Wortleben

Beim Wiederlesen von Jean-Paul Sartres Autobiographie Die Wörter; ein rasch hingeschriebner Text, wie alles von diesem Autor; es ist eine leichte und witzige, auch lehrreiche Lektüre, die immer wieder ausgebremst und intensiviert wird durch brillante, bisweilen tiefsinnige Reflexionen, durch genialisch eigensinnige Formulierungen, nicht zuletzt durch poetische Versatzstücke wie diese schwerlich übersetzbare Wortballung:

«… un gros rougeaud, rugueux, au dos de cuir, qui sentait la colle …»

Das ist kein Einzelbeispiel; es ist eine von zahlreichen Stellen, wo der Rede-, der Schreibfluss kataraktisch gestaut und eine Wortfolge aussortiert wird, die im Verbund mit andern Wörtern jenen diskreten Leitfaden ergeben, anhand dessen sich der Autor, schreibend, noch einmal seiner Kindheit und Jugend versichert.

 

aus: Felix Philipp Ingold: Gegengabe
zusammengetragen aus kritischen, poetischen und privaten Feldern

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