Nikolai Kyntschew: Poesiealbum 238

Mashup von Juliane Duda zu dem Buch von Nikolai Kyntschew: Poesiealbum 238

Kyntschew/Trifonow-Poesiealbum 238

DER METEOR, NACHDEM ER VERLOSCHEN IST

Aber erst als ich mich genähert hatte,
war der Abstand gegen mich: Ich zerflog
und dehnte den Augenblick soweit, daß schon
nicht mehr zu sagen ist, ob’s mich in ihm noch gibt.

Meine Stimme nur wächst und wächst,
so wie euer Haar in ähnlichem Fall:
O ja, auf dem Weg vom Himmel zur Erde verbrennt
aaaaaman −
doch was anders herum passiert, daran hab ich nicht gedacht.

Übertragen von Joochen Laabs

 

 

 

Nikolai Kyntschew

In einem Gedicht des Bulgaren Nikolai Kyntschew heißt es: „Wunder über Wunder / verborgen in den Marmorbrüchen / ist das Denkmal schon am Werk“. Wie existentiell die aufgeworfenen Fragen auch sind, der Ursprung seiner Poesie, so scheint es, ist ein Staunen, das hundertmal Gesehenes, tausendfach Gewußtes in einem anderen Licht erscheinen läßt. Aber Kyntschew ist kein naiver Hans-guck-in-die-Welt, eher gleicht er den uns aus dem Märchen bekannten Gesellen, die – versehen mit wundersamen Eigenschaften – ausziehen, die Welt zu erobern. Für seine poetische Welteroberung bringt Kyntschew gleich mehrere dieser Eigenschaften mit: Sprachkraft und Phantasie, genaue Kenntnis wirklicher und literarischer Landschaften, Spürsinn für Konflikte, Mut zum Experiment und nicht zuletzt Vertrauen zu einem Leser, der ihn entdeckungslustig begleiten wird.

Aus: Marion Naujack: Poesiealbum 237, Verlag Neues Leben, Klappentext, 1987

Apollinaire spricht

vom ewigen Widerstreit zwischen Ordnung und Abenteuer. Für die Vertreter der Ordnung, für die unerschütterlichen Anhänger des „gewöhnlichen“ Gedankens wird der Dichter immer ein seltsamer Abenteurer sein. Davor hat sich Nikolai Kyntschew nicht gescheut. Aber man darf hoffen, daß mit der Zeit und dank wachsender WELTWEITE der Widerstreit zum Dialog wird, der Dialog zum Tanz.

Kenneth White, Verlag Neues Leben, Klappentext, 1987

Zu Zaubermärchen von Begegnungen

mit dem Unbekannten werden seine Verse…, und wir glauben ihm, denn in der Zweisamkeit mit seinen Visionen wird uns unverhofft bewußt, daß die tote Natur belebt werden kann, daß keine Grenzen existieren für die Territorien des Geistes.

Georgi Zankow, Verlag Neues Leben, Klappentext, 1987

 

Fakten und Vermutungen zum Poesiealbum + wiederentdeckt +
Interview
50 Jahre 1 + 2 + 3 + 4 + 5 + 6

 

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