Andreas F. Kelletat: Zu Volker Brauns Gedicht „Nach dem Treffen der Dichter gegen den Krieg“

Mashup von Juliane Duda zu der Beitragsserie „Im Kern“

Im Kern

– Zu Volker Brauns Gedicht „Nach dem Treffen der Dichter gegen den Krieg“ aus Volker Braun: Wir und nicht sie. –

 

 

 

 

VOLKER BRAUN

Nach dem Treffen der Dichter gegen den Krieg

Was bleibt, frage ich mich, von euern Worten
Keiner sonst hält sie, und das Gedächtnis
Ist sterblich und das Papier bricht
Einer redet dem andern zu, beide werden begraben
Vom gelben Blatt eh es verfallen ist
Schreibt sich das blanke her, zahllose Neudrucke
Behaupten jeden Satz neu, hohe Auflagen
Retten den Satz des Sokrates, durch den er berühmt ist. 

Aber das fragt ihr euch nicht, ist das nicht viel
Was die geduldige Luft trägt, aber ihr redet
Und ruft, wen alles, und an berufener Stätte
Wo jeder Rinnstein großherzoglich-weimarsch riecht: hier
Sprachen schon andere, sag ich, und die
Hatten den Hexameter auch nicht erfunden:
Ist es der Mai, aber ihr fragt nicht, oder weil ihr von weither
Gekommen seid aus unsern finsteren Zeiten
Und aus den fünfzig Landschaften des Krieges, hier
Sprecht jetzt ihr, wer zählt die Worte, die kleinen
Gewichte, die die Seele auslasten: was
Bleibt, frage ich mich, von euern Worten

Oder von dieses Baums Blüten, aus dem Park
Aus dem Mai, jede Wiese
Geht aus sich, nicht weil hier Goethe ging
Jeder Busch bauscht sich über dem Sommer auf, der Wind
Orgelt in tausend Zeugungsorganen, das wirbelt
Staub auf aus allen Gefäßen – wozu
Der Aufwand an Absenkern, warum nicht, Linde, gelinder?
So große Verschwendung: was schwände
Nicht ohne sie? Ohne Überfluß: wo
Flösse der Fluß noch? Nur was so aufsteht
Setzt sich durch. Nach dem maßlosen Mai, mäßig
Erhält die Natur sich und

Die Menschheit auch. So bäumt ihr euch auf
Und zeigt Blätter. Zahllose, mit euern Worten
Randvoll: was bleibt, aber so
Bleiben wir leben. Mit großem Aufwand
Dies Mindeste. Da ist so viel zuviel, doch weniger
Wäre zuwenig. Denn noch sind wir, redend zwar
Natur. Und wieviel Kraft ist vertan
In unserm Dickicht. Die Gesetze
Die allen den Plan geben und die Tropfen dem Eimer
Sind kaum erkannt und
Fast unbekannt. So fehlt dem Leben die Kunst.

 

Im Dickicht der Widersprüche. 

Redner, steckt weg eure Zettel. Nichts mehr davon,
ich bitt euch.

