H.C. Artmann: Das poetische Werk – Landschaften

Mashup von Juliane Duda zu dem Buch von H.C. Artmann: Das poetische Werk – Landschaften

Artmann-Das poetische Werk – Landschaften

über den lagunen verändert sich das licht.
nicht unfern der ufermauern von le vignole
höre ich die motoren der letzten maschine.

aufgeflogen sind irgendwo wilde enten, ja,
von der atmenden oberfläche des wassers, aus
graugewordnem grün in aufkommendes hellila.

hier, vauo, zwischen pinien, umzingelt von
modesty blaise und mandrake und fantomas,
schreibe ich, so gut ich vermag, meinen gruß

nimm ihn, du sokrates unter den deutschen,
du hand, die das ihre tut und den weg weist,
du uhrzeiger der rechten stunde – denn wer

sonst hätte die gezeigt in zeiten unglaublich
unrühmlicher muße?
ein stern, der den abend
bringt über die bewegung der bäume, der ihre

kraft läutert, sie reinigt, ist aufgegangen
vor meinem fenster und mischt schlaf und tag
wie ein weiser. er tut das seinige ohne aufwand.

ich kenne viele, vauo, und nur wenige – manche
verbleichen zu bald,
andere doch sind von bestand:
wer aber wäre dir gleich im schönen abend?

 

 

 

Editorische Notiz

Dieser Band bringt die großen Zyklen hirschgehege und leuchtturm (1962) und landschaften (1966). Dazwischen steht eine in ein lilienweißer brief aus lincolnshire nicht näher bezeichnete Gruppe von Gedichten, die der Autor als Vorstufen zu den landschaften bezeichnet. In diese Gruppe wurden fünf Gedichte aufgenommen, die im lilienweißen brief unter der Verlegenheitsüberschrift „Elf vereinzelte Gedichte“ (1960) standen. Es sind dies „halali frau herzogin von aquitanien“, „unter einer araucaria kircheriana haben samson“, „ein lilienweißer brief aus lincolnshire“, „liebe verehrte orchideengrüne primaballerina“, „wie wieland schmied in der waldhütte zu leben“. Au dieser Zeit stammt auch das Gedicht „lehrgang in sieben tagen gottes“.
Der Zyklus landschaften wurde nach dem lilienweißen brief gedruckt und mit den Erstdrucken verglichen. Wir verweisen hier auf den Text H.C. Artmanns zu den landschaften in Band 10 dieser Ausgabe.
Der Abschluß des Bandes bildet das für V.O. Stomps geschriebene Gedicht „über den lagunen verändert sich das licht“, das erst in der erweiterten Taschenbuchausgabe des lilienweißen briefes nachgedruckt wurde.
Die Entstehungsdaten der Gedichte befinden sich im Inhaltsverzeichnis.

Rainer Verlag und Verlag Klaus G. Renner

Editorische Notiz der Verleger

Die Idee zu einer mehrbändigen, aufgegliederten Ausgabe des damals schon auffällig vielschichtigen poetischen Œuvres von H.C. Artmann in der „Kleinen Reihe“ des Rainer Verlages – naheliegend erschien es damals – entstand 1967. Sie wurde – wie die meisten „Ideen“ von Verlegern – aufgrund dieser und jener Entwicklung (des Autors, seiner ständigen Wohnwechsel, des kleinen Verlages und seiner Probleme) ad acta gelegt, eigentlich aber nie aus dem Gedächtnis entlassen.
1969 erschien die von Gerald Bisinger mit Liebe und Fleiß betreute Sammlung Ein lilienweißer Brief aus Lincolnshire im Suhrkamp Verlag. 1978 auch in Taschenbuchform, die bis dahin vollständigste Zusammenstellung der Gedichte, welche bis heute Gültigkeit und Wirksamkeit erlangt hat.
Viele Jahre später, im Herbst 1991 also – was im Durcheinander der Frankfurter Buchmesse nicht möglich – nämlich bei einem Besuch der Renners bei Rainers im ungarischen Fünfkirchen, gerät diese „Idee“ wieder ins Blickfeld: ein mehrbändiges Werk, verteilt auf zwei Schultern.
Salzburg, Wohnort des H.C., liegt zwischen Fünfkirchen und München, zwischen Rainer und Renner. H.C. gibt also wenige Tage später sein Placet, bekundet Wohlwollen, avisiert gar seine Mitwirkung. Auch Klaus Reichert in Frankfurt am Main – nobilder und aufrechter Herausgeber vieler Werke H.C.s – wird sofort gewonnen.
1992 – Klaus Reichert hat seine nicht mühelose Arbeit angefangen, fortgeführt und mit H.C. abgestimmt – die, von den Verlegern übernommen, die Bandzahl der Gesamtausgabe auf zehn Stück (ursprünglich acht) ausgeweitet bzw. begrenzt. Die redaktionelle Arbeit des Herausgebers und des Autors ist vorläufig abgeschlossen.
Im Sommer 1993 beginnen Pretzell und Renner unter Nutzung der typographischen Vielfalt einer 1992 erworbenen leistungsfähigen Photosatz-Maschine die Ausführung der ersten Bände.
Frühjahr 1994 – Beendigung der Satzarbeiten. Die Drucklegung kann beginnen…

Klaus G. Renner und Rainer Pretzell, Nachwort

 

