A.J. Weigoni: Gedichte

Mashup von Juliane Duda zu dem Buch von A.J. Weigoni: Gedichte

A.J. Weigoni-Gedichte

 

 

 

 

 

Begabt mit einer sinnlichen Sprache,

breitet A.J. Weigoni mit Verknüpfungskompetenz ein enzyklopädisches Wissen aus, das bei den Hörern und Hörerinnen den Bedeutungsgenerator im Kopf anwirft und ihnen die Möglichkeit gibt, mit dem Käscher bedeutungstragende Einheiten wie Forellen aus dem dahinplätschernden Redeflusss zu fischen. Erotisch ist das pralle Fleisch dieser Gedichte: die Sprache. Die Worte, Verse und Strophen praktizieren all die Stellungsspiele, die sich in klingende Oralität verwandelt haben.
Die Stimme ist gleichsam der Fingerabdruck von Weigonis Persönlichkeit, er trägt seine Letternmusik nicht einfach vor, er gestaltet und verwirklicht eine tonale Komposition wie Dichterloh mit sprachlichen Mitteln. Es wird eine Stimme hörbar, die ihrer eigenen Wahrnehmung traut, die Ambivalenzen zum Ausgangspunkt der Betrachtung macht. Unangestrengt schafft er geflüsterte, gesprochene Sprachkunstwerke. Das Mondäne vereinigt sich mit dem Musikalischen; der Intellekt mit dem Sinnlichen.
Diese Gedichte sind zarte Versuche einer Sprachbewegung ins Voraussetzungslose. Weigoni macht als Stilist mit radikalen Willen zur Genauigkeit mit seiner Poesie deutlich, dass die Spreche als Ausdrucks-System dem Sinn-System Sprache vorausgeht. Er lässt mit Lust an der gesprochenen Sprache, an der Schönheit von Worten, Tonfall, Melodie und Rhythmus hören: durch Intensität und Differenziertheit der Wahrnehmung, die in eine genuine Sprachmusik umgesetzt sind.

Regine Müller, Edition Das Labor, Klappentext, 2015

Das Gesamtwerk des Sprechstellers

Tom Täger und A.J. Weigoni kommt das Verdienst zu, die Lyrik nach 400 Jahren babylonischer Gefangenschaft aus dem Buch befreit zu haben.
(lyrikwelt.de)

Das zu Beginn des Jahres in der Edition Das Labor erscheinende HörBuch Gedichte faßt die langjährige Studioarbeit von Tom Täger und A.J. Weigoni einerseits zusammen, gibt aber auch einen Ausblick auf das nächste Buch. Die am 18. Januar 2015 erscheinenden Schmauchspuren sind ein erneuter Beweis der sich immer noch steigernden Gedankenschärfe und Ausdruckskraft dieses Poeten. Weigonis Gedichte sind konzentrierte Miniaturen, seine verdichtete Sprache bildet ein System, das sich aus dem Leben bezieht und in dieses zurückwirkt. Wie Blaise Pascal sieht dieser Lyriker das menschliche Leben als kurzes Aufscheinen zwischen dunklen, leeren Ewigkeiten. Diese Gedichte leben aus dieser Spannung: der Gewissheit des Todes als schwarzem Hintergrund und der fast grell beleuchteten Gegenwart des 21. Jahrhundert im Vordergrund. Diese Sinnlichkeit und Gegenwärtigkeit übersieht, wer Weigonis Gedichte als bloße Gedankenlyrik mißversteht.

Weigoni und  Täger spüren der Sprache vor allem als akustischem Phänomen nach.
(Dr. Christiane Schlüter, Buecher-Wiki)