Volker Braun: „Kultur in Weimar“

Schriftsteller, so will es ihre Arbeit, sind Einzeltäter. Wenn sie dennoch zu gegebener Zeit und aus gegebenem Anlaß in großer Zahl an einem Ort zusammenkommen um Aufrufe, Resolutionen und Solidaritätsadressen zu verlesen, beschleicht viele von ihnen ein ungutes Gefühl. Er habe sich erholen müssen, schreibt Johannes Bobrowski Anfang Juni 1965 an Manfred Peter Hein, „von diesem Weimar, wo es laut war mit vielzuviel Leuten, wenn nicht die Finnen und einige Polen, ein Litauer, ein Lette, ein Este und Saroyan und Déry gewesen wären: ein Babel (,daß wir uns einen Namen machen‘)“. Ein Babel – das war es wohl auch, jenes Treffen von Schriftstellern aus über fünfzig Ländern, „aus den fünfzig Landschaften des Kriegs“ (17), in Berlin und Weimar vom 14. bis 22. Mai 1965. Nicht nur weil dort „jeder Rinnstein großherzoglich-weimarsch riecht“ (12), hatten sich die Veranstalter für die „Stadt der deutschen Klassik“ („Ruf aus Weimar“) entschieden, sondern auch, weil hier „1945 der Schwur der antifaschistischen Kämpfer von Buchenwald in den Sprachen vieler Nationen erklungen ist“ (ebd.). Man war zusammengekommen, um, wie Volker Braun in den Anmerkungen zu seinem Gedichtband Wir und nicht sie mitteilt, „gegen die neuen Bedrohungen der Menschheit aufzurufen“, gegen Amerikas militärisches Eingreifen in Vietnam, in Santo Domingo, gegen den drohenden Atomkrieg.
Über den Sinn dieser (für die um internationale Anerkennung bemühte DDR wichtigen) Veranstaltung und im weiteren über die grundsätzlichen Wirkungsmöglichkeiten von Kunst auf die historische Entwicklung spricht Volker Braun in seinem Gedicht „Nach dem Treffen der Dichter gegen den Krieg“. Es ist nicht das erste Mal, daß sich Braun, der in seinen frühen Gedichten selbst eine erhebliche Lautstärke anschlägt, über die Wortinflation der Festtagsreden mokiert. Den Gedichtband Wir und nicht sie (vgl. Klopstocks Ode von 1790 „Sie, und nicht wir“) eröffnen die Zeilen: 

Zufriedne Helden schanzen sich in den Ebenen ein
Auf die Schminktöpfe trommeln die Heilskünstler, Lob
Trieft aus den Blättern, jeder Furz klingt als Fanfare
Revolutionäre bitten, den Status bald zu bestätigen
Die permanente Feier verkünden Schaumschlägertrupps –

Das erinnert an Enzensbergers „An alle Fernsprechteilnehmer“, und von „erloschenen Resolutionen“ könnte auch in unserem Text die Rede sein.
Vers 1 kehrt Hölderlins zu oft feierlich zitiertes „Was bleibet aber, stiften die Dichter“ in die – zunächst an sich selbst gerichtete – Frage „was / Bleibt […] von euern Worten“ (19f.). Die erste Antwort ist Zweifel. Nichts wird bleiben. Das Papier zerfällt, auch das Gespräch rettet nichts:

Einer redet dem andern zu, beide werden begraben
Vom gelben Blatt (4f.).

Dann jedoch folgt schon der Widerspruch, die Gegenthese:

Vom gelben Blatt […]
Schreibt sich das blanke her, zahllose Neudrucke
Behaupten jeden Satz neu (5–7).

Das Gedicht entfaltet seine antithetische Struktur, es wird sie beibehalten bis in die letzte Zeile. Durch die Unbestimmtheit des Übergangs von Vers 4 zu Vers 5 (Zeilensprung oder kein Zeilensprung) wird der Leser hineingezogen in das vertrackte Einerseits/Andererseits, er muß sich für eine Lesart entscheiden. Als Beleg für die fortdauernde Wirkung der „Worte“ nennt Braun den „Satz des Sokrates, durch den er berühmt ist“ (8) – einen Satz also, der von seinem Urheber gar nicht aufgeschrieben wurde, sondern seine Überlieferung der späteren Aufzeichnung verdankt. Selbst das nur gesprochene Wort bleibt erhalten, die Sentenz aus Platons „Verteidigung des Sokrates“:

Ich weiß, daß ich nichts weiß („Apologie“ 21d).

