglicherweise ganz bewusst eine Art letztes Buch für seine Leser bereitstellen. Der Leser ist wirklich dankbar für diese gelungene „Best Of“-Zusammenstellung, die übersichtlich geordnet und von Cohen selbst kontrolliert seine besten Gedichte und Lieder aus einem Zeitraum von fast vierzig Jahren bündelt. Für unsere Zwecke geeigneter wäre eigentlich die erste Zusammenstellung aus dem Jahre 1968 mit dem Namen Selected Poems: 1956–1968 gewesen. Doch – und wie könnte es auch anders sein? – ist dieser Band natürlich längst vergriffen, sodass wir als Alternative gern nach dem rettenden Strohhalm von Stranger Music gegriffen haben. Beide Gedichtbände wurden übrigens unter den wachsamen Augen der jeweiligen Wunderschönen Cohens, Marianne Ihlen und Rebecca De Mornay, zusammengestellt. Im Jahre 2011 wurde eine weitere und bisher letzte Anthologie von Cohens Gedichten und Liedern hinzugefügt. Hier ist allerdings die Auswahl in kleinem Format auf gut zweihundert Seiten allzu streng, sodass die Gefahr recht groß ist, dass man sein jeweiliges Lieblingslied oder Lieblingsgedicht dort nicht findet.
Stranger Music ist eine Art Testament eines ausgebrannten Künstlers, der sich nur ein Jahr später und für immerhin fünf Jahr in ein Kloster zurückziehen und sehr lange Zeit brauchen würde, um von seinen Wunden zu genesen und wieder zur Höchstform aufzulaufen. Cohen sichtete in einem schwierigen Prozess, der sich über viele Monate hinzog, alle seine Schritten und Lieder. Eine Reihe von Auswahlkriterien wurde angedacht, aber dann verworfen. Am Ende kam ein relativ dickes Buch mit etwa vierhundert Seiten heraus, das auch heute noch, zwanzig Jahre nach seiner Veröffentlichung und in Ermangelung von Alternativen, einen recht schönen Überblick über Cohens Gesamtwerk bietet. Übersichtlich chronologisch geordnet, findet man sich auch als Cohen-Neuling gut in der Textauswahl zurecht. Elf bisher unveröffentlichte Gedichte schließen Stranger Music ab. Natürlich handelt es sich bei diesem Buch nicht um eine ultimative Werkschau. Texte aus Cohens erstem Roman The Favourite Game fehlen vollständig. Auch auf eine nötige Gegenüberstellung der unterschiedlichen Versionen der Gedichte und Lieder von „Avalanche“, „Master Song“ und „Suzanne“ wurde verzichtet. Trotz dieser und anderer Schwächen verkaufte sich Stranger Music sehr gut, auch deswegen, weil kurz zuvor Cohens neues Studioalbum The Future erschienen war.
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Was kommt
Das Buch, das Sie gerade zu lesen begonnen haben, ist eine Neufassung meiner 2012 veröffentlichten Studie Leonard Cohen: Die Ohnmacht der Worte, der leider kein glückliches Schicksal beschieden war. Mein „neues“ Buch ist vom Umfang her erheblich geschrumpft, garantiert (hoffentlich) damit eine bessere Lesbarkeit und beschränkt sich im Wesentlichen auf drei Teile: eine knappe Besprechung der literarischen Karriere Leonard Cohens vor seinem Einstieg ins Musikgeschäft (die Jahre von 1956 bis 1967). Oft besprochen, aber unumgänglich. Viele der dort berührten Motive und Ausdrücke finden sich, zum Teil auch wortwörtlich, in Cohens späteren Liedtexten. Es folgt als Hauptteil die Analyse von knapp 50 Liedern, mit der „The Essential Leonard Cohen 3.0“ aus dem Jahre 2008 als rotem Faden. Ich habe versucht, einen Mittelweg zwischen wenige Zeilen langen Schnell-Analysen und uferlosen Mammut-Interpretationen zu finden. Abschließendes und Endgültiges über Cohens Lieder zu sagen, konnte dabei eh nicht mein Anspruch sein. Als Abschluss (vor den kommentierten Quellenangaben) steht ein längeres essayistisches Nachwort, das noch einmal synthetisch einige grundsätzliche Thematiken des Œuvre Leonard Cohens zusammenfassen will. Die im ersten Buch deutschen Textzitate Cohens wurden diesmal der besseren Authentizität wegen auch im englischen Original beigefügt, (längere) Interviewpassagen sind dagegen weiterhin ins Deutsche übersetzt worden. Auf Fußnoten wurde verzichtet. Es gibt Pros und Kontras, ob diese bei journalistisch-essayistischen Texten sinnvoll sind.
