Matthias Buth: Poesiealbum 344

Buth/Grimmling-Poesiealbum 344

PRAHA
für Jiří Gruša

Jeden Morgen sendet Prag
Seine Brücken über die Moldau
Um Licht aus dem Gewässer zu kämmen
Vollgesogen von Schlaf

Der Hradschin zieht seine Positionslampen ein
Und setzt Segel in den Himmel
Das böhmische Meer
Aufgetaucht aus zurückgelassenen Blicken

 

 

 

Stimmen zum Autor:

Buch ist ein Meister der Reduktion. Gedichte sind bei ihm Verdichtungen auf das Äußerste hin. Wenige Zeilen genügen, um eine Situation aufleuchten zu lassen.
Hans Dieter Schmidt

Er verschwistert Prägnanz und Poetizität, die seiner Lyrik Tragfähigkeit und Ausstrahlung verleihen.
Karl Krolow

Jede Zeile ist zugleich ein in sich geschlossenes lyrisches Element. Die Worte schweben ohne jeden Ballast über dem Bedeutungsgrund.
Ulrike Gondorf

Diese Gedichte sind romantisch, sie benennen vieles, ihr Zentrum haben sie jedoch im Unbenennbaren. Demjenigen, was sich entzieht, was man ersehnt.
Jiří Gruša

Semantische und sprachlich-formale Konzentration, Fundierung des wesentlichen poetischen Einfalls in der Metapher: das ist der methodische Impetus.
Franz Norbert Mennemeier

Zur sprachlichen Präzision kommt, daß der Sprachfluß Rhythmus hat; Musiker haben Gedichte von Buch vertont.
Thomas Rausch

Seine lyrische Sprache ist auf das Wesentliche reduziert und kennt keine Geschwätzigkeit; hier spricht einer, der nachtrauert, seine Trauer aber mit nüchternem Scharfblick und einer wohldosierten Prise Heinescher Ironie bricht.
Jürgen Bročan

Buths Gedichte sind nicht verrätselt, sondern von geheimnisvoller Transparenz.
Peter Motzan

Selten sind in der Gegenwartslyrik für unendliche Verlassenheit poetische Bilder von solch tragischer Ironie zu finden. Beobachtungen, Reflexionen oder Erfahrungen werden unmittelbar in Poesie umgesetzt: Keine Krücken der Vermittlung.
Walter Hinck

Diese Lyrik widersteht dem Kryptischen. Sie besticht durch ihre Eingängigkeit, bewirkt durch die schlichte Prägnanz ihrer Sprachbilder. Die Gedichte verdienen, in uns zu Wort zu kommen.
Rüdiger Görner

Poesiealbum 344

Buth ist ein Poet von Rang, ein Dichter-Jurist. Seine Gedichte sind welthaltig; die Sprachbilder beschreiben nicht, sondern stellen neue Wirklichkeiten her und greifen oft ins Musikalische. Sie halten fest, indem sie Halt suchen, sie gehen in die Enge, um ins Weite zu kommen: das ist der Gestaltungsgeist dieser geradezu umarmenden Lyrik, die Atemraum schafft für den bedrängten Menschen.

Märkischer Verlag Wilhelmshorst, Klappentext, 2019

Matthias Buth

Buth setzt auf die innere Heimat: das Wort und ein talmudisches Denken, das an Heine anschließt und an Else Lasker-Schülers Sprachinszenierungen erinnert. Hinck bewunderte an seiner Lyrik, „wie Beobachtungen, Reflexionen und Erfahrungen unmittelbar in Poesie umgesetzt werden: keine Krücken der Vermittlung.“ Und Görner erkannte, daß Buths Gedichte „aus unverhofften Worten bestehen, meist der Musik verwandt, deren Beschreibungselemente ihrerseits poetisierbar sind.“

aus Ror Wolf: Poesiealbum 343, MärkischerVerlag Wilhelmshorst, 2019

 

Beiträge zu diesem Buch:

Stefan Seitz: Buth und Beatrice
wuppertaler rundschau, 3.3.2019

Thomas Rausch: Schlichte Miniaturen mit Aussagekraft
Kölner Stadt-Anzeiger, 16.4.2019

 

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50 Jahre 1 + 2 + 3 + 4 + 5 + 6

 

 

Fakten und Vermutungen zum Autor

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