Die listige Pointe, mit der die nach Rede und Widerrede erlangte Gewißheit, daß nichts von den Worten verlorengehe, in jenes fatale „Ich weiß daß ich nichts weiß“ mündet, ist jedoch nicht ausschlaggebend für den Rückgriff auf Sokrates. Braun adaptiert vielmehr die dialektische Methode des griechischen Philosophen, der – ausgehend von subjektiven Erfahrungen und Beobachtungen – im Dialog nach objektiver Erkenntnis strebt. Im Gespräch nur, in Rede und Widerrede zeigt sich für Sokrates der „über allen stehende Logos, der alle in seine Gesetze zwingt“ (Ernesto Grassi). Auf diesen Gedanken werden wir bei der Analyse der Verse 40–43 zurückkommen.
Die zweite Strophe variiert und steigert die Frage aus Vers 1 bis zu der naßforschen Formulierung der Verse 12–14, die sich gegen die Selbstüberschätzung der an „berufener Stätte“ versammelten Schriftsteller richtet. Aber es bleibt nicht bei dem Vorwurf, in der zweiten Hälfte der Strophe wird nach den Gründen für das überlaute Reden und Rufen gefragt. Brechts „finstere Zeiten“ (16; wobei den Leser in der DDR das Pronomen „unsern“ stutzig machen müßte) verweisen auf den Anlaß des Treffens in Weimar, auf den Anteil, den auch die Schriftsteller am Widerstand gegen den Faschismus gehabt haben. Daß sie nun aus den „fünfzig Landschaften des Kriegs“ (17) zusammengekommen sind, sollte das nicht reichen als Rechtfertigung für die Appelle gegen die erneute Bedrohung der Menschheit? Aber wie wird in Weimar gesprochen? „wer zählt die Worte, die kleinen / Gewichte, die die Seele auslasten“ (18f.) – das heißt doch, daß sich die Schriftsteller nicht an den Verstand ihres Publikums wenden, sondern an dessen Gefühl. Eine solche „Gemütserregungskunst“ (Novalis) kann der Brecht-Schüler Volker Braun nicht akzeptieren. Er beendet die Strophe mit der jetzt resigniert klingenden Eingangsfrage „was / Bleibt, frage ich mich, von euern Worten“.
Der tiefe Einschnitt des Gedichts zwischen der zweiten und dritten Strophe gibt uns Gelegenheit, einen Moment innezuhalten und die formale Struktur des Textes näher zu betrachten. Sie erweist sich bei genauerem Hinsehen als weit entfernt von jeder Beliebigkeit. Die Aufnahme von Zitaten in das Gedicht wurde bereits angedeutet. Braun nutzt sowohl die ausdrucksstarke Bildhaftigkeit der Umgangssprache (12, 14) wie auch „markante Stellen klassischer Dichtung“ (Hartinger, S. 157). Daß sich Volker Braun „mit unseren Bildungsunterlagen (Klopstock, Hölderlin) ganz neu ins Benehmen gesetzt“ hat (Peter Rühmkorf), zeigt sich auch im Bewegungsverlauf des Gedichts. Zwar gehorchen die Zeilen nicht einem der bekannten metrischen Schemata, jedoch sind sie mit einem genau berechneten Netz lautlicher und rhythmischer Entsprechungen überzogen. Das Gedicht kann nicht in einem mit willkürlichen Betonungen durchsetzten Parlando gelesen werden, vielmehr wird der Leser in einen mal stockenden, mal beschleunigten Redefluß genötigt. Dem antithetischen Gedankengang entspricht diese mit Versatzstücken aus der klassischen Metrik angereicherte freirhythmische Sprache. „Dialektisch zu strukturieren verstanden auch die klassischen Dichter, in bewußter Rezeption der Philosophen“, schreibt Braun 1966 in seinem poetologischen Aufsatz „Eine große Zeit für Kunst?“. Über Hölderlin heißt es in diesem Zusammenhang:

Er hat Kampf und Einheit der Gegensätze immer bewußter zu seiner Methode gemacht. Teilen und Vereinigen der Motive, Strophe gegen Strophe […] Strophengruppen gegeneinander als Negation der Negation.

