Miron Białoszewski: Wir Seesterne

Białoszewski: Wir Seesterne

WIR SEESTERNE

Das sind nicht nur
verlorene Haare.

Ein verlassener Ort
tut oft weh.

Wir vermehren uns
verstümmelt
durch Sehnsüchte.

−           −

Wir sind Seesterne.

−           −

Von nichts abgegrenzt.
Verloren Verteilte.

 

 

Miron Białoszewski (1922–1983)

zählt zu den eigenwilligsten polnischen Dichtern des 20. Jahrhunderts. Hierzulande kaum beachtet, führen seine Werke in Polen immer wieder die Bestseller-Listen an. Zunächst als Dramatiker eines Wohnungstheaters bekannt, machte er sich mit Bänden wie Obroty rzeczy („Die Kreise der Dinge“, 1956) oder Mylne wzruszenia („Irrige Rührungen“, 1961) einen Namen als Lyriker. Białoszewski begegnet dem sozialistischen Warschauer Alltag mit Neologismen, stenographischen Kürzeln und einer gehörigen Portion Ironie. Wie Francis Ponge treibt er sein objeu mit den Dingen, dem Konkreten. Auf deutsch erschien 1994 das Prosawerk Nur das was war. Erinnerungen aus dem Warschauer Aufstand in der Übersetzung von Esther Kinsky. Die vorliegende Gedichtauswahl gibt erstmals umfassend Einblick in sein lyrisches Schaffen.

Verlag Reinecke & Voß, Klappentext, 2012

 

Ein populärer Hermetiker

– Der polnische Lyriker Miron Białoszewski in deutschen Nachdichtungen. –

Im heimatlichen Polen gehört Miron Białoszewski (1922-1983) zu den bekanntesten, ja ‒ zu den populärsten Schriftstellern der Nachkriegsliteratur. Manche seiner Gedichte hat er selbst vertont und erfolgreich vorgetragen, andere sind als Chansons in die Unterhaltungsmusik eingegangen. Białoszewskis ebenso umfangreiches wie disparates Werk, bestehend aus Lyrik und Prosa, Theaterstücken und Reiseberichten, aber auch aus hochkarätigen Erinnerungsschriften und Tagebüchern, liegt in einer zwölfbändigen postumen Gesamtausgabe vor und weist ihn heute als einen nationalen Klassiker des 20. Jahrhunderts aus.
Wenn Białoszewski ‒ im Unterschied etwa zu seinen Zeitgenossen Zbigniew Herbert oder Wisława Szymborska ‒ ausserhalb Polens bisher noch kaum wahrgenommen worden ist, hat dies gleichermassen thematische und formale Gründe. Er ist ein egomanischer Autor, für den ein Blick in den Spiegel, in die Zeitung oder in ein fremdes Gesicht, aber auch ein Wohnungswechsel oder ein schwarzgalliger Koller zum lyrischen Sujet werden kann. Er hat zudem einen Personalstil entwickelt, der sämtliche Register der polnischen Sprache in sich vereint, die Jargons der Alltagsrede und das Pathos politischer Verlautbarungen ebenso wie das Parlando des Volksmärchens, der Bibel oder des delirierenden Autisten.
Die reiche Instrumentierung seiner lyrischen und erzählerischen Rhetorik wie auch die permanenten Anspielungen auf zutiefst persönliche, meist problematische Befindlichkeiten oder auf schwerlich eruierbare historische und literarische Bezugspunkte – all das macht Białoszewskis Texte (vollends die Gedichte) für jeden Übersetzer zu einer abschreckenden Provokation. Diese wird noch verschärft dadurch, dass der Autor Grammatik und Syntax in vielen Fällen krass missachtet; dass er einzelne Verse oder Wörter mittendrin abbricht; dass er ganze Redeteile als Substantive verwendet und dass er überdies zahlreiche Begriffe nach eigenem Gutdünken umformt oder neu erstellt. Selbst polnische Leser vermögen derartige Brüche und Entstellungen nicht ohne weiteres zu überbrücken, sie aber in einer Fremdsprache unter Beibehaltung ihrer ganzen Assoziationsfülle adäquat wiederzugeben, ist ein Ding der Unmöglichkeit.
„Unübersetzbar? Nichts!“ Man erinnert sich an das hochgemute Diktum des James Joyce, und man darf sich freuen, dass ein kleiner Leipziger Verlag das Interesse und die Energie aufgebracht hat, Miron Białoszewski, so vielen Widerständen zum Trotz, ins Deutsche zu bringen. Federführend war dabei die Polonistin Dagmara Kraus, die nun für eine erste grössere Lyrikauswahl in Buchform verantwortlich zeichnet. Die zweisprachige Präsentation der Texte lässt umso deutlicher die immensen Schwierigkeiten der Übersetzung hervortreten. Eigentlich kann von Übersetzung in diesem Fall gar nicht gesprochen werden. Die mehr oder minder wörtliche Wiedergabe der Originaltexte würde im Deutschen vollends unverständliche Unsinnspoesie erbringen. Also mussten die Gedichte in der Zielsprache nicht primär nach ihrer Aussage, sondern nach ihrer Machart, ihrer lautlichen und rhythmischen Struktur nachgebaut werden. Ein riskantes Unterfangen, das hier allerdings manche Treffer für sich beanspruchen kann. Nur sollte sich der deutschsprachige Leser stets bewusst sein, dass er immer nur eine von vielen möglichen Versionen vor sich hat ‒ Białoszewski zu übersetzen ist eine kaum abschliessbare Daueraufgabe, und keine Lösung im Einzelnen wie im Ganzen kann als definitiv gelten. Was bekanntlich auf jeden starken Autor zutrifft.
Als Beispiel sei ein Gedicht angeführt, in dem Białoszewski ungeschlacht und genialisch zugleich dartut, dass er eigentlich nicht schreiben kann – allein schon die defekte Zeichensetzung und die löchrige Syntax machen es klar: „s ist dunkel hier … | was ist vom grauen Pulli zu sagen? | ‒ nichts als das. | draussen | ist die ausgepresste Zitrone vorbei | Schnee | der Baum aus Frost und Gestaltstruktur | schwätzt nicht | rauscht nicht | wo lang geht’s aus dem Wort?“ Mehr als ein rechtschaffender (und berechtigter) Übersetzungsversuch ist das nicht – das Gedicht könnte in der Zielsprache auch völlig anders daherkommen und dennoch irgendwie „entsprechend“ sein.
Die Herausgeberin scheint das genau so einzuschätzen und hat deshalb mehr als ein Dutzend deutsche Dichter eingeladen, einige kürzere Gedichte unabhängig voneinander in jeweils eigener Fassung zu übertragen. Inwieweit die Beteiligten mit den polnischen Originalen vertraut waren oder ob sie nach (wessen?) Interlinearfassungen gearbeitet haben, wird leider nicht mitgeteilt. Erwartungsgemäss resultierten aus dem kollektiven Übersetzungsversuch völlig unterschiedliche Texte, die teilweise gerade noch in zwei, drei Kernbegriffen miteinander übereinstimmen. Von den vierzehn Varianten zu einem melancholischen lyrischen Selbstportrait des Autors erweist sich die Fassung von Ulf Stolterfoth als besonders gelungen. Obwohl die Nachdichtung in Sachen Wörtlichkeit manches zu wünschen lässt, wird sie dem Original in klanglicher Hinsicht optimal gerecht. Man beachte die gehäuften Alliterationen (mann/manisch/mache etc.) und die diskret verteilten lautlichen Entsprechungen (wörterns/möchten/örterns): „martert mann miron sich selbst martert | manisch seines wörterns unvermöchten | untauglicher mache | örterns“. Aber eben: Dazu gibt es in dem Band dreizehn weitere Eindeutschungen zu lesen, die alle in irgendeiner Weise zum Original „passen“ und es jeweils doch, ohne fehlerhaft zu sein, verpassen. Insgesamt: mehr als ein Lesevergnügen – ein Leseabenteuer; und nicht zuletzt ein Anstoss für weiterführende übersetzerische Dialoge mit Miron Białoszewski.

