Peter Hacks: Poesiealbum 57

Mashup von Juliane Duda zu dem Buch von Peter Hacks: Poesiealbum 57

Hacks/Ensikat-Poesiealbum 57

SONETT

Welt, kränkbare, wie gerne hätt ich teil
An deiner tätigen Zusammenkunft,
Doch du schmähst meiner Freude Unvernunft
Und spinnst mir Untergang aus meinem Heil,
Der Liebe, die, so anmaßlich wie du,
Mir aufsagt, wenn ich ihr nicht ganz verfall,
Und hat mich festgebannt in ein Kristall
Zweisamen Glücks und läßt kein Drittes zu.
Die Welt, sie will nicht meine Liebe leiden.
Die Liebe dringt in mich, die Welt zu meiden.
Und so, Freund zweier Feindinnen, die gegen
Mich zürnen, weil sie mich einander neiden,
Bin ich der einen gram, der andern wegen,
Und wünsch die Pest mal der, mal der, mal beiden.

 

 

 

Peter Hacks

Die Lieder und Gedichte von Peter Hacks sind Kunststücke im besten Sinne des Wortes. Sie legen Zeugnis ab von der artistischen Meisterschaft ihres Verfassers in allen nur denkbaren Formen, und sie zeigen die Welt vor: das Jahrhundert von Marx und das Jahr 1917, die Ära der Säbelkaiser und einsamen Monarchen. Wenn er Figuren aus der Antike Stimme verleiht, spüren wir schnell, daß dies nur ein listiger Umweg ist, um mit ihnen über uns zu sprechen, über den Frieden, die Liebe und ihre Bedingungen. Peter Hacks hat auch eine große Anzahl schöner Kinderlieder geschrieben, in denen es von spritzigen Geschichten, von Rätseln und Einfällen nur so wimmelt.

Aus Harald Gerlach: Poesiealbum 56, Verlag Neues Leben, 1972

An den Gedichten von Peter Hacks

fasziniert die offenkundige Lust an der Handhabung der Sprache, die gleichzeitig einen selten gewordenen formalen Reichtum zum Ergebnis hat. Diese Verteidigung des sprachlichen Ansehens der Poesie vollzieht sich vor einem vielfältigen thematischen Hintergrund, sie geschieht mit bänkelliedhafter Derbheit oder vollkommener Grazie, ironisch gebrochen oder unverstellt agitatorisch. Wortwitz und die auffallende Freude des Autors, Motive umzustülpen und zu variieren, arbeiten hier an Gedichten, deren Zeitbezogenheit über eine kurzlebige Aktualität hinausreicht.

Bernd Jentzsch, Verlag Neues Leben, Klappentext, 1972

 

 

HACKS

Dir Lieber wär ich lieber
Wenn ich den Mund halten würde
Wo kein Mund ist
Und kein Halten
Den Alten tust du feind
Und bist älter noch als sie
Versteckst dich in den Falten.
Was weißt du
Und wie?

Inge Müller

 

 

Fakten und Vermutungen zum Poesiealbum + wiederentdeckt +
Interview
50 Jahre 1 + 2 + 3 + 4 + 5 + 6

 

 

 

Zum 60. Geburtstag des Autors:

Gerhard Piens: Seine Liebe gilt den Freundlichen, den Verbreitern von Vernunft
Neues Deutschland, 19./20.3.1988

Walter Hinck: Mit Pomp
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.3.1988

Zum 65. Geburtstag des Autors:

Heidi Urbahn de Jauregui: Der verbotene Dichter
konkret, Heft 3, 1993

Werner Schulze-Reimpell: Der aus dem Westen kam
Stuttgarter Zeitung, 19.3.1993

Werner Liersch: Der Medienpoet wird gemacht, der Poet geboren
Berliner Zeitung, 20.3.1993

Reinhard Tschapke: Bequem zwischen allen Stühlen
Die Welt, 20.3.1993

Peter Mohr: Klassikadept mit revolutionärem Odem
Schwäbische Zeitung, 30.3.1993

Zum 70. Geburtstag des Autors:

Mark Siemons: Heilung vom Mißverständnis, verstanden zu sein
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.3.1998

Zum 75. Geburtstag des Autors:

Kerstin Decker: Klassiker live
Der Tagesspiegel, 21.3.2003

Matthias Oehme: Ein Dichter kühn
Neues Deutschland, 21.3.2003

Klaus Peymann: Gewehre auf den Haufen
Berliner Zeitung, 21.3.2003

Zum 80. Geburtstag des Autors:

Detlef Friedrich: Vom Holperstein
Berliner Zeitung, 17.3.2008

Christel Berger: Der Weltverbesserer
Neues Deutschland, 20.3.2008

Reinhard Wengierek: „Ach Volk, du obermieses, auf dich ist kein Verlass“
Die Welt, 20.3.2008

Jens Bisky: Also ist die Lösung nicht die Lösung
Süddeutsche Zeitung, 20./21.3.2008

Ursula Heukenkamp: „Eine Sache, die der Weltgeist vorgesehen hat, auf die kann man sich dann auch verlassen.“
Peter Hacks und die große Fehde in der DDR-Literatur. Zum 80. Geburtstag.
Zeitschrift für Germanistik, 2008, Heft 3

Georg Fülberth: Ein Dichter für alle
der Freitag, 19.12.2008

Nachrufe auf Peter Hacks: Der Tagesspiegel 1 + 2 ✝ Die Welt ✝ BZ ✝
Der Standart ✝ die taz ✝ NZZ ✝ der Freitag 1 + 2

Weitere Nachrufe:

Christian Eger: Rote Sommer, verweht
Mitteldeutsche Zeitung, 30.8.2003

Martin Halter: Der sozialistische Klassiker
Badische Zeitung, 30.8.2003

Hartmut Krug: Goethe und Stalin
Frankfurter Rundschau, 30.8.2003

Gerhard Stadelmaier: Der Marxist von Sanssouci
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.8.2003

Walter Beltz / Eberhard Esche / Hermann Kant / Matthias Oehme: Zum Tode von Peter Hacks
Neues Deutschland, 30./31.8.2003

Jens Bisky: Der saure und der faule Apfel
Süddeutsche Zeitung, 30./31.8.2003

Mario Scalla: Klassiker
der Freitag, 5.9.2003

Irene Bazinger: Wo die Muse wohnt
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 6.9.2003

Martin Linzer: Zum Tod von Peter Hacks
Theater der Zeit, Heft 10, 2003

Wiglaf Droste: Es gibt kein Recht auf Heiterkeitsverzicht
das Blättchen, 30.8.2010

Fakten und Vermutungen zum Autor + Facebook + Archiv + KLG +
Internet Archive + Kalliope und mehr
Porträtgalerie: deutsche FOTOTHEK

 

Bild von Juliane Duda mit den Zeichnungen von Klaus Ensikat und den Texten von Fritz J. Raddatz aus seinem Bestiarium der deutschen Literatur. Hier „Hacks, der“.

 

Peter Hacks – MDR artourinfoclip vom 27.3.2008 zum 80. Geburtstag.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

0:00
0:00