In der Beschäftigung mit der Philosophie und den klassischen Dichtern entwickelt Volker Braun seine materialistische Ästhetik:

Die Gesetze der Bewegung der Wirklichkeit müssen Gesetze des strukturellen Aufbaus des Gedichts sein. („Eine große Zeit für Kunst?“, S. 24)

Auch die dritte Strophe belegt, wie Braun bis ins kleinste sprachliche Fügungen diese Ästhetik anzuwenden weiß. Sie zeigt zugleich, wie der mit dieser Methode verbundenen Gefahr entgangen wird, daß sich die einzelnen Bestandteile des Gedichts, die Thesen und Antithesen, verselbständigen, daß das Gedicht in miteinander unverbundene Strophen und Zeilen zerbricht. Denn Strophen- und Zeilensprung schaffen immer dort wieder Verbindungen, wo Rede und Widerrede zunächst unvereinbar aufeinanderstoßen. Selbst der Eindruck der Finalität, der sich am Ende von Vers 20 aufdrängt, wird durch einen – erst beim Weiterlesen erkennbaren – Strophensprung wieder aufgehoben. Strophen- und Zeilensprünge tragen außerdem maßgeblich zur Dynamisierung und Rhythmisierung des Gedichts bei, besonders wenn ihnen geschlossene syntaktische Einheiten unmittelbar vorausgehen (24/25, 26/27, 29/30, 31/32, 32/33). Neben die bewußte Durchformung des Rhythmus tritt im zweiten Teil des Gedichts eine Fülle von Stab- und Binnenreimen bis zu der wuchtigen Fügung in Vers 31, in dem drei aufeinander folgende Wörter miteinander staben (maßlos, Mai, mäßig). Über ein Dutzend Stabreime benutzt Braun im zweiten Gedichtteil. Dieses Ausschöpfen dichterischer Möglichkeiten, die „Verschwendung“ von Alliterationen, die in dialektischem Spiel sich gegeneinander kehren (27–30), das ganze Feuerwerk poetischer Einfälle, die noch ergänzt werden durch die komische Abwandlung von Goethes „Maifest“ in den Versen 22/23, korrespondiert mit der Naturmetaphorik der dritten Strophe, setzt sie auch klanglich und rhythmisch ins Bild. Die Natur benötigt die Verschwendung zur Erhaltung ihrer selbst, so die Aussage. Der Leser mag zunächst rätseln über den Zusammenhang zwischen Naturbild und dem Inhalt der beiden vorangegangenen Strophen, er mag allenfalls durch die Korrespondenzen Mai/Mai (15/22) und Weimar/Goethe (12/23) eine inhaltliche Verbindung herstellen. Doch erst der Strophensprung (32/33) schafft Klarheit: Wie die Natur sich durch jenen „Aufwand an Absenkern“ (27) erhält, so können auch die Schriftsteller mit zahllosen, randvoll beschriebenen Blättern (34) ihren Teil dazu beitragen, daß wir leben bleiben (36). Damit schließt sich – nach dem Gedankengang der ersten Gedichthälfte – eine weitere Argumentationskette.
Die Leichtigkeit, mit der Braun in der dritten und zu Beginn der letzten Strophe die Widersprüche fast übermütig gegeneinandersetzt. scheint zunächst in eine Zirkelhaftigkeit zu münden, in der die Realität zu einem Kopfstand ansetzt, nur um mehr Aufmerksamkeit zu erregen. Doch es geht Volker Braun nicht um die Faszination des Paradoxen. Vom antithetischen Gang seiner Gedichte verlangt er nicht nur, daß in ihnen die „Widersprüche sozusagen strophisch miteinander kämpfen“ („Das Wir und das Ich“, S. 322), er will sie „an das Ende der Vorgänge“ führen. Was heißt das für dieses Gedicht?
Die Antwort ergibt sich aus der Analyse der letzten Zeilen, die äußerst komprimiert die Zusammenhänge von Natur, Kunst und gesellschaftlichem Wandel darzustellen versuchen (38–43). Über die zentralen Begriffe der vierten Strophe (Gesetze, Kunst, Natur) schreibt Braun in dem schon erwähnten Aufsatz „Eine große Zeit für Kunst?“:

[…] und Goethes „Wem die Natur ihr offenbares Geheimnis zu enthüllen anfängt, der empfindet eine unwiderstehliche Sehnsucht nach ihrer würdigsten Auslegerin, der Kunst“ [„Maximen und Reflexionen“, 720] gilt wohl auch für die Natur der Gesellschaft, deren Gesetze sich uns enthüllen.