Felix Philipp Ingold

Wir Seesterne: Der Versuch,

den polnischen Dichter Miron Białoszewski endlich mal zu übersetzen

Jedes Bändchen ist ein kleines Wagstück, das Bertram Reinecke vorlegt. Dringt es durch? Erreicht es wenigstens die Lesergruppe, die sich mit industrieller Fertignahrung nicht zufrieden gibt? Die auch mal den Spaß an Sprache zu genießen weiß und für Neu- und Wieder-Entdeckungen offen ist? – Miron Białoszewski ist so eine Wiederentdeckung.
Für den deutschen Buchmarkt ist der polnische Lyriker auch so etwas wie eine Entdeckung überhaupt. Auf dem deutschsprachigen Markt ist bislang eigentlich nur sein Buch Nur das was war. Erinnerungen aus dem Warschauer Aufstand präsent – oder auch wieder nicht. Es ist vergriffen. Aber so hat man eine Verortung. Denn während des Warschauer Aufstands war der 1922 geborene Dichter jung. Jung war er auch noch in den 1950-er Jahren, die nur dann altbacken, grimmig und farblos aussehen, wenn man sich auf die Ladenschwengel der Politik konzentriert. Dabei war es das Jahrzehnt, in dem europaweit experimentiert wurde. Dort, wo es die neuen Ordnungsmenschen zuließen: in der Kunst, auf der Bühne, in der Literatur.
Und das Faszinierende dabei: Es geschah europaweit gleichzeitig. Trotz „Eisernen Vorhangs“. Trotz Sprachbarrieren. Leute wie Hans Magnus Enzensberger waren energisch dabei, dieses Novum auch publizistisch sichtbar zu machen und eine europäische Literatur- und Diskurszeitschrift auf die Beine zu stellen. Damals noch recht westeuropäisch gedacht. Aber auch eine Publikation wie Sinn und Form in der DDR war in größeren Dimensionen gedacht. Und sie hatte unter Peter Huchel 1949 bis 1962 auch diese Dimension – bis ihn die Nomenklatura 1962 zum Rücktritt zwang.
Die 1950-er Jahre waren auch im Osten Jahre der Experimente, der Hoffnung darauf, dass die großmäuligen Versprechen der Politik nach 1945 auch eingelöst wurden. Wurden sie bekanntlich nicht. Nicht in Ost und nicht in West. Ein europäischer Diskurs war so nie gewollt. Da und dort berührten sich die Welten trotzdem, kamen die Autoren in Kontakt, tauschten sich aus, nahmen wahr, dass man auch jenseits der Grenzen das Neue wagte. Und 1956 war es auch Miron Białoszewski noch möglich, in Polen seinen ersten Gedichtband zu veröffentlichen: Obroty rzeczy („Die Kreise der Dinge“, 1956), das Buch, das sich der österreichische Dichter Gerhard Rühm bei seinem Warschau-Aufenthalt 1956 besorgen konnte. Rühm gehört zur gar nicht so kleinen Garde deutschsprachiger Autoren, die man der „Konkreten Poesie“ zurechnet.
Das ist eine Lyriktradition, die sich auf das beziehen durfte, was in den 1920-er Jahren in der deutschsprachigen Lyrik möglich war. Sie durfte mit Recht auf August Stramm, Kurt Schwitters, Gertrude Stein, Carl Einstein und Paul Scheerbart verweisen. Die Kollegen, mit denen Rühm sich eines Geistes wusste, waren Hans Carl Artmann, Eugen Gomringer (dessen Tochter Nora heute zu den gefeierten Lyriktalenten in deutscher Sprache gehört), Helmut Heißenbüttel sowie Ernst Jandl, um nur die bekanntesten Namen zu nennen.
Und wenn dann ein Rühm in Warschau staunt, dass ein Miron Białoszewski dort wirken darf (nicht kann, sondern darf), dann ist das ein Fingerzeig. In einem kleinen Nachwort in diesem Auswahlbändchen erzählt er davon. 1961 kam von Miron Białoszewski noch „Mylne wzruszenia“ („Irrige Rührungen“, 1961), und das war’s dann im Wesentlichen auch. Dann verlor auch Polen diesen leichten Atem der Freiheit. Und als Białoszewski 1983 starb, war er selbst eigentlich schon Legende. Auch wenn seine Gedichte bis heute in Polen beliebt sind.
Eine Schwierigkeit für den Ruhm außerhalb der Landesgrenzen spricht Rühm an: die Sprachbarriere. Die in Deutschland in Bezug auf Polen auch immer mit einer Aufmerksamkeitsbarriere verbunden war. Während der westliche Buchmarkt sich am anglo-amerikanischen orientierte und dem Osten zumeist eher ein Achselzucken gönnte, feierte man in der DDR zwar gern Völkerfreundschaft, doch was da in Polen gedruckt wurde, war den Wärtern des richtigen Weges zumeist viel zu suspekt.
Viel hat sich daran nach 1989 nicht geändert. Heute zählt fast nur noch die Rendite. Da sucht man auch die Bändchen mit den namhaften Autoren der Konkreten Poesie aus Deutschland fast vergeblich in den Buchläden. Dass Białoszewski jetzt mit diesem kleinen Auswahlbändchen spät dennoch ankommt hierzulande, ist der Wrocławer Dichterin und Übersetzerin Dagmara Kraus zu verdanken. Und wer mit dem Ende des Büchleins beginnt, bekommt so eine Ahnung, wie komplex hier die Arbeit des Übersetzens war. Zu drei Gedichten von Miron Białoszewski hat Betram Reinecke nämlich ein paar junge deutsche Lyriker gebeten, eine Nachdichtung zu versuchen. Einige hat er auch selbst probiert. Die Titel der Gedichte kann man gar nicht herschreiben – außer auf polnisch. Denn das Spiel mit den Worten, ihren Anklängen, Verwandlungsmöglichkeiten beginnt Miron Białoszewski schon im Titel. Die Worte werden vieldeutig, beginnen sich, kaum dass man sie gefasst zu haben scheint, zu verwandeln.
Dabei werden aus Eindrücken und Szenen, wie man sie auch sonst in der Lyrik findet, unverhoffte Ausbrüche. Der Text verändert schnurstracks die Richtung. Mal hebt er ab und aus einem Schiffsausflug wird ein ironischer Verweis auf die gesehene Idylle mit Wolken. Aus einer flapsigen Äußerung, die den Dichter eben noch gekränkt haben muss („ich bin / ich bin dumm“) wird ein kleiner philosophische Balletttanz mit der fröhlichen Erkenntnis, dass man ja doch so ist, wie man ist – und dass man damit durchaus mit sich in Reinen sein kann.
Das kommt alles leicht daher, wie hingetänzelt. Hier schnappt sich einer die Bilder, Eindrücke und Phrasen, spielt ein bisschen damit herum, scheucht den Leser durch drei, vier Abirrungen, Fort-Schweife und um kleine tückische Ecken – und siehe da: Das Ding entpuppt sich als fröhlicher Spaß, als listige Demontage des Ach-so-Sicheren. Hier nutzt einer die Möglichkeiten der Sprache, um aus den starren Rastern herauszukommen, sich das Leben neu anzupassen. Man lese nur das burschikose Gedicht vom „Schnäbi“. Und wer mit den Worten und ihrer Substanz derart innig umgeht, dem kann’s natürlich auch passieren, dass er in die Worte hinfällt und nicht wieder rauskommt („Ich kann nicht schreiben“).
„Da ist jeder Satz eine Aufgabe. Dieses Aufbrechen, Klittern, Neuschaffen von Sprache“, zitiert der Verlag die Lyrikerin und Übersetzerin Esther Kinsky, „dieser unglaubliche, aus allem Gesehenen, Gehörten, Gelesenen erschriebene Kosmos aus Worten…“ Und das auf polnisch. Da wird auch jede Übersetzung zu einem Kosmos. Und die Nachdichtungen am Ende des Büchleins zeigen, wie schon ein anderer Charakter des Übersetzers dazu führt, dass ein ganz anderer Text draus wird. Genauso verspielt, kompakt und irritierend wie wohl der Ausgangstext. Und trotzdem. Man merkt, wie da einer sich schinden wollte und musste mit seiner Sprache. Mirons Martyrium. Oder „Mirtyrium“, wie es Dagmara Kraus übersetzt. „kannstunichtsmitworten / ein wankelnder Wastu…“ Aber da muss einer als Dichter erst mal hinkommen, an diese Stelle, wo die Sprache selbst anfängt zu Keuchen, weil sie den Wünschen des Schreibers nichts mehr entgegenzusetzen hat.