Ich betrachte die folgenden texte…

Ich betrachte die folgenden texte als bloße inhaltsverzeichnisse für den leser, als literarisierte inhaltsverzeichnisse freilich; als anhaltspunkte und als ideen für noch nicht existierende, erst in der vorstellung sich vollziehende gegebenheiten. Ich versuche mich also praktisch in ausgriffen auf die zukunft. Ein inhaltsverzeichnis weist auf etwas hin, das erst zu realisieren wäre: es ist ein vorentwurf, und ein solcher befaßt sich mit der zukunft.
Mit diesen texten soll ein weg, eine methode gefunden werden, um von der engen und allgegenwärtigen vergangenheit, wie sie da in der literatur als abgehalfterter Ahasver herumgeistert, wegzukommen. Hiermit soll der sehnsucht nach einer besseren vergangenheit entgegengetreten werden; wehmütiges sicherinnern ist fruchtlos, ein abgestorbner kirschbaum, der sich nie mehr beblättern wird. Wohl bin ich romantiker – aber war nicht jede romantik von etwas erfüllt, das uns hin und wieder gegen ende des winters gleich einer noch unrealen frühlingsbrise überfällt?
Auch die konventionelle science-fiction ist meist nichts anderes als in die zukunft projizierte vergangenheit (kenntlich allein schon am imperfektstil), obendrein dominiert der vergangenheitscharakter jedenfalls eindeutig in ihr.
Warum inhaltsverzeichnis? Warum so viel unausgeführtes? Warum nur angedeutetes? Warum nur versprechungen? – Warum denn nicht? Eine eindeutige antwort soll nicht gegeben werden, weil sprache festlegt; jeder leser mag jedoch für sich herausfinden, was diese texte ihm persönlich an möglichkeiten anbieten.
Auf die frage, welche von diesen möglichkeiten mir selbst am meisten am herzen liegen, kann ich nur antworten: jene, die in die westliche, in die atlantische richtung weisen, jene abenteuer, die ich bei der lektüre der fragmentarischen altirischen dichtung er-lebte, durch-lebte und noch heute weiter-lebe.

H.C. Artmann, aus: Unter der Bedeckung eines Hutes, Residenz Verlag, 1974.

 

Beiträge zur Gesamtausgabe: Das poetische Werk

Fitzgerald Kusz: Kuppler und Zuhälter der Worte
Die Weltwoche, 18.8.1994

Andreas Breitenstein: Die Vergrößerung des Sternenhimmels
Neue Zürcher Zeitung, 14.10.1994

Thomas Rothschild: Die Schönheit liegt in der Abwesenheit von Nützlichkeit
Badische Zeitung, 15.10.1994

Franz Schuh: Weltmeister jedweder Magie
Die Zeit, 2.12.1994

Albrecht Kloepfer: Hänschen soll Goethe werden
Der Tagesspiegel, 25./26.12.1994

Karl Riha: Wer dichten kann, ist dichtersmann
Frankfurter Rundschau, 6.1.1995

Christina Weiss: worte treiben unzucht miteinander
Die Woche, 3.2.1995

Dorothea Baumer: Großer Verwandler
Süddeutsche Zeitung, 27./28.5.1995

Armin M.M. Huttenlocher: Narr am Hofe des Geistes
Der Freitag, 25.8.1995

Jochen Jung: Das Losungswort
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.12.1995

 

Ein gedicht und sein autor

Ich habe ihnen das gedicht „landschaft 8“ vorgelesen. Es stammt aus einem zyklus von zwanzig gedichten, die unter dem gleichen titel stehen. Ich möchte ihnen – nach maßgabe meiner fähigkeit, die allerdings nicht besonders aufs essayistische geht – zunächst erläutern, was für mich das wort „landschaft“ bedeutet und welchen platz es im haushalt meiner sinnlichen erfahrungen einnimmt.
1961 fiel mir in Stockholm das buch Iter Laponicum von Carl von Linné in die hand. Linné war damals, anfang des 18. jahrhunderts, student der naturwissenschaften und erhielt ein stipendium, das ihm nach Lappland zu reisen ermöglichte, um dort natur und bewohner zu studieren. Über diese reise verfaßte Linné einen umfangreichen wissenschaftlichen bericht. (Er ist in der bibliothek zu Stockholm zu sehen). Gleichzeitig aber führte Linné ein privates tagebuch über seine beobachtungen, meist unter den schwierigsten umständen, während kurzer rastpausen oder auf dem reittier. Dieses tagebuch ist fetzenhaft, bruchstückartig, unvollständig und unvollkommen. Aber als ich es las, war mir sofort klar, daß ich hier etwas für mich ungeheuer wichtiges gefunden hatte. Daß ich das buch später übersetzte, ist eigentlich nur eine randerscheinung. Was mich faszinierte, war nicht der behäbige und distanzierende bericht eines naturforschers, sondern es waren die strahlenden momentaufnahmen winziger dinge, seien sie organischer oder anorganischer, materieller oder sozialer art: abgesprungene, isolierte details und im strahlenglanz ihrer leuchtenden faktizität. Hier finden sich minibeschreibungen von pflanzen und gerade aufgebrochenen blüten oder eines bestimmten sonnenwinkels, in dem sie erglühen. Da gibt es listen von mineralien und holzarten, von kochrezepten und interieurs von rauchstuben, badekammern und auch ungewollt „poetische notizen“ über merkwürdige augenkrankheiten oder, meinetwegen, harnleiden, vogelarten, lurcharten, mitternachtssonnenerscheinungen, und alles in der wertfreien gleichzeitigkeit des daseins. Ich will ihnen aus diesem buch ein paar beispiele geben, die meine faszination erklären:

