Sonnenpferde und Astronauten

Sonnenpferde und Astronauten

AN DEN RAUM

Ein Himmel ist der Waldweg,
Auf dem die Sterne kreisen –
So nah sind sie –
Auch abseits im All,
Zwischen den Gräsern
Und unter den Büschen.

Winde sind Füße, die manchmal
Du stillhältst, um keinen Stern
Zu zertreten. Manche erlöschen davon.

Hinter dir leuchten sie auf, da du
Vorbei bist. Wie Geäst knackt
Unter dir Donner. Du streckst
Eines Blitzes Arm aus und
Greifst einen Glühwurm und legst ihn
Auf den Wolkenteller deiner Hand.
Davon wird es hell und tagt.

Und so bestimmst du die Tage,
Die Wetter, den Wuchs einer Erde,
Die an dir sein muß sehr unten,
Vielleicht an den Sohlen des Weltalls.

Uwe Greßmann

 

 

 

Nachwort

Vor zwei Jahren konnten wir Gedichte junger Menschen veröffentlichen, die inzwischen schon ihren Platz als junge Lyriker in unserer Literatur eingenommen haben.
Wenn wir jetzt einer noch jüngeren Generation das Wort geben, so hat sie sich ihrem Publikum zumeist schon persönlich vorgestellt. Auf größeren und kleineren Veranstaltungen wurden Gedichte von noch unbekannten Autoren vorgetragen und fanden die Anteilnahme und Kritik ihrer Zuhörer.
Das Gedicht hat an Lebendigkeit gewonnen. Neue Lebensbereiche unseres sozialistischen Landes werden erschlossen; verhalten und ungestüm, je nach Temperament, gibt man dem Ausdruck, was man fühlt und weiß. Poetische Proklamationen, mit denen eine Jugend ihre Ansprüche und ihre Mitarbeit anmeldet, stehen neben dem kleinen Lied aus unserem Alltag. Der heitere Vers hat seinen Platz neben dem politischen Gedicht, das seine bewußten Akzente setzt.
Sicher ergibt sich daraus für den jungen Lyriker auch eine größere Verantwortung; aber wir sind gewiß, daß sie gerade dem Autor bewußter wird, je mutiger er sich selbst im Gedicht profiliert. Schon deutet sich an, daß die Traditionen realistischer und sozialistischer Dichtung eigen verarbeitet und nicht mehr nur nachgeahmt werden, wie man das vor Jahren noch bemerken konnte. Man ist über die bloße lyrische Selbstverständigung hinaus und erobert sich Zug um Zug die neue Wirklichkeit, frisch und ohne didaktischen Metrikschlüssel.
Fast alle dieser Autoren haben schon in einem Beruf gearbeitet, bevor sie studierten und geschrieben haben. Sie stehen auch deshalb ihrem Leser nahe. Sie kennen ihn gut genug, um ihm von den kleinen und großen Entdeckungen im Land der Poesie mitzuteilen, von den Astronauten und den Sonnenpferden, der Wirklichkeit und der Phantasie unserer Zeit.

Gerhard Wolf, März 1963, Nachwort

 

 

Lyrik lockte – Tausend kamen!

Lyrik Welle
Junge Lyrik ohne Patina
Lyrik Frühling im „Kosmos“

so lauteten die Schlagzeilen der Zeitungen, die von den großen Lyrikveranstaltungen berichteten, die in Berlin im Filmtheater Kosmos und in der Republik stattfanden und die tausende Hörer anzogen. Die Gedichte junger Autoren hatten den Bann gebrochen, mit einem Male erreicht, was viele Lyrikbände vorher nicht erreicht hatten: die jungen Lyriker fanden ihr Publikum. Wir stellen Ihnen hier zehn der jungen Lyriker vor, die auf diesen Veranstaltungen ihre ersten Verse lasen oder ihre Lieder sangen. Diese Proben verheißen mehr als nur einen ersten Auftakt. Frisch und zupackend bemächtigen sie sich unserer Wirklichkeit, nicht verkrampft und didaktisch-moralisierend, sondern aufgeschlossen und lebendig. Der heitere Vers steht neben dem Liebesgedicht, das kleine Lied neben dem politischen Bekenntnis. Sie schreiben, wie es in einem Vers von Volker Braun heißt, für das Honorar der Herzen: so bilden sie ihre poetischen Wirklichkeiten von unseren kleinen Träumen – den Sonnenpferden – von den Visionen dieser Zeit, dem Flug der Astronauten.

Mitteldeutscher Verlag, Klappentext, 1964

 

Beitrag zu diesem Buch:

Sonnenpferde und Astronauten
lyrikzeitung.com, 6.1.2017

 

Fakten und Vermutungen zum Herausgeber + Reclam
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