Martin Jankowski & Birger Hoyer (Hrsg.): Nachtbus nach Mitte

Mashup von Juliane Duda zu dem Buch von Martin Jankowski & Birger Hoyer (Hrsg.): Nachtbus nach Mitte

Jankowski & Hoyer (Hrsg.)-Nachtbus nach Mitte

HUNGER, DURST & SUCHT

in der mulackritze haut man bordsteinschwalben
zusammen mit langschweinen, frischer berberitze
bernhardinern & bernhardinerinnen in mehlschwitze
hedonistische rehberger nuckeln an ihrer lakritze
wir sind feuer & fett, wir machen schlappen wett
die wampe prall vom westfraß & angestautem durchfall
mit nix als russinnen im kopf, korinthen in den topf
die galle tropft; saumagen & keine weiteren fragen
denn der reichtum der welt gehört uns allen schon
hunger, durst & sucht sind die früchtchen der furcht

aaaaaköter fressen katzen
aaaaavotzen klöten, & schnaps
aaaaaseele auf; sauf

aaaaasturm, drang & wucht
aaaaasucht in die flucht
aaaaawie katzen köter

in der helmholtzhitze erst die kante, dann die blöße
die raute ist die farbe, anarchie auch dekomposition
die substantia nigra zickt, bleiche thüringer klöße
gleich um die ecke, schummerige soziologiestudenten
glätten ihre enten & warten auf den wolkenstillstand
aufm stammtisch aalt sich ein schwarzer drachenfisch
ausm wald der lauten bäume flattern feile schnepfen
hinein in frische düsternis; ich unterstell allen alles
denn der reichtum der welt gehört uns: hassema’fluppe
hunger, durst & sucht sind die früchtchen der furcht

aaaaaköter fressen katzen
aaaaavotzen klöten, & schnaps
aaaaaseele auf; sauf

aaaaasturm, drang & wucht
aaaaasucht in die flucht
aaaaawie katzen köter

am verkehrsknotenpunkt spitze sitze ich voll zugeotzt
in meinem schweiß & prosperiere abgeklärt vor mich hin
meine augen bluten, die löffel dröhnen von dem gedöns
das auf mich einsabbert, langeweile steht aus, unerhört
spuckt aus, & zwar polnische suppe, blutsturz & maulfurz
ein trichterbechermann pißt in eine tulpenförmige urne
die neurotransmitter sind knapp, der tiger ist gezähmt
vor mir liegt ein blatt papier; wir haben wohl ausgeault
denn der reichtum der welt ist in festen händen schon
hunger, durst & sucht sind die früchtchen der furcht

aaaaaköter fressen katzen
aaaaavotzen klöten, & schnaps
aaaaaseele auf; sauf

aaaaasturm, drang & wucht
aaaaasucht in die flucht
aaaaawie katzen köter

ein salzhering winkt mir; krepppapier

Bert Papenfuß

 

 

Berlin

ist immer Gegenstand poetischer Reflexion gewesen. Jeder Lyrik-Interessierte kennt die klassischen Berlin-Gedichte von der Romantik bis zur Neuen Sachlichkeit. Doch wie schreiben gegenwärtige Dichter über die alte und neue deutsche Hauptstadt?

Martin Jankowski und Birger Hoyer haben sich auf die Suche nach dem heutigen Sound der Hauptstadt begeben und Gedichte von Autorinnen und Autoren zusammengeführt, die eines eint: die lyrische Suche nach der Stadt Berlin. Mit ihren Stimmen entsteht trotz aller Kontraste das schlüssige Bild einer so offenen wie vielfältigen Stadt, die sich jeder endgültigen Beschreibung entzieht. Nachkriegszeit, Kalter Krieg und Wendezeit haben ihre Spuren hinterlassen, doch etwas ganz Neues ist entstanden und hat auch in der Poesie Einzug gehalten. Die zum Teil erstmals veröffentlichten Gedichte präsentieren den lyrischen Klang des neuen, gegenwärtigen Berlin.

Zu Wort kommen unter anderen: Mirko Bonné, Thomas Brasch, Ulrike Draesner, Tanja Dückers, Günter Bruno Fuchs, Uwe Greßmann, Norbert Hummelt, Thomas Kling, Björn Kuhligk, Günter Kunert, Bert Papenfuß, Marion Poschmann, Ilma Rakusa, Monika Rinck, Joachim Sartorius, Kathrin Schmidt, Tom Schulz, Lutz Seiler, Ulf Stolterfoht, Jan Wagner und Peter Wawerzinek.

Verlag für Berlin-Brandenburg, Ankündigung

 

Beitrag zu diesem Buch:

Martin A. Hainz: „Postmodernes Behilfsbabylon“
fixpoetry.de, 14.9.2016

 

Fakten und Vermutungen zum Herausgeber Martin Jankowski +
weltanfall

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