Günter Abramowski: das leichte ist im schweren

Mashup von Juliane Duda zum Buch von Günter Abramowski: das leichte ist im schweren

Abramowski-das leichte ist im schweren

PEGASUS EIN RAUMSCHIFF

wer aus not
tugend macht
ist nicht von heute

im jetzt von einstmals bis immer

die zeitlosen singen
das leben vertikal
ein unerhörter gesang

pegasus ein raumschiff

 

 

 

Freiheit, die ich meine

Was ist es, was moderne Lyrik ausmacht und was will sie erreichen? Gedanken vermitteln, Bedrängnisse, Freuden? Das alles mag stimmen und dass die Dichterin, der Dichter auch einmal etwas verwirft, ausräumt, das stimmt wohl ebenfalls. Poetik räumt also manchmal auf, könnte man meinen und dass Bedrängnisse bekämpft werden, Druck weggenommen wird, damit man wieder der Freiheit entgegenfliegt, das stimmt ebenfalls.
Nun zum neuen Werk von Günter Abramowski, das hier vorliegt. Luftig sind sie zuweilen, die lyrischen Gebilde, luftig und dann wieder erdgebunden, voller Bewegung, auch zornig mitunter und dann froh aufleuchtend. Kleine und längere Passagen schon zu Anfang, das Längere ist nun neu, denke ich, wird zur Mitte hin mehr und mehr. Luftig also vieles und erdenschwer, als wenn es ein Stück von der Erde wär.
Und Freude strahlt auf, morgendliche Frische, eine Lust, die plötzlich aufkommt, nach Paris zu fahren mit dem Nachtzug. Das zu gestalten, was gefällt, das ist es. Das zu tun und es aufs Papier zu bringen, damit wir es lesen und aufnehmen, das ist gut. Der Sänger singt, der Dichter schreibt, damit was von ihm übrig bleibt.
Kurze Texte also, wie wertvolle Diamanten, längere wie schöne Wanderungen durch unsere Welt, auch Gebilde sind da, wie fliegende Blätter im ungestümen Wind, aufwirbelnd und niedersausend ins Wasser, wo sie langsam, versinken. Dabei sind es oftmals wohl nächtliche Furien, die einen quälen und bei Morgenlicht, Gott sei Dank, langsam wieder veschwinden. Beruhigung und Heilung bringend dann wiederum die Erinnerungen an eine glückliche Kindheit, womöglich in umarmender Natur und beim geliebten Großvater. Poetik ist eben ein Spielfeld, das bespielt werden will, auch kämpfend im Kampf um das Leben. Wir sind nicht immer in der Situation, alles von oben zu betrachten und uns dabei wohlzufühlen, sondern wir sehen genau wie Alexander Gerst in seiner Raumkapsel vielmehr, dass unsere Erde, der blaue Planet leidet. Nein, wir sind auf der Erde und deshalb hat uns die Erdenschwere im Griff. Wie sollt es auch anders sein?
Was aber ist nun neu in den Texten von Günter Abramowski? Was zehrt an den Nerven, was zähmt, was beruhigt? Das sind wirklich die längeren Texte, wie sie dann öfter ab der Mitte des Buches erscheinen. „zeichen“ heißen sie und die Zeile: „mein licht im herzen weiss dass die welt brennt“ leuchtet darin auf, oder wir erleben Interessantes in „aussichtslos innen“ und in „die reise in den ort des abschieds“. Doch „der aufbruch“ erschüttert, während „jetzt“ auf Seite 118 uns Auskunft gibt, wie es gehen könnte mit der Reise in ein glückhaftes Leben:

unter der uniform gelehrten geistes
sucht das gekränkte herz nach etwas
das im alleinsein nur sich findet
nun in der wiese aller sommer
schaue ich im goldnen abend
das erscheinen meinergleichen
einander finden ist nicht schwer
& miteinander gehn die eines
herzens sind zu ihren orten
hinter dem land kommender nacht
dort ist jederzeit das jetzt
jedes andren zu erreichen
der sich selbst gefunden hat

Das hier ist im weiten Rahmen große Dichtung und die moderne Lyrik zeitigt ihre schöne und wirksame Struktur.

Klaus Grunenberg, amazon.de, 28.1.2020

Gedichte, die den Blick schärfen und weiten

Mit das leichte ist im schweren liegt ein weiterer Lyrikband von Günter Abramowski vor. Der wortgewandte Autor besticht wieder mit expressionistischer Naturbeschreibung, wobei er nichtalltägliche Ein- und Aussichten zu einer Fülle von Lebensfragen sucht und findet. In seinen Gedichten beschwört Abramowski die inneren Nöte des Menschen und gleichzeitig das Glück des Alltags. Sie lenken unseren Blick nicht auf das große Weltgeschehen, sondern auf die kleinen Freuden und Sorgen des Lebens.
Manche Gedichte sind Selbstreflexionen – wie der Titelvers

meine tage vergehen
schneller als mir lieb ist
immer öfter lassen sie mich allein

selbst ist mein wollen
dessen was ich tue
erfahrungen leben

In anderen Gedichten („fronturlaub“ oder „ach mutter ach vater“) blitzen Erinnerungen auf, abgelöst von einprägsamen Naturbeobachtungen („sehe die luft“ oder „jahreszeiten der engel“). Doch überall begegnen dem Leser die Lebenserfahrung des Autors und die Weisheit des Alters. Immer wieder werden innere Landschaften ausgelotet. Dabei fangen die Gedichte stets stimmungsvolle Momente ein und verwandeln sie in poetische Bilder. Den Blick zu schärfen und zu weiten, das ist das Anliegen des Autors – nicht nur in Bezug auf das eigene Leben, sondern auch eine Aufforderung an den Leser.

Manfred Orlick, amazon.de, 17.2.2020

Weiterer Beitrag zu diesem Buch:

Beatrix Petrikowski: das leichte ist im schweren von Günter Abramowski
buchaviso.de, 17.2.2020

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