Gewisse Grundstrukturen der sechs Jahre zurückliegenden Originalausgabe konnten allerdings nicht so leicht umgemodelt werden. Schon lange vor dem Tod des Sängers am 7. November 2016, aber sehr viel vehementer danach, hatte die übliche hektische Vermarktungsstrategie Fahrt aufgenommen. Unvermeidliche Folge: Die bisherigen hohen Qualitätsstandards Cohens, für dessen Produktionszyklen Lustren als Maßeinheit ausreichend gewesen waren, sackten nach unten ab. Das ist meine persönliche Meinung und nicht alle Cohen-Fans werden mir beipflichten. Tatsache ist jedoch, dass zwischen 2009 und 2015 immerhin 5 Live-Alben veröffentlicht wurden. Zwei davon – und hier schließe ich Live at the Isle of Wight 1970 ausdrücklich mit ein – hätten vermutlich auch gereicht, wenn man weiß, dass zwischen den Live Songs 1973 und Cohen Live: Leonard Cohen in Concert 1994 mehr als 20 Jahre vergangen waren. Eine ähnliche Entwicklung beobachtet man auch bei den manchmal als Spätwerk bezeichneten letzten drei Studioalben Old Ideas (2012), Popular Problems (2014) und You Want It Darker (2016). Mit dem nötigen Abstand betrachtet, schwächeln sie allesamt (zugegeben mit großartigen Ausnahmen!) und setzen die schon mit Dear Heather (2004) einsetzende Sinkflugphase nach dem Höhenrausch des genialen Albums Ten New Songs (2001) fort. Vielleicht ging dem extrem langsam arbeitenden Leonard Cohen ganz einfach die Zeit aus und er lebte die letzten zehn Jahre seines Lebens in Torschlusspanik, was ihn uns allen letztendlich nur noch sympathischer machen würde.
Für mich bestand also wenig Grund, mein in die Jahre gekommenes Buch allzu gewaltsam upzudaten. Ich habe deshalb aus den beiden letzten Studioalben Cohens jeweils nur einen einzigen neuen Song ans Ende meiner Liedbesprechungen beigefügt. Auch bei der Sekundärliteratur scheint sich seit 2012 wenig revolutionär Neues Bahn gebrochen zu haben, so dass auch hier eine vorsichtige Aktualisierung meiner Seiten der verwendeten Literatur und anderen Quellenmaterials ausreichend schien.
Etwas schwieriger war die Antwort auf die Frage, wie ich mit den Referenzen auf Situationen im Buch verfahren sollte, die 2012 aktuell und verständlich gewesen waren, aber heute längst im Mülleimer der Geschichte verschwunden sind. Ich meine damit nicht so sehr tote Links, die sich relativ leicht entfernen lassen, oder eine aktualisierte consecutio temporum, die ebenfalls mühelos zu bewerkstelligen ist. Doch wer versteht heute in unseren pfeilschnellen Zeiten noch Anspielungen auf den ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff, der am 17. Februar 2012 zurücktrat oder erinnert sich noch an den Amoklauf an der Sandy Hook Elementary School vom 14. Dezember 2012 (Beispiele, die ich hier beliebig zitiert habe und die im Buch gar nicht zu finden sind)? Natürlich hätte ich solche inzwischen kryptischen Bezüge durch neuere aus dem kollektiven Gedächtnis 2018 ersetzen können. Doch die wären wenige Jahre später genauso obsolet geworden, so dass es am sinnvollsten erschien, hier alles beim Alten zu lassen und keine Sisyphusarbeit daraus zumachen.
Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen
Ihr Wolfgang Haberl
Inhalt
Was kommt
Cohen als Schriftsteller
Let Us Compare Mythologies (1956)
Tue Spiee-Box of Earth (1961)
Tue Favourite Game (1963)
Flowers for Hitler (1964)
Beautiful Losers (1966)
Parasites of Heaven (1966)
Stranger Music (1993)
Cohen als Songwriter
1 Suzanne – Songs of Leonard Cohen (1967)
2 The Stranger Song – Songs of Leonard Cohen (1967)
3 Sisters of Mercy – Songs of Leonard Cohen (1967)
4 Hey, That’s No Way to Say Goodbye – Songs of Leonard Cohen (1967)
5 So Long, Marianne – Songs of Leonard Cohen (1967)
6 Bird on the Wire – Songs from a Room (1969)
7 The Partisan – Songs from a Room (1969)
8 Seems So Long Ago, Nancy – Songs from a Room (1969)
9 Famous Blue Raincoat – Songs of Love and Hate (1971)
10 Love Calls You by Your Name – Songs of Love and Hate (1971)
11 Chelsea Hotel #2 – New Skin for the Old Ceremony (1974)
12 Take This Longing – New Skin for the Old Ceremony (1974)
13 Who by Fire – New Skin for the Old Ceremony (1974)
14 A Singer Must Die – New Skin for the Old Ceremony (1974)
15 Death of a Ladies’ Man – Death of a Ladies’ Man ( 1977)
16 The Guests – Recent Songs (1979)
17 The Traitor – Recent Songs (1979)
18 Hallelujah – Various Positions (1984)
19. If It Be Your Will – Various Positions (1984)
20 Night Comes on – Various Positions (1984)
21 Dance Me to the End of Love (Live) – Various Positions (1984)
22 I’m Your Man – I’m Your Man (1988)
23 Everybody Knows – I’m Your Man (1988)
24 Tower of Song – I’m Your Man (1988)
25 Ain’t No Cure for Love – I’m Your Man (1988)
26 Take This Waltz – I’m Your Man (1988)
27 First We Take Manhattan – I’m Your Man (1988)
28 The Future – The Future (1992)
29 Democracy – The Future (1992)
30 Waiting for the Miracle – The Future ( 1992)
31 Closing Time – The Future (1992)
32 Anthem – The Future (1992)
33 In My Secret Life – Ten New Songs (2001)
34 Alexandra Leaving – Ten New Songs ( 2001)
35 A Thousand Kisses Deep – Ten New Songs (2001) 183
36 Love Itself – Ten New Songs (2001)
37 By the Rivers Dark – Ten New Songs (2001)
38 Boogie Street – Ten New Songs (2001)
39 The Letters – Dear Heather (2004)
40 Because of – Dear Heather (2004)
41 There for You – Dear Heather (2004)
42 Amen – Old Ideas (2012)
43 Darkness – Old Ideas (2012)
44 Anyhow – Old Ideas (2012)
45 Crazy to Love You – Old Ideas (2012)
46 Almost Like Tue Blues – Popular Problems (2014)
47 You Want It Darker – You Want It Darker (2016)
Cohen revisited
Revoluzzer im feinen Tuch
Je est un autre
Müßiggang ist aller Freuden Anfang
Der Dunst der Pornographie
Rebel Yell Distillery
Das Fuchteln mit der Nazi-Keule
Postmoderne subversive Popkultur
Der französische Surrealismus und Existentialismus
Die Suche nach Liebe und Transzendenz
Quellen
Haberls Werk ist ein klassisches,
sehr ausführliches Sachbuch, das zirka fünfzig der wichtigsten Lieder Cohens von 1968 bis 2016 unter die Vergrößerungslupe des Musikkritikers schiebt. Nach der Vorstellung der literarischen Anfangsphase folgt eine detaillierte essayistische Besprechung des kompletten musikalischen Schaffens des kanadischen Rockpoeten.
Südwestbuch, Ankündigung
Die literarische Qualität
der Liedtexte des kanadischen Ausnahmekünstlers Leonard Cohen ist oft mit den Songs des Nobelpreisträgers Bob Dylan verglichen, aber bisher viel zu wenig in ihrer Tiefe und Komplexität analysiert worden. Haberls Werk schließt diese Lücke (für die deutschsprachige Musikkritik) und bespricht im Hauptteil detailliert knapp 50 der wichtigsten Lieder Cohens von 1968–2016. Die Vorstellung der literarischen Anfangsphase ab 1956. Ein längeres essayistisches Nachwort sowie kommentierte Quellenangaben runden die Studie ab.
Südwestbuch, Klappentext, 20129
Lesenswert, aber nicht begeisternd
Der Autor beginnt mit einem Abriss (für mich liest es sich eher wie ein Verriss) des literarischen Schaffens Leonard Cohens. Die anschließenden Interpretationen ausgewählter Songs stellen die Interpretationen des Autors dar, denen man sich anschließen kann oder auch nicht. Letztlich sollte jeder seine eigenen und ganz persönlichen Deutungen finden, die Ausführungen des Autors können hierzu ergänzende Informationen liefern, stellen aber sicherlich nicht die eine und einzig richtige Deutung dar.
An manchen Stellen drängt sich mir das Bild Leonard Cohens auf, der das Buch liest, innehält und denkt: „Ach, SO habe ich das gemeint?!“.
Ich halte das Buch durchaus für lesenswert. Begeistert hat es mich aber nicht.
An mehreren Stellen im Buch wird das Debutalbum Leonard Cohens The Songs of Leonard Cohen genannt (tatsächlich heißt es Songs of Leonard Cohen) und, vielleicht noch schlimmer, auf Seite 271 wird aus dem Album Songs of Love and Hate The Songs of Love and Hate. Das sind vielleicht Kleinigkeiten, aber in einem Buch mit diesem hohen Anspruch empfinde ich so etwas als störend. Zumal diese an anderen Stellen im Buch mit korrekten Titeln erwähnt werden.
