Ľubomír Feldek: Poesiealbum 269

Feldek/Kompanek-Poesiealbum 269

JAROSLAV

„Gut geht’s mir nicht,
aber ich freu mich“,

sagte Seifert,
als man im Krankenhaus
ihm schonend erzählte,
er habe den Nobelpreis.

In den wenigen Sekunden,
da zu Grabe ihn trug
die opalisierte
Fernsehschürfschaufel,
schaffte er es, einen Schnellkurs
abzuhalten über Poesie.

Acht Worte genügten,
Millionen zu erklären,
wo er begraben liegt,
der Hund mit dem besonderen Namen
D I C H T E R S E I N

 

 

Er bricht Tabus,

nicht um Mut zu beweisen, sondern Verantwortung; sein Spaß an treffsicheren Pointen und seine Fabulierlust scheinen unerschöpflich zu sein; Ironie und Sarkasmus sind Angriff und Schutz der eigenen Verletzlichkeit. Seine Gedichte über die Liebe, für die Kinder, gegen Zynismus, Roheit und seelische Taubheit fassen in poetische Bilder, was dem gewalttätigen, intoleranten zwanzigsten Jahrhundert nottut: Harmonie und eine „große Zärtlichkeit“, wie sie Pablo Neruda erhoffte. Feldek bekennt sich zu Sentiment und Sachlichkeit geleichermaßen. Er will keine Rätsel aufgeben, er will verstanden werden.

Manfred Jähnichen, Verlag Neues Leben, Klappentext, 1990

Ľubomír Feldek

Ľubomír Feldeks Gedichte wurzeln ganz in einem Alltag, dem der Wechsel von Tätigkeit und Muße, von Alleinsein und Familienleben, von Glück und Trauer, von Ruhe und Erregung bewegte Gestalt gibt. Doch erschiene diesem Dichter das Verschwinden in den Zwängen des Alltags genauso gewissenlos wie das Verschwinden in dessen schönen Bequemlichkeiten. Er sagt, was es heißt, zweisam am Tisch zu sitzen oder zu lieben wie im Kindergedicht, aber er löst das Netz einmal gewonnener Sicherheiten auch wieder auf: mit freundlich-entlarvender Ironie, mit couragiertem Fragen, mit Zweifeln, die vor der eigenen Person nicht haltmachen.

Aus: Andreas Kárpáti: Poesiealbum 268, Verlag Neues Leben, 1990

 

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