Richard Pietraß: z lemu snu / traumsaum

Pietraß-z lemu snu / traumsaum

TUNNELBLICK

Augen saugen das Dunkel. Werfer werfen
Den Schein. Ein Fuchs und noch kein Hase
Wechsel und kein Schwein. Schwärze
Und kein Kittel. Unkenfunk und noch nicht
Das hinter Schloß und Riegeln
Versiegelte Vergißmeinnicht.

 

 

 

„Nun höre ich schon Stimmen“ –

so beginnt Richard Pietraß die „Aufwachgedichte“ seines in Rheinsberg, dem glücklichen Prinzensitz des späteren Preußenkönigs Friedrich II. geschriebenen Traumsaums: leuchtendes Zeugnis seiner jungen Liebe zu einer Pariserin, mit der er zwischen Franzosenpark, Pilzwald und Eiszeitseen verborgene Spielnester findet. Dieser Zyklus arkadischer Tagebuchgedichte rundet sich zu einem Ganzen: einer Amour fou mit Ouvertüre, Intermezzo und romantisch verweigertem Finale. Nach Tucholskys Bilderbuch für Verliebte wird der musische Ort mit jedem Grashalm nochmals zur Fluchtburg zweier Liebender.

Beilage für die deutschen Leser von Traumsaum

 

Wandelstern und Traumsaum

Richard Pietraß ist ein Wortakrobat, der vielschichtige Metaphern bevorzugt. (…)

Ein Vergnügen ganz anderer Art bereitet Pietraß’ Band Traumsaum. Als Stadtschreiber zu Rheinsberg (2008) wandelt er auf Kurt Tucholskys Spuren.

Es ist das lyrische Tagebuch eines Verliebten, leuchtendes Zeugnis seiner jungen Liebe zu einer Pariserin, mit der er zwischen Franzosenpark, Pilzwald und Eiszeitseen verborgene Spielnester findet. Nach Tucholskys Bilderbuch für Verliebte wird der musische Ort mit jedem Grashalm nochmals zur Fluchtburg zweier Liebender. (wie der dem Band beigegebene goldene Waschzettel verspricht).

Die Gedichte kommen erotisch und uneitel daher, so im Gedicht „Kippfigur“:

Bin ich zu jung, zu alt, mich dir einzubrennen?
Regen nagelt den See, ohne ihn zu erkennen.
Ich treib in Rippenstößen unter Deine Wellenhaut.
Ob ich an dir nippe, ob in Tiefschlaf kippe
Ich bin der graue Fetzen, der zerfließend blaut.

Beide Bände sind reich mit Kunst ausgestattet. (…) Traumsaum ist in der EDITION REVOLVER REVUE, Prag, erschienen. Wie der Name des Verlags und die Aufmachung des Bandes vermuten lassen, wendet sich die Edition an junge Leser. Das von Luboš Drtina in diesem Sinne witzig illustrierte und gestaltete Buch baut eine Brücke von den Gedichten eines „Jungverliebten“ zur jungen Leserschaft hin.

Axel Helbig, Ostragehege, Heft 71, 2013

 

EIN VOR- UND EIN HACHHIMMEL FÜR RICHARD

INDISCHES SPRINGKRAUT

Wer bügelt die Blusen
der Balsamine?
Es ist der Turgor,
ein Druck von innen,
und doch kein Busen.

WENN der Wal wüßte,
daß Eros ihn harpuniert,
würde er liebestoll.
Es ist aber Apoll.

Arnfrid Astel

 

Richard Pietraß Lesung und Gespräch mit Sebastian Kleinschmidt am 27.3.2018 im Haus für Poesie

Richard Pietraß zum 70. Geburtstag:

Jan Wagner: Lob des Spreewals
Der Tagesspiegel, 11.6.2016

Stefan Sprenger: Dass der Mensch der Stil sein möge
Sprache im technischen Zeitalter, Heft 218, Juni 2016

Fakten und Vermutungen zum Autor + KLG 1 & 2
Porträtgalerie:  Galerie Foto Gezett
shi 詩 yan 言 kou 口

 

Das Pietraß _______ Aus einem Bestiarium Literaricum, aufgefunden im Archiv des Museo Rhinum; übersetzt von Peter Böthig

 

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