Robert Şerban: Nah an der Gürtellinie

Şerban-Nah an der Gürtellinie

GLÜCKLICHES FOTO

nicht jedermann gelingt es Gott auf Fotos sichtbar zu
aaaaamachen
doch wenn du das Glück hast den richtigen Winkel zu
aaaaatreffen
dazu die passende Lichtstärke und abzudrücken wenn
aaaaaman es dir zuflüstert
dann hast du ihn erwischt

es ist wie beim Angeln
nur dass du der Köder bist
der mit dem hochgestreckten Zeigefinger
ein Heiliger Johannes in Wrangler gekleidet und Sportschuhe an den Füßen

auf das Laptop heruntergeladen
ist Gott noch besser zu sehen und anscheinend glücklich
du hast ihn ans Internet angeschlossen
danach in die Sozialnetzwerke
an e-Mail an youtube an torrente
an Dinge, die er sich nie erträumt hat

lass ihn unaufhörlich online sein
da wirst du augenblicklich mitbekommen
dass der Rest der Welt dich immer mehr liebt
und dir wie eine endlose Kommunion
like nach like gibt

 

 

 

Die Gedichte Robert Şerbans –

Poesie als Anregerin für Unaufgeregtheit

Es sind zunächst einmal alltägliche Themen, die Robert Şerban in seinen Gedichten umkreist, er füllt Erfahrungen, tatsächliche und imaginäre, mit Worten – die wiederum Thema werden lassen, was in der Zusammenschau ihn besonders bewegt. Familie, ländliches Leben, kleinste Beobachtungen fängt er so ein und gibt ihnen Bedeutungen, die über das augenscheinlich Reale weit hinaus weisen ins Innere, in die Innenwelt des Autors hinein; und zugleich dem Leser erlauben, eigene Assoziationen zu verfolgen, ohne zu sehr durch den Verfasser der Gedichte gelenkt zu werden. Er oktruiert nicht auf, nein, er regt an, und dies in einer weitgehend schlichten, direkten Sprache, die die Sujets aufnimmt und in die Vorstellungswelt transferiert: sie so erlebbar macht.
Die Gedichte Robert Şerbans zeugen von hoher Sprachsensibilität, er beherrscht die Nuancen der Darstellung in Färbungen und Tönen der Sprache, das wird auch noch in der meisterhaften Übersetzung deutlich. Gepaart wird dies mit einer Sprachkraft, die sich stets anpasst, und doch nie so ganz in Zaum gehalten wird, die drängt, im Gesagten noch mehr zu sagen – dies beim Lesenden anregt, mehr zu verstehen als gesagt wird; insofern sind die Gedichte Robert Şerbans aufregende Gedichte, da sie durchaus in der Lage sind, bei dem, der sie liest oder hört, eigenes heraufzuholen, herauf zu beschwören gar, da der Dichter Dinge anspricht, die ich auch so oder ähnlich in mir trage. Er, Şerban, findet dafür Worte, nicht gewöhnlich, nicht hingeschmettert, sondern wohl gesetzte, treffende, mitunter sauber pointierte Worte, die in ihrer Wirkung wohl dosiert poetisch Wirkung zeitigen, die nachklingen, lange nach dem Lesen, und die das Buch wieder in die Hand nehmen und nachlesen lassen.
Neu erkunden lassen mit vielleicht dann anderer Wirkung – Poesie als Anregerin, als Schwingung auslösendes Moment – ein Beispiel, wie Dichtung in unser Leben hineingreifen kann wenn sie im rechten Moment eingreift und vielleicht nur für Augenblicke Halt, Ausblick gibt.
Ein Gedichtband, der in seiner Unaufgeregtheit in die Zeit passt, der einen wohltuenden Widerpart zu den permanent heraufbeschworenen, äußeren Aufgeregtheiten im Leben draußen bietet, denn das Aufregende dieser Dichtung erschließt sich nur dem, der sich einlässt auf die Gedichte, der sich ihnen stellt, sich mit ihnen auseinandersetzt. Die schlichte, sensible Sprache erleichtert Zugänge, die Themen der Gedichte lassen Wiedererkennen und selbst Erlebtes herauf scheinen, die gekonnte Kombination von Ansprache und Anrühren der eigenen Erfahrungen des Lesers machen dieses Werk zu einem wertigen, weit über den Tag hinausweisenden literarischen Beitrag hoher poetischer Qualität für uns alle.

Uli Rothfuss, Nachwort, März 2018

 

Die Gedichte Robert Şerbans

sind gesättigt mit Wirklichkeit. In zugleich schlichter und suggestiver Sprache erzählen sie von einer harten bäuerlichen Realität, die uns in ihrer Fremdheit als Märchenwelt erscheint. Gott und Teufel kommen darin vor, gepfählte Wölfe und Frauen, die Tiere vor dem Schlachten streicheln. Doch diese Welt wird nicht als poetisches Reservat bewahrt – Robert Şerban zeigt sie uns in Konfrontation mit dem modernen Leben. So begegnen wir auch Anhalterinnen und militärischen Scannern, dem Haus des Volkes und Dustin Hoffmann. Gedichte, in denen es keinen Augenblick langweilig wird. Ich habe sie mit großem Vergnügen gelesen.

Ludwig Steinherr, Pop, Klappentext, 2018

Was mir aber vor allem Freude bereitet,

ist seine Poesie. Sie atmet den Geist der Freiheit und der Boheme, ist ruhelos, immer unterwegs. Anfangs zeigte sie ein eher ironisch-sentimentales Gesicht, ohne jedoch diese Richtung konsequent weiter zu verfolgen. Manchmal gibt sie sich intellektuell, entwickelt aber, jenseits ihres Realitätsbezugs, immer einen unersättlichen Appetit auf Fantasie. Robert Şerbans Ton wird im Laufe der Zeit immer authentischer, immer direkter – trotz oder gerade wegen seiner ironischen Weltsicht, die mit einer Distanzierung (à la Brecht) einhergeht und ein ernsthaftes Einlassen auf die rigiden Fakten, Ereignissen verweigert.

Traian Pop Traian, Pop, Klappentext, 2018

 

Beitrag zu diesem Buch:

Timo Brandt: Die kleinen Worte und der feine Tod
signaturen-magazin.de

 

Fakten und Vermutungen zum Autor

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