Boris Sluzki: Poesiealbum 38

Sluzki/Krollis-Poesiealbum 38

VOM WESEN DER BIBLIOTHEKEN

Was auch geschah an Umwälzungen, Schüben,
Veränderungen des Gesellschaftsbaus –
Bibliothek und Bücherstube blieben
sich treu und offen: gaben Bücher aus.

Die lieh man und bestellte man und stand
geduldig an, um endlich sie zu haben,
saß in den Lesesälen bis zum Abend
in allen Ecken meines Heimatlands.

Solang die Büchereien ihren Zweck
erfüllen: uns das Brot mit Büchern dichten –
solang fegt uns kein Bombensturm hinweg,
und keine Horden können uns vernichten.

Übertragen von Paul Wiens

 

 

Halbtöne

erkennt er nicht an. Er liebt die vollen Töne, die präzise einsetzenden. Abstufungen und weiche Übergänge von einer Klangfarbe in eine andere sind ihm fremd. Er bevorzugt scharfe Konturen. Doch hinter der aufregenden Trockenheit und Schärfe verbirgt sich ein hohes Maß an Menschlichkeit und Empfindung. Man muß nur gut aufpassen. Man muß sich auf die seelische Welle dieses Autors einstellen.

Lew Oserow, Verlag Neues Leben, Klappentext, 1970

 

DER BLICK
Nach Boris Sluzki

Schärfer als jede Eisensäge,
Blauer als der Himmel im August,
Salziger als das salzigste Meer –
aaaaaaaaaaaaaaa aaaaaaaaaaaaader Blick.

Er sieht, was ist, und stößt vor in Unbekanntes.

Geradlinig, und gnadenlos wie die Axt:
Der Blick.

Bernd Jentzsch

 

Fakten und Vermutungen zum Poesiealbum + wiederentdeckt
Fakten und Vermutungen zum Autor
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