Friedrich Hebbels Gedicht „Dem Schmerz sein Recht“

FRIEDRICH HEBBEL

Dem Schmerz sein Recht

Schlafen, schlafen, nichts, als schlafen!
Kein Erwachen, keinen Traum!
Jener Wehen, die mich trafen,
Leisestes Erinnern kaum,
Daß ich, wenn des Lebens Fülle
Nieder klingt in meine Ruh,
Nur noch tiefer mich verhülle,
Fester zu die Augen tu!

1836

 

Konnotation

Unter dem Titel „Dem Schmerz sein Recht“ hat der Tragödiendichter Friedrich Hebbel (1813–1863) einen Zyklus von elf formal sehr facettenreichen Gedichten zusammengestellt, der innerhalb der Werkausgabe erstmals 1857 erschien. Den Sohn eines bettelarmen Tagelöhners, aufgewachsen in tiefer Armut, plagten schon früh Visionen eines unentrinnbaren Scheiterns, die er in seinen Tagebüchern und vor allem in seinen Gedichten bebilderte.
Innerhalb des Zyklus wird Hebbels Anrufung des Schlafs eingerahmt von Gedichten, die den Schmerz als überwältigende Macht zeigen, die alles abtötet und selbst das Verlangen nach Freiheit vernichtet. Zu entrinnen ist dem Schmerz allenfalls durch Ich-Auflösung in traumlosem Schlaf und Abkehr von der Welt. Der 1836 noch während der Studienzeit Hebbels in München. Gebeutelt von finanziellen Sorgen, Hunger und Kälte kehrte Hebbel 1839, nach seinem gescheiterten Doktorexamen, in einem 20tägigen Fußmarsch in seinen ursprünglichen Studienort Hamburg zurück.

Michael Braun, Deutschlandfunk-Lyrikkalender 2007, Verlag Das Wunderhorn, 2006

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