Wilhelm Tkaczyk: Poesiealbum 139

Tkaczyk/Rudolph-Poesiealbum 139

FRÜHLING VERDRÄNGT MICH

Sie kommen nach. Wer?
Die Nachkommen.
Sie nehmen Abschied. Wer?
Meine Freunde.
Ein Platz nach dem anderen
wird verlassen –
und neu besetzt.
Soll ich gehen?
Meine Freunde warten auf mich.
Sehr rücksichtsvoll sind zu mir
die Nachkommen.
Sie drängen mich nicht –
aber sie warten.
Und meine Freunde warten auch.
Sie haben einen Platz für mich.

 

 

 

Stimmen zum Autor

Dieser arbeitslose Genosse aus Oberschlesien ist ein bedeutender proletarisch-revolutionärer Dichter. Seine Dichtung ist reichhaltig und kühn, das tiefe und gewaltige Thema des Klassenkampfes wird in ihr nicht heruntergeleiert, es versackt nicht in Deklamation, die Schwierigkeiten und Widersprüche der revolutionären Bewegung werden mit dichterischen Mitteln gestaltet…
Johannes R. Becher

Die originale Volkstümlichkeit der Poesie Tkaczyks, ihre aus der Volkssprache gewonnene Originalität wie die unverblümte Offenheit der Selbstreflexion, die auch das Bekenntnis des schwärzesten Neides auf die „Reichen“ und vor allem ihre von ihnen schlecht genutzten Bildungsmöglichkeiten einschließt – gerade diese jeder schablonenhaften Idealisierung widersprechenden Eigenschaften lassen heute Wilhelm Tkaczyks Frühwerk als einen Höhepunkt der proletarisch-revolutionären Lyrik erscheinen und sein späteres Œuvre als einen wichtigen Beitrag zur Lyrik der DDR.
Adolf Endler

Verlag Neues Leben, Klappentext, 1979

 

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