Werner Fincks Gedicht „Meines Lebens A und Z…“

WERNER FINCK

Meines Lebens A und Z
sind der Divan und das Bett.
Freundschaft, Liebe und Verkehr,
sekundär ! Sekundär !
Hier entstand der Wunsch nach mir.
Zeugung, Ankunft, alles hier,
und mein Sterben wird allein
weicher durch die Kissen sein.
Ach, und nehmt mir mein Skelett
ganz zuletzt erst aus dem Bett.

1938

aus: Werner Finck: Finckenchläge. Ausgabe letzter Hand. Herbig Verlag, Berlin 1965

 

Konnotation

Den „vagabundierenden Märchenerzähler“ und Kabarettisten Werner Finck (1902–1978) zog es 1929 nach Berlin, wo er zum Theaterdirektor des Kabaretts Katakombe aufstieg. Mit seinen subtilen regimekritischen Lästereien war 1935 Schluss; die Katakombe wurde geschlossen, Werner Finck und weitere Akteure verhaftet. Nach kurzer Haft in einem Konzentrationslager wurde Finck wegen „Verstoßes gegen das Heimtückegesetz“ angeklagt.
Fincks 1938 publiziertes Kautschbrevier (dabei wird absichtlich das Wort „Couch“ in ironischer Übererfüllung von Joseph Goebbels’ Doktrin verdeutscht), in dem das heitere Bekenntnis zur existenziellen Liegestatt erstmals erschien, musste auf Anordnung des Propagandaministers Dr. Joseph Goebbels eingestampft werden. Finck erhielt abermals Berufsverbot. 1945 gründete er zum kabarettistischen Neubeginn das Schmunzelkolleg – aber der zu dekuvrierende Gegner, die Diktatur, war ihm abhanden gekommen.

Michael Braun, Deutschlandfunk-Lyrikkalender 2009, Verlag Das Wunderhorn, 2008

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