Hilde Domins Gedicht „Überfahrt“
ÜBERFAHRT – Ein Kind / das macht die Ferne / es hat lockeres weißes Haar / es trägt ein schwarzes Kleid
ÜBERFAHRT – Ein Kind / das macht die Ferne / es hat lockeres weißes Haar / es trägt ein schwarzes Kleid
DIE SCHLIMME SORTE – Eine Sorte von Menschen macht gleich mich verstummen, / Das sind die superklugen Dummen.
DU KAMST ZU MIR, MEIN ABGOTT, MEINE SCHLANGE – Du kamst zu mir, mein Abgott, meine Schlange, /
BITTE UM FRIEDEN – Soll denn gar kein Frieden werden, / Nimmt der Krieg denn noch kein End? / Unsre Länder sind verheeret,
WOCHENKALENDER – Montag erst. – Entsetzlich! Freudelos / Neu beginnen, wo die Woche schloss. //
SCHUND – nirgends weiß ich wo ich treibe / ob die prächtig kühle nacht / sich in meine augen schreibe
DAS ECHO – Im Grün des Waldes saß ich nieder / in lichtdurchwirkter Stille, lauschend, / und Mückenstäubchen fuhren auf und nieder,
DIE AMEISEN – In Hamburg lebten zwei Ameisen, / Die wollten nach Australien reisen. / Bei Altona auf der Chaussee
ZUVERSICHT – In Saloniki / weiß ich einen, der mich liest, / und in Bad Nauheim. /
IMMER WENN DU ZURÜCKKOMMST / ist mirs / als sähe ich dich zum erstenmale: // Silbern stäubt es aus meiner Seele