Johannes Bobrowski: Poesiealbum 52

Bobrowski/Altenbourg-Poesiealbum 52

DAS WORT MENSCH

Das Wort Mensch, als Vokabel
eingeordnet, wohin sie gehört,
im Duden:
zwischen Mensa und Menschengedenken.

Die Stadt
alt und neu,
schön belebt, mit Bäumen
auch
und Fahrzeugen, hier
höre ich das Wort, die Vokabel
hör ich hier häufig, ich kann
aufzählen von wem, ich kann
anfangen damit.

Wo Liebe nicht ist,
sprich das Wort nicht aus.

 

 

Das ganz Neue bei Bobrowski

bestand in der Umwertung einer geschichtlichen Landschaft. Aus historischen Fernen dröhnt der Hufschlag schweifender Völker, das Geläut der Glocken von orthodoxen Kirchen und das Heulen des Schofar aus niedergebrannten Synagogen. Ein endloser, unaufhaltsamer Ostwind jagd durch diese Dichtung. In ihr treffen Juden und Litauer, Polen und arme Deutsche aufeinander, vereinen sich gegen ihre Unterdrücker, werden von ihnen besiegt. Johannes Bobrowski erklärte sich nicht für Brüderlichkeit: seine Dichtung war brüderlich. Ihr dämmerndes Licht schien einer langen Nacht voraus oder einem ungewissen Tag. Ihr obstinates Parlando war der Widerhall des Herzens, das nun verstummte.

Stephan Hermlin, Verlag Neues Leben, Klappentext, 1972

 

Zweifel und Faszination

Ich vergesse die Faszination nicht, der ich erlag, als ich im Sommer 1963 Sarmatische Zeit und Schattenland Ströme erwarb. Bobrowski war mir als Name lange vorher vertraut gewesen, doch ich wußte nicht, daß seine Gedichte in der DDR erschienen waren. Je öfter ich sie las, aufs neue von ihrem Klang und ihrer Melodie gefangengenommen, desto weniger begriff ich, wieso ein Zensor den Druck genehmigt hatte. Die gedrängte, ganz von Rhythmus getragene Sprache, die häufigen Ellipsen widersprachen der Volkstümlichkeit, politischen Klarheit und Wunschwirklichkeit aufs schärfste, die Ulbricht, Abusch, Kurella und die ihren von der Literatur forderten und die, von engstirnigen Provinzfunktionären und -lehrern uns täglich verkündet, Fühlen und Denken gleichermaßen lähmten.
Ich fühlte Form- und Wesensverwandtschaft, und was lag, weil die eigene Sprache noch nicht gefestigt war, näher, als Bobrowski unbewußt nachzuahmen?
Dem zum Mahner stilisierten Bobrowski habe ich nicht mit gleicher Liebe folgen können. Wer kann, so dachte ich, mit moralischer Autorität die Schuld der Deutschen im Osten wieder und wieder bekennen und anklagen und zu allem Unrecht in diesem Staat DDR schweigen? Wer kann einen Roman über litauische Themen schreiben ohne eine Andeutung der stalinschen Verbrechen, durch die vieles zerstört und für immer vernichtet wurde?
Auch zum „politischen Fall“ Peter Huchel vernahm ich von Bobrowski kein öffentliches Wort. Ein Freund erzählte, daß er solche Themen geflissentlich mied. Später hörte ich, daß auch Bobrowski auf dem berüchtigten 11. Plenum als Formalist verurteilt werden sollte, daß sein Bruch mit der immer lächerlicher werdenden Kulturpolitik unausweichlich schien und auch die Differenzen zur damaligen CDU wuchsen. Ob es wahr ist, vermag ich nicht zu entscheiden. Bobrowskis früher, von uns als schmerzlicher Verlust empfundener Tod entrückte ihn dem Tagesstreit. Er, der selbst den Nationalpreis letzter Klasse niemals empfangen hatte, wurde von der offiziellen und der sich nach einem unantastbaren Leitbild sehnenden Literaturkritik der DDR heilig gesprochen.
Bobrowski bleibt für mich einer der großen deutschen Dichter des 20. Jahrhunderts, doch wehre ich mich gegen die Suggestion, er sei der größte unter denen, deren Hauptwerk nach 1945 entstand. Ich stelle ihm Namen wie Huchel, Eich, Celan, Sachs ebenbürtig zur Seite, sein Wert dadurch nicht schmälernd, sondern erhöhend. Denn ein geistig-künstlerischer Kreis bildet den, der in ihn tritt, in gleichem Maße, wie er Anregungen von ihm empfängt.

Uwe Grüning, Neue Zeit, 3.9.1990

 

Seine Dichtung war brüderlich

Am 29.4.1954 bot Johannes Bobrowski, mittlerweile 37 Jahre alt, der „Schriftleitung“ der damals gerade gegründeten Zeitschrift Akzente, also Hans Bender und Walter Höllerer, acht seiner Gedichte zum Druck an:

Sehr geehrte Herren! Durch einen Zufall bekam ich das Ankündigungsheft Ihrer neuen Zeitschrift in die Hände. Ihr Vorhaben veranlasst mich, Sie mit dem Ansinnen zu behelligen, Sie möchten die beiliegenden Gedichte auf eine Verwendbarkeit in den Akzenten prüfen. Ich bin Lektor in einem privaten Jugendbuchverlag in Ostberlin. 1943 veröffentlichte Paul Alverdes eine größere Zahl meiner Landschaftsoden im Inneren Reich und versicherte mich ausdrücklich seiner Zustimmung. Die Gedichte waren ihm durch Frau Ina Seidel übergeben worden. Seit jenen frühen Versuchen habe ich keine Gelegenheit zur Veröffentlichung mehr gehabt. Doch ich will Sie nicht aufhalten. Können Sie die Gedichte, die den letzten Jahren entstammen, gebrauchen, wäre ich froh. Wenn nicht, bitte ich herzlich um eine Nachricht. Die Sachen mögen damit weiter in der (dann wohl verdienten) Dunkelheit der Schublade bleiben.

Im Juli 1954 erhielt der Einsender die im Wortlaut nicht überlieferte Absage, die ihn, wie noch eine Reihe ähnlicher enttäuschender Reaktionen und Rücksendungen, tief schmerzten und seine Schreiblust nicht wenig bremsten. Hans Bender hat später zu verstehen gegeben, dass ihn Bobrowskis Begleitbrief davon abgehalten habe, sich mit den angebotenen Gedichten näher zu befassen, ein nicht ganz einsehbares Argument, weil in den frühen Heften der Akzente ja nicht gerade ein nur auf die Moderne eingeschworener oder entschieden antifaschistischer Wind geweht hat, sondern neben Autoren wie Loerke, Gertrud Kolmar, Nelly Sachs, Essays über Musil von Karl Markus Michel und Ingeborg Bachmann ja auch Heidegger, Ernst Jünger, Ernst Penzoldt und besonders vom Inneren Reich gepflegte Dichter wie Wilhelm Lehmann, Günter Eich, Karl Krolow und Georg Britting zu finden sind. Auch ein Essay von Paul Alverdes über Emil Strauß ist damals in den Akzenten gedruckt worden. Nur hatten eben die meisten dieser Autoren ihre früheren Texte längst vergessen oder verdrängt, sie brachten eine Publikation wie das Innere Reich lieber nicht mehr als Referenz in Erwähnung. Ina Seidel allerdings hatte in den Akzenten keine Chance: Ihre erdhaft kultivierten, protestantisch gesitteten Erziehungsfamilienromanschnulzen Das Wunschkind, Lennacker oder Michaela wurden hier literarisch nicht mehr ernst genommen; dass sie ihr Haupt überwältigt vor dem Führer geneigt und vertrauensvoll zu ihm aufgeblickt hatte, zählte da schon gar nicht mehr. 1941 nämlich hatte sie geschwärmt:

Hier stehen wir alle einig um den Einen
und dieser Eine ist des Volkes Herz…

Schwer zu erklären, dass Bobrowski, der während des Kriegs mit seinen übrigens strikt unkriegerischen Landschaftsoden in Ina Seidel eine geneigte Leserin und Mentorin gefunden hatte, 1954 mit der Zustimmung der einstigen Nazisse noch Eindruck zu machen hoffte.
Denn immerhin war Johannes Bobrowski 1949, nach der Rückkehr aus russischer Kriegsgefangenschaft, Mitglied des FDGB und der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft geworden, auch im Kulturbund war er aktiv. Und als Lektor im Altberliner Verlag Lucie Groszer galt sein Bemühen einer Kinderbuchliteratur von „entschlossener sozialer Tendenz“. Sowohl die literarische Situation der DDR als auch die der Bundesrepublik aber schienen ihm damals nicht besonders vertraut gewesen zu sein; er schrieb abseits aller literarischen Betriebsamkeit beziehungsweise bestimmter literarischer Tendenzen oder Debatten. Dass es in der DDR eine Zeitschrift Sinn und Form gab, schien Bobrowski ebenfalls lange entgangen zu sein. Erich Arendt, den er nach einer Veranstaltung im Friedrichstadt-Palast um Rat fragte, empfahl ihm, sich doch an Peter Huchel zu wenden, was er am 1.6.1955 auch tat, jetzt ohne eine Referenz anzugeben, lediglich die Bitte äußernd, beiliegende 15 Gedichte zu lesen, „und, wenn sie die Mühe verlohnen, mir ein Urteil darüber zu sagen“. Im Septemberheft von Sinn und Form erschienen dann erstmals wieder Gedichte des Autors seit jenem Druck der Landschaftsoden 1944 im Innern Reich, Peter Huchel druckte 1957 und 1959 erneut Gedichte Bobrowskis und vermittelte weitere für das in Hamburg erscheinende Lyrik-Jahrbuch von Rudolf Ibel 1956, in dem auch ostdeutsche Lyriker zu Wort kommen sollten.
Die Gedichte, die Johannes Bobrowski in den fünfziger Jahren schrieb, wirkten in dem von Unruhe, neuem Suchen, optimistischem Aufbauwillen, Abgrenzungsdenken oder experimenteller Spielfreude erfüllten literarischen Klima östlich wie westlich der Elbe zu beharrungsfreudig, in sich ruhend, einer anderen Welt nur nachtrauernd, die Landschaft als subjektiv Erschautes und Erlebtes beschwörend. Den Liebhabern von Heimatdichtung waren diese Verse nicht hell, herzergreifend, reaktionär und liedhaft genug, den Anhängern der Moderne waren sie zu altmodisch, ungebrochen, zu innerlich emphatisch. Bobrowskis Gedichte wurden nicht nur von Walter Höllerer, der 1956 sein Lyrikbuch der Jahrhundertmitte, Transit, konzipierte und hier alle wichtigen zeitgenössischen lyrischen Stimmen zu erfassen versuchte, als zeitabgewandte Dichtungen beurteilt, die lediglich „als Unterströmung unter der Lyrik der Moderne das Erlebnisgedicht des 19. Jahrhunderts fortführen“. Über die als „zu harmlos“ bezeichnete Natur- und Heimatdichtung der Autoren der inneren Emigration, also über die gängige Lyrik von Hans Carossa, Manfred Hausmann, Oda Schaefer, Ina Seidel, Josef Weinheber schrieb Höllerer:

Sie erwies sich als Teufelsinstrument, sie erfüllte nicht ihre seismographische Aufgabe, den Stand der Dinge anzuzeigen, das verborgene Grauen oder auch die gelingende Befreiung ins Bewusstsein zu rufen.

Dass Bobrowski sich nie einer „kosmetischen“, sondern immer einer verantwortlichen Sprache bediente, teilte sich in den wenigen Versen, die bis 1960 an die Öffentlichkeit gelangten, nicht überzeugend genug mit. Es war gut für seine Entwicklung als Dichter, dass er dennoch unbeirrt bei sich blieb, dass er in der Auseinandersetzung mit den Dichtern und Büchern, die ihm etwas zu sagen hatten, seine Poetologie bereicherte und sie festigend erweiterte, sie aber nicht in der Reaktion auf aktuell Erfolgreiches, in der Anpassung an das Gängige und Auffallende oder allgemein Erwartete schwächte und einnehmend machte.
Im Inneren Reich, Bobrowskis erstem Publikationsort, bejubelte Karl Krolow 1943/44 die übliche Lyrik jener Jahre und bemühte sich auch nach dem Krieg, sich immer mustergültig dem Zeitgemäßen an die Sohle zu heften:

Der Band Das Gestirn des Krieges von Bodo Schütt reißt Herz und Hirn in ein anderes Gesetz und hebt aus zu leicht Ermeßnem und zu sterblich Gefühltem, das nicht mehr gelten darf, in die einfache und große Luft der Gestirne, das heißt, der nunmehr anderen Notwendigkeiten, Besinnungen und Erkenntnisse, unter die der Mensch im Ausgesetztsein an die wild auf ihn auffahrenden Geschicke sich gestellt sieht. Es brennt am tag- und nachtlosen Himmel der Zeit, umstürzt vom Kranz fremder und tödlich verflammender Sternbilder, im geistigen Feuer der Tat, die im Ewigen mitvollzogen wird. Es wird sichtbar durch unaufhörliche Verwandlung und hartes Offensein für das Wesentliche. Bezeichnend, daß man einen Band Kriegslyrik unter dieses strenge und gemäße Gestirnbild stellt, vor dem einfaches Begeistertsein und schnelle Hingabe im knabenhaften Drauf und Dran nicht bestehen. Es ist Ausdruck für die wissende Entschlossenheit, mit der unser Volk in diesem zweiten Weltkrieg sein Leben dranzugeben gewillt ist.

Einfaches Begeistertsein, stete Offenheit, schnelle Hingabe, chamäleonhafte Verwandlungsbereitschaft zeichneten weiterhin den verblasen formulierenden Dichterkritiker Krolow aus, den Preiser von poetisch Unverbindlichem, des artifiziellen Machens, des mit metaphysischen Spekulationen Umsichwerfens. Krolow prunkte mit dem Gehabe eines Dichters, der den Mumpitz des in der großen Luft der Gestirne Geatmeten zu Papier transzendiert, „auf dem sich Dichtung wie leichter Wind niederlässt“. Zu „Papier“, ergänzte er seufzend um 1960:

wie schönes Wetter,
drauf zu schreiben,
Seine Dichtung war brüderlich
vergesslich wie das Glück,
Girlande, welkend umgehängt
der Gegenwart des Todes.

Da ich Bobrowski 1960 zuerst persönlich kennen lernte und erst dann seine Gedichte zu lesen begann, blieb mir jene Misslichkeit, ihn den Lehmanns oder Krolows zugeordnet zu haben, glücklicherweise erspart. Da er „Trauer um Jahnn“ bekundet und wunderbare poetische Porträts von Dylan Thomas und François Villon verfasst hatte, fiel es mir nicht schwer, auch in die Welt seiner Dörfer und Landschaften einzutauchen. Nachdem wir uns besser kennen gelernt und miteinander zu spotten und Texte auf ihre poetische Substanz abzufragen gelernt hatten, brachte ich mein Vorurteil gegen lyrische Emphase, erfüllte Daseinslyrik, gegen Brunnen- und Bäumerauschen sowie beschwingte Feld- und Flurgesänge zur Sprache. Da lägen doch Welten, entgegnete er, zwischen Trakl und Lehmann oder Theodor Kramer und Karl Krolow. Bobrowskis Antworten und Argumente waren dann immer Gedichte, die er schätzte oder Zitate von Dichtern, die mit ihrem Schreiben sämtliche Bereiche der Wirklichkeit erfassen, Randzonen der Wirklichkeit ausloten, nicht definierte Bereiche von Wirklichkeit ins Bewusstsein rücken wollen. Heine ähnlich war Bobrowski kein gradliniger, auf ein Dogma, Stil oder eine glatte Form festgelegter Poet, mit der Sprache nicht auf Du und Du, sondern in wilder Ehe lebend. Sich-Herausreden kam für ihn nicht in Frage. Mit einem Heine-Zitat konstatierte er:

Ich habe immer die ganze Vergangenheit, die ganze Gegenwart und die ganze Zukunft vor mir und auf dem Halse gefühlt.

Was Krolow anbelangte, so lief ich bei Bobrowski offene Türen ein, er hatte noch unsäglichere Gedichte dieses lyrischen Tausendsassas auf Lager als die, die ich kannte; einem entnahm ich dann die unnachahmliche Zeile für einen bunten Leiterwagen voll Lyrik, den ich zusammen mit Günter Bruno Fuchs und dem Musiker Andreas Gutzwiller im Waitzkeller ablud:

Ach, zu denken, daß zuhinterst ein Hund kläfft.

Zum Abschluss dieser lyrischen Großkundgebung verlieh ich Fuchs den Schiller-Gedächtnispreis und er hielt als Dankesrede die Kurzfassung des Vortrags, den Wilhelm Lehmann bei der Entgegennahme jenes Schiller-Gedächtnispreises in Mannheim gehalten hatte und den wir damals in den Akzenten gedruckt fanden. Beim nächsten Besuch in Friedrichshagen ergänzte Johannes Bobrowski unsere Literaturdebatte mit zwei polemischen Doppeldistichen:

FESTSÄNGER KROLOW

Er hat zu jedem Feste das passendste Angebot Verse,
hier für ein Twen-Magazin, dort für die Imker-Revue.
Greift in den Topf, kein Bedürfnis, das euch nicht der Dichter versorgte!
Fehlt es an Festen, er schafft auch noch die Feste dazu.

NATURDICHTER LEHMANN

Gründelnd immer im Grund der tiefsten Natur, daß wir wähnten
Alge geworden ihn schon, Ameise, Spinn’ oder Lurch, –
da erscheint er, und just zum Monatsersten, zu welchem
Zwecke denn? Freundlich quittiert, pünktlich er seine Pension.

In Aschaffenburg, im November 1960, schloss ich mit Bobrowski näher Bekanntschaft, mit Peter Hamm und Elisabeth Borchers bildete ich hier bei der Tagung der Gruppe 47 den Kern einer kleinen Fan-Gemeinde, die auf den elegischen Grundton der von der Mehrheit immer noch befremdet aufgenommenen Gedichte doch schon eingestimmt war. Mit dem Erscheinen des ersten Gedichtbands, Sarmatische Zeit (die West-Ausgabe erschien im Februar 1961, die DDR-Ausgabe im Herbst 61), begannen nun auch kleine publizistische Schlachten um den Außenseiter der DDR-Literatur, der ohne sein Zutun als eine Art DDR-Pasternak geschildert wurde. Im Unterschied zu Autoren wie Peter Huchel, Erich Arendt, Stephan Hermlin vermeldete man das Auftauchen eines „wirklichen Dichters“, ein neuer Ton sei in die deutsche Lyrik gekommen. Horst Bienek behauptete in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung:

Es ist selten, daß ein lyrischer Debütant so gereift, so durchdacht, so überzeugend auftritt. Immerhin ist Bobrowski an die vierzig. Das mag manches erklären. Man hörte, daß er Hunderte von Gedichten verbrannt habe. Aber auch diese strenge Auswahl in Ostberlin zu veröffentlichen, wo er völlig zurückgezogen als Schreiber in einer Kanzlei lebt, war ihm verwehrt.