Ralf Julke, Leipziger Internet Zeitung, 19.4.2012

Zu Miron Białoszewski Wir Seesterne

Es gibt immer gute Gründe, das Buch eines Autors zu kaufen, von dem man noch nie etwas gehört, geschweige denn gelesen hat. Das Cover zum Beispiel; verpönt, zugegeben, aber dennoch: die Abbildung eines von Hand redigierten Schreibmaschinen-Typoskriptes hat mich tatsächlich angezogen und neugierig gemacht. Der Verlag mag eine Rolle spielen. Nach Schwedes, Bertrand und Hoprich sollte, wer Gedichte schätzt, den Verlag Reinecke und Voß ohnehin sorgfältig beobachten. Und schließlich: die Übersetzerin; wenn eine Dichterin, die einen so deutlichen eigenen Ton hat, Gedichte übersetzt, dann darf man sich das nicht entgehen lassen.
Was auch immer meine Motivation gewesen sein mag, die Entscheidung für den Kauf des Buches war richtig. Die Lebendigkeit und Präzision, die ich mit dem Bild auf dem Umschlag assoziiere, findet sich in allen Gedichten wieder; mit Miron Białoszewski hat der Verlag nach Aloysius Bertrand und Georg Hoprich erneut einen Autor der Vergessenheit entrissen, der nie hätte in Vergessenheit geraten dürfen; und die Übersetzung ist ganz wunderbar. Wenn ich dieses Urteil auch nicht auf Kenntnis der polnischen Sprache gründen kann (die ich leider nicht einmal auf Touristenniveau beherrsche), so kann ich doch beobachten, dass in den Gedichten nirgends ein falscher Ton zu finden ist, keine klapprige Unbeholfenheit, kein gestreckter oder gestauchter Vers, wie es oft in Übersetzungen vorkommt, vielleicht in manchen Übersetzungen mit mehr dokumentarischer Absicht vorkommen muss. Kraus übersetzt, als habe sie genau dieses Gedicht eben selbst schreiben wollen. Mehr mehr, schreit der Leser und wünscht sich zugleich, er könnte die Gedichte auch im Original lesen (Notiz an mich selbst: untersuche dieses Paradoxon der Übersetzung, dass, je besser die Übersetzung auf eigenen Füßen stehen kann, desto stärker der Leser sich wünscht, auch den Originaltext zu verstehen). Kraus ordnet die Gedichte in drei Kapitel, ein viertes ist Nachdichtungen verschiedener Dichter gewidmet. Die Reihenfolge der Gedichte ist nicht chronologisch, sondern thematisch, so macht diese Auswahl einen erfreulich geschlossenen Eindruck. Bedauerlich ist es dennoch, dass dabei keine Informationen zur Entstehungszeit / Erstveröffentlichung der Gedichte gegeben werden, und auch die am Ende aufgeführte Reihenfolge der Veröffentlichungen der einzelnen Stücke nur eine relative Chronologie zulässt. Bedauerlich deswegen, weil einzelne Gedichte immer wieder Autobiographisches anklingen lassen: „Ich bin rübergelaufen / in das wilde Land mit Weichsel“ heißt es im ersten Gedicht der Sammlung, im Gedicht „Erstes Fa…“ ist die Rede von einem Sanatoriumsaufenthalt, in „Irrige Rührung“ heißt es: „der Białoszewskige nickt ein / und das passt ihm nicht“. Hier wüsste ich gern mehr.
Zwei Eigenschaften sind es, die die Gedichte Białoszewskis mir so wertvoll machen: zum einen die Liebe zum Wort, die sich immer wieder zeigt, zum anderen der Ton, der stets behutsam bleibt, auch wenn große Themen angesprochen werden. Niemals dröhnt es aus diesen Gedichten, nichts kommt mit großer Geste daher, nichts wirkt gewollt. Wunderbar lakonisch etwa platziert Białoszewski einen Kuhfladen in das Gedicht „Länger weiden“:

LÄNGER WEIDEN



heute wittert der Treiber der Zeit
einen Duft von Päonien und Cellos,
recht findig, es wirkte
er kehrte um
mit der Zeit wie mit Kühen
blieb stehen
kehrte wieder um
denn er erinnerte sich
an die Angst vor dem Rückwärts
und dann ging er dem Schwanz der Zeit nach
so langsam
dass die Zeit schier… einen Haufen machte

Vieles ließe sich hier noch anführen („den Tod den Tod / so übergroß / dass die Lust vergeht / am Stolz des Sterbens“, „Am Faden entlang / blicke ich in die Ecke / zum Knäuel aufgewickelt / liegt die Unendlichkeit“: das sind Verse, in die man sich verlieben kann. „Die Ballade vom Heruntergehen zum Laden“, da verliebt man sich gleich schon in den Titel.) Worte werden in diesen Gedichten benutzt, nicht weil sie groß und bunt sind und gut klingen, sondern weil der Dichter sie geprüft hat; „und schält man die Worte ab von den Dingen / schrumpfen sie nicht / sie büßen nichts ein“ so beginnt das Gedicht „Schälen“, und zehn Seiten später beweist uns das Ende des Gedichtes „Selbst, ach, selbst wenn sie mir den Ofen nähmen …“ dass das stimmt:

Und mir reicht das
große bloße Loch
große-bloße-loch
gro-ße-blo-ße-loch
großebloßeloch.

Ebenso lakonisch und präzise ist Białoszewski Arbeit an der Bestimmung der eigenen Position in der Welt. Der Zyklus „Auszüge vom Meer“ legt davon Zeugnis ab, in dessen letztem Gedicht es heißt: „Wir sind auf einem flachen Abschnitt einer kleinen Scheibe der Erde, / das heißt des Meeres.“
Wem aus Mangel an Sprachkenntnissen verwehrt bleibt, die Übersetzungen mit dem Original zu vergleichen, der bekommt glücklicherweise im letzten Kapitel „Nachdichtungen“ die Gelegenheit, Übersetzungen verschiedener Dichter zu drei Vierzeilern Białoszewskis nebeneinanderzuhalten. Wie unterschiedlich es dabei zugehen kann, zeigen schon die Überschriften zum letzten der drei Gedichte „KWADRAT MOWY O SOBIE“:

Rede von mir, quadriert (Cusanit)
Redequadrat von mir (Kraus)
Rede im Spiegel der Rede (Lange)
Redegeviert von mir (Reinecke)
Quadratisch gequatscht (Rinck)
Sprechen Quader von mir selbst (Stolterfoht)

So wünscht man sich mehr Ausgaben dieser Art, in denen nicht nur Original und Übersetzung nebeneinander gestellt werden, sondern gleich noch Übersetzungen unterschiedlicher Übersetzer dazu. Man wünscht allen weiteren Dichtern, die vom Verlag Reinecke und Voß noch zu entdecken sind, ebenso schöne Übersetzungen. Und man wünscht sich bald noch mehr von Białoszewski.

Dirk Uwe Hansen, lyrikkritik.de, 2012

Die Gedichte des polnischen Dichters Miron Białoszewski,

übersetzt von Dagmar Kraus, frappieren. Sie wirken auf den ersten Blick simpel und sehr reduziert.

STUDIUM DES SCHLÜSSELS

Der Schlüssel
riecht wie Nagelwasser
schmeckt nach Elektrizität
und als Frucht
aaaaaaaaaaist er herb
aaaaaaaaaaunreif
aaaaaaaaaaan sich ganz und gar
aaaaaaaaaaKern.

Oft auf lapidare Dinge wie Sinneseindrücke fokussiert geben sie alltägliche Dingen wieder, entfachen dennoch, meist zum Ende hin, in Texten wie „Bemusung“ oder einer selbstironischen „Ode“ über einen bekommenen und wieder genommenen Ofen oft ihr ganzes sprachgewaltiges Potenzial.

Armin Steigenberger
aus: Armin Steigenberger: Eine erstaunliche Mixtur im Zeichen des Experiments, fixpoetry.de, 2.4.2012

Als auf­regends­te Ent­deckung des Heftes

darf der polni­sche Poet Miron Białoszewski gelten, der raue Alltags­sprache, Stottern, Lallen und schräge Neo­logismen in seine Dichtung integriert. Als Über­setzerin dieser fabel­haften Texte von Białoszewski überzeugt Dagmara Kraus, die soeben mit dem Band kummerang ein fantas­tisches Lyrikdebüt vorgelegt hat.