„Die lerche sang den ganzen weg für uns, sie zitterte in der luft
Ecce suum tirile, tiriIe, suum tirile tractat
Im walde, an der jenseitigen seite des sumpfes, standen alle arten
Lycopodia: sabinae, cupressi, abietis bifurcati.
Nomina plantarum:
Botska. wird gegessen, alias Rasi. Engelwurz
Fatno. Angelica. Caulis. Engelwurz
(stengel und blätter)
Jerja. Sonchus purpur.
Gänsedistel
Jert. Ölsenich, wird als Ingwer gebraucht.
Hótme. Rausch- oder Trunkelbeere, Moorbeere
Cheruna. Schneehuhn, zart und klein
Lues. Großer Lachs
Stabben. Frauenfisch.
Ketke. Vielfraß.     usw.

Ich hatte sogleich nach meiner ankunft ein zimmer bekommen und mich eben hingelegt, als ich an der wand ein licht erblickte. Ich fürchtete einen brand, sah aber gleich darauf durchs fenster, wie die sonne ganz rot aufging, was ich noch längst nicht erwartet hatte. Der hahn begann zu krähen und die vögel zu singen. Allein der sommer wollte nicht kommen.“ Und so geht es weiter.
Es sind beobachtungen, nicht feinsinnig, nicht ästhetisierend und exklusiv, sondern handfest und sich berufend auf die groben tatsachen, denen das leben gerade in diesem landstrich unterworfen ist. Linné hat sich wortlisten zusammengestellt, behelfsmäßige vokabelsammlungen und alles trägt in sich ein moment des surrealen und gleichzeitig eine augenblickshafte erscheinung des willens und der selbstbehauptung, die das einzelne bild und das isolierte wort hineinstellt in eine umgreifende erfahrung. Wir kennen den begriff vom automatischen schreiben. Er ist hier nicht anzuwenden. Aber das erzwungene schreiben unter widerstrebenden umständen, das rasche festhalten von eindrücken hat ein ähnliches ergebnis. Es sind vorfabrikate an worten und erscheinungsketten, erfahrungsbrocken, abgegrenzt und in der abgegrenztheit spontan und versehen mit dem reiz des spontanen, den das feinsinnige, langsame beobachten und aufschreiben kaum zu erreichen vermag.
Schon während der übersetzung des Linné-buches begann ich mit der niederschrift eines imaginären tagebuches. Es erschien unter dem titel Das suchen nach dem gestrigen tag oder schnee auf einem heißen brotwecken. In diesem tagebuch wollte ich nicht mein tägliches dasein in seiner abfolge darlegen. Ich versuchte vielmehr, den Blick zu schärfen für die voluminösen einzelheiten dieses täglichen daseins: voluminös nota bene als qualitativer begriff. Ich bin in dieser zeit viel gereist und reisen bedeutet für mich nicht fortbewegung, sondern wohnen dort, wo ich vorbeifahre, sichtbares aufnehmen und mit diesem sichtbaren mein eigenes gesicht zu verändern.
Meine lust, landschaft oder welt zu sehen, ist nicht reguliert vom ehrgeiz eines kartenstechers oder eines geographen, die schlüssige oder geschlossene zusammenhänge und betrachtungen liefern mögen, genau wie auch mein ehrgeiz nicht dahin geht, in einem „klassischen“ romanwerk ein geschlossenes und schlüssiges dasein vorzugeben. Meine vorstellung von landschaft bedeuten der grashügel, über den ich gestolpert bin, der geruch einer straße, um punkt zwölf uhr und nicht später, das singen einer elektrischen säge, während ich hinter den verstaubten stores eines hotelzimmers sitze oder das: in der grünen intimität wuchernder brennessel-wälder die wässer meines bierrausches abzuschlagen.
Ich habe versucht, ihnen die art darzustellen, in der ich landschaften sehe, empfinde und sie in mir identifiziere. Was ich hier erzählt habe, sind voraussetzungen, private einzelheiten: ein gedicht zu schreiben ist etwas anderes. Was sie von mir gehört haben und hören werden, ist unter anderem getragen von dem wortmaterial: gewitter, kuh, schatten, schäfer, loden, gewitter, kuh, messing, leine, hülse, blitz, messing, jüngling.
Hinter diesen worten stehen vorstellungen, die „ich“ habe, die ich mehr oder weniger privat besitze, aber diese vorstellungen geben kein gedicht. Ich habe vorstellungen und setze sie ein. Dieser einsatz entfremdet mir in gewisser weise meine privaten vorstellungen: denn worte haben eine bestimmte magnetische masse, die gegenseitig nach regeln anziehend wirkt; sie sind gleichsam „sexuell“, sie zeugen miteinander, sie treiben unzucht miteinander, sie üben magie, die über mich hinweggeht, sie besitzen augen, facettenaugen wie käfer und schauen sich unaufhörlich und aus allen winkeln an. Ich bin kuppler und zuhälter von worten und biete das bett; ich fühle, wie lang eine zeile zu sein hat und wie die strophe ausgehen muß. Der blitz begattet sekunden, die hülsen finden sich in messing, die kuh nimmt gewitter auf hörner, Freyas reinheit reizt den jüngling, der schäfer kratzt sich am glied, der jüngling kratzt sich am glied, der mann von der bahn kratzt sich am glied und versieht seinen griff.
Sie sehen, meine damen und herren, ich rede nicht von meinen gefühlen; ich setze vielmehr worte in szene und sie treiben ihre eigene choreographie.
Meine gedichte, die ich hier unter anderem vorlese, heißen „landschaften“. Sie sehen, daß es keine landschaften im hergebrachten sinne sind, sondern innere landschaften, imaginäre paysagen, landschaften, die die worte sich selbst schaffen oder die durch worte neu erstellt werden.