Die Verse Bobrowskis wurden aus durchschaubaren, kaum literarischen Gründen überschwänglich gelobt, selten rezensiert. Bobrowski blieb bei seiner Haltung von 1959, als sich erstmals andeutete, dass er ,benutzt‘ werden sollte:

Ich selber werde mich nicht auf ostdeutsch firmieren lassen, sowenig wie auf ,heimlich westdeutsch‘. Entweder ich mach deutsche Gedichte oder ich lern Polnisch.

Die durch den Bau der Mauer geschaffene Zementierung der deutschen Teilung machte die Situation des Dichters, der mit 44 Jahren sein spätes literarisches Debüt hatte, nicht leichter. Er nutzte die Anerkennung, die Bestätigung und Freundschaften. Er entfaltete eine ungeheure Produktivität, er hatte sein Thema, aber jetzt war er gefordert, es auch mit seinen Ungeheuerlichkeiten, Abgründen, Dunkelheiten, mit allen Erinnerungen des Glücks und des ungeheuren Schmerzes zu gestalten. Im Gedicht und in der Prosa.
Er brauchte diesen kleinen Ruhm und die Bestätigung, um sich die Literatur, die jetzt entstand, abverlangen zu können. Als Preisträger der Gruppe 47, 1962, stieg sein Ansehen, die Journalisten, Redaktionen und Germanisten bedrängten ihn mit Anfragen, baten ihn um Interviews. Immer häufiger sollte er Stellung nehmen, Erklärungen abgeben, Ansichten und Absichten äußern, an Dichterlesungen und Tagungen teilnehmen. Die Lust, aus all dem Getriebe auszusteigen, die Leute „sozusagen auszuhungern“, überkam ihn. Es war oft eine Plage, bevorzugtes Ostberliner Ausflugsziel westdeutscher Autoren und Verleger zu sein, im Verlag Gutachten zu schreiben und an Programmsitzungen teilzunehmen, seinen Partei- und Verbandspflichten nachzukommen.
Bezeichnend vielleicht für diesen Zwiespalt und die Bedrängnisse, in die er geraten war, die ihm zusetzten und ihn doch auch anstachelten, waren folgende Zeilen an Max Hölzer, Januar 1962:

Seit Monaten nichts geschrieben, in einer Dürre lebend, die die Erinnerung daran, daß ich ja doch geschrieben habe, wie eine Fata Morgana erscheinen läßt – getrennt von den Freunden, auch den hiesigen – und doch mit einer geradezu eschatologischen Hoffnung, die mich mit einer Ruhe und Sicherheit erfüllt, für die ich die Gründe nicht mehr beibringen kann… Als wär das so irgendwas, Gedichte zu machen, als gäb man nicht an einen Vers seine Gesundheit z.B. dran.

Christoph Meckel hat in seinem wunderbaren Erinnerungsbuch an Johannes Bobrowski diese vier glücklich-unglücklichen Schaffensjahre, die dem Dichter vergönnt waren, zu beschreiben und zu ergründen versucht; die Zeit vom Erscheinen der Sarmatischen Zeit, Anfang 1961, bis zum plötzlichen Tod im September 1965:

Er sagte: „Ich will 125 Gedichte schreiben, das Ganze ordentlich verteilt auf drei Bücher, das ist dann alles, und ich leg mich ins Grab.“ Das war der freudig betrunkene, schwafelnde und private Beginn seiner öffentlichen Existenz (sie war beabsichtigt und unvermeidbar), der Anfang des überstürzten Ruhms, der enthusiastischen, fragwürdigen und falschen Bestätigungen, der Verpflichtungen im eigenen Staat und im literarisch wichtigen Westen; der Podiumsdiskussionen, Doktorarbeiten, zahllosen Bruderschaften und literarischen Ehrungen; und es war der Beginn der Ermüdung, der enttäuschenden Freundschaften und enttäuschten Freunde, der Hektik, des Zeitmangels, des Schlafmangels und der Alpträume; der offenen Arme im Westen und der Vereinnahmung durch die DDR, der Interpretationen, Opernlibretti, Interviews, unabweisbaren Mitgliedschaften und Massenbesuche aus dem Ausland. Es war der Beginn einer gefährlich beschleunigten Melancholie und der endgültige Auftakt seines Sterbens. Es war der noch unsichtbare Grundstein des Todes.

Indes fand seine Produktivität hier auch Nahrung, belebenden Auftrieb, erfrischenden Sinn. Bobrowski hatte dennoch immer Zeit, er nahm sich Zeit. Er feilte an seinen Texten, las sie vor, prüfte ihre Wirkung. Sein Leben war nichts ohne die Familie, die Freunde, das Spielen am Clavichord; wie gerne spielte und sang er die geistlichen Kantaten Dietrich Buxtehudes „Herr, nun lässt du deinen Diener“ und „Ich suchte des Nachts“. Er ließ es sich nicht nehmen, im Kirchenchor seiner Gemeinde mitzusingen, und er kehrte mit neuen Erlebnissen, Anregungen und der Genugtuung, einen anderen Dichter (wie etwa James Baldwin) als Freund gewonnen zu haben, von Reisen aus Wien, Zürich, Finnland oder Stockholm zurück.
„Ich will fortgehen“, heißt eine seiner das Thema des Aufbruchs und des Bei-Sich-Ankommens so einfach und lapidar umreißenden kleinen Erzählungen, geschrieben um 1962/63. Die offene Form der Kurzgeschichte erlaubte das Spiel mit scheinbaren Abschweifungen, Einwänden, Fragen, Erinnerungsfetzen und ständige Wechsel der Erzählperspektive. Auf die stringente Fabel pfiff er, lyrische Elemente, knappe Aussagen verstand er hier ziemlich forciert zur Verdichtung zu bringen. Doch kein Ort nirgends, wo es denn lohnte, zu verharren. Die Unruhe war sein Schreiben. Ihm wollte er nicht entkommen. Warum fortgehen? Die Erzählung schließt:

Um das Moor liegen die Schlangen. Die Unordnung geht umher, es wird dunkel. Aber wie geht man von sich selber fort? Wenn ich dort gewesen bin und dort und dort und immer nur, wo ich jetzt bin, bei mir? Da könnte ich noch hinzusetzen: Und bei meinen Leuten. Aber das brauche ich nicht. Es ist ohnehin das gleiche. Und es ist auch, denke ich, schon gesagt.

Und in der Geschichte „Das Käuzchen“ heißt es:

Es gibt keine Grenze. Der Weg ist nicht zu Ende. Und die Wiese fängt nicht an. Das ist nicht ausdrückbar. Und ist der Ort, wo wir leben.

Die bei den Geschichten „Ich will fortgehen“ und „Das Käuzchen“ gab mir Johannes Bobrowski im Sommer 1963, als ihn die Nachricht ereilte, dass, wie schon mancher vor ihm, Hans Mayer nicht in die DDR zurückkehren würde. Er akzeptierte dieses „Weggehen“ nicht, aber er maßte sich nicht an, es zu verurteilen. Er bedauerte allenfalls, dass jemand nicht Gründe hatte, zu bleiben wie er. Christa Reinig wollte nicht weggehen. Da sie den Bremer Literaturpreis persönlich entgegennehmen wollte, schob man sie ab. Sie musste fortgehen, ohne es gelernt zu haben. Johannes Bobrowski gedachte ihrer mit folgendem Epigramm:

MÄRKISCHES MUSEUM

Seufzen wird weiter das Wasser, im Moorgrund die Sandader wandert
weiter, und weiter ertönt klirrend die Uhr an der Wand,
weiter will singen das Spielwerk, es ist noch die Feder gezogen –
Nur die euch hörte, ging fort, Glocken und Pfeifen, schweigt still.

Von 1947 an hat Bobrowski gelegentlich auch Prosatexte verfasst, sie aber nicht für wichtig genug gehalten, sich damit an die Öffentlichkeit zu wenden. 1959 entstand auf Bitten von Günter Bruno Fuchs, der eine Anthologie mit Großstadtgeschichten herausgeben wollte, die Skizze über einen Winkel Altberlins, „Es war eigentlich aus“. Von 1960 an ermunterte ihn die Deutsche Verlags-Anstalt, der er per Vertrag für drei Jahre die Option auf seine nächsten Bücher eingeräumt hatte, sehr entschieden auch zu einem Prosaband. Klaus Wagenbach, Lektor im S. Fischer Verlag, erbat Ende 1960 einen Beitrag für eine Anthologie zeitgenössischer Prosa und erhielt die litauische Taufgeschichte „Begebenheit“ (die aber nicht gedruckt wurde in dem Atelier betitelten Sammelband, weil die Beteiligung von DDR-Autoren entfallen musste). Erst nach Abschluss seines zweiten Gedichtbandes im Frühling 1961, mit dem er die poetische „Bestandsaufnahme“ seiner „östlichen Vergangenheit“ vorerst für abgeschlossen hielt, gewann die Prosa für sein Schreiben eine zentrale Bedeutung. Das „mehr summierende oder mehr grundsätzliche Gedicht“, wie Bobrowski es gemäß war, bot keine Möglichkeit, sich auf historische und soziale Sachverhalte des Themas „Die Deutschen und der europäische Osten“ genauer einzulassen, Geschichtsgedichte lagen ihm nicht.
Der Entschluss, das sarmatische Thema auch in der bisher ja nur spärlich praktizierten Prosaform aufzugreifen, und der planmäßige Übergang zur Prosa fielen zeitlich zusammen. Ende Juni 1961 schrieb er an Max Hölzer:

Und jetzt probiere ich Prosa. Das ist ein bitteres Geschäft, weil ich erst lernen muß zu arbeiten. Bisher hat mich mein Thema getragen.