An welche Gesetze denkt Braun? Was muß sich da enthüllen, damit eine „große Zeit für Kunst“ beginnen kann? Die Antwort enthält Vers 41, der die jahrhundertelang gültige Überzeugung negiert, daß die Natur nur als Schöpfung Gottes begriffen werden kann. Die Negation erfolgt durch ein Zitat aus Klopstocks berühmter Hymne „Die Frühlingsfeyer“ (1759/71): 

Nur um den Tropfen am Eimer,
Um die Erde nur, will ich schweben, und anbeten!
Halleluja! Halleluja! Der Tropfen am Eimer
Rann aus der Hand des Allmächtigen auch!

Parodierend, durch die Verwendung des Plural „die Tropfen“, wird Klopstocks Metapher zerstört: Nicht Gott schafft und regiert die Welt, sondern – wie in der Natur – bestimmen erkennbare Gesetze den Lauf der Menschheitsgeschichte. Diese Gesetze, von denen schon die Schulkinder in der DDR lernen, daß Marx und Engels sie entdeckt haben, „Sind kaum erkannt und / Fast unbekannt“ (42/43). Weil ihre „Entdeckung“ erst kurze Zeit zurückliegt, weil sie ständig „schöpferisch weiterentwickelt“ werden müssen und weil viele (wohl auch unter den in Weimar versammelten Schriftstellern) von ihrer Gültigkeit bisher nicht überzeugt werden konnten, sind wir „redend zwar“ noch „Natur“ „Natur“ ist hier zu verstehen nicht als „dieses Baums Blüten“ (21), sondern als „terminus a quo der Freiheit und deren Verwirklichung […] als Heraustreten aus der Natur“ (Spaemann, S. 963), im Sinne der Forderung Kants „der Mensch solle aus dem ethischen Naturzustand herausgehen, um Glied eines ethischen Gemeinwesens zu werden“ (ebd.). Hegel spricht vom Verharren in der Natur als dem Bösen, und für Marx schließlich sind die vorsozialistischen gesellschaftlichen Strukturen „naturwüchsig“.
Endet das Gedicht also mit einem letzten Widerspruch im Namen der reinen Lehre – hier die Erkenntnisse der Klassiker des historischen Materialismus, dort die bornierten Schriftsteller, die sie nicht nachvollziehen und anwenden wollen? Nein, die ,Widerspruchskunst des Volker Braun‘ ist diffiziler. Sie sucht nicht nach den Widersprüchen zur Realität, das wäre billig, sie sucht die Widersprüche in der Realität (Nemetz, S. 44 ), um sie von dort an ihr Ende zu treiben. Dieses Ende, der Aufbau einer humanen sozialistischen Gesellschaft, wird von Braun allerdings nie in der Manier sozialistischer Panegyrik als längst erreicht beschrieben.
Obwohl schon so viel Kraft in dem „Dickicht“ der Widersprüche vertan ist, steht alles noch am Anfang. Seinem jüngsten Gedichtband gab Volker Braun den Titel Training des aufrechten Gangs (Halle 1979). Er bekennt sich damit ausdrücklich zur Philosophie Ernst Blochs. Bloch hat den Schlußgedanken unseres Gedichts bereits am Ende seines Hauptwerks Das Prinzip Hoffnung ausgesprochen:

Der Mensch lebt noch überall in der Vorgeschichte, ja alles und jedes steht noch vor Erschaffung der Welt, als einer rechten. Die wirkliche Genesis ist nicht am Anfang, sondern am Ende, und sie beginnt erst anzufangen, wenn Gesellschaft und Dasein radikal werden, das heißt sich an der Wurzel fassen.

1

Andreas F. Kelletat, aus Walter Hinck (Hrsg.): Gedichte und Interpretationen. Band 6 Gegenwart, Philipp Reclam jun. Stuttgart, 1982

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