H.C. Artmann, aus: Walter Höllerer (Hrsg.): Ein Gedicht und sein Autor, Literarisches Colloquium, 1967

Rede zu HC ARTMANN etwa so −

Das Originale des (Aus)Gewählten /

Das Ursprüngliche des Verwendeten /

Das Erfundene des Gefundenen /

Das Einzigartige des Vervielfältigten /

Etc.

 

− Titel, Themen-Felder, die programmatisch stehen könnten für eine, meine Annäherung an HC Artmann −

HC Artmann, zwei Positionen des modernen Dichtens, zwei Zuspitzungen dessen, was ich als Poetik bezeichnen könnte, drängen sich mir beim Lesen seiner Texte, vor allem seiner Gedichte auf:

1
Mallarmés Diktum – GEDICHTE WERDEN MIT WÖRTERN GEMACHT, NICHT MIT IDEEN, Monsieur

und

2
Wittgensteins Behauptung, dass DER SINN EINES SATZES VERLORENGEHEN WÜRDE, WENN WIR SEINE EINZELNEN WÖRTER LESEN WÜRDEN; bzw., DASS DER SINN DES WORTES DER SATZ IST,
hier nur grob zitiert, um die Richtung meiner Lesart von Artmanns Literatur abzustecken…

Zwischen diesen beiden Polen einer tatsächlichen und einer von mir herbeigedeuteten Poetik, Mallarmés und Wittgensteins, zirkuliert für mich Artmanns Dichtung, seine Schreibweise, an der ich einen Hauptaspekt zu erkennen glaube, den ich als
PROTOTYPISCHE SUGGESTION, BESSER:
SUGGESTION VON PROTOTYPEN

bezeichnen möchte, eine Suggestion von:
Grundgestalten, Einheiten, Schablonen, Figuren, Personen, Menschen, Dingen, Ereignissen und so fort,

kurz eine Suggestion ins Bewusstsein des Lesers und des Dichters selbst geordert, die dann, nach der dichterischen Setzung, die ich, wie eingangs erwähnt, als Erfindung durch Findung bezeichnen möchte oder als das Originale Reproduzierten, die also dann genau diese Form von Originalität, Ursprünglichkeit behauptet, und beim Wiederlesen ihrer Bedeutung im Gedicht, so etwas wie ein erstes Lesen, eine erste Erfahrung genau dieser Bedeutung darstellt,

die aber ihren Bedeutungshof dermaßen absteckt, dass der Leser und wohl der Dichter selbst auch, glauben, diesen Hof, diesen Quasi-Sinn bereits im tiefen Inneren des Bewusstseins und des Körpers aus Wahrnehmung und Empfindung, also des ganzen individuellen Lebens verankert gehabt zu haben, so dass diese Bedeutung, dieser Quasi-Sinn jetzt, durch die Lektüre, „nur“ noch evoziert zu werden braucht, aber eben dichterisch, und darum geht’s, um zu so etwas wie zu einer Erfahrung zu werden, die aus der Erinnerung kommt, die einmal bereits gelernt werden konnte, um sich in der Welt zurechtzufinden, um diese zu erkennen, zu bezeichnen, zu verstehen…

mit Hilfe dieser Archetypen des Alltäglichen wie des Besonderen, dieser Prototypen der Erfahrung, die, und das ist das dichterische Husarenstück, das Seiltänzerische des strategischen Unterfangens, an sich angelegt scheinen im Leser, im Dichter, im Menschen, aber – EIGENTLICH −,

und das ist für mich das VERBLÜFFENDE und MERKWÜRDIGSTE in Artmanns Dichtung, von diesem Dichter der an ihr äußerstes geführten Haltung von Leben und Schreiben, gefunden, erdacht, eingesetzt etc. worden sind
−,

gleichsam in mich und in ihn selbst hinein VERPFLANZT, wobei der Ort der Ent-Pflanzung, also jene Stelle, die der Dichter als Fundstelle verwendet, nicht die des modernen Schreibens ist, jene, wo die Montage ihren Ausgang nahm, der undichterische Ort der Schrift, die Zeitung, das Sprachlehrbuch oder sonst ein Dokument, also die tatsächlich vorgegebene und womöglich noch archivierte Schnittstelle von Sinn und konventionalisierter Bedeutung, wo dann, als dichterische Gegen-Arbeit, mehr oder minder streng formalisierte Prozesse einsetzen, die vom Autor gewählt, das Vorhandene, Archivierte, Konventionalisierte in eine neue UMGEBUNG bringen, um damit  d e n  Sinngehalt herauszustreichen oder einen zweiten, dritten, der im ersten angelegt und verschleiert ist, zu eröffnen klarzulegen.