Michael Braun
aus: Michael Braun: Zeitschriftenlese, poetenladen.de, 18.4.2012

 

Weitere Rezension zu diesem Buch:

Armin Steigenberger: Ich kann nicht schreiben
poetenladen.de

 

Die Verwortung der Welt

– Miron Białoszewski. –

Miron Białoszewski wurde am 30. Juni 1922 in Warschau geboren. Seine Familie gehörte zum alteingesessenen Warschauer Handwerker-Milieu. Die bescheidenen Verhältnisse, in denen er aufwuchs, beschreibt er in „Das alte Leben“. Sein Großvater war Tischler, die Mutter Schneiderin, der Vater arbeitete hier und da, schließlich als kleiner Beamter in einem Ministerium.
Als die Deutschen in Warschau einmarschierten, war Białoszewski 17 Jahre alt. Die Erfahrung von Krieg, Okkupation und Widerstand sowie schließlich im August – nach fünf Jahren der Besatzung – des Warschauer Aufstands (nicht zu verwechseln mit dem tragischen Aufstand im Warschauer Ghetto der 15 Monate zuvor stattgefunden hatte) waren prägend für sein ganzes Leben.
1942 debütierte Białoszewski als Lyriker, nach dem Krieg arbeitete er kurze Zeit als Journalist, bis er aus politischen Gründen seine Stellung verlor. 1955 gründete er mit Freunden ein experimentelles Zimmertheater in seiner Wohnung an der Tarczynska-Straße, in dem seine Stücke und Improvisationen aufgeführt wurden. Er war ein bewußter Außenseiter im literarischen Milieu, hielt sich von jeder politisch oder ästhetisch definierten Gruppierung fern.
Ende der sechziger Jahre schrieb er das Buch, das ihn in Polen mit einem Schlag zu einer umstrittenen Berühmtheit machte, Nur das was war, Erinnerungen aus dem Warschauer Aufstand, ein Text, der sowohl stilistisch als auch inhaltlich in der Behandlung des Themas mit allen Konventionen in Polen brach. Es ging nicht um Helden, um Opfer- und Tätertum, um irgendeine Form von Wertung, das ganze Buch liest sich, als wäre es spontan, ungefärbt und ungeordnet erzählt, die Betrachtungen eines Außenstehenden, der dem Geschehen zusieht und allem, was er erblickt, die gleiche Bedeutung beimißt, ohne jemals gefühllos oder zynisch erden.
Białoszewski war jede Form von Pathos und schönfärberischem Patriotismus ebenso fremd wie die Ästhetisierung von Erfahrung. „Ich schreibe das Leben“, war das, was er über seine Texte zu sagen hatte, in denen alles gleich wichtig ist, ob es sich um einen kurzen auf der Straße aufgeschnappten Dialog oder um metaphysische Überlegungen handelt, um ein zerschlissenes Wischtuch auf dem Balkon seiner Nachbarin oder um eine Bachkantate, um die traumatischen Erinnerungen an den Warschauer Aufstand, seine Erfahrungen auf der kardiologischen Intensivstation oder einen vorsichtigen, tastenden Vorstoß auf den verwilderten jüdischen Friedhof.
Białoszewskis ganzes Schaffen kreist um die möglichst unmittelbare, unvermittelte, von keiner vorgegebenen Form oder Kategorie beeinflußte „Verwortung“ der Welt. Er schrieb das Leben, und sein Leben war Schreiben. Białoszewskis dichterische Kompromißlosigkeit machte ihn zum Außenseiter, aber auch zur Kultfigur in Polen – doch ungeachtet seiner vielen Bewunderer bildete sich in der eher konservativen, Tradition und Konvention sehr verhafteten polnischen Nachkriegsliteratur keine „Schule“, die von seinem Schaffen und seiner sprachlichen Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit geprägt gewesen wäre.