Im Unterschied zur Arbeit an Gedichten verlangte Prosa das tiefere Eindringen in einen Stoff und angemessenes Quellenstudium. Ideen und Pläne hatte er genug, doch fehlte ihm meistens die nötige Ruhe, um sie richtig auszuarbeiten. Jetzt aber wurde es zu seiner erklärten Absicht, 1963 „mit Prosa aufzukreuzen“. Den „Roman über Wassermühlen“, also Levins Mühle, fasste er ebenfalls noch 1961 ins Auge. 1962 erschienen drei Erzählungen im Druck, „Begebenheit“ und „Lipmans Leib“ in Peter Huchels Sinn und Form, „Von nachgelassenen Poesien“, im Königsberg Simon Dachs spielend, in der belgischen Zeitschrift nul, der ich als contributing editor zuarbeitete. Inzwischen empfand es Bobrowski als stimulierende Herausforderung, die Prosa nach der Niederschrift beim Publikum seiner Lesungen zu testen, ihren gedrängten Rhythmus abzuschmecken, ebenso die eigenwillige, verknappende Syntax, die das Unausgesprochene zu verdeutlichen hat, kritisch zu überprüfen.
Gegenüber Christoph Meckel meinte er Ende September 1962:

Jetzt mach ich doch meine Kleinprosa, alle paar Tage etwas, wenn ich 60 Stück habe, wird ausgesucht (hilfst du vielleicht dabei?), und dann ist das Band 3. Und dann kommt der Roman…

In diesem Brief ortete Bobrowski auch dezidiert den Punkt, an dem seine Prosa liege, nämlich in einem Dreieck, das von Robert Walser, Isaak Babel und Hermann Sudermann gebildet wird. Die überraschende Sympathie für Sudermann bezog sich ausschließlich auf dessen „litauische Geschichten“, die in Dörfern des Kurischen Haff und im Memelland angesiedelt waren, Geschichten, die Bobrowski nicht als bodenständige Heimatkunst, sondern als volkstümlich, liebevoll gepinselte Erzählliteratur bewertete, ähnlich den litauischen Geschichten Ernst Wiecherts sowie jenen kuriosen Geschichten aus einer alten Stadt, die Werner Bergengruen im Tod von Reval schilderte, eine seltsame Welt des Spukhaften, Bizarren, in der Reste der alten Mythologie, Spuren der Volkssagen und Lieder aufblühen, die die harte, bunte Alltagswirklichkeit aus Giftmord, Totschlag, Alkoholschmuggel und Versicherungsbetrug durch Brandstiftung grotesk überhöhen.
Der mündliche Erzählgestus von im Präsens verfassten Geschichten wie „Die Reise nach Tilsit“ von Sudermann oder „Kleist in Thun“ von Robert Walser, die sich durch überraschende Gegenwärtigkeit und große Dichte des Geschehnisablaufs auszeichnen, war für Bobrowski beispielhaft. Das lakonische, fast reportagehafte Erzählen Babels und dessen Sympathie für die untergehende ostjüdische Welt, der er entstammte, betrachtete Bobrowski als weiteres verpflichtendes Vorbild. Besonders in „Mäusefest“ ist der Einfluss Babels unverkennbar, es ist eine der schönsten und bewegendsten Kurzgeschichten Bobrowskis, eine mit raschem Wechsel der Erzählperspektive typische, in beeindruckender Nüchternheit reportierte Geschichte der „offenen Form“, in der dennoch alles anklingt, was zur Wahrheit des Erzählens gehört:

Das war ein Deutscher, das hast du doch gesehen. Sag mir bloß nicht, der Junge ist keiner, oder jedenfalls kein schlimmer. Das macht jetzt keinen Unterschied mehr. Wenn sie über Polen gekommen sind, wie wird es mit deinen Leuten gehn?

Die 60 angekündigten Geschichten schaffte Bobrowski nicht, aber im Juli 1963 beendete er überraschend schnell das epische Abenteuer seines Wassermühlenromans. „Das Experiment und Abenteuer, als das sich der Roman während der Niederschrift auswies“, bestätigt Eberhard Haufe in seiner kurzen Werkanalyse im ersten Band der Gesamtausgabe, „war zuallererst das des Erzählers und der Erzählhaltung. Was in der ,Kleinprosa‘ schon deutlich angelegt war, entfaltete sich im Roman mit Konsequenz, das souveräne Verfügen über Sprache, Figuren und Fakten, der Freiraum mittendrin für den Erzähler, das, was Bobrowski mit einem Wort Hamanns das „Hausrecht des Autors nannte“. Mit dem Roman Levins Mühle wusste Bobrowski die ihm gemäße Erzählerposition erfolgreich zu erobern. Als hervorstechendes Stilprinzip hatte er einen ganz persönlichen, „natürlichen Sprechtonfall“ gefunden, der ihm erlaubte, angesichts der modischen, von ihm verachteten „Technisierung der Sprache“ (Brief an Gertrud Mentz vom 9.8.1963) die Ausdrucksmittel lebendig zu halten. Und dennoch hatte der „Erzähler“ Bobrowski erhebliche Skrupel, seine Sprache könnte zu gelöst, bloß erinnerungsselig und geölt sein. Seine Gedichte und die kurzen „verdichtenden“ Prosastücke sollten deshalb immer neu dem Ringen um eine Sprache, die unterwegs bleiben muss „auf dem endlosen/Weg zum Hause des Nachbarn“ und zum Dunklen unergründbarer Natur, Überzeugungskraft verleihen.
Im Oktober 1964 stellte Bobrowski ein Konvolut von 24 Erzählungen mit dem Titel „Boehlendorff und Mäusefest“ für den Union Verlag zusammen und fügte ihm Ende des Jahres noch die Erzählung „In eine Hauptstadt verschlagen“ hinzu, zu deren Niederschrift ihn ein Aufenthalt in Stockholm anlässlich der Tagung der Gruppe 47 in Sigtuna angeregt hatte. Als Ganzes erschien der Prosaband, von Bobrowski noch imprimiert, erst kurz nach seinem Tod im September 1965. Bereits kurz vor Ostern 1965 kamen 11 Geschichten dieser Sammlung mit dem Titel Mäusefest und andere Erzählungen als Quartheft Nr. 3 im Wagenbach Verlag heraus, und im August 1965 erschien der Band Boehlendorff und andere (insgesamt 14 Erzählungen) in der Deutschen Verlags-Anstalt in Stuttgart.
Seit der Rückkehr aus Schweden war Bobrowski von einer Art Prosa-Schreibfieber erfasst, viele Geschichten bedrängten ihn und reizten ihn zu visionärer Vergegenwärtigung. Er wollte nun endlich zur erzählerischen Summe und Synthese seines zentralen Themas kommen. Mit den neuen Erzählungen gedachte er eine Art „Offenbarungseid“ zu leisten: Es entstanden „Der Mahner“ (für Klaus Wagenbachs Anthologie Atlas geschrieben), „Betrachtungen eines Bildes“ und „Der Tänzer Malige“, dann beschäftige ihn das Projekt einer Kriegsgeschichte, in deren Mittelpunkt die reale Begegnung eines deutschen mit einem russischen Soldaten im Niemandsland vorgesehen war, eine Begegnung, die er dann lieber in Träumen imaginieren wollte, um die Geschichte dem Leser als deren „Rekapitulation nach dem Erwachen oder später“ darzubieten. Vor die Kriegsgeschichte schob sich bald die Niederschrift eines zweiten Romans, Litauische Claviere, der an zwei Tagen im Juni des Jahres 1936 im Memelgebiet spielt und zugleich vom Leben des litauischen Dorfpfarrers und Dichters Christian Donelaitis berichtet. In der Zeit vom 6. Juni bis zum 28. Juli 1965 war Johannes Bobrowski hauptsächlich mit der Ausarbeitung dieses Romans beschäftigt. Ein Tag nach der Fertigstellung des Manuskripts wurde er mit Blinddarmdurchbruch ins Köpenicker Krankenhaus gebracht, in dem er am 2. September 1965 starb.
Johannes Bobrowski war es nur ganz kurze Zeit vergönnt, ein großer Dichter zu sein. Sein Tod, schrieb man in Ost und West, sei ein Trauerfall für das ganze Land. Dass solche Worte keine nichtssagende Redensart waren, bestätigte sein Begräbnis auf dem Friedrichshagener Friedhof in der Aßmannstraße, nicht weit von der Wohnung in der Ahornallee 26 gelegen. Auf dem alten Dorfkirchhof mit den schönen Erbgräbern reicher Familien, kleinen Backsteinvillen unter Eichen und Lindenbäumen, versammelte sich eine unübersehbare Menge von Trauernden: die Angehörigen, Nachbarn und Leute aus der Umgebung, Repräsentanten von Kirche und Staat, Mitarbeiter des Union Verlages, Parteifreunde der CDU, der Minister für Kultur, die Funktionäre des Schriftstellerverbandes und nicht zuletzt viele Schriftsteller-Freunde aus Ost- und Westdeutschland, für die er eine Art „Apostel der unzerstörbaren Einheit der deutschen Literatur“ (Hans-Werner Richter) gewesen war, der nichts von Erklärungen für Brüderlichkeit hielt, dessen Dichtung aber, wie Stephan Hermlin es am Grabe zum Ausdruck brachte, „brüderlich“ war.