Nein
HC Artmann geht anders vor, und weil das Wort formalistisch gefallen ist, würde ich sagen,

INTUITIV METHODISCH

Geht er vor, oder besser: zurück,
zurück übrigens auch gerade ins Konventionalisierte, das er beschwört, nachdem er es vom Staub der Konvention üblicher Art befreit, und zu einer Konvention der anderen, besonderen Art gemacht hat, handwerklich dichterisch, die auf der Basis des Handwerks beruht, das von Jamben, Trochäen ausgeht und den einfachsten Strophenformen,

eine Konvention der anderen, besonderen Art,

die das Profane als Majestätisches erscheinen lässt, und wo dieses Profane der Wörter, der Gegenstände, der Menschen und der Erfahrungen dann auch tatsächlich diese Gegenstände, Wörter und Erfahrungen darstellt, dieses und diese  i s t  –

durch diese feinsinnigste dichterische Pranke seiner, HC Artmanns lebensdichterischer Erfahrung, seiner Schreibhand im Konzert der Botanisiertrommler, mit der er nicht seine eigene Meinung durchsetzt, sondern sich dem Strom der Gedanken (die auch Klischees sein können) aussetzt, aber sich ihnen nicht blind, sondern in seiner besonderen Art der Poetik anvertraut, und sich genau dadurch abhebt von den Phantastereien der pseudokreativen Assoziationanten, die das freie Dichterische proklamieren,

mit seiner Schreibhand, die sich eine Praxis ertastet und auch freigeboxt hat mit der Pose des sich ständig einer Mimikry aussetzenden Haudegens, die ihresgleichen sucht in der Dichtung des modernen Schreibens, die eine, um es auch ganz nüchtern zu sagen, selbstprototypische Prägung hinter sich hat, die aus dem Umgang des Dichters mit der Welt und der Sprache und ihren Schablonen aller Art herrührt – und dem Zusammenspiel der beiden auch in bezug auf ihn selbst, den Dichter, auf sein Bewusstsein und seinen Körper, den dieses Zusammenwirken nimmt und ein Schreiben auslöst, das, intuitiv gesteuert, rückwirkend diese Schablonen umformt −

gesteuert insofern, als der Dichter dieses Zusammenspiel von der Fundstelle aus organisiert, lenkt mit offenem Ohr und halb geschlossenen, aber hellsichtigen Blick, der weniger nach Innen, in Form der Selbstbeobachtung, sondern nach Außen, in die Welt der Reize gerichtet ist, und speziell bei Artmann auf der Ebene der edlen Äußerlichkeit, wie schon heute mehrmals erwähnt, speziell bei FJ Czernin, aufsetzt und die Schreibhand lenkt, vor allem auf jener Ebene der Reize, wie schon

3
Reinhard Priessnitz festgestellt hat, dass bei HC Artmann, DIE SPRACHE VOR DER EMPFINDUNG IN EIN BILD DER EMPFINDUNG FLIEHT, was ich in meiner Formulierung wiederum als

PROTOTYPISCHE SETZUNG VON SUGGERIERTEN ERINNERUNGEN an Bedeutungen, an Sinn bezeichnen möchte, die so etwas wie den Zustand des eigenen Körpers und des Bewusstseins in einer Welt der Schablone konstituieren, die als sprachliche Reize, als Wörter, mit den Mallarmés Gedicht gemacht wird, aufmarschieren und in Szene, in Wittgensteins Satzform gebracht, gesetzt werden, und zwischen diesen beiden Verfahren inter-agieren und wirken, wirken, wirken…

Zur annähernden Erläuterung des Begriff vom Wirken, als das Ergebnis des poetischen Verfahrens oder besser: dessen Weiterführung, möchte ich von der grundlegenden dichterischen Organisation sprechen, die bei HC Artmann auf zwei Ebenen läuft, die in bezug auf die Zweiachsentheorie bei Roman Jakobson als Projektion genau der bei den Achsen von Metapher und Metonymie bezeichnet werden kann.

Und die Artmann, der Dichter der intuitiven Methode, wie Jakobson sie etwa bei Chlebnikov herausgefunden hat, anwendet: also das Majestätische, um bei diesem Bildbegriff zu bleiben, den reinen Begriff oder das reine Wort Mallarmés, mit dem Profanen, dem syntaktisch-technischen Satzverband Wittgensteins verknüpft und dadurch gegenseitig relativiert.

Was, manchmal, bis zum Wechsel der zugeschriebenen Bedeutungen, verstanden im Sinn des Wechsels von Wort zu Satz oder eben von Metapher zu Metonymie (in der Theorie Jakobsens) führen kann, dass also der metaphorische Begriff der Übertragung zum metonymischen Bestandteil der Verbindung wird, und innerhalb dieser (prosaischen) Verbindung keinen Vergleich, sondern einen Teil im Gesamtgegenwärtigen, wie es das Gedicht immer in bezug auf sich selbst evoziert, des gemeinten Bildes, Gefühls, Gegenstandes etc. abgibt

− Artmanns landschaftsgedichte geben hierfür ein signifikantes Beispiel – sehen wir also da ein wenig nach:

landschaft 8.

