Poesiealbum 60 Extra für Richard Pietraß

Poesiealbum 60 Extra für Richard Pietraß

DEM DICHTER UND FRAGENSTELLER
RICHARD PIETRASS ZUM SECHZIGSTEN

Du gabst nicht Versen Geld,
obwohl es durchaus schien,
daß es sich so verhält,
in jedem Sinn sei’s Dir verziehn.

Du locktest aus dem Mund
des Dichters, der Dir gegenüber saß,
das was mit gutem Grund
er sich verschwieg. Ein Spaß

so spannend, daß im Raum
die Frage stand: Und jetzt,
wo kaum
was bleibt, was einer schreibt,

noch eh der Schlußstein hintenan gesetzt
und jeder’s mit dem Zeitgeist treibt?

Richard Anders

 

 

 

„Dichten ist ein Übermut…“

Notat ad honorem R. P.

„Ich saß mit spitzem Mund und hab gelauscht.“ – „Und ich sah des Lebens dünne Gärschicht / Ein Seidenlaken überm Nichts.“ – „Still stand ich zwischen allen Fronten…“ – Ich kenne keinen anderen deutschen Dichter der Gegenwart, der mutig und übermütig so oft ich sagt wie Richard Pietraß. Obwohl in der Moderne das Ich als „unrettbar verloren“ gilt. Doch ist das Ich in seinen Gedichten keine fix und fertige Größe, sondern eine prekäre Existenz, die eintaucht in alle Wasser der Welt. Andererseits den Kopf oben zu halten sucht: das Ich als Gegen-Stand zu jeglicher Doktrin und Fremdbestimmung. Natürlich, das lyrische Ich ist nicht das empirische, mit Bauch und Bart, aber sein Blutsbruder ist es dennoch. Ohne Erlebnis kein Gedicht, kein Gedicht auch ohne Spracherlebnis. Beim Punktuellen bleibt es nicht, Pietraß legt gleichsam (Sprach)Erlebnisstrecken an, Naturlehrpfade: das Ich als Vor-Gänger, auf dessen Spuren wir Sinnlichkeit und Sinn der menschlichen Natur erfahren. Naturverbundenheit? Naturgebundenheit wäre das treffendere, das unabgenutzte Wort, Gebundenheit auf Gedeih und Verderben. Es liebt und leidet, begehrt und verabscheut, jubelt und klagt stellvertretend – das Ich als Kunstfigur und Blutsverwandter. Ich las mit spitzem Mund und hab gelauscht.

Jürgen Engler, Vorwort

 

Das poetische Wort ist Richard Pietraß,

im Wechselspiel von Freiheitsgewinn und Ordnungssinn, „Tastende Hand / am Leib der Dinge“, um „den Raum des Sagbaren, letztlich Lebbaren, zu erweitern“. In diesem Verständnis sucht er stets den intensiven Dialog mit zeitgenössischer Dichtung, führt er darüber hinaus in der Reihe „Dichterleben“ im Literaturforum im Brecht-Haus zu Berlin das Gespräch über Leben und Schreiben zu einer eigenen Kunstform. Zu seinem 60. Geburtstag möchten Dichterinnen und Dichter in Gestalt dieses Poesiealbums, als dessen Herausgeber Richard Pietraß etliche Jahre zeichnete, ihren Gruß an den Jubilar entbieten. Das Literaturforum im Brecht-Haus, das diese Form der Referenz ermöglichte, gratuliert mit seiner Leiterin, Therese Hörnigk und den Mitarbeiterinnen Marit Gienke, Marianne Conrad und Gabriele Müller ebenso wie der Redakteur des Sonderheftes, Peter Geist, auf das Herzlichste.

Verlag Theater der Zeit, Klappentext, 2006

 

Richard Pietraß Lesung und Gespräch mit Sebastian Kleinschmidt am 27.3.2018 im Haus für Poesie

Richard Pietraß zum 70. Geburtstag:

Jan Wagner: Lob des Spreewals
Der Tagesspiegel, 11.6.2016

Stefan Sprenger: Dass der Mensch der Stil sein möge
Sprache im technischen Zeitalter, Heft 218, Juni 2016

Fakten und Vermutungen zum Autor + KLG 1 & 2
Porträtgalerie:  Galerie Foto Gezett
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Das Pietraß _______ Aus einem Bestiarium Literaricum, aufgefunden im Archiv des Museo Rhinum; übersetzt von Peter Böthig

 

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