*

In der Reihe Bibliotheca Dracula im Hanser Verlag erschien 1968 das von mir und Dieter Sturm herausgegebene Buch Von denen Vampiren oder Menschensaugern. Ursprünglich sollte dieses Vampirbuch im Gerhardt-Verlag erscheinen, der 1962 mit einem verheißungsvollen Programm begonnen hatte, dem aber dann das notwendige Betriebskapital fehlte, um seine vertraglich vereinbarten Vorhaben erfüllen zu können. Bobrowskis Gedicht „Im leeren Spiegel“, dessen Entstehungsdatum in der Werkausgabe mit 30.3.1963 angegeben ist, wurde auf meine Anregung hin für dieses Vampirbuch geschrieben. Zunächst hatte das Gedicht den Titel „Im Spiegel“.

Klaus Völker am 16.3.1963 an Johannes Bobrowski:

Lieber Johannes,
noch bin ich nicht in der Sommerfrische. Habe heute mit
dem Gerhardt-Verlag Vertrag abgeschlossen über Vampir-Buch, es erscheint noch im Herbst. Sag’ mal kannst Du nicht ein Vampir-Gedicht schreiben? Dann stehst Du neben Gertrud Kolmar („Troglodytin“) und Christophs „Schnabelstumm“. Ist doch ein schöner Auftrag. Ich fliege endgültig Montagabend und muß bis dahin die Sendung fertighaben. Ohne vampirische Absicht je t’embrasse. Auf bald und graul’ Dich nicht zu sehr.
Dein Klaus

Johannes Bobrowski am 1.4.1963 an Klaus Völker:

Lieber Klaus,
Du bist aber wohl noch nicht zurück. Und das ist alles, was mir zum Thema eingefallen ist. Gar nicht zu merken, daß es sich um ein so blutiges Geschäft handelt. Eher ein Mückenstich. ich kann aber nicht besser. Kommst mal vorbei und sagst mir Bescheid.
Herzlich Johannes

IM SPIEGEL

In den Gewässern des Lichts,
die Stirnen, gegeneinander,
Sommergehölz fliegt herauf
über die Hüfte dir, Blitze
schrei ich herab, ihr kommt
fernher, Blitze, Asche,
Flocken Asche
fallen von dir, dein Kleid.

An deiner Schulter war ich,
die Ader an deinem Hals
brach mir im Mund, du sinkst
nicht, ich halt dich
unter den Armen, ich heb
über die Tiefe dich, so
geh vor mir her.

Einmal: ich bring dir wieder
den Trunk, vor den Himmeln schwer
fliege ich, einmal: ich komm
aber herab, du hörst mich
atmen, dich hören die Felder
über dem Wind, ein weißes
Licht spricht dir nach.

Klaus Völker am 20.7.1964 an Johannes Bobrowski:

(…) Die „Vampire“ sind nun nach nochmaliger Durchsicht zum Drucker gewandert. Ob’s noch bis zur Buchmesse fertig wird, wie die Verlegerin optimistisch meint, bezweifle ich sehr. Hoffen wir auf Weihnachten. Dein Gedicht steht ganz vorn als Einleitungsmotto (und es wäre schön, wenn Du es bis zum Erscheinen niemand sonst zum Druck überlässt). Übrigens, hatten wir nicht über einen anderen Titel gesprochen? Weil „Im Spiegel“ verwirren könnte, da ein Vampir kein Spiegelbild hat… Ich fahre am Donnerstag nach Erlangen bis zum 2. August etwa.
Herzliche Grüße Dein Klaus

Johannes Bobrowski am 1.8.1964 an Klaus Völker:

(…) über Deine Vampire also ist der Drucker hergefallen, das ist gut. Statt „Im Spiegel“ wollten wir doch wohl „Im leeren Spiegel“ setzen. Meinethalben auch „Leerer Spiegel“, aber das „Im“ scheint mir nötig. Und natürlich war es für Deinen Gebrauch hergestellt. Wenn ich’s mal später veröffentlichen möchte, frag ich an, später. Ich hätte Dirs ja auch widmen können, aber ich find widmen doof. Nach meiner Auffassung kann man ein gewidmetes Gedicht nicht zum öffentlichen Gebrauch freigeben, dann muß es auch nur der eine haben und behalten. Sonst? Legenda Aurea ist hier bereitgelegt. Ich schreib schon wieder Geschichten. Im nächsten Frühjahr gibt’s dann 2 (zwei) Erzählbände. Und heute bist Du noch in Erlangen. „Suchet das Reich Gottes zu erlangen.“ Aber da ists wohl auch nicht zu finden.
Grüß alle schön, und bleib gesund.

Klaus Völker, aus Heinz Ludwig Arnold (Hrsg.): TEXT+KRITIK. Johannes Bobrowski, Heft 165, Januar 2005

Du sprichst noch, Wasser, du sprichst

– Zur poetischen Trittspur Johannes Bobrowskis. –

„ … wozu Dichter in dürftiger Zeit“, fragt Hölderlin in seinem großen Gedicht „Brot und Wein“ und beklagt den Moment, „[a]ls der Vater gewandt sein Angesicht von den Menschen, / Und das Trauern mit Recht über der Erde begann“. Sein Bedauern gilt dem Niedergang antiker Kulturen und dem Verlust des als göttlich empfundenen Lichtes.
Die Zeichen der Zeit – und jede Kultur formt andere aus –, in besonderer Weise sind sie jener schreibenden Spezies eigen, die den Atem des Daseins mit lebenslanger Erkundung verbindet, indem sie – versorgt mit dem Kompass der Kindheitsvision, nicht selten als Kindheitstrauma umschrieben – in den Tempel der Geister gelangt über paläologische Tafeln, Blätter und Bücher, die Zeichenträger der Inspiration. Man hat sich darauf verständigt, diese Spezies Dichterinnen und Dichter zu nennen. Miteinander verbunden sind sie – um mit Peter Sloterdijk zu argumentieren – durch das Brahma der Sprache, das, vergleichbar der indischen Religion, den weltumspannenden Atem des Geistes umfasst. Dieser Atem sei – wie er sagt – „[d]urch die positiven Weltsprachen hindurch […] das Element der Literatur und der Dichtung. Kein bedeutender Text der Tradition existiert, der nicht Atemtext, Atemschrift wäre.“ Und an die Anschrift der Schreibzunft gerichtet: „ob unsere Texte ins Freie führen oder Tapeten werden, mit denen sich Unentbundene ihre Höhlen austapezieren“, hängt von dem Atem des Geschriebenen ab, das einer verfasst. Unabhängig von der Bestimmung: Wie bei einer Spirale nimmt das Lebensprogramm seinen Lauf im ferner und ferner geschlagenen Bogen um die Kindheits-, d.i. die Urerfahrung herum, gelenkt und geleitet von den vertrauten Personen. Bei Johannes Bobrowski neben Mutter und Vater eine Zeitlang auch die Eltern der Mutter. Ebenso sind Impulse beteiligt, die den dauernden Funken erzeugt haben dürften, der die Flamme der späteren Dichtung erregt.
Ohne die Orientierung an geistigen Werten verliefe das Leben göpelhaft dumpf und bewegte sich nur um die Alltagsprobleme. Wie nämlich, um dieser Denkart zu folgen, die sich mit Sloterdijk aufbaut, „sollten denn Menschen zur Welt kommen und wo sonst, wenn nicht im Inneren der großen Gedichte, der symbolischen Wohnhöhlen und Zeichenweltkunstwerke, die wir Sprache nennen?“
Große Gedichte stehen in Korrespondenz mit dem Sein und gegen das Nichts, das sich von Zeitepoche zu Zeitepoche unumstößlich behauptet und jedes Dasein bedroht, wovon auch Bobrowski poetisch Auskunft erteilt.
Seine Geschichte ist die eines vom Ort seiner Kindheit und Jugend Versetzten. Vertrieben kann man nicht eigentlich sagen, denn kurz vor dem Kriege zieht der Vater um nach Berlin, um die Familie später folgen zu lassen. Noch 1938, in Königsberg – Johannes ist einundzwanzig –, ereilt ihn die Einberufung zu einem militärischen Pflichtdienst, daraufhin noch zur Wehrmacht. Mit dem Einsatz im Krieg und dem Gefangenenlager kommt am Ende ein Dutzend Jahre zusammen. Zum Schaffen bleiben ihm kaum zwei Jahrzehnte. Er ist 48, als er – an einem Blinddarmdurchbruch – stirbt.
Ich besuche sein Grab auf dem Städtischen Friedhof mit jener von Wieland Förster gestalteten Stele. Von hier aus geht es ums Eck und die Peter-Hille-Straße hinunter zum See, der Müggelsee heißt, auf den er geblickt hat. Die Weite des Wassers, etwas, das ihm zur Auffrischung diente. In einem seiner Gedichte, „Ebene“, heißt es:

See.
Der See.
Versunken
die Ufer
. […]

In den Fünfzigerjahren bewegt sich Bobrowski viel in Bereichen christlich geprägter Geisteskultur. Zu den mit medialem Atout verherrlichten Autoren wie Brecht, Bredel, Abusch und Renn hat er keine Kontakte. Bobrowski ist Lektor in einem kleinen Berliner Verlag. Als Dichter schlägt er ein problematisches Thema an: Ostpreußen, das Gebiet an der Memel, verlorene Landschaften, über die man am besten zu schweigen hat. Dem Kulturminister der DDR, Johannes R. Becher, der sich kraft seines Amtes der heiklen Thematik entzieht, widmet Bobrowski einen sarkastischen Spottvers, der erst postum bekannt wird.

BECHER

Dies ist der größte Dichter, so redet und schreibt man. Ich stimme
immer damit überein, er ist der größte, gewiß;
nämlich der größte tote Dichter bei Lebzeiten, einer,
den niemand hörte und las, – aber er lebte und schrieb.

