Henry-Martin Klemt: Poesiealbum 242

Klemt-/Gentsch-Poesiealbum 242

DIE ABLÖSUNG

Sie sind aus dem Winter gekommen.
Sie gehen noch jetzt übers Eis.
Der Frost hat kaum abgenommen.
Der Frühling hat seinen Preis.

Sie werden noch lange frieren.
Sie spüren noch Stürme ziehn
Von Westen und unsre verlieren
sich auch nicht beim ersten Blühn.

Sie wollen die Söhne noch lehren,
die ersten Schwalben zu sehn,
die oft in der allzuschweren
Hitze der Städte vergehn.

Sie wissen um alle Zeiten
Im Leben der Revolution.
Sie können in einer noch streiten.
Sie gehen und brauchen uns schon.

Sie sind sich sicher geblieben:
Den Starken trifft nichts zu schwer.
Uns aber, die sie lieben,
Reicht diese Antwort nicht mehr.

Sie fürchten, der Blitz wird uns spalten,
Zweifeln wir mitten im Lauf.
Doch ihre Siege zu halten
Gegen die frühlingskalten
Gewitter: Wir geben nichts auf.

 

 

Zwischen A und O

hat ein junger Dichter Land entdeckt, Gründe, Abgründe, bizarre Schönheit. Weiß er, was ihm zugefallen ist mit Ungestüm? Mag sein, es braucht ein Leben, das Terrain auszuschreiten.
Dafür steht er ein, schreibend, daß diese Zeit ihm bleibt.

Erhard Scherner, Verlag Neues Leben, Klappentext, 1987

Die Gedichte des jungen Henry-Martin Klemt

sind im Gehalt und im Gestus so jugendlich wie er selbst, und sie zeigen erstaunliche Reife. Hier ist ein Poet, der sich tief zu ergründen sucht und doch hellwach und sensibel in unserer Wirklichkeit lebt. Vergangenheit erkundend, bewegt von den Gefährdungen und Hoffnungen der Gegenwart, will er sich und uns Zukunft aufhellen. Seine Herkunft und Hinwendung, seine Sehnsüchte und Ängste bekennt er ebenso poetisch wie entschieden.

Helmut Preißler, Verlag Neues Leben, Klappentext, 1987

 

WIE EIN GEDICHT SEIN SOLLTE
Für Henry-Martin Klemt

Ein gutes Gedicht muß locker sitzen
und scharf sein wie ein Messer
oder noch besser
voller Spitzen!
So sollte ein Gedicht schon sein –
und einen guten Kern besitzen,
der eßbar ist wie die Kastanienfrucht
und prall mit vielen Zitzen;
ein Euter, das sich seine Kinder sucht!
Ja, so sollte ein Gedicht schon sein.

Peter Wawerzinek

 

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Henry-Martin Klemt liest sein Gedicht „Höhlen Lied“.

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