Elke Erb: Zu Brigitte Struzyks Gedicht „Fortschritt“

Mashup von Juliane Duda zu der Beitragsserie „Im Kern“

Im Kern

– Zu Brigitte Struzyks Gedicht „Fortschritt“ aus dem Band Brigitte Struzyk: Der wildgewordene Tag. –

 

 

 

 

BRIGITTE STRUZYK

Fortschritt

Zwischen den Gleisen bläst er auf einem Kamm
Er bläst auf dem Läusekamm von fünfundvierzig
Er bläst Wann wir schreiten Seit an Seit
Hopst von Schwelle zu Schwelle
aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaamit der Zeit im Nacken
Die sich dünne macht.

 

Brigitte Struzyks Gedicht

Da war mal ein Film von einem Streckenwärter, der noch stets die Strecke abging und dabei die Mundharmonika und dabei auf dem Kamm blies und dabei die Laterne schwenkte…
Brigitte Struzyk nimmt nun etwa den, tauft ihn Fortschritt und setzt ein paar weitere, siehe, bedeutete Felder an. Nur daß ihre Figur nicht mehr ein Mensch ist, in einen Streckenwärter unwiederbringlich geruckt (wie die Figur im Film), – umgekehrt, etwas Bedenkenloses, Unachtsames wie „der Fortschritt“ ist diese Figur, und aber: wie wenn er ein Mensch wäre, ein Jemand mit Bewußtsein und seriellem Gang. Und dabei die Schwindsucht persönlich. Ich meine: Raum/Zeit/Zeitraum verflüchtigend. In dem Film aber war oder wurde besagte Strecke stillgelegt.
Das Gedicht muß nicht von dem Film gekommen sein. Ich wollte erst ein anderes vorstellen, dessen Schluß mir hin und wieder einfällt, er lautet:

Die Gehirnlappen hängen
zum Trocknen
an einem roten Faden.

Doch der Text vor diesem Schluß ist zu verschlossen/geschlossen/gedrungen, finde ich, nehme also Rücksicht.

Elke Erb, 23.10.1991, in Elke Erb: Der wilde Forst, der tiefe Wald. Auskünfte in Prosa, Steidl Verlag, 1995

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