Bobrowskis Dichtung hat also andere Wege zu gehen. 1960 wird er zu einer ehrenden Lesung in den Westen bestellt. Es ist die streitbare Gruppe 47, die ihm zu einem Forum verhilft, wo er höchste Verblüffung erregt: Ein bäurischer Typ brilliert mit einem eigenen Ton und lockt jenes Ecce poeta! hervor, das großen Dichtern gebührt. Zwei Jahre darauf nimmt er den ehrenden Preis der Gruppe entgegen.
Der Fall gerät in den Fokus, wird hüben und drüben „verhandelt“ je nach dem Zweck, den die Dichtung hervorrufen soll. Im Westen dient sie als Stachel gegen Borniertheit und Enge der Einheitspartei. Im Osten erscheint die besungene Landschaft der nunmehr besetzten Gebiete als peinlich und dem sowjetischen „Bruder“ nicht zuzumuten. Vertreibung als Thema: tabu. Der Kalte Krieg fordert also seinen Tribut, und Bobrowski steht zwischen den Fronten.
Als der erste Gedichtband ein Jahr später im Westen erscheint, setzt die entscheidende Wende ein. Bobrowski hat noch vier Jahre zu leben. Plötzlich sieht sich der sozialistische Staat in der Pflicht, dem Dichter Beachtung zu schenken. Seine Texte erscheinen im Verlagshaus der CDU (Ost), konträr zum Kanon der sozialistischen Literatur von Apitz bis Zweig.
Ist es im Westen Celan, dessen außergewöhnliche Dichtung, besonders nach seinem Freitod – 1970 – bestätigt, gesichtet und in überzeugender Weise durch Hans-Georg Gadamer hermeneutisch gesichert wird, so ist es im Osten Bobrowski, dessen Präsenz nach seinem Auftritt vor der genannten achtbaren Gruppe nach einer im Sozialismus gangbaren Lesart sucht, die die Dichtung im Osten als „zumutbar“ interpretiert. Nach Peter Huchels Bobrowski-Publikation in Sinn und Form in den Fünfzigerjahren setzt Gerhard Wolf nächste vernehmbare Zeichen; Eberhard Haufe ediert das Gesamtwerk, und Bernd Leistner verfasst die richtungweisenden „Studien und Interpretationen“, indem er zu präzisen Bescheiden gelangt, trotz ideologisch eng gezogener Grenzen, trotz Dogma und Ohnmacht, Werk und Geschichte frank und frei in den erhellenden Kontext zu stellen.
Leistner behandelt den „schwierigen Fall“ als Sonderkapitel der Nachkriegsliteratur und hält fest:

Gerade im Jahre 1957 dürfte sich bei Bobrowski die keineswegs ermutigende Erkenntnis geltend gemacht haben, daß er es mit seinen Gedichten in der ihn umgebenden Gesellschaft schwer haben würde. Dabei ist zu erinnern, daß die komplizierte außenpolitische Situation wie auch Anzeichen innerer Spannungen – vor allem nach den Ungarn-Ereignissen von Oktober 1956 – in der DDR zu weittragenden und einschneidenden Auseinandersetzungen geführt hatten.

Diese verknappte Umschreibung zeigt die geistige Situation, mit der es Leistner zu tun hat. Zwar werden die heikelsten Punkte genannt. Tiefergreifende Sachverhalte aber verbieten sich ihm. Wer richtet darüber: Welchem Dämon ist der Verfasser verpflichtet, dem Widerstandswillen gegen Beschränktheit und Eingleisigkeit oder dem üblichen Anpassungszwang?
Trotz kryptischer Sprache: Die Analysen von Leistner dringen in tiefste Bereiche poetischer Schichtung. Wer hingegen in „volksnahen“ Schriften und Lesebüchern der DDR forscht, trifft i.d.R. auf Texte, die leichter zu handhaben sind wie Das Wort Mensch, das – nebenbei – als Bobrowskis letzte lyrische Ausführung gilt.

Das Wort Mensch, als Vokabel
eingeordnet, wohin sie gehört,
im Duden:
zwischen Mensa und Menschengedenken.

Die Stadt
alt und neu,
[…]
[…] hier
hör ich das Wort, die Vokabel
hör ich hier häufig, ich kann
aufzählen von wem, ich kann
anfangen damit.
Wo Liebe nicht ist,
sprich das Wort nicht aus.

Der Facettenreichtum ist hier eher beschränkt. Die Abschlussverse – „Wo Liebe nicht ist, / sprich das Wort nicht aus“ – wirken im Vergleich zu anderen Texten vordergründiger und fast zu stark pointiert, wenngleich sie glänzend geeignet erscheinen für sozialistische Feste und Feierlichkeiten wie die atheistische Eheschließung oder die Jugendweihe der DDR.
Was die poetische Trittspur betrifft, in der sich Bobrowski bewegt, so gibt eine in seinem Nachlass angetroffene Sammlung gebührenden Aufschluss. Das Material, mit sorgsamer Handschrift auf lose Blätter notiert, unter dem Titel Meine liebsten Gedichte verlegt, sind Evergreens der Lyrik von Martin Luther bis Christoph Meckel. Einigen Aufschluss vermittelt der Bogen von Klopstock bis Brecht. Neben Vertretern des Sturm und Drang paradieren hier auch einige Dichter der in der Moderne entstandenen Form, Arno Holz, Gottfried Benn, Georg Trakl, Jacob van Hoddis, Hans Arp, Gertrud Kolmar, um nur diese zu nennen. – Neben Klopstock, den Bobrowski seinen Zucht-Meister nennt, fallen fünf Hölderlin-Oden ins Auge, „Andenken“, „Der Ister“, „Der Adler“, „Der Kirchhof“, „An Zimmern“, Das Hölderlinsche Hymnen- und Oden-Kapitel wirft ein erhellendes Licht auf die Trittspur der Dichtung Bobrowskis. Mit Hölderlins Abkehr von seinem vordem vergötterten Lehrmeister Schiller werden die früheren Maß- und Regelvorgaben verworfen zugunsten des eigenen, stärker am griechischen Vorbild ausgerichteten Stils, der den Reim am Zeilenende nicht kennt. Wie bei diesem, dem Dichter solcher frappierenden Texte wie „Hälfte des Lebens“ und „An Eduard“, weist die Lyrik Bobrowskis in den Vierzigerjahren zunächst noch den Reim am Versende auf, wie im Beispiel„Steinkreuz“ belegt:

Dem, den du trägst, ist Erd’ und Himmel klein.
Er reißt sie sterbend in sein Herz hinein.
Und ich erfahr’ im Anblick eines Steines
wie tiefste Lieb und tiefstes Leid sind Eines.

Ein Jahrzehnt später sind in den Lyrikbänden nur zwei gereimte Gedichte zu finden, „Die junge Marfo“, und „Dorfmusik“. Letzteres ist vom Burlesken beeinflusst und gehorcht den Gesetzen des herzhaften Volkslieds, das ohne Endreim nicht auskommt. In der Hauptsache aber sind Bobrowskis Gedichte elegisch gestimmt.
Was die Tiefenschichten des Dichtens betrifft, so ist mit der Wasser- und Strom-Metapher zu argumentieren, um – vom Eidetischen her – die geistige Binnenstruktur zu extemporieren. Bereits in den Titeln spiegeln sich Fluss und Gewässer wider als häufig verwendetes Bild wie „Am Strom“; „Seeufer“; „Seestück“; „Der Don“; „Der Ilmensee 1941“; „Gedächtnis für einen Flußfischer“, „Nachtfischer, Hechtzeit“; „Nymphe“; „Auf einen Brunnen“ etc. Hier bildet Wasser den meditativen Umkreis, der, über den Rahmen hinaus, eine Ahnung erregt, welchen Blick das Wort See in der Eingangszeile zu „Ebene“ vermittelt. Er beschwört das Gedächtnis und historische Senken, am Ende aber Gebundensein an das konkrete Geschick eines Autors. Ein Bild, mit dem Bewegung ins Spiel kommt, das – wie bei vielen der Texte Bobrowskis – die Chiffre einer Richtung benennt: „Mit dem Wind // kam ich herauf den Berg“, wobei der Wind als eine Bewegung ins Bild tritt, die die Ruhe der Ebene stört, während Berg an die Erderhebung des Rombinus erinnert, den der Junge sicher erklommen hat, jenen heiliggehalten Hügel der Litauer in der Nähe des großelterlichen Kleinbauernhofs. Wenn die Höhe Aussicht symbolisiert, so ruft der Blick in geschichtliche Tiefen die Hirtenvölker und den sarmatischen Siedlungsraum wach, in der späten Antike die Landschaft zwischen Weichsel, Wolga und Kaspischem Meer.

See.
Der See.
Versunken
die Ufer. Unter der Wolke
der Kranich. Weiß, aufleuchtend
der Hirtenvölker
Jahrtausende. Mit dem Wind
kam ich herauf den Berg.
Hier werd ich leben. Ein Jäger
war ich, einfing mich
aber das Gras.

In Erscheinung tritt das Ich hier also als Jäger, den, wie etikettiert, „aber das Gras einfing“. Dieses Gras assoziiert die gewaltige Allegorie vom Vergessen. Dem schließt sich – in die Szene versetzt – der Akt eines Nachdenkens an: Wo bin ich? Was ist das, was mich umgibt? Woher bin ich gekommen? Welcher Auftrag ist es, der mir zugedacht ist?
An diesem Punkt ist starke Bewegung vernehmbar, die den Autor erreicht haben dürfte als Zeuge der Kriegskataklysmen mit der Bilanz zerstörter Städte und Dörfer, millionenfach Toter und der Verwüstung auch der menschlichen Psyche.
Am Ende stößt der Betrachter auf eine Schlussfolgerung:

Lehr mich reden, Gras,
lehr mich tot sein und hören,
lange, und reden, Stein,
lehr du mich bleiben, Wasser,
frag mir, und Wind, nicht nach.

Mit der Sequenz – „lehr du mich bleiben, Wasser“ – sind wir dem Credo Bobrowskis sehr auf der Spur. – Das Sinnbild des Wassers, in Analogie mit dem Panta rhei Heraklits, bekundet ständigen Wechsel bei gleich erscheinendem Bild und ein Bekenntnis, trotz aller Wirren, die humane Bestimmung des Menschen nicht zu verlieren.
Der Vergleich vom Kahn auf dem Fluss, wie er dem Dichter beständig vor Augen zu stehen bestellt gewesen sein dürfte, spiegelt sich wider im Umgang mit den Begriffen von Wasser, Wind, den Vögeln, dem Sand usf.

Mit dem Fluß hinab,
den Wiesenfluß
und den wilden Gerüchen
der Wälder, redend
laut mit dem Sommerlicht
und den Vögeln
gegen den Abend, im Dunkel
den Fledermäusen
[…]
[…] redend
Kam ich hierher, hier bin ich
[…]
[…] die Küsten
Fahren einwärts ins Land,
lautlos, wehend von Dünen
um das verlassene Meer
sinken die Steine
[…]

Das ist das wiederkehrende Bild, es verharrt im Vagen und Namenlosen und umreißt einen atemgefüllten Raum von endloser Weite mit einem reminiszierenden Ich auf dem Weg und im Austausch mit der Natur, ohne konkreten Gesprächsgegenstand, nur als eine Art Tasten wie nach einer Bewusstlosigkeit oder einer schweren Verletzung – „ich schwanke“, heißt es, und: „es ist ein Rauschen“. Zu erkennen ist hier nur eine durchaus ungewöhnliche Vorwärtsbewegung: an Dünen und Feuern entlang, und als Vogel: „leg in den Sturm die Schwingen / wie Rauch, er trägt vor den Wettern / dich, vor der rasenden Stille, / eh die Himmel brechen“ – düstere Ahnung liegt in dem Bild, eine dämmernde Vorbedeutung. Es ist ein Erinnerungsbild, nachträglich aufgeladen mit dem Wissen um einen schmerzlichen Fortgang. Dies scheint der gültige Gestus, der allenthalben zutage tritt: Bewusstsein von Schuld und – trotz des bösen Geschicks – ein Bewahrtsein in den empfangenen Zeichen, hier bin ich.
An anderer Stelle bekennt er:

Ich stamme aus einer Gegend, in der die Deutschen mit ihren Nachbarn durcheinander und miteinander gelebt haben, an der früheren deutsch-litauischen Grenze. Ich habe einiges an Kenntnissen und an Erfahrungen mitbringen können für dieses Thema, und sonst ist die Wahl dieses Themas so etwas wie eine Kriegsverletzung.

Um die Seelenkonstellation begreifbar werden zu lassen, setzt er auf jene sinnlich fassbare Sprache, wie sie der Magus aus Norden versteht, Johann Georg Hamann, den er seinen geliebten Hamann nennt. In dessen Ästhetik in nuce entdeckt er einen Sokratischen Sinnspruch: „Rede, dass ich Dich sehe!“ – zitiert in seiner Gedicht-Eloge an Jakob Michael Reinhold Lenz mit schnoddriger Unschuld ohne Allüren und Steifheit; das Essentielle und Eigentliche, entgegen banalem Erkennen, liegt zwischen den Zeilen verborgen. In seiner ungezwungenen Art folgt Bobrowski also Herders Appell zu einer „sinnlich vollkommenen Rede“.
Gigantische Bögen spannen sich auf – vom Paradies einer Kindheit bis zum Einsatz im Krieg mit der Bürde der Schuld; von der Zeit der Propheten bis hin zur besorgniserregenden Gegenwart. Zur Sprache gebracht, gestattet man diesen Gedanken, von jenem Ich, das hinter dem angetroffenen Du entdeckt werden kann, mit der erinnerten Stimme des Kindes, so wie in Hölderlins Ode vom „Archipelagus“:

[…] aus deinen Wogen, o Meergott!
Töne mir in die Seele noch oft, daß über den Wassern
Furchtlosrege der Geist, dem Schwimmer gleich
[…] sich üb’ […] und wenn die reißende Zeit mir
Zu gewaltig das Haupt ergreift und die Not und das Irrsal
Unter Sterblichen mir mein sterblich Leben erschüttert,
Laß der Stille mich dann in deiner Tiefe gedenken.

Im Kontext der „reißenden Zeit“, die Bobrowski mit Hölderlin teilt, entsteht ein odenstrophiger Text, übertitelt mit „Kaunas 1941“. Kaunas – oder auch Kowno, wie man auf Litauisch sagt, ist eine Stadt, in welche die deutsche Wehrmacht – und mit ihr Bobrowski – im Juni 1941 einrückt.

Am Tor
lärmen die Mörder vorüber. Weich
gehen wir, im Moderduft, in der Wölfe Spur.

Bobrowski wird Zeuge eines vom deutschen Sicherheitsdienst vollstreckten Pogroms, dem 3.800 Juden zum Opfer fallen. Laut einem Bericht der SS gibt es nun „in Litauen […] keine Juden mehr, außer den Arbeitsjuden incl. ihrer Familien“.
Der Zustand der hierbei angetroffenen Welt steht in Korrespondenz mit Martin Heideggers Wort von der Weltnacht: „Die Weltnacht breitet ihre Finsternis aus […]“. Wie eingangs erwähnt, folgt Heidegger hier Hölderlins Melancholie, „[a]ls der Vater gewandt sein Angesicht von den Menschen“. Bei Heidegger (von Emmanuel Lévinas im Übrigen als „leider größter Denker“ des 20. Jahrhunderts bezeichnet), tritt sie mit dem Unglück des Krieges in aller Schwärze vor Augen. „Die Zeit der Weltnacht“ – so sagt er – „ist die dürftige Zeit, […] Sie ist bereits so dürftig geworden, daß sie nicht mehr vermag, den Fehl Gottes als Fehl zu merken. […] Vielleicht wird die Weltzeit jetzt vollständig zu der dürftigen Zeit. Vielleicht aber auch nicht, noch nicht, immer noch nicht, trotz der unermeßlichen Not […] trotz der fortwuchernden Friedlosigkeit, trotz der steigenden Verwirrung.“ Mit anderen Worten: Bobrowskis ergreifende Formel – „Du sprichst noch, / Wasser, du sprichst“ – signalisiert diese Furcht vor dem völligen Ende.
Kurze Zeit später hält sich Bobrowski als Funker eines Nachrichtenregimentes am russischen Ilmensee auf, umzingelt von Kampfverbänden der Roten Armee. Im August erst bringt eine Gegeninitiative der Wehrmacht temporären Erfolg. Man sitzt also fest und hat das Panorama der Landschaft vor Augen, den See, mit dem sich die Sage um Sadko, den Sänger, verbindet, der in die Fänge des Wasserzaren gerät.

DER ILMSEE 1941

Wildnis. Gegen den Wind.
Erstarrt. In den Sand
Eingesunken der Fluß.
Verkohltes Gezweig:
[…] Damals
Sahn wir den See –
Tage den See. Aus Licht.

[…]

Den alten Wolf,
fett von der Brandstatt,
schreckte ein Schattengesicht.

Augenscheinlich ist, wie Bobrowskis und Hölderlins Angstmetaphorik einander entsprechen. Dennoch verharren sie nicht bei einer reinen Resignation. Auch der „Hyperion“-Dichter setzt auf eine Beziehung zur lebendigen Seele per Dialog:

Nicht ist es gut,
Seellos von sterblichen
Gedanken zu sein.
Doch gut
ist ein Gespräch und zu sagen des Herzens Meinung.

Für Bobrowski sicher ein Zuspruch im Streben nach Einklang mit anderen Menschen durch das gemeinsame Wort. Dem entgegen steht Paul Celans vom Schicksal als Jude gewonnene Einsicht. Unter dem Datum des 24. November 1959 wirft dieser ein paar Zeilen auf das Papier, eine Antwort auf einen Brief Johannes Bobrowskis, den verehrten Kollegen, eine knappe Bemerkung, von der Hoffnung erfüllt nach einem freundlichen Wort und auf die An-Erkennung des Dichterkollegen: „Lassen Sie mich“ – so teilt Celan mit – „heute […] sagen, daß ich’s wirklich so gemeint habe, wie Sie es empfinden“. – Bobrowski aber antwortet nicht. Stattdessen reagiert er mit einem Gedicht – „Wiedererweckung“. Zu entnehmen ist ihm, dass er auf etwas anderes setzt als Celan, darauf, „Schritte, Wildspuren, / und Stimmen zu zählen und zu beleben mit Worten“.

Zähl
die Gräser
und zähl
Fäden aus Regenwasser,
und Licht, die Blättchen
zähl
[…]

Zu den entstandenen Reizbarkeiten zwischen Celan und Bobrowski äußert sich Gerhard Wolf in einem Beitrag, „… zwanzig Jahre nach seinem Tod“, indem er folgende Verse zitiert:

Ein Wort – du weißt:
eine Leiche.
Laß uns sie waschen,
laß uns sie kämmen,
laß uns ihr Aug
himmelwärts wenden.

Wie Wolf hinterbringt, sah „Bobrowski durch diese eine Verspassage [die] Existenz [Paul Celans] als Dichter […] in Frage gestellt […]. Denn Schuld zu benennen und abzutragen mit dem Wort war ja, was er [Bobrowski, d. V.] wollte“.
Damit ist das Wort der neuralgische Punkt, an dem sich die Geister scheiden. Bei Celan ist es gleichsam das Sandkorn, das in die Wunde Wirklichkeit dringt. Bei Bobrowski beschwört es die Stätten der Kindheit und frühen Jugend herauf, den mythischen Urgrund, farbige Bilder im Kontrast zu Trauer und Schmerz um das Verlorene. Celans Tragik ist mit dem Stigma verbunden, das ihn – der seine Gedichte in deutscher Sprache verfasst – an jene erinnert, ja, unter Schmerzen immer noch bindet, die die Stadt seiner Kindheit und Jugend besetzten, die Juden zu vogelfreien Subjekten erklärten und Jagd auf sie machten, wie Israel Chalfen in der Biographie zu Celan informiert.
Und nun steht selbst das Wort zwischen ihm und jenem, dem man Brüderlichkeit nachrühmt.
Die Art der Rede Bobrowskis – einige Tonaufnahmen vermitteln sie noch – spiegelt sich nicht allein in der Erzählprosa wider. Es ist die Sprache der einfachen Leute, reich oft an deftigem Witz und Humor, dem Dialekt, der bekanntermaßen Anleihen nimmt an den benachbarten baltisch-slawischen Sprachen bis hinein in Grammatik und Satzbau, am augenfälligsten in seiner Prosa, so dass es zu kuriosen Verschränkungen kommt. Das äußert sich in der Ellipse, dem Verzicht des Artikels, der volkstümlichen Bildhaftigkeit, den seltsamen Diminutiva.

Aber Babel
Gänseschnabel,
Gänsefüßchen,
schmecken süßchen.

Sie mit Ihren Erzählchens

– So nämlich entstehen schlichte, dem Sprachfluss angepasste Texte, orientiert an der Mundart oder als syntaktische Inversion:

Großes Wunder hat gegeben,
Moses wollt am Wasser leben.

Wo kam her das Wasser, großes,
keiner weiß, auch nicht der Moses.

Der Alwin, […] geht ihm das Maul
wie dem Scherenschleifer der Hintern.

Bobrowskis Klaviatur reicht von der elegischen Tiefe bis zu Posse und Witz. Die Prosa figuriert als ungezwungenes Plaudern in heiteren Szenen und führt nicht selten zu pointiertem Erschrecken, wie die Erzählung „De homine publico tractatus“ beweist. Beschrieben wird hier der Sonntag im Alltag einer Gemeinschaft, die mit unbequemen Vorschriften auskommen muss:

  1. Einhaltung der Dienststunden, 2. Einhaltung der Kompetenzen, 3. Der Beamte hat sich als ein Diener der Gesellschaft zu betrachten, 4. Menschenkenntnis.

Die Realität aber spricht eine andere Sprache. Es ist Sonntag. Frau Krepsztakies ist im Begriff, einen Brief zu versenden. Ohne Marke: unmöglich. Das Postamt aber ist zu und bleibt – laut Vorschrift – geschlossen. Dienststunden sind an der Tür angeschlagen. – „Nur, wer jetzt denkt, daß es einen Widerstreit […] zwischen […] Amt und Freundlichkeit […], der täuscht sich.“ Der Beamte stellt einen Stuhl vors geöffnete Fenster, „einen zweiten […] rückt er von innen“ heran. Die Frau steigt hindurch und erhält ihre Marken. Hintenrum gibt’s nicht: „das hieße die Hintertür öffnen.“ – Der Postbeamte „nimmt das Geld entgegen. – Aber: Werde ich womöglich für jeden die Marken belecken? – Er führt daher ein: Brief hinlegen, Geld hinlegen, Zunge rausstrecken. An der herausgestreckten Zunge wird die Marke befeuchtet […] Abstreifen, dann also Aufkleben, Stempel, auf Wiedersehn.“ – Am Ende der Prosa fügt der Autor das Beispiel eines Ehepaares hinzu:

In Allenburg oder auch nicht in Allenburg gab es ein Ehepaar, er schielte, sie schielte, die beiden haben sich im Leben nie gesehen. Sind zusammengeblieben, über die bösen Jahre vierzehn / achtzehn hinweg, und zusammen gestorben, vierundzwanzig. – Das meine ich.

[gekürzt]

Peter Gehrisch, Ostragehege, Heft 74, 2014

Walter Gross: Der Ort, wo wir leben
DU, Heft 2, Februar 1965

Jürgen Joachimsthaler: Bobrowskis Häutungen
literaturkritik.de, 5.4.2017

Andreas Degen: Kafka zum Beispiel
literaturkritik.de, 9.4.2017

Thomas Taterka: Der letzte Talissone
literaturkritik.de, 5.4.2017

Sabine Egger: Martin Buber und Johannes Bobrowski
literaturkritik.de, 16.4.2017

Andreas F. Kelletat: Vom Ende der Sesshaftigkeit
literaturkritik.de, 5.4.2017

 

BOBROWSKI

dein leises lied
sangst du
den verfolgten
du hast
ihre namen
aufgehoben:
gras see ebene –
deine alten
wörter vergessen
nichts

Hermann Wallmann

IN MEMORIAM JOHANNES BOBROWSKI

Sein foto
an den anschlagsäulen

Jetzt

Der nachlaß ist
gesichtet, der dichter
beruhigend tot

Reiner Kunze

 

AN BOBROWSKI

Wenn in den Bäumen
der Wind ist und
der Himmel sich rot
überzieht gegen
Mittag, wenn unsere
Flüsse versickern
in brauner Erde und
die Schuld Junge wirft
im alten Nest:
Ich höre deine Stimme,
laut, deutlich und
hier, heute.

Christoph Heubner

 

JOHANNES BOBROWSKI UND PAUL CELAN

Sie haben die Wüste
verlassen,
aber sie haben sie
immer
vor Augen.
Der eine
will dem Licht
antworten,
der andere
dem Dunkel.

Abgebrochen
ihr Gespräch
im Zwielicht
von Ratlosigkeit
und Zweifel.

Viele kommen.
Wer aber kommt
als Überlebender?

In Häusern,
heilt nichts,
wo sie sagen,
man muss vergessen
können,
wo Sand
auf das Eis
gestreut wird,
dem Gleichgewicht
einen Ort zu geben.

Ulrich Grasnick

 

Fakten und Vermutungen zum Poesiealbum + wiederentdeckt +
50 Jahre 1 + 2 + 3 + 4 + 5 + 6

 

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Fakten und Vermutungen zum Herausgeber
Porträtgalerie

 

Zum 50. Geburtstag des Autors:

Gerhard Desczyk: „… so wird reden der Sand“
Neue Zeit, 9.4.1967

Zum 60. Geburtstag des Autors:

Gerhard Rostin: Der geht uns so leicht nicht fort
Neue Zeit, 9.4.1977

Zum 15. Todestag des Autors:

Jürgen Rennert: Von der Sterblichkeit der Dichter
Das Literaturjournal, 3.9.1980

Zum 20. Todestag des Autors:

Gerhard Wolf: Stimme gegen das Vergessen
Freibeuter, Heft 25, 1985

Reinhold George: Brober
Schattenfabel von den Verschuldungen. Johannes Bobrowski zur 20. Wiederkehr seines Todestages, Amerika Gedenkbibliothek, Berliner Zentralbibliothek, 1985

Zum 70. Geburtstag des Autors:

Michael Hinze: Mitteilungen auf poetische Weise
Berliner Zeitung, 9.4.1987

Eberhard Haufe: Der Alte im verschossenen Kaftan
Neue Zeit, 9.4.1987

Zum 50. Todestag des Autors:

Annett Gröschner: Der sarmatische Freund
Die Welt, 29.8.2015

Christian Lindner: Mit dem dunklen Unterton der Melancholie
deutschlandradiokultur.de, 2.8.2015

Lothar Müller: Nachrichten aus dem Schattenland
Süddeutsche Zeitung, 1.9.2015

Zum 100. Geburtstag des Autors:

Helmut Böttiger: Große existenzielle Melodik
Süddeutsche Zeitung, 6.4.2017

Dirk Pilz: Dem großen Dichter zum 100. Geburtstag
Berliner Zeitung, 6.4.2017

Dirk Pilz: Ostwärts der Elbe
Frankfurter Rundschau, 7.4.2017

Arnd Beise: Ein Christenmensch und ein großer Geschichtenerzähler
junge Welt, 8.4.2017

Klaus Walther: Johannes Bobrowski: In „Sarmatien“ eine poetische Heimat gefunden
FreiePresse, 7.4.2017

Richard Kämmerlings: Der Deutsche, der an der Ostfront zum Dichter wurde
Die Welt, 9.4.2017

Cornelius Hell: Wer war Johannes Bobrowski?
Die Presse, 7.4.2017

Klaus Bellin: Erzählen, was die Leute nicht wissen
neues deutschland, 8.4.2017

Tom Schulz: Mein Dunkel ist schon gekommen
Neue Zürcher Zeitung, 9.4.2017

Manfred Orlick: Die Deutschen und der europäische Osten
literaturkritik.de, 5.4.2017

Oliver vom Hove: Der Dichter verlorener Welten
Wiener Zeitung, 9.4.2017

 

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Fakten und Vermutungen zum Autor + Sammlung 12  + KLG +
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Nachrufe auf Johannes Bobrowski: Der Sonntag ✝ Die Zeit
Kürbiskern ✝ Grabrede

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