Norbert Hummelt: singtrieb
Norbert Hummelts Gedichte halten eine fein austarierte Balance zwischen Sentiment und Ironie, berauschend schön im einen und nüchtern beobachtend im nächsten Moment. Christoph Clöser spielt dazu Saxophonfiguren von schlicht genialer Einfachheit, frisch, frech, direkt und [laut], wie es der Name der Band sagt, in der er und Norbert Hummelt ihre Nummern spielen, die zu hören sind auf der CD zu diesem Compact-Buch.
Ahmad Schamlu: Blaues Lied
„Kennen wir nicht die Assoziationshöfe und aufgerufenen Begleiter einer fremden Sprachkultur, ist Staunen das beste, was eine erste Begegnung schenken kann.“ bemerkt Dieter M. Gräf und Stefan Weidner ergänzt „Ahmad Shamlu gilt daher nicht nur als einer der eingängigsten, sondern auch als einer der schwierigsten Dichter persischer Sprache. Wie dieses Paradox möglich ist, kann dank der dem Buch beigelegten CD auch der deutschsprachige Leser ansatzweise nachvollziehen.“
Ulf Stolterfoht: fachsprachen I–IX
Ich veröffentliche diesen ersten Gedichtband von Ulf Stolterfoht, weil ich selten mit solchem Wohlgefallen dem befremdlich vertrauten Eigenleben der Sprache gelauscht habe. Es stöbert, steubt, stubbst und stabreimt, so daß ich spüre: Es gibt Zusammenhang, ich selbst bin Fleisch von diesem Fleische, in mir sprießt Sprache genau so. Wie könnte sonst aus all der Sprache, die schon vor mir war und außer mir ist, ich werden? Aus der Begegnung von Fachsprachen der Geologen, Grammatiker, Philosophen und Poeten mit dem eigenen krummen Denken setzt Stolterfoht Gedichte zusammen, deren Schönheit überraschend und deren Witz der Sinn des Unverstandenen ist.
Ulf Stolterfoht: fachsprachen X–XVIII
„Alles ist Material,“ meint Nicolai Kobus vorausschauend „Hauptsache, es kommt als Wort daher. Und so wird denn auch manisch montiert, kompiliert und persifliert, eingedampft und angereichert, dass einem Hören und Sehen vergeht. Nicht, weil man es nicht mehr ertrüge, sondern weil einem die Textgebilde nahe legen, man möge sich, um zu folgen, schleunigst von den üblichen Lesegewohnheiten verabschieden.“
Gertrude Stein: Winning His Way / wie man seine art gewinnt
Erst ein Mal posthum 1956 in Amerika veröffentlicht, ist diese zweisprachige Ausgabe die erste Wiederveröffentlichung des Originaltextes. Die Übersetzung durch Ulf Stolterfoht ist eine ebenso genaue wie poetisch durchgearbeitete Reverenz an die Steinsche Welt ganz aus Wörtern.
Oskar Pastior: Speckturm
Auf dem Schreibtisch von Oskar Pastior fand sich nach seinem Tod ein Stapel Manuskripte: ein ausgefunkeltes Spektrum lyrischer Texte, das zwölf Gedichte aus „Les Fleurs du Mal“ von Charles Baudelaire in jeweils fünf Erscheinungsformen gleichzeitig intoniert. In ihnen tritt nicht nur der von Pastior stets entfesselte Reiz der Buchstaben und Wörter ins hellste Licht, sondern auch die Tragweite seiner Themen, die man ja nur allzu gern überliest.
Ulf Stolterfoht: fachsprachen XIX–XXVII
Ulf Stolterfoht beherrscht das Kunststück, Gedichte zu schreiben, die mit allen Wassern der philosophischen und poetologischen Mühlen gewaschen sind – und uns doch zu unterhalten – oder gerade deshalb: weil er sie auf eine Mühle leitet, mit der er nicht einfach zum Klappern beiträgt, sondern zu dessen Erkenntnis.
Urs Allemann: schœn! schœn!
Was ohnmächtig erlebt wird, ist hier durch die poetische Ordnung sag- und sangbar geworden.
Kurt Aebli: Ich bin eine Nummer zu klein für mich
Von fremdvertrauten Dingen handeln diese Gedichte: von Spaziergängen durch Vororte oder vom Gehen auf dem Hochseil, von Vornamen von Frauen, von Zugfahrten mit Bartleby, von bizarren Verwandlungen und von Gefühlen, die sich noch keine Sprache haben schaffen können. In Kurt Aeblis Texten spricht eine ganze Stadt mit sich selbst. Eine innere Prismenbrille ist sicher hilfreich beim Lesen.
Emily Dickinson: Biene und Klee
Ob Emily Dickinson „Amerikas größte Dichterin“, wie in der Verlagsankündigung geschrieben, oder andernorts als „weiblicher Marquis de Sade der Innerlichkeit“ tituliert sei mit einem !? versehen, aber ganz sicher gehören ihre Gedichte voller Anmut und Eigensinn zum Schönsten im Schatz der Weltpoesie.
Arthur Rimbaud: Die späten Verse
„Das Experiment des österreichischen Lyrikers Michael Donhauser, der in seiner Übersetzung der späten Verse Rimbauds den „poète maudit“ als zarten Naturmagier lesen wollte.“ wie es Michael Braun formuliert.
Anna Achmatowa: Enuma elisch / Traum im Traum
Da sowjetische Exegeten von der Literatur stets „Geschlossenheit“ erwarteten, wurde Anna Achmatovas letztes großes Werk „Enuma elisch“ jahrzehntelang nur stiefmütterlich behandelt. Es galt als nicht wirklich existent, zumindest als unvollendet. Indessen hielt sie es selbst, wie zahlreiche Briefe belegen, für ihre wichtigste Schöpfung, ja, sogar für ihr dichterisches Testament schlechthin. Mit der vorliegenden Übertragung wird der Text zum ersten Mal auch im deutschsprachigen Raum bekannt.


