Auch das Geburtsjahr Albert Einsteins sollte überprüft werden und k.d. lang möchte, dass ihr Name ausschließlich mit Kleinbuchstaben geschrieben wird.
Amazon Kunde, amazon.de, 7.5.2021
Gutes detailreiches Buch über Cohen
Wolfgang Haberl beschäftigt sich in seinem inhaltsreichen Buch über Cohen gemäß dem Untertitel „Die Macht der Worte“ vornehmlich mit der Literatur und den Songtexten; auf den musikalischen Aspekt geht er stellenweise auch kurz ein.
Haberl nähert sich den in chronologischer Reihenfolge ausgewählten repräsentativen Texten/Songtexten an, indem er sie auf psychologische, spirituelle (meist religionsübergreifend), philosophische und politische Bezüge hin beleuchtet. Dabei erfährt man viele detaillierte Betrachtungen, die auch zur weiteren Recherche bzgl. der Bezugsquellen anregen.
Dies verknüpft Haberl mit der Darstellung der Lebensphasen Cohens und dessen persönlichen Hintergründen als Inspirationsquelle für die jeweiligen Texte.
Soweit wie möglich, werden auch Statements aus älterer Literatur über Cohen und dessen eigene Aussagen herangezogen.
Insgesamt ein sehr empfehlenswertes Buch, das bei allem Detailreichtum, der einem die Intensität und Tiefe der Cohenschen Texte nahebringt, in unterhaltsamen und gut lesbarem Stil abgefasst ist.
Absolut zu empfehlen nicht nur für Leute, die mit Cohens Werk vertraut sind, sondern auch für Einsteiger.
Amazon Kunde, amazon.de, 24.2.2022
Liedersongs von Leonard Cohen!
In diesem Taschenbuch von Wolfgang Haberl wird Leonard Cohens literarische Qualität seiner Liedertexte beschrieben. Er beschränkt sich auf drei wesentliche Teile, die knappe Besprechung der literarischen Karriere Leonard Cohens, vor seinem Einstieg ins Musikgeschäft in den Jahren 1956 bis 1967. Viele der dort berührenden Motive und Ausdrücke finden sich, zum Teil auch wortwörtlich, in Cohens späteren Liedtexten. Wer kennt nicht eines seiner bekanntesten Lieder, „Suzanne“ oder „Halleluja“, die Ihn bis heute lebendig halten. Der Autor hat sich ausgiebig mit Cohens Texten auseinandergesetzt. Fast 50 der wichtigsten Lieder werden in liebevoller Kleinarbeit analysiert. Cohen wurde oft mit den Songs von Bob Dylan verglichen, doch jeder hatte seine eigene Nuance. Bevor Leonard Cohen am 7. November 2016 verstarb, wurden zwischen 2009 und 2015 noch 5 Live-Alben veröffentlicht. Aus den letzten beiden Studioalben hat der Autor deshalb nur jeweils einen Song am Ende der Liedbesprechungen beigefügt.
Es ist also ein Muß für jeden Cohen Fan dieses Buch zu lesen.
Rolf Ständeke & Ingrid Ständeke Echo Nord, amazon.de, 24.2.2022
Blaubart & Ginster #6: Leonard Cohen und Nick Cave
Wie Leonard Cohen seine Stimme findet
Gert Heidenrich: Nächte mit Leonard
Detlef Kuhlbrodt: Seems so long ago
Fakten und Vermutungen zu Leonard Cohen + Instagram 1, 2, 3 & 4 + Facebook + YouTube + Übersetzungen + IMDb + Internet Archive
Porträtgalerie: akg-images + gettyimages + IMAGO + Keystone-SDA
Nachrufe auf Leonard Cohen: Die Zeit 1, 2 + 3 ✝ FAZ ✝ Spiegel ✝
Zum 80. Geburtstag von Leonard Cohen:
Otto Johannes Adler: Poet des Begehrens
Buchkultur, Heft 156, Oktober/November 2014
Zum 1. Todestag von Leonard Cohen:
Margret Kreidl: Krempelsatz
Fixpoetry.com, 11.11.2016
Zum 90. Geburtstag von Leonard Cohen:
Hallelujah – Leonard Cohen zum 90. Geburtstag
WDR5, 21.9.2024
Kurt Kister: Leonard Cohen ist nicht tot
Süddeutsche Zeitung, 21.9.2024
So Long, Cohen. Beautiful Loser und Weltstar Leonard Cohen
Leonard Cohen’s 90th Birthday – Massive Hallelujah Sing-Along auf Tour in Boston
Leonhard Cohen-Porträt als 30jähriger beim Besuch seiner Heimatstadt Montreal.
Leonard Cohens Dankrede – How I Got My Song – zur Verleihung des Prinz-von-Asturien-Preises am 21.10.2011 in Oviedo.
Fakten und Vermutungen zum Autor








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