Miron Białoszewski verbrachte sein ganzes Leben in Warschau und der Umgebung der Stadt. Als Jugendlicher und junger Mann erlebte er die grausame und vorsätzliche Zerstörung Warschaus durch die Deutschen, und wahrscheinlich war es diese Erfahrung, die ihn zu einem ebenso unermüdlichen wie idiosynkratischen Chronisten seiner für ihn unerschöpflichen Stadt machte. Er lebte bescheiden, in kleinen Wohnungen, den größten Teil seines Lebens auf der westlichen Innenstadtseite Warschaus, die letzten Jahre auf der Ostseite der Weichsel, am Dabrowski-Platz im Stadtteil Saska Kępa.
Die Ferien seiner Kindheit und Jugend verbrachte er in Otwock, einem kleinen Ort am Südostrand Warschaus mit Kiefernwäldern, Heide und Holzhäusern. Die Kuren nach seinen Herzinfarkten führten ihn nicht weiter als bis nach Konstancin, wenige Kilometer von Otwock auf der westlichen Seite der Weichsel gelegen. Natürlich reiste er auch, unter anderem nach Amerika, Ungarn und Paris, doch seine Reisenotizen spiegeln eine zwar neugierige, aber gleichzeitig fast kindliche Fremdheit in der Welt außerhalb Warschaus wider.
Białoszewski starb am 17. Juni 1983 an den Folgen eines dritten Herzinfarkts. Er hinterließ ein umfangreiches Werk, nur teilweise von ihm selbst für die Veröffentlichung vorbereitet. In Polen zählt er inzwischen zu den bedeutendsten Autoren des 20. Jahrhunderts, unzählige Publikationen sind seinem Werk gewidmet, zwanzig Jahre nach seinem Tod ist er von einer Kultfigur zum Mythos geworden.
Übersetzt wurde er allerdings kaum, ins Deutsche bislang nur die Erinnerungen an den Aufstand und einzelne Gedichte. Das hat mehrere Gründe. Zum einen sicher den, daß Białoszewskis Werk in keine Kategorie so recht paßt. Bis auf wenige Ausnahmen handelt es sich um Aufzeichnungen, Gedanken, Eindrücke und Erinnerungen ohne narrative Struktur, ohne Komposition. Die Grenzen von Theater, Lyrik, Prosa, von Reflexion und Impression sind aufgehoben.
Białoszewski registrierte unentwegt und überall, er zeichnete auf, notierte, schrieb, sein Leben war die unablässige Übersetzung seiner Welt in Sprache, und so breitet sich sein Schaffen auch vor dem Leser aus – als eine bewegte, vielschichtige Welt mit all ihren Unwägbarkeiten und Unklarheiten, die jenseits von kompositorischer Logik liegen. Białoszewski war alles andere als der allwissende Autor, der einen Stoff mit Planung und Vorsatz formt, er überläßt sich der Welt, und seine dichterische Einmaligkeit liegt darin, wie er die Welt, die ihn umgibt, in der er, wie man manchmal meint, zu schwimmen oder zu treiben scheint, in seiner ihm ganz eigenen Sprache lesbar macht.
Ein anderer Grund dafür, daß so wenig übersetzt ist, ist seine Unübersetzbarkeit. Białoszewskis Texte sträuben sich gewissermaßen gegen eine Übersetzung. Sein Umgang mit den Worten ist ein schöpferisches Abenteuer, er nutzt die der polnischen Sprache vorbehaltenen Eigenheiten und die Besonderheiten des Warschauer Dialekts, um neue Worte zu schaffen, und seine Sprache ist ein Absage an literatursprachliche Konvention. Eine weitere Schwierigkeit stellt das Geflecht von historischen, lokalen, literarischen und sozialen Bezügen und Anspielungen dar, in dem seine Texte so tief verwurzelt sind.
Es wird kaum einen schwerer zu übersetzenden Autor geben und auch – so fern, wie ihm jede Form von Patriotismus oder gar Nationalismus war – kaum einen polnischeren. Eine Übersetzung seiner Werke verlangt nicht nur viel vom Übersetzer, sondern auch vom Leser. Białoszewskis Schreiben ist mit dem Ort Warschau, seiner Geschichte, Sprache, sozialen Struktur und Topographie, unlösbar verbunden, und der Leser sieht sich einer Flut von Namen und Andeutungen gegenübergestellt, die ihm fremd und unzugänglich erscheinen. Aber bei Białoszewski geht es nie um die Oberfläche. Nur zur äußeren Orientierung ist ein Ausschnitt der Karte von Warschau beigegeben, auf dem die meisten Straßennamen zu finden sind, die in seinen Texten vorkommen. Als historischer „Subtext“ von Bedeutung ist die Tatsache, daß das ungefähr dreieckige Gebiet östlich des jüdischen Friedhofs – auf der Karte als Stadtteil Muranów bezeichnet – der alte jüdische Stadtteil und unter der deutschen Okkupation das Ghetto war.

