3. April

Um sieben in der Früh zum Bäcker und … aber auf der Schwelle stocke ich: Alles … die gesamte von hier aus beobachtbare Welt ist überzogen mit intensivem Morgenrot – nicht nur beleuchtet, nein, eingehüllt in einen kalt glühenden Mantel, der kaum merklich zu wehen scheint und damit alle Töne von Rot herauskehrt, von Himbeer und Purpur bis Stierblut und Karmin. Sieht aus, als hätte der Bühnenbeleuchter seinen Schalter gedreht, um den Untergang der Welt noch einmal richtig scheinen zu lassen. – Für ein paar Tage in Zürich, die Stadt ist für mich nur für »Erledigungen« gut, Post abholen, Einzahlungen veranlassen, gegen zu hohe Steuerrechnung rekurrieren, Friseur aufsuchen, Arzt aufsuchen, Medikamente besorgen, Briefe und Mahnungen beantworten. Nichts als Ärger und Asphalt. Also fahre ich mit Krys nach Basel, besuche den alten Freund Mille Fellmann, der nie nichts Neues zu berichten hat aus dem Fußnotenbereich seiner kritischen Edition von Leonhard Eulers Korrespondenz mit den Brüdern Bernoulli; Schlusskurve durch die Homerausstellung im Antikenmuseum – ermüdender Rundgang zwischen lauter Vitrinen und erklärenden Texttafeln. Bei schwerem Regen führe ich Krys dann durch die Rittergasse zum Münster, durch den Kreuzgang, auf die Pfalz, wo ich einst als Gymnasiast meine Schulpausen verbrachte – über den Gräbern so mancher Humanisten, die einst europaweiten Einfluss hatten. Kurzer Imbiss im Isaak am Münsterplatz, dann Rückfahrt mit quietschenden Scheibenwischern. Und wieder da, wo wir auch schon mal waren.

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