ein ersehntes gewitter hat sich der kuh in die hörner
gesetzt es trottet näher die langsame kuh ist das

haustier der eichen durch die schatten die ein friedlich
ereignis vorauswirft spaziert diese kuh an den hörnern

gewitter sekunden vergehn am expreßzug er huscht in die
ferne jeder blitz sitzt noch in hülsen aus messing

oho der schäfer in loden kratzt sich am glied es wird
ein gewitter geben ich spür es ich habe noch vieles zu

tun ein jüngling wirft einen cent in den fischteich der
schlägt ihm ein auge aller donner ist noch zum trocknen

an freyas leine der mann von der bahn versieht seinen
handgriff an halbdunklen weichen er kratzt sich am glied

oho es wird ein gewitter geben ich spür es ich habe noch
vieles zu tun ein kuh kommt aus eichen hervor trägt

hülsen aus messing die leine ein leinchen von horn zu
horn gehts mit trocknendem donner im duftenden westwind

der in eichen erwacht flattert freyas reinheit ein jüngling
kratzt sich am glied oho es wird ein gewitter geben ich spür

es ich habe heute gar nichts zu tun das gefällt mir ein regen
geht nieder die blitze zersprengen, die hülsen der donner

verläßt seine klammern scheu wird die kuh geneigter
die eiche der jüngling zu ihr: mit freyas erlaubnis ein kuß

Also zur Wirkung:

− die Leserichtung allein kennzeichnet das von mir angedeutete Verfahren, das Artmann sicher nicht methodologisch betrieben hat, sondern eben intuitiv,
so wie er es auch in einer seiner spärlichen Anmerkungen zum eigenen Schreiben formulierte: „Ein Gedicht und sein Autor“, in dem er die Bezugsquelle, gleichsam den  F u n d o r t  seines Zyklus von zwanzig Landschafts-Gedichten, preisgibt: einen wissenschaftlichen Bericht und ein privates Tagebuch von Carl von Linné, das für ihn den Eindruck des „ungeheuren Wichtigen“ hatte, da es „fetzenhaft, bruchstückartig, unvollständig und unvollkommen war“ −

aber das Rudimentäre allein, das Fragmentarische als Prinzip ist keineswegs Artmanns dichterisches Programm, es geht mehr den surrealistischen Weg des Strömens von unbewussten, scheinbar unbewussten Bildern und Wörtern ins Bewusste, jene suggerierten Findungen, die dann als eigenständige, wie an sich im Bewusstein, im Gedächtnis, im Herzen, in der Seele oder sonst wo Sitzende, auftauchen können −

nur eben, dass sie vom Dichter erst einmal dort und hinein verpflanzt wurden, wie von mir so gerne und schon wieder behauptet, wodurch sich dieser also nicht als Sinnsucher, sondern eher als Sinnstifter erweist, wenn

− wenn überhaupt, dann eben in diesem Sinn der Sinn-Stiftung, arbeitet Artmann auf dem Plateau der Organisation wie gesagt zweifach, indem er das reine Wort – noch einmal sei es erwähnt −, mit den syntaktisch notwendigen Reizwörtern so lange zum dichterischen Korpus verknüpft, bis in der Ferne auch die Syntax und Grammatik den dichterischen Weg ein-, herbei- und durchläutet (wie Jakobson es auf die Grammatik der Poesie und die Poesie der Grammatik Mandelstams gemeint hat), wo also dieses Ineinandergleiten der beiden Ebenen, das keine Brüche setzt, sondern das Heterogene harmonisch erscheinen die ganze Sinnstiftung leitet, begleitet und mitbestimmt nicht nur als Hilfsmittel, um zu einer intakten Form zu finden

− die Artmann aber dennoch bestrebt ist, zu finden, auch in den bildlich abstrakten, nicht grammatikalisch offensichtlich zerfetzt wirkenden landschaftsgedichten, die er aber so gestaltet, dass sie seinen Eindrücken der Linéeschen Passagen nahe kommen, als: „strahlende Momentaufnahmen winziger Dinge, seien sie organischer oder anorganischer, materieller oder sozialer Art“ −

in denen, ich halte das fest: Innen wie Außen ihr Feld im Gedicht erhalten, auch soziale Bezüge werden extra betont, und ich betone sie zur Verstärkung einer etwas umgemodelten Rezeptionsrichtung des Artmannschen Werkes ebenso, soziale Momentaufnahmen wie die anderen auch – im „Strahlenglanz ihrer leuchtenden Faktizität“.

Nun, diese Faktizität bringt Artmann ins dichterisch Sprach- und Lebens-Spiel des Gebrauchs, als gefunden Erfundenes, als Originales des Gewählten, das – Reize auslöst, und sonst nichts, die  a b e r, meiner Meinung nach, nicht  n u r  im Bild von der Empfindung zirkulieren, sondern auch tatsächlich in der Empfindung selbst herum-rühren, sich umtun so manche andere auftun,

wiederum modellhaft, o.k., aber was geht denn sonst?! für mich über Priessnitz’ Deutung also ein wenig hinaus reichen nicht immer, das gestehe ich, aber in den gelungensten Gedichten Artmanns ist dies der Fall

− wie es eben in den landschaftsgedichten der Fall ist, und zwar so: dass als technisch einfachstes Mittel der Projektion beider Achsen aufeinander – um deren dichterisch Umsetzung und Durchführung wir alle jahrelang grübeln könnten −, von Artmann ein ganz lapidares Mittel angewendet wird:

er lässt ganz einfach die Leserichtung in den Versen offen, wir und er, und ich und Sie können, wollen, müssen – oder nicht, dann allerdings wird es schwieriger mit der Sinnfindung – in beide Wortrichtungen der Zeilen lesen, nach links wie nach rechts, jedes Wort betreffend, nicht unbedingt quer durch die Verse und schon gar nicht beliebig, also irgendwie versieht er es, Verstehen wild geordnet zu evozieren,

ohne methodisch perfekt, was Bedeutungsfeld oder Grammatik oder Syntax anbelangt, durchkomponiert zu sein, wirken die Gedichte als metaphorische Metonymien, als Vergleiche, die der Vergleich in Zusammenhang auf die vor- und nachgerückten Wörter  i s t  −

und zwar durch den Begriff des „erzwungenen Schreibens, das an Mallarmé und Wittgenstein zugleich gemahnt,  i s t  es das, anhand dessen auch klar wird, von HC Artmann selbst so genannt und von ihm mit dem automatischen Schreiben der Surrealisten in Verbindung gebracht, dass dieses „Schreiben unter widerstrebenden Umständen, das rasche Festhalten von Eindrücken“, zu „Vorfabrikaten an Worten und Erscheinungsketten“ führt, zur Hervorbringung von „Erfahrungsbrocken, abgegrenzt und in der Abgegrenztheit spontan und versehen mit dem Reiz des Spontanen, den das feinsinnige, langsame Beobachten und Aufschreiben kaum zu erreichen vermag“ −

damit sagt Artmann das alles ganz einfach in wenigen Zeilen, was ich für mich als wesentlich für sein Schaffen herausarbeiten wollte:

Das Wort, das im Zusammen- und Wechselspiel zur Erscheinungs-Kette auswächst, erweist sich als vorfabriziert durch äußere Eindrücke im Inneren, die aber bei Artmann zu Wort-Erfahrungsbrocken à retour mutieren, allerdings, und das ist wesentlich im so auf das Un-Wesentliche gerichtete Schreiben des Dichters, auf der Bühne eines Reizes des Spontanen, nicht im unmittelbaren Erleben des Dichters und seiner Gefühle selbst platziert oder sitzend, wie es Priessnitz, und ich (nicht ganz wie Priessnitz), gemeint haben, aber Artmann von sich selber sehr wohl. Und er müsste es ja wissen:

Was Sie von mir gehört haben und hören werden, ist u.a. getragen von dem Wortmaterial: Gewitter, Kuh, Schatten, Schäfer, Loden, Gewitter, Kuh, Messing, Leine, Hülse, Blitz, Messing, Jüngling.
Hinter diesen Worten stehen Vorstellungen, die ,ich‘ habe, die ich mehr oder weniger privat besitze, aber diese Vorstellungen geben kein Gedicht. Ich habe Vorstellungen und setze sie ein. Dieser Einsatz entfremdet mir in gewisser Weise meine privaten Vorstellungen: denn Worte haben eine bestimmte magnetische Masse, die gegenseitig nach Regeln anziehend wirkt.

(The Best of H.C. Artmann)

Artmann verspürt demnach keinen Auftrag von Innen her, er sucht – noch einmal: nicht das Volle, den Kern, vielleicht ist es wirklich die Leere, die ihn bewegt, aber durch diese Bewegung gelangt er und gelangen wir zu Affekten, die dann „wirklich“ wirken wie alles, was wir so verstehen und erfahren, als Modelle erzeugen seine Verse wirkliches Empfinden, gleichsam den als-ob Effekt schlechthin:

Als ob man das alles schon erlebt hätte – in dem Moment, in dem man davon liest, an der Schablone, den Reizen und ihren Mustern entlang,

was dabei wegfällt ist der unmittelbar eingeforderte und erkenntnistheoretische Anspruch des Gedichts, der ja in der modernen Dichtung nicht selten mit ein Treibstoff für die Herausarbeitung des Poetischen ist, vielleicht aber liegt gerade im trotzigen Verzicht des Autors auf diesen Anspruch, der Raum oder öffnet sich der Raum für die Organisation dieses Aufblitzens von Abläufen, Einsichten, Erkenntnissen in uns, die wir glauben, immer am Sinnlichen, Tatsächlichen, Unmittelbaren dran zu sein, dabei aber – ohne es zu bemerken oder zuzugeben – auf einer Ebene des Abstrakten agieren,

die ich zum Schluss meiner An-Deutungen zum Werk HC Artmanns im Sinne eines Aufsatzes von Hegel anklingen lassen will:

Hegel fragt in einem kleinen Traktat aus den Jenaer Schriften: Wer denkt abstrakt? – und ortet mit dieser Frage sofort Metaphysik Verdacht, der damit Erklären von Denken und Abstrakt befürchtet in einer Welt, der nichts so unerträglich erscheint wie das Erklären. Das erinnert mich ein wenig an heute, aber darum geht es mir nicht.

Hegel rückt seine Frage nämlich mehr auf das  w e r  denkt abstrakt. Und kommt zu einem interessanten Schluss – nämlich weder die Wissenschaft oder die Metaphysik oder sonst ein metasprachliches System, sondern, wie er ausführt, das gemeine Volk ist es, das abstrakt denkt. Der ungebildete Mensch denkt abstrakt, nicht der gebildete. Er schafft sich Typologien, Muster etc., tilgt alles Lebendige, Aushandelbare in sich und so fort −

Und wie bei Hegels Abstraktionsbegriff, der im einfachen Volk seine Anwendung findet, ist auch bei Artmann die Figur seiner Helden, die des Grande oder Sintbart oder Kaspar etwa, im eigentlichen Sinn abstrakt, und wird wie Hegels Mörder am Schafott als Typologie gelesen, als Abstraktion begriffen, aber als Wirklichkeit gehandelt, da mit realen Attributen ausgestattet und belegt,

wie der Mörder unterm Fallbeil von der einfachen Frau aus dem Volk mit: Gottes Gnadensonnesonne, die Binders (des Mörders) Haupt beglänzt, erfasst wird – und dadurch von der Strafe des Schafotts in die Sonnengnade Gottes erhoben, wodurch diese Versöhnung von Strafe und Gnade nicht durch die sonnenbestrahlten mitgebrachten Veilchen der Frau und deren Empfindsamkeit zustande kommt, die sie selbst erlebt, sondern durch die Abstraktion des Vorfalls auf einer höheren Ebene, die sie als solche gar nicht erkennt, aber als wirkliche zu verstehen meint, erfährt und als solche weitergibt −

dies ist für mich vergleichbar mit Artmanns dichterischen Versuchen, durch suggerierte Erinnerungen auf der Wort- wie Satzverknüpfungsebene Abstraktionen zu schaffen, die als wirkliche gelesen werden und wirken, zumindest im Gedicht, wenn nicht im wirklichen Leben, denn das hiesse…

somit: Danke HC Artmann, danke Ihnen, Hörer, Leser!

Ferdinand Schmatz, manuskripte, Heft 155, 2002

 

 

Der Mond isst Äpfel… sagt H.C. Artmann. Die H.C. Artmann-Sammlung Knupfer

Clemens Dirmhirn: H.C. Artmann und die Romantik. Diplomarbeit 2013

 

 

Adi Hirschal, Klaus Reichert, Raoul Schrott und Rosa Pock-Artmann würdigen H.C. Artmann und sein Werk am 6.7.2001 im Lyrik Kabinett München

 

„Spielt Artmann! Spielt Lyrik!“ (Teil 1)

„Spielt Artmann! Spielt Lyrik!“ (Teil 2)

 

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Nachrufe auf H.C. Artmann: FAZ ✝︎ Standart ✝︎ KSA
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Zum 100. Geburtstag des Autors:

Michael Horowitz: H.C. Artmann: Bürgerschreck aus Breitensee
Kurier, 31.5.2021

Christian Thanhäuser: Mein Freund H.C. Artmann
OÖNachrichten, 2.6.2021

Christian Schacherreiter: Der Grenzüberschreiter
OÖNachrichten, 12.6.2021

Wolfgang Paterno: Lyriker H. C. Artmann: Nua ka Schmoez
Profil, 5.6.2021

Hedwig Kainberger / Sepp Dreissinger: „H.C. Artmann ist unterschätzt“
Salzburger Nachrichten, 6.6.2021

Peter Pisa: H.C. Artmann, 100: „kauf dir ein tintenfass“
Kurier, 6.6.2021

Michael Stavarič: „Immer verneige ich mich, Herr Artmann“
Die Furche, 9.6.2021

Edwin Baumgartner: Die Reisen des H.C. Artmann
Wiener Zeitung, 9.6.2021

Edwin Baumgartner: H.C. Artmann: Tänzer auf allen Maskenfesten
Wiener Zeitung, 12.6.2021

Cathrin Kahlweit: Ein Hauch von Party
Süddeutsche Zeitung, 10.6.2021

Elmar Locher: H.C. Artmann. Dichter (1921–2000)
Tageszeitung, 12.6.2021

Bernd Melichar: H.C. Artmann: Ein Herr mit Grandezza, ein Sprachspieler, ein Abenteurer
Kleine Zeitung, 12.6.2021

Peter Rosei: H.C. Artmann: Ich pfeife auf eure Regeln
Die Presse, 12.6.2021

Fabio Staubli: H.C. Artmann wäre heute 100 Jahre alt geworden
Nau, 12.6.2021

Ulf Heise: Hans Carl Artmann: Proteus der Weltliteratur
Freie Presse, 12.6.2021

Thomas Schmid: Zuhause keine drei Bücher, trotzdem Dichter geworden
Die Welt, 12.6.2021

Joachim Leitner: Zum 100. Geburtstag von H. C. Artmann: „nua ka schmoezz ned“
Tiroler Tageszeitung, 11.6.2021

Linda Stift: Pst, der H.C. war da!
Die Presse, 11.6.2021

Florian Baranyi: H.C. Artmanns Lyrik für die Stiefel
ORF, 12.6.2021

Ronald Pohl: Dichter H. C. Artmann: Sprachgenie, Druide und Ethiker
Der Standart, 12.6.2021

Maximilian Mengeringhaus: „a gesagt, b gemacht, c gedacht, d geworden“
Der Tagesspiegel, 14.6.2021

„Recht herzliche Grüße vom Ende der Welt“
wienbibliothek im rathaus, 10.6.2021– 10.12.2021

 

 

Ausstellungseröffnung „Recht herzliche Grüße vom Ende der Welt!“ in der Wienbibliothek am Rathaus

 

Bild von Juliane Duda mit den Texten von Fritz Schönborn aus seiner Deutschen Dichterflora. Hier „Uferartmann“.

 

Ausschnitte aus dem Dokumentarfilm Die Jagd nach H.C. Artmann von Bernhard Koch, gedreht 1995.

 

H.C. Artmann 1980 in dem berühmten HUMANIC Werbespot „Papierene Stiefel“.

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