Von den hier zusammengestellten Texten ist der „Jüdische Friedhof“ sicher der schwierigste. Im Original trägt er den Titel „Kirkut“, das alte polnische Wort, das implizit einen jüdischen Friedhof bezeichnet (ohne das Wort jüdisch zu benutzen).
Wer sich auf den Text einläßt, der merkt schnell, daß es sich bei dieser Expedition – zu einem Zeitpunkt, als der jüdische Friedhof noch hinter verschlossenen Toren verwilderte, als Lähmung, Schrecken und Schweigen nach der Shoah aus den wenigen verbliebenen Spuren jüdischen Lebens gleichsam eine Sperrzone machten – um einen Tabubruch handelt. Es ist ein Vorstoß in ein Totenreich, in ein bis dahin unantastbares Stück Vergangenheit, das schwierige Erinnerungen und wahrscheinlich auch – Schuldgefühle weckt – denn wenn der Autor und sein Gefährte sich gegenseitig auf die polnischen Inschriften hinweisen, steht dahinter das Eingeständnis, daß die Juden in Polen immer „die anderen“ waren und das Bekenntnis eines großen Teils der jüdischen Bevölkerung zu polnischer Sprache und Kultur von den Polen selbst mißachtet oder sogar mit Feindseligkeit bedacht wurde.
Der Ausflug auf den jüdischen Friedhof war ein Unternehmen, das Mut verlangte. Alles ist durchdrungen von dem Bewußtsein der Abwesenheit der jüdischen Bevölkerung und dem Grauen, das mit dieser Abwesenheit verbunden ist. Jeder Bezug, jedes Wort, jedes Bild ist geprägt von der Realität der letzten Jahre jüdischen Lebens in Warschau – Verfolgung, Zerstörung, Vernichtung – und dem Schweigen über diese Wunde in Warschau.
Der Text ist eine schmerzliche und schwierige Reise in die polnische Vergangenheit. Durch das Dickicht des jüdischen Friedhofs arbeiten sich die beiden in die Vorkriegszeit, die Straßen am katholischen, mohammedanischen und tatarischen Friedhof entlang mit den Spuren, die Białoszewskis älteren Gefährten Ludwik in seine Kindheit zurückfuhren, in der Warschau noch dem russischen Zaren unterstand.
Der „Jüdische Friedhof“ mutet stellenweise wie ein Theaterstück an, ein Dialog mit Regieanweisungen, als inszenierte sich der Autor selbst. Er schafft einen Abstand zwischen seinem schreibenden und seinem handelnden Ich und damit eine Verfremdung, durch die das Symbolische der Handlung hervorgehoben wird.
Die Gedichte stammen aus dem Band Odczepić się, auf deutsch etwa „Loslassen“ oder „Sich losmachen“. 1974 zog Białoszewski aus der Innenstadt Warschaus in den Stadtteil Saska Kępa auf der anderen Seite der Weichsel. Er lebte nun allein – ohne seinen langjährigen Lebensgefährten Leszek – im neunten Stock eines Hochhauses, und zwar mit Lift, was zum Verständnis der Gedichte nicht unwichtig ist.
Die Gedichte kreisen um den völlig veränderten Ausblick auf die Welt. Der lichtempfindliche Nachtmensch Białoszewski beobachtet die Tageszeiten, das Heraufziehen des Morgens, das auf einen Spielzeugmaßstab verkleinerte Leben rings um ihn. Er orientiert sich neu in einer Welt der „Ameisenhaufen“ (das sind die Wohnblocks), die an sehr alte Teile von Praga – dem rechtsufrigen Teil Warschaus – grenzen. Die Bezugspunkte verschieben sich, der Himmel spielt plötzlich eine größere Rolle als die Straßenlaternen, und die Bäume – besonders die Pappel vor seinem Haus – bekommen eine ganz neue Bedeutung. Vor allem in seiner Betrachtung und Behandlung dieser urbanisierten Natursprenkel offenbart sich Białoszewskis metaphysische Seite, die in den letzten zehn Jahren seines Schaffens immer stärker hervortritt.
Die hier zusammengetragenen Texte geben einen kleinen Einblick in Białoszewskis Œuvre, in seinen Umgang mit der Sprache, seinen Zugang zur Welt. Sie vermitteln vielleicht auch einen Eindruck von einer Stadt, die auf besonders tragische Weise Opfer der Geschichte des 20. Jahrhunderts gewesen ist und in Białoszewskis Werk in ihrer Vielschichtigkeit und Eigenartigkeit lebendig bleibt.

