Felix Philipp Ingolds Skorpioversa – Poesie und Poetik des Namens (Teil 2)

Poesie und Poetik des Namens
Beispiele, Analysen, Kommentare

Teil 1 siehe hier

Allgemein bekannte Namen – Lenin, Bismarck, Schubert, Michelangelo, Mephistopheles, Judas oder Herkules – sind kontextuell naturgemäss leichter einzuordnen als solche von Personen aus privatem Umfeld: Wer im Gedicht eine Privatperson (einen Freund, eine Geliebte, einen Gegner) namentlich aufruft, bietet damit weit weniger Anknüpfungspunkte als mit irgendeiner Symbolgestalt oder einem kulturellen Helden.
Als Eigennamen figurieren in der Dichtung – zunächst wie in andern Texten und auch in der Alltagssprache – die Namen realer Personen, dann aber vorwiegend fiktive Namen (Phantasienamen) sowie mythologische, biblische, sakrale Namen.
Reale beziehungsweise realistische Namen treten in unterschiedlicher Formgebung auf (Vorname, Familienname, Rufname, Spitzname, bisweilen auch bloss die Initialen usf.); künstliche Namen zeichnen sich oft dadurch aus, dass sie als sprechende Namen vorbestimmte Bedeutungen mit sich führen (z.B. «Rumschüttel», «Lämmerhirt», «Snatterlöw» bei Fontane, «Leverkühn», «Schneidewein», «Weichbrodt» bei Thomas Mann usf.) oder dass sie gewisse Eigenschaften ihrer Träger hervorheben (z.B. «Die Brüder Karamasow» als Schwarzschmierer bei Dostojewskij, «Mutter Courage», die Mutige, bei Brecht, «Emma Sperling» und «Etzel Andergast» bei Wassermann, «Mr. Sammler» bei Bellow, «Walter ‹Homo› Faber» als Macher bei Frisch usf.).
In der Lyrik bleibt der Einsatz von Eigennamen im Wesentlichen auf reale und mythologische Namen beschränkt, derweil historische und fiktive Namen eher selten auftreten, und wenn, dann vorzugsweise in politischer, parodistischer oder humoristischer Dichtung (z.B. Napoleon, Freiligrath, Turnvater Jahn, «Herwegh, die eiserne Lerche» – bei Heine; der «Zwölf-Elf» – bei Morgenstern usf.).

… Fortsetzung hier

© Felix Philipp Ingold & Planetlyrik

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„Suppe Lehm Antikes im Pelz tickte o Gott Lotte"

Elefant

fehle Naht? an Land fehlt Elfe! – Naht falte Tal und Feld. – Tell ahnt Falle, lehnt und fällt nah den fahlen Fellen.

Michel Leiris ・Felix Philipp Ingold

– Ein Glossar –

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