Hier mischen sich Körperrede und Klangrede, die orale mit der gutenbergschen Tradition, geschriebenes Sprechen verwandelt sich in gesprochenes Papier und so fort. Bei seinen Rede– und Suchgedichten konzentriert sich Weigoni seit der Letternmusik beim Rezitieren auf die nackte Stimme. Es ist ein Textkonzert, die Partitur ist Sprache. Tom Täger stellt sie auch bei dieser Aufnahme im Tonstudio an der Ruhr in den Vordergrund. Gleichzeitig löst sich die Sprache in den Gedichten in ihre Einzelheiten auf. Dieser Sprechsteller hat beim Schreiben das Hören im Blick und beim Sprechen das Auge im Ohr. Dieser VerDichter ist ein Meister der Wortschöpfung, der es versteht, die Phraseologie des Alltags subversiv aufzuladen, auf eine Art, die sprachwitzig ist, ohne sich auf die Pointen draufzusetzen, und umso betörender, je tiefer er sich in die irrwitzigsten Gedankenspiele hineinschraubt. Er läßt die Distanz zwischen Sprache und Gedanken schrumpfen, dass die sich daraus ergebende Transparenz des Verfahrens es erlaubt, dass sich die Unterschiede zwischen Gattungen aufheben. Man kann ein Kompositum wie Dichterloh als Polyphonie hören, eine Art Wortkonzert, ein auf– und abschwellender Klagegesang über den Verlust des Individuums. Es geht um Stimmen und ihr Spiel, ein Aus–Sprechen, das die Kulturgeschichte von Klang und Ton gleichsam mitatmet.

Señora Nada ist ein lyrisches Monodram über das Überwinden von Trauma und Schmerz durch Erkenntnis dank des Eindringens in die unoffenbarte Zwischenwelt. Die Welt zwischen Haben und Sein, zwischen Bestimmung und Freiheit, zwischen Jetzt und Immer.
(Ioona Rauschan, Regisseurin des Hörspiels)

Als ein Höhepunkt des Hörbuchs ist sicherlich die Produktion Señora Nada zu bezeichnen. In diesem Monodram provozieren die Artisten mit einem ,stream–of–consciousness‘ durch Inhalte und nicht durch Dolby–Surround. Darin begleitet Täger die Schauspielerin Marina Rother mit einer Musik der befreiten Melodien. Seine Komposition zu Señora Nada ist durchsetzt von minimalistischen und improvisatorischen Erfahrungen, das Klangbild wird von experimentellen Klängen zu Trivialklängen in Bezug gesetzt. Die Vertonung Tägers fügt sie – mit allen Kontrasten von Tempoverläufen, Klangdichten, dynamischen Abstufungen – über die Wortbedeutungen hinweg zu einer einleuchtenden Zyklik. Klänge und Strukturen sind eigenartig: ähnlich und doch immer wieder neu, streng und doch offen. Das Zuhören führt an ein Zeitempfinden heran, wie es in dieser Weise selten zu erleben ist. Jedes Kunstwerk erinnert an den Geist und die Erweiterbarkeit des menschlichen Horizonts. Dieses Werk hat das Bewußtsein geöffnet und nicht einfach nur die öffentliche Nachfrage nach Schönheit bedient.

Als ich dieses Hörbuch hörte, war ich schlichtweg begeistert. Bei Hörbüchern und Hörspielen wird oft der Begriff „Kunst” verwendet. Ich rede eher vom „Handwerk“. Als ich Gedichte von A.J. Weigoni lauschte, war für mich sofort klar: Das ist wirkliche Kunst! Dieser Mensch ist ein wahrer Wortakrobat, ein Liebhaber der Sprache, ein Kenner des Mediums. Weit weg vom Mainstream ist Gedichte von Weigoni für Liebhaber der „Sprachkunst“ und für intellektuelle Unterhaltung DER Geheimtipp. Solch eine liebevolle Inszenierung hat eine Auszeichnung verdient, deswegen: ,Beste Lesung‘
(Simeon Hrissomallis, Begründung für den Hörspielpreis Ohrkanus)

Das Hörbuch Gedichte stellt die Gesamtaufnahmen des Lyrikers vor, die zwischen 1995–2015 im Tonstudio an der Ruhr  in der Zusammenarbeit mit dem Komponisten Tom Täger entstanden sind. Der VerDichter bewegt sich auf dem Hörbuch Gedichte in der Intermedialität von Musik und Dichtung, er sucht mit atmosphärischem Verständnis die Poesie im ältesten Literaturclip, den die Menschheit kennt: dem Gedicht!

Matthias Hagedorn, editiondaslabor.de, 1.1.2015

Probehören kann man Auszüge in der Reihe MetaPhon.

Margaretha Schnarhelt: Die Essenz eines kreativen Schaffens. Über die sinnfällige Werkausgabe der sämtlichen Gedichte von A.J. Weigoni
fixpoetry.de, 16.1.2017

 

Das Nahbell-Interview 2017 mit A.J. Weigoni

Fakten und Vermutungen zum Autor

 

A.J. Weigoni & Frank Michaelis – Literaturclip aus der Schwebebahn.

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