Esther Kinsky, Schreibheft, Heft 63, Oktober 2004
Zu einer von ihr getroffenen Auswahl und Übersetzung in der Literaturzeitschrift Schreibheft

 

Stenogramme zu Miron Białoszewski

„… dichte Poesie, gehaltvolle: nicht aus snobistischem Schaum gemacht, sondern vielmehr aus redlichem Schwarzbrot…“
Jan Błoński

„Białoszewski beschreibt die Welt und ihre Bewohner ein bisschen wie ein Ankömmling aus dem All, der sich zum ersten Mal die Erde ansieht und… alles, was er sieht, erscheint ihm gleich wichtig: die Politik wie das zufallende Fenster, die Farbe des Schnees wie die mitgehörte Anekdote.“
Tadeusz Sobolewski

„Da ist jeder Satz eine Aufgabe. Dieses Aufbrechen, Klittern, Neuschaffen von Sprache, dieser unglaubliche, aus allem Gesehenen, Gehörten, Gewussten, Gelesenen erschriebene Kosmos aus Worten…“
Esther Kinsky

„Heißen wir den Dichter willkommen. Er ist authentisch. Das ständige Ausloten der Grenzen des Sagbaren, diese Unverhohlenheit des Künstlers – das sind vollkommen neue Töne in Polen und gänzlich revolutionäre.“
Czesław Miłosz

„Es ist gut möglich, dass Miron Białoszewski der herausragendste polnische Dichter nach dem Zweiten Weltkrieg ist, auch wenn sich andere Kanditaten finden ließen. Mit Sicherheit ist er einer der originellsten.“
Piotr Kofta

„Miron Białoszewskis Poesie ist ein einzigartiges Phänomen der polnischen Literatur – umso mehr, als der Witz… das nationale Pathos untergräbt.“
Alexander Wöll

„Miron – der größte private Dichter Polens.“
Maria Janion

 

Fakten und Vermutungen zur Herausgeberin + Porträt
Fakten und Vermutungen zum Autor

 

Miron Białoszewskis Karuzela z Madonnami (frag.): gesungen von Ewa Demarczyk.

1 Antwort : Miron Białoszewski: Wir Seesterne”

  1. Bertram Reinecke sagt:

    Theo Breuer streift den Band in seinem Text Buchstabet: „… in diesen wohltuend winterlichen Wochen, in toller Tönung die –
    erneut bildformwortstarke, immer wieder für Überraschungen gute –
    Lyrik 2012 im deutschen Sprachraum (zusätzlich angereichert durch eine
    ganz Reihe von Gedichtbüchern, die glücklicherweise aus anderen
    Sprachräumen herübergetragen wurden: So bin ich, beispielsleise,
    elektrisiert von der feinwitzigen Art, wie Dagmara Kraus die
    funkelnden polnischen Verse und Wörter Miron Białoszewskis in Wir
    Seesterne verdeutschlicht – deutsche Sprache, leichte Sprach: Geht
    doch!) „http://www.editiondaslabor.de